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Jüdische Auswanderung · 1938-07-01 · Juli 1938 · p. Seite 32

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1938. Bestand LBI
Issue
Juli 1938
Date
1938-07-01
Page
Seite 32 (sequence 36)
Language
German
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Wege zur geistigen Einordnung 1. Geistige Einordnung ist etwas völlig anderes als krampfhafte Amerikanisierung. Gewiß ist es ein ungeheurer Vorteil für den Einwanderer, daß die amerikanische Kultur ihm nicht als etwas so Festgefügtes, eindeutig Gegebenes gegenübertritt wie etwa die französische, englische oder italienische. Aber trotzdem kann zum mindesten der im reiferen Alter Auswandernde nie im gleichen Sinn Amerikaner werden wie es der im Land geborene ist. Dabei hängt wenig davon ab, ob man mehr von deutschen oder mehr von jüdischen Voraussetzungen an das Problem herangeht. Der Einwanderer kann in Amerika engste Beziehungen zum nationalen Leben gewinnen — und Millionen von Einwanderern haben sie gewonnen, viele hunderte sind zu Führern geworden. Das ist möglich, weil die Stellung des Einwanderers in diesem Land der Immigration nichts Anormales ist, — die Vereinigten Staaten sind eben eine gemeinsame Unternehmung der europäischen Völker. Aber wie der erwachsene Einwanderer niemals das Englische ohne Akzent sprechen lernt, obwohl er nicht selten einen reicheren Wortschatz und einen besseren (nicht nur korrekteren) Stil besitzt als der geborene Amerikaner, so wird für ihn amerikanische Sitte und amerikanische Lebensauffassung niemals das Selbstverständliche, unbewußt Angenommene und Geübte sein. Es liegt an ihm, dieses scheinbare Defizit in Reichtum zu verwandeln, in Reichtum für sich wie für die anderen; das amerikanische Leben wäre ohne den Zustrom von Menschen und Ideen viel ärmer. Auch staatspolitisch ist das bewußte Bekenntnis des von Amerika überzeugten Immigranten zum amerikanischen Staatsgedanken eine wertvolle Ergänzung der oft undurchdachten Hinnahme amerikanischer Einrichtungen durch den geborenen Amerikaner. 2. Richtig begriffene geistige Einordnung ist für den Einwanderer absolut unerläßlich; selbst für die materielle Existenzgründung ist sie wichtiger, als viele Einwanderer denken. Geistige Einordnung in Amerika bedeutet vor allem das Begreifen, daß hier eine ganz große Menschheitsaufgabe zu vollenden ist. Der Kontinent ist erschlossen; die äußeren Bedingungen der Zivilisation sind in überreichem Maß vorhanden; aber diese Nation, in die Volkskräfte aus allen anderen Nationen eingeströmt sind, hat geistige und seelische Energien, die viel mehr als materiellen Reichtum schaffen können und auch nach viel mehr als materiellem Reichtum streben. Nicht nur die Besiegung der äußeren Schwierigkeiten, sondern noch viel mehr die inneren Reibungen zwischen den ursprünglich fremdartigen Volkselementen haben in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten amerikanischer Geschichte so viel von jenen Energien verzehrt, daß heute Amerika seinen Weg zu manchen und durch manche Probleme erst finden muß, mit denen Europa schon seit Jahrzehnten ringt. Mit anderen Worten, Amerika wird die Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert überschreiten müssen. Aber seine große Aufgabe ist es, dabei die Sackgassen zu vermeiden, in die der europäische Geist im 20. Jahrhundert geraten ist. 3. Daß der Einwanderer etwas von dieser Aufgabe begreifen soll, heißt natürlich nicht, daß er sich zunächst kulturphilosophischen Studien zu widmen habe. Aber er soll die Haltung des Mußamerikaners loswerden. Gewiß, er wird in vielen Fällen einfach deshalb nach Amerika kommen, weil seine Verwandten in Chicago und nicht in Johannesburg leben, oder weil er kein Zertifikat für Palästina bekommen konnte. Darüber braucht er weder sich noch anderen etwas vorzumachen. Nur sehr wenige von den Vorfahren der 130 Millionen Amerikaner haben Amerika gewählt, weil sie glaubten, daß es das einzige Land sei, das ihren innersten Wünschen Genüge tun könne. Warum der Einwanderer nach Amerika kam, ist unwichtig; aber unendlich wichtig ist für ihn, seinem Dasein in Amerika einen Sinn zu geben, der nicht nur darin beruht, daß er hier sein Leben verdienen kann. Dazu braucht er nicht dicke Bücher zu lesen, obwohl etwas amerikanische Geschichte sehr nützlich ist. Aber er soll vor allem seine Augen aufmachen, in jedem Sinn. Kein Mensch verdenkt ihm die Sehnsucht zurück, jeder oder doch fast jeder Amerikaner versteht EMIGRANTEN-TRANSPORTE am besten und billigsten durch nsöeS ^\Vfc&W Spedtt°n*r ^V^*1 ,\9er Ru «TO*»* \iv ,Vvaber; V.0 0>N*6 ^6£R .V4r.V>27*5 60 Ser»e ^Ifctf {•% S* \zö^eS 18 -Te\ Speditionsagentur verschiedener Schiffahrtsgesellsch. Spezial-Verkehre nach HAMBURG und TRIEST

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