Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand LBI
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn sie mit dem Vorsatz herkommen, dieses Land als ihre neue Heimat zu betrachten, und den festen Willen haben, sich einzuleben, werden sie wenig Schwierigkeiten haben. Die Australier sind ganz außerordentlich hilfsbereit, aber die Gewerkschaften sind gegen jede Einwanderung. Die Löhne sind gesetzlich festgelegt, und kein Einwanderer soll sich einbilden, daß er durch Unterbieten der Löhne am schnellsten weiterkommt. Der Normalaustralier erscheint uns in der Mentalität sehr verschieden vom Europäer, insofern als es ihm eigentlich immer gut gegangen ist und er das Bestreben hat, das Leben zu genießen und es sich gut gehen zu lassen. Sport spielt hier eine ungeheure Rolle, dafür gibt es kein Theater, kaum Konzerte, aber reichlich Kinos. Wer Tennis oder Golf spielen kann, hat es sicher leichter hier als der hochgeistig Eingestellte. Normalerweise wohnt man hier in Eigenhäusern, aber auch in gemieteten. Neuerdings sind eine große Zahl von Häusern in Fiats unterteilt und ganze Mietshäuser gebaut worden, die aber sehr teuer sind. Die Mieten sind sehr abhängig von der Gegend. Boardinghaus ist billiger als eigene Wohnung, wenn man in ein einfaches geht." Dem längeren Schreiben eines Auswanderers entnehmen wir folgende Angaben über Lebenshaltungskosten: Sydney, 22. April 1937 „Als Lebensunterhalt dürfte eine Familie von vier Personen gegen £A 4 pro Woche benötigen bei einfachster Lebensführung; es kommen auch Leute schon mit £A 3.10 aus. Bei nicht zu hohen, aber durchaus normalen bürgerlichen Ansprüchen dürfte man jedoch £A 5 bis £A 6 benötigen. Ein Straßenbahnschaffner erhält pro Woche £A 4, ein ungelernter Arbeiter £A 3.10. Nahrungsmittel sind sehr billig. Nicht billig sind Wohnungen; Ausgaben für sie dürften den deutschen Verhältnissen entsprechen." Die folgende Stelle stammt aus dem Brief eines ^jährigen Jungen, der seine ersten Eindrücke nach der Landung schildert. Sydney, 11. Januar 1937 „Als wir in Fremantle a'n Land gingen, waren alle sehr erfreut, endlich wieder in eine Stadt zu kommen, in der .nur Weiße leben. Am Hafen wurden alle Juden aus Deutschland abgeholt und im Auto durch Perth, die nächste größere Stadt neben Fremantle, gefahren. Dadurch haben wir einen sehr schönen Eindruck von einer australischen Stadt bekommen. Die meisten Leute wohnen hier, in Sydney und Melbourne noch mehr, in kleinen Einfamilienhäusern mit sehr nett angelegten Gärten. Man sieht hier keine Mietskaserne oder ein Wohnhaus mit vielen Stockwerken wie in europäischen Städten. Ueberall sind Parkanlagen und botanische Gärten. Die Straßen sind alle sehr breit, und überall kommt Licht, Luft und Sonne hin. Drei Tage nach Fremantle, nach einer stürmischen Fahrt durch die australische Bucht, lag das Schiff in Adelaide, der Blumenstadt von Australien. Es ist ungefähr genau so wie Perth, vielleicht noch etwas farbenprächtiger." Endlich geben wir einige Stellen aus dem Brief einer besonders gut orientierten, mit dem jüdischen Komitee in Sydney zusammenarbeitenden Dame — einer Auswanderin aus Deutschland, die schon mehrere Jahre in Australien lebt. Sydney, 6. Februar 1937 „Ich kenne wohl alle Schicksalsgenossen hier in Sydney. Bisher ist noch keiner untergegangen; aber viele leben sehr bescheiden und kämpfen sich sachte durch und vielleicht hoch. Wir hatten neulich eine kleine Zusammenkunft, denn ich möchte, ohne einen Klub zu gründen, die Mitarbeit und das Interesse unserer Gruppe für die Arbeit des Komitees gewinnen. Schätzungsweise sind etwa sechzig Leute in Sydney, darunter einige Familien, die mit Geld kamen und versuchen, als geschäftliche Vertreter oder in ähnlicher Weise zu arbeiten. Ein Chemiker hat ein Carnegiestipendium an der Universität hier, ein Biochemiker ist Leiter des Forschungsinstituts eines Krankenhauses. Ein Journalist ist hier und hat es ziemlich schwer, ein paar junge Leute sind als kaufmännische Angestellte (durch freundschaftliche Vermittlung) untergekommen, ein Arzt arbeitet ohne Anerkennung der B. M. A., ein paar Leute leben mit Verwandten, und, soweit weiblich, helfen sie im Haushalt. Eine ausgezeichnete Stelle hat einer als Manager einer Schuhfabrik, da er Spezialist darin ist. Ein Musiker, der schon lange hier ist, scheint allmählich Anerkennung zu finden. Ich selber habe teilweise an der sozialen Schule unterrichtet, teUweise Deutsch an der Universität und privat. Dann etwas Volkshochschularbeit. Im ganzen muß jeder seinen Weg finden. Wir helfen dabei, soviel wir können. Die Schwierigkeit ist die Erlangung der Einwanderungserlaubnis. Und dann sagen Sie Ihren Leuten, es ist ein Irrtum, zu glauben, daß mit geographischer Entfernung die Chancen wachsen müssen. Und sozusagen die sozialen Dimensionen sind in einer Bevölkerung von 7 Millionen über einen ganzen Erdteil klein. An Einwanderung von Gruppen, an große organisierte Einwanderung ist bei der Denkweise der Bevölkerung nicht zu glauben. Es ist Fall-zu-Fall-Arbeit. Viel kommt auf das Benehmen unserer Emigranten hier an. Schlechtes Benehmen ist unbri lisch und würde der ganzen Gruppe schaden. Im ganzen machen wir leicht Freunde mit Australiern und assimilieren uns schnell, halten dabei freundschaftliche Fühlung untereinander." HECHT «fc DAVID BRESLAU, Ring 29 Sie finden bei uns an Stoffen für Ihre Ausrüstung alles, was Sie brauchen! Seiden-, Woll-, Herrenstoffe Raumwollenu. Iieinenstoffe 5 I L B E R 5 T E I N 3. C 0 7T~e n u^J^Jj» BERLIN S036 REICHENBERGER STRASSE 154 48