Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand LBI
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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erweisen wird. Diese Erhöhung der Ausgaben fand in erster Reihe für soziale Zwecke (besonders Pensionen) statt, ferner für kulturelle Zwecke, und endlich diente sie der Aufhebung der 1931 während der Krise eingeführten Lohn- und Gehaltskürzungen. Nicht in den obigen Zahlen enthalten sind die Aufwendungen für Oeffentliche Arbeiten, die vor allem der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit dienen sollten. Die Arbeitslosigkeit sank bei der Besserung der Konjunktur erheblich, nämlich von 32 000 Ende März 1936 auf noch nicht 28 000 Ende März 1937. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen setzte sich folgendermaßen zusammen (im März 1937). Der größte Teil (fast 19 000) empfing Unterstützung ohne zu arbeiten, etwa 6600 waren Kurzarbeiter und 2300 empfingen überhaupt keine Unterstützung. Schließt man die Zahl der bei öffentlichen Arbeiten voll Beschäftigten ein, so erhält man für März 1937 eine Gesamtzahl von 34 526 gegen 54 529 im Vorjahr. Aber trotz der Besserung der Konjunktur und der damit verbundenen natürlichen Abnahme der Arbeitslosigkeit stiegen die Ausgaben für Oeffentliche Arbeiten außerordentlich: in den neun Monaten vom 1. April bis 31. Dezember 1936 wurden 2,37 Millionen £ N. Z. gegen 1,0 Millionen in der gleichen Zeit des Vorjahres ausgegeben. Es liegt — wenn man von der Erhöhung der Ausgaben als solcher schon absehen will — auf der Hand, daß das konjunkturausgleichende Moment öffentlicher Arbeiten völlig verlorengeht, wenn bei starker Besserung der Konjunktur die Ausgaben für öffentliche Arbeiten derart gesteigert werden. 7. Konjunktur Infolge ihrer früher dargelegten außerordentlichen Abhängigkeit vom Außenhandel, und zwar von den Exportpreisen für einige wenige Standard-Produkte, befindet sich die neuseeländische Wirtschaft zur Zeit, nach dem starken Preisanstieg für Wolle, Butter, Käse und Fleisch, in einer recht günstigen Konjunktur, wie aus folgendem hervorgeht: In dem Jahr vom 1. April 1936 bis 31. März 1937 waren sowohl die Exporte wie die Importe wesentlich höher als in den vorangegangenen Rechnungsjahren; die Exporte beliefen sich auf 60,235 Mill. £ N. Z. gegen 49,676 Mill. £ N. Z. für 1935/36; die Importe betrugen im letzten Jahr (1936/37) 47,621 Mill. £ N. Z. gegen 37,440 Mill. £ N. Z. im Vorjahr. Vom Gesamt-Export entfielen auf Molkerei-Produkte nicht weniger als 21,765 Mill. £ N. Z., d. h. 36 o/0 des Gesamtwertes. Die Quantität der gesamten Exporte an diesen Produkten betrug 245 754 t, d. h. beinahe 17 000 t mehr als im Vorjahr; der Wert stieg um über 3 Mill. £ N. Z. Der Exportpreis für Butter betrug 11,6 d für das englische Pfund gegen 11 d im Vorjahr, während der Käse dieses Jahr 6,6 d einbrachte, was einen Preisanstieg von 1 d bedeutete. Die besseren Preise, die für diese Produkte erzielt wurden, waren deshalb für die Regierung von so großer Wichtigkeit, weil seit dem August 1936 der Staat dazu übergegangen ist, den Absatz der Ausfuhr-Erzeugnisse der neuseeländischen Milchwirtschaft selbst in die Hand zu nehmen und dem Farmer einen garantierten Preis zu zahlen. Dieser Preis betrug z. B. für erstklassige Butter etwas weniger als 12,6 d und für erstklassigen Käse 6,8 d (immer für das englische Pfund). Als diese Regelung zuerst in Kraft trat, war der tatsächliche Preis auf dem englischen Markt etwas höher als die Abnahmepreise der neuseeländischen Regierung, aber im September 1936 gaben die Preise nach, und im Januar 1937 sah es ganz so aus, als ob die Regierung ein sehr erhebliches Defizit aus dieser Export-Regelung zu tragen hätte. Nachdem aber seit März wieder