Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand LBI
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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den ölproduzierenden Ländern der Welt stand, nachdem es im Jahre 1921 sogar schon an zweiter Stelle gestanden hatte. Von dieser Produktion wurden 24,6 Millionen Barrels exportiert. Außerdem besteht ein erheblicher Teil der mexikanischen Ausfuhr aus den Derivaten des Petroleums (Gasolin, Paraffin, Schmieröl usw.). Große Probleme für die mexikanische Petroleum-Industrie bestehen aber in den häufigen Konflikten in der Arbeiterschaft, den Streiks, der Unsicherheit der Besitztitel, der außerordentlich hohen Steuerlast usw.; wurde doch berechnet, daß im Jahre 1934 28 o/o des Gesamtwertes der Produktion auf Steuern entfielen, und seit dieser Zeit haben die Produzenten noch mit erheblichen zusätzlichen Lasten und Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Petroleumindustrie zahlt weitaus die höchsten Arbeitslöhne von allen Industriezweigen. Im Nordosten von Mexiko forscht man zur Zeit nach neuen Feldern. 3. Die Industrie Wenn auch die mexikanische Volkswirtschaft heute noch ganz überwiegend auf der Landwirtschaft und der Ausbeutung der Bodenschätze (Metalle und Petroleum) aufgebaut ist, so geht doch die Entwicklung auf einen immer stärkeren Ausbau der verarbeitenden Industrie hin, wobei man sich in Regierungskreisen darüber klar ist, daß noch sehr lange Zeit vergehen wird, bis Mexiko in nennenswertem Maße als Exporteur von Industriewaren in Frage kommt. Dagegen ist es schon jetzt möglich, die Einfuhr industrieller Fertigwaren immer mehr auf diejenigen Produkte zu beschränken, die zum Auf- und Ausbau einer eigenen Industrie und des Verkehrswesens notwendig sind, während bloße Konsumwaren (ausgeschlossen Luxusgegenstände) immer mehr von der einheimischen Industrie hergestellt werden. Es besteht also unzweifelhaft eine Tendenz zur Autarkie, die durch Zollpolitik stark gefördert wird. Für diese Entwicklung ist folgendes bezeichnend: Die wichtigsten Industriezweige sind einmal die Nahrungsmittel- und Getränkebranche (einschließlich Brauereien und Zuckerraffinerien), in denen allein ein Kapital von 42 Millionen $ investiert ist, andererseits aber die Textilindustrie, mit deren Entwicklung fast überall die Industrialisierung eines Landes beginnt. In der mexikanischen Textilindustrie sind etwa 10 o/o des gesamten Wertes der industriellen Anlagen des Landes investiert (75 Millionen $), während die Produktion sogar 21 o/0 des gesamten industriellen Produktionswertes ausmacht. Tatsächlich wird auch der gesamte heimische Verbrauch gedeckt. Im Gegensatz zur üblichen Praxis anderer Länder wird hier meist der gesamte industrielle Produktionsprozeß — das heißt Spinnen, Weben, Färben, Drucken usw. — in derselben Unternehmung durchgeführt. Es bestehen im Lande weit über 300 Baumwollfabriken, von denen einige auch eingeführtes Rayongarn verarbeiten; ferner bestehen 31 Fabriken, die Wollvvaren herstellen. Die Bedeutung der einzelnen Textilfabriken ist ganz verschieden; während manche nur ein paar Webstühle haben, besitzen die größten Werke in Orizaba 5000 Webstühle, 150 000 Spindeln und ein Dutzend moderne Druckmaschinen. Diese Industrie konzentriert sich hauptsächlich im Bundesdistrikt und in den Staaten Vera Cruz und Puebla. Einige Jutefabriken, welche fast den ganzen Landesbedarf an Säcken decken, benutzen in zunehmendem Maße einheimische Faserstoffe (besonders Hennequen); diese Industrie ist besonders in Yucatan ansässig. Von sonstigen Industrien sind besonders folgende hervorzuheben : Metallwarenfabriken stellen Eisen-, Stahl-, Nickel-, Zinn- und Kupferwaren her, wie z. B. Bettstellen, Büchsen, Safes, Uhrgehäuse, Kurzwaren und Nägel; sie befinden sich hauptsächlich im Eigentum von mexikanischen und spanischen Staatsangehörigen. Es bestehen auch vier Flugzeugfabriken im Lande. Der Mittelpunkt der Zi g ar r e n - I n d u s t r i e ist Vera Cruz; der Wert der in diesem Zweig (Zigarren- und Zigaretten-Industrie) angelegten Kapitalien wird auf 15 Millionen $ geschätzt. Töpferwaren werden in Guadalajara, und Glas wird in Puebla fabriziert. 