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Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 47

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand LBI
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 47 (sequence 51)
Language
German
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England und in Australien sind die persönlichen und charakterlichen Eigenschaften mindestens ebenso wichtig wie die sachliche Qualifikation. Der Neuankömmling wird hier mit großer Freundlichkeit und vor allem großem Interesse aufgenommen. Man sucht ihm behilflich zu sein, man sucht ihm Bekannte zu verschaffen. Erweist er sich als ein „good fellow", so wird es ihm nicht schwer, sich Freunde zu schaffen. Wird er jedoch als „not fair" erkannt, so hat er ausgespielt, und was noch schlimmer ist, er verdirbt die Stimmung anderen gegenüber. Von der richtigen Auswahl hängt daher vieles ab. Dies gilt auch auf einem anderen Gebiet. Jeder Auswanderer sollte darauf hingewiesen werden, daß ihm hier eine politische Betätigung, gleichviel in welcher Richtung, sehr verübelt wird, unter Umständen sogar zur Ausweisung führen kann. Es ist nicht leicht für mich, über Lebenshaltungskosten zu schreiben, da ich nicht verheiratet bin und in einem Boarding House lebe. Australien ist ein Land mit einem hohen Lebensstandard. Im ganzen dürften sich die Preise auf der Höhe der englischen oder etwas darüber bewegen. Manche Lebensmittel, z. B. Fleisch, sind billiger als in England, andere dagegen sind teurer als dort. Kleidung ist erheblich teurer als in England. Dies gilt auch von den Löhnen für Hausangestellte. Im allgemeinen kann eine Mittelstandsfamilie sich kein Dienstmädchen leisten; diese sind nicht zahlreich, ihre Ansprüche erstaunlich groß, dagegen wird sehr über mangelnden Fleiß geklagt. Der Lebensstil ist im allgemeinen von dem englischen nicht sehr verschieden. Das Leben spielt sich mehr im Freien ab, auf dem Sportplatz, am Strand, im „country". Dagegen spielt ein Kaffeehaus- oder Restaurantleben im kontinentalen Sinne nur eine relativ untergeordnete Rolle. Wenn man mit Freunden zusammenkommt, so geschieht das gewöhnlich zu Hause. Die Gastfreundschaft der Australier ist außerordentlich, trotz der erwähnten Abwesenheit von Hilfspersonal. Von einer an deutsche Verhältnisse gewöhnten Hausfrau dürfte die Belastung stark empfunden werden. Das Wetter in Melbourne ist überaus veränderlich. Man kann im Sommer vormittags Temperaturen von weit über 30° C haben, denen dann am Nachmittag ein eisiger Südwind mit Temperaturen um 10° C herum folgen kann. Im ganzen sind die Sommertemperaturen höher als in Deutschland, der Winter jedoch zeitweise recht rauh mit starken Winden, wenngleich Frost nur selten eintritt. Jedoch wird die Kälte stark empfunden, da die Häuser nicht für kaltes Wetter eingerichtet sind; als Heizung dienen zumeist offene Kaminfeuer. Zentralheizung in Privathäusern ist nahezu unbekannt. In Sydney ist das Klima ausgeglichener. Die Winter sehr mild und sonnig (Heizung jedoch notwendig), die Sommer unter Umständen unangenehm feuchtwarm. Auch Südaustralien (Adelaide) und Westaustralien (Perth) haben ausgeglicheneres Klima; die Hitze im Sommer ist aber trocken und wird daher als angenehmer bezeichnet als die von Sydney. Im allgemeinen kann das Klima als für den Mitteleuropäer durchaus erträglich bezeichnet werden. Nach Ueberwindung einer gewissen Eingewöhnungsperiode und bei vernünftiger Lebensweise (Kleidung, Nahrung) dürfte er sich sogar ausgesprochen gesund und behaglich fühlen, wozu die zahlreichen Sonnentage, die Möglichkeit zum Aufenthalt in frischer Luft und die Nähe der See beitragen. Dies trifft aber nicht auf die mehr subtropischen Gegenden wie Queensland zu; diese dürften für Auswanderer aus Deutschland weniger in habe ich auch von Fällen gehört, auch in den gemäßigteren Teilen hatten." Frage kommen. Allerdings in denen Neuankömmlinge Anpassungsschwierigkeiten Einige beherzigenswerte, zum großen Teil mit dem Inhalt des obigen Briefes übereinstimmende Ratschläge enthält die folgende Stelle aus einem Brief: Sydney, 11. Januar 1937 „Das Bestreben ist hier, Industrien ins Land zu ziehen bzw. hier neu aufzuziehen. Aber bei der geringen Bevölkerungszahl ist natürlich bald die Grenze erreicht, wo es sich nicht lohnt, bestimmte Artikel hier herzustellen