ein beträchtlicher Preisanstieg zu verzeichnen war, dürfte die Regierung aus dem ersten, sozusagen experimentellen Stadium der staatlichen Absatzregelung ohne Verlust davonkommen. Für die Erzeugnisse des nächsten Wirtschaftsjahres wird die Regierung vermutlich neue Preise festsetzen, was um so dringender ist, als die Farmer nachdrücklich darauf hinweisen, daß infolge der sozialpolitischen Gesetzgebung der Arbeiter - Regierung die Erzeugungskosten im Steigen begriffen seien, so daß bereits die jetzigen Preise unlohnend geworden seien. Es liegt auf der Hand, daß unter diesen Umständen ein Preisrückschlag auf dem britischen Markt für die neuseeländischen Staatsfinanzen, möglicherweise aber auch für den Wirtschaftsfrieden des Landes, von recht bedenklichen Folgen sein könnte. Während die Regierung sich eine Zeitlang mit dem Gedanken trug, auch für andere wichtige Export-Produkte, wie vor allem Wolle, eine staatliche Absatzregelung der oben geschilderten Art einzuführen, scheint dieser Plan jetzt aufgegeben zu sein. Im vergangenen Jahre waren die Wollpreise ausgezeichnet und betrugen per Ballen £ 18.14.7 im Durchschnitt, was einen Preisanstieg um fast ein Drittel gegen das Vorjahr bedeutete; gleichzeitig hob sich auch der neuseeländische Woll- Export der Menge nach um nicht weniger als 40 000 Ballen, so daß der Gesamterlös des Woll-Exports um über 5 Mill. £ größer war als im Vorjahr. Irgendwelche nennenswerten Wollvorräte waren beim Ablauf des Wirtschaftsjahres in Neu-Seeland nicht mehr vorhanden. Die Preisentwicklung für das exportierte Fleisch war nicht so befriedigend, doch hob sich der gesamte Exporterlös immerhin um 750 000 £ N. Z. und betrug insgesamt 13,044 Millionen £ N. Z.; diese Zunahme des Exporterlöses trat trotz einer Abnahme der exportierten Menge ein. Was die steigenden Preise für die wichtigsten neuseeländischen Erzeugnisse im ganzen für die neuseeländische Wirtschaft bedeuten, zeigt sehr deutlich folgende Gegenüberstellung : Exporterlöse (in 1000 £ N. Z.) Ware 1936 1935 Ware 1936 1935 Butter...... 15 318 13 617 Frische Aepfel . . 553 467 Käse........ 5 122 4 377 Schaffelle..... 1 246 894 607 791 Kaninchenfelle . . 764 395 Lammfleisch .... 8 417 8185 Wolle....... 13 294 7 097 Hammelfleisch . . . 1 673 1838 Talg........ 628 631 Schweinefleisch . . 1 602 1308 Gold....... 1 399 1 442 Wursthäute .... 641 787 Der besonders starke Preisanstieg für Wolle ist zum großen Teil auf den Handelskrieg zwischen Australien und Japan zurückzuführen. Für die Zukunft der neuseeländischen Wirtschaft wird es in hohem Maße entscheidend sein, bis zu welchem Grade die Regierung der Arbeiterpartei ihre Staatss.ozialistischen Pläne durchführt. Ein wichtiger Schritt auf dem Wege zur Steuerung der Wirtschaft wurde vorigen Oktober mit dem Industry Efficiency Act getan, der auch das Gebiet der Handelspolitik stark berührt. Dieses Gesetz geht von dem Gedanken aus, daß nur solche Waren eingeführt werden sollen, die im Lande selbst nicht hergestellt werden; und durch die Beherrschung der Zentralbank ist die Regierung auch in der Lage, nur in diesem Sinne Devisen an den Handel gelangen zu lassen. Infolgedessen kann der Minister für Industrie und Handel tatsächlich bestimmen, welche Industriezweige im Lande selbst entwickelt werden sollen. Zur Vorbereitung solcher Entscheidungen dient der Regierung ein amtlich geleitetes, aber zum Teil mit ausgewählten Privatleuten besetztes Industrie-Büro; dieses stellt VERSICHERUNGEN FÜR AUSWANDERER Spez. Umzugsgutversicherung (Voller Deckungsschutz, Spezialpolice für Auswanderer, prompte Schadensregulierung durch die Havariekommissare, in allen Teilen der Erde) / Lebensversicherungen / Renten GEORG CASSIRER, BERLIN-WILMERSDORF, TRAUTENAUSTRASSE 15 Tel.: 87 34 85 61