200 Fabriken stellen jährlich 3 bis 31/2 Millionen Schuhe her. Ferner sind 6 Papiermühlen vorhanden und die Z e m e n t industrie weist 7 Fabriken mit einer Kapazität von 2,3 Millionen Barrels auf. Eine Mälzerei wurde in Monterrey errichtet. Die Herstellung von Autoreifen ist schon bedeutend und wächst ständig. Leinweberei ist eine neue aufblühende Industrie in Oaxaca. Die mexikanische Produktion deckt den Inlandsbedarf an folgenden Gegenständen: Schuhe, Automobilreifen, Obstkonserven, Parfüms, Zündhölzern, Zement, Bier, Seife, Papier, Biskuits, Zigaretten, Glas- und Töpferwaren und Rasierklingen. In jüngster Zeit sind Unternehmungen meist kleineren Umfanges in folgenden Industriezweigen neu errichtet worden: Herstellung von Baumaterialien, Emaille- und Aluminiumwaren, Fensterglas, Flaschen, Farben und Lacke, Fleisch- und Fischkonserven u. a. Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Automobilismus hat zuerst Ford, und jetzt auch General Motors, ein Montagewerk errichtet; das der letztgenannten Firma soll nur Lastwagen herstellen. Der rapid ansteigende Touristenverkehr (besonders aus den Vereinigten Staaten) führt dazu, daß das heimische Kunstgewerbe der Eingeborenen (insbesondere die Herstellung von Teppichen, Töpferwaren, Strohmatten und Holzwaren) einer schnellen Kommerzialisierung anheimfällt. — Ferner gibt der Aufschwung des Touristenverkehrs auch der Hotelindustrie einen starken Auftrieb, besonders — aber nicht ausschließlich — in Mexiko City. — Der Touristenverkehr und die von ihm lebenden Industriezweige dürften noch einen weiteren Aufschwung nehmen mit der Entwicklung der panamerikanischen Autostraße, die von den Vereinigten Staaten bis tief hinunter nach Südamerika führt. Insgesamt existierten in Mexiko nach einer Industriezählung von 1935, die alle Unternehmungen mit einem Produktionswert von mehr als 7500 Pesos jährlich erfaßte, 8156 industrielle Unternehmen mit einem investierten Kapital von 654,8 Millionen Pesos. Die Zahl der in diesen Unternehmungen beschäftigten Arbeiter betrug 269 757; ihre Lohnsumme 122 Millionen Pesos. Arbeiter und Angestellte zusammen verdienten etwa 170,2 Millionen Pesos. Inländisches Material wurde im Werte von 357,9 Millionen Pesos, ausländisches im Werte von 88,6 Millionen Pesos gebraucht. Der Wert der gesamten Produktion betrug 874,5 Millionen Pesos. Ein sehr erheblicher Teil dieser industriellen Unternehmungen — der Produktion nach der vierte, der Lohnsumme nach der fünfte Teil — liegt im Bundesdistrikt Mexiko-City. Was die für die künftige Entwicklung Mexikos als Industrieland so wichtige Frage der Arbeitskräfte angeht, so steht Eingeborenenarbeit nicht nur im Ueberfluß zur Verfügung und ist billig, sondern der mexikanische Arbeiter eignet sich auch moderne Methoden rasch an, wenn er nur sorgfältig angeleitet wird. Doch bildet die große soziale Spannung zwischen Unternehmern und Arbeitern und die revolutionäre Unruhe der letzteren eine große Belastung der industriellen Zukunft des Landes. 4. Verkehr Mexiko verfügt über ein ausgedehntes und gut angelegtes Eisenbahnnetz, das zu den besten aller latein-amerikanischen Länder gehört. Nahezu das gesamte Eisenbahnnetz — 11432 km Schienenlänge im Jahre 1932 — ist im Staatsbesitz. In letzter Zeit wurde eine Anzahl größerer Eisenbahnprojekte in Angriff genommen. Der Wert des in den mexikanischen Eisenbahnen angelegten Kapitals wurde 1934 auf 1,38 Milliarden Pesos geschätzt. Auch der Straßenbau wird von Regierungsseite gefördert, hauptsächlich, um den Touristenverkehr mit den Vereinigten Staaten zu heben. So wurde die neue 478 km lange Straße von Mexiko-City nach Laredo an der Grenze von USA. bis auf ein kleines Stück vollendet. — 1934 wurden 86 560 Automobile in Mexiko gezählt. In einem so gebirgigen Lande wie Mexiko ist das Flugwesen von größter Bedeutung. Mit Hilfe der P an- American-Airways und ihrer zahlreichen Tochtergesellschaften sind Flugverbindungen nach allen Teilen des Landes hergestellt worden; insgesamt werden von 19 Gesellschaften etwa 21 000 km beflogen, und neue Linien werden ständig in Angriff genommen. — Von Mexiko-City nach New York fliegt man nur 21 Stunden! Die innermexikanische Fluß-Schiffahrt tritt gegenüber dem Eisenbahnwesen und dem Straßenbau in den Hintergrund, da nur sehr wenig schiffbare Flüsse im Lande vorhanden sind. — Die Entwicklung der Küstenschiffahrt ist durch die Küstengestaltung, die wenig natürliche Häfen bildet, stark 70