Mannheim
Compact Memory

Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 68

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand LBI
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 68 (sequence 74)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492429-9991065-9587945--442-9588019
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

M e r i d a ist die Hauptstadt des Staates Yuoatan und liegt unweit der Nordküste aut der Halbinsel gleichen Namens. In ihrer Umgebung werden landwirtschaftliche Produkte angebaut, hauptsächlich Hennequen bzw. Sisal. Die Fasern dieser Pflanzen werden in Mexiko industriell verwertet, teilweise exportiert. T a in p i c o ist der bedeutendste Hafen des Landes; es verdankt seine Entwicklung der Entdeckung von Petroleumgebieten. Die Stadt liegt an zwei wichtigen Eisenbahnen, von denen die eine nach Westen in die Bergbaugebiete von San Luis Potosi führt, die andere nordwestlich nach Monterrey. Das Stadtbild ist ganz den Verhältnissen der Vereinigten Staaten angeglichen. Vera Cruz, ehemals der wichtigste Hafen des Landes, ist der Umschlagsplatz für das mittelmexikanische Hochland, insbesondere für Mexiko-City. Der Hafen ist vor einiger Zeit modernisiert, und die Stadt selbst mit modernen sanitären Anlagen versehen worden. Nachstehend geben wir die Einwohnerzahlen der wichtigsten Städte: Mexiko-City (mit Vororten) Guadalajara Monterrey Puebla Merida San Luis Potosi Leon Tampico Vera Cruz 960 905 1 029 068 179 539 132 577 114 793 91931 74 003 69 403 68 126 67 494 2. Klima und Gesundheits Verhältnisse Mexiko weist infolge seiner Ausdehnung über viele Breitengrade und seiner zum Teil sehr gebirgigen Natur die größte Vielfalt an klimatischen Bedingungen auf; im allgemeinen richtet sich das Klima seiner einzelnen Landesteile weniger nach dem Breitengrad als nach der Höhe über dem Meeresspiegel. Es sind drei Zonen zu unterscheiden: 1. Die heiße Zone ist das Küstenvorland und das Küstenflachland der Halbinsel Yucatan bis zur Höhe von ungefähr 1000 m, mit Niederschlägen von etwa 770 bis 850 mm. Klima und Vegetation sind hier tropisch. Es gedeihen Palmen, Zuckerrohr, Reis, Kakao, Sisalhanf, tropische Nutz- und Farbhölzer und in den Höhenlagen Kaffee. Die Jahresdurchschnittstemperatur von Vera Cruz ist 25,2° C. Kältester Monat ist der Dezember (21,6° C), wärmster der August (27,6° C). 2. Die gemäßigte Zone bilden die Gebiete in Höhe von etwa 1000—2000 m über dem Meere mit durchschnittlichen Niederschlägen von 660—770 mm. Hier ist das Klima subtropisch mit entsprechender Vegetation (Kaffee, Vanille, Zuckerrohr, Mais, Weizen, Eichen, Kiefern) . In manchen Gegenden kommen Nachtfröste vor. Jahresdurchschnittstemperatur von Saltillo (1604 m) ist 17,5° C. Kältester Monat: Dezember (11,3° C), wärmster: Juli (22,9° C). 3. Die kalte Zone liegt in einer Meereshöhe von ca. 2000 m und darüber und hat durchschnittlich Niederschläge von 480—660 mm. In den Wintermonaten treten zum Teil sogar starke Fröste auf. In diesen Gebieten finden wir europäischen Getreidebau, Kartoffel- und Obstanbau. Kakteen und Agaven sind typisch für das Landschaftsbild. Die unbebauten Strecken sind teils subtropische Steppenlandschaft, teils Wälder von Eichen, Kiefern, Weiden und Eschen usw. Die Jahresdurchschnittstemperatur von Mexiko-City (2278 m) beträgt 15,3° C. Kältester Monat: Dezember (11,9° C), wärmster: Mai (18,3° C). Die Temperaturen in der gemäßigten und kalten Zone zeigen große Schwankungen; da die Wärmeunterschiede zwischen Tag und Nacht, und zwischen sonniger und schattiger Lage sehr bedeutend sind. Die Niederschlagsmengen sind in allen drei Zonen sehr verschieden verteilt. Die Hauptregenzeit für das ganze Land liegt in den Monaten Mai bis Oktober. Die regenreichsten Gebiete liegen am Atlantischen Ozean. Der gesamte Nordwesten ist sehr trocken, nach Süden zu wird das Land regenreicher und das Klima milder. Die Gesundheitsverhältnisse sind in der kalten und gemäßigten Zone im allgemeinen günstig zu nennen. In den hochgelegenen Gebieten, auch in der Hauptstadt, sind jedoch Krankheiten der Atmungsorgane und Luftwege infolge des jähen Temperaturwechsels zwischen Tag und Nacht, der bis zu 20° C beträgt, und infolge häufiger kalter Winde und großen Staubes sehr häufig. Auch rheumatische Erkrankungen sind in Mexiko nicht selten. Die große Höhe vieler Gebiete Mexikos ist für Herzkranke gefährlich. In den Gebieten des heißen Klimas treten Malaria, Dysenterie und Wechselfieber auf. 3. Bevölkerung Die Gesamtbevölkerung Mexikos wurde Ende 1935 —■ wohl etwas hoch — auf 18 526 358 Seelen geschätzt. Der größte Teil ist rein indianischer oder überwiegend indianischer Herkunft. Eine Schätzung nennt folgende Zahlen: Reine Weiße 10 o/0 Reine Indianer 30 °/o Mischlinge (Mestizen) 60 o/o Die Kreolen, rein weiße Nachkommen der spanischen Eroberer, bilden die einheimische Oberschicht und sind die Besitzer der großen Güter. Die Millionen von Mestizen üben zumeist untergeordnete Berufe in den Städten aus, während sich in den ländlichen Gebieten die Indianer vielfach rein erhalten haben. Neben diesen Bevölkerungsgruppen gibt es noch eine geringe Anzahl von Negern, Mulatten und Chinesen. Von außerordentlicher wirtschaftlicher und politischer Bedeutung sind die in Mexiko lebenden Ausländer. Während zahlenmäßig die eingewanderten Spanier an der Spitze stehen, denen die Guatemalteken und die US. - Amerikaner folgen, ist der Einfluß dieser letztgenannten weitaus der stärkste. Infolge dieser Machtstellung der Yankees einerseits, der großen Verschiedenheit zwischen angelsächsischem und lateinamerikanischem Wesen andererseits herrscht eine tiefgehende Spannung zwischen dem Volk und den meist im Dienst großer Kapitalinteressen stehenden Amerikanern. Die Zahl der Reichsdeutschen wird gegenwärtig auf 6300 Köpfe, die der Stammesdeutschen auf 17 000 geschätzt. 4. Regierung und Innenpolitik Die Republik Mexiko ist ein Bundesstaat, der aus 27 Einzelstaaten, 2 Territorien und einem Bundesdistrikt (Mexiko-City) besteht. Die Einzelstaaten haben weitgehende Hoheitsrechte und Selbstverwaltung. Die Verfassung von 1917, die 1929 und 1933 zum Teil geändert wurde, zeigt den starken Einfluß des nordamerikanischen Vorbildes. Während die Exekutive dem Bundespräsidenten untersteht, der auf sechs Jahre auf Grund einer allgemeinen direkten Wahl bestellt wird, liegt die Legislative bei dem Kongreß, der aus zwei Häusern besteht: die Abgeordnetenkammer wird nach allgemeinem Wahlrecht, das seit 1936 auch die Frauen einschließt, auf drei Jahre gewählt (je 1 Abgeordneter für 100 000 Wähler); der Senat besteht aus 58 Mitgliedern, d. h. es kommen je zwei Senatoren auf jeden Einzelstaat und den Bundesdistrikt. Die Legislaturperiode des Senats beträgt 6 Jahre. Mexikos Geschichte ist durch häufige Revolutionen charakterisiert; auch die augenblicklichen politischen Verhältnisse sind nicht stabil. Zwar hält der Präsident Lazaro Cardenas die Zügel fest in der Hand, aber er hat mit starken Widerständen zu kämpfen; erstens aus Arbeiterkreisen (wofür die häufigen Streiks und Unruhen bezeichnend sind) und zweitens von Seiten der katholischen Kirche, mit der es nach jahrelangem Kulturkampf noch nicht möglich war, in ein befriedigendes Verhältnis zu kommen. Augenblicklich werden die innenpolitischen Spannungen in Mexiko noch durch die sehr geteilten Sympathien der Parteien gegenüber dem spanischen Bürgerkrieg verschärft. Im Grunde ist die mexikanische Innenpolitik nicht zu verstehen ohne Kenntnis der sozialen Schichtung, die durch das Fehlen eines einheimischen Mittelstandes charakterisiert ist und auf der einen Seite eine dünne Oligarchie von Großgrundbesitzern rein oder überwiegend weißer Abstammung, auf der anderen Seite aber eine überaus arme vorwiegend indiani- 68

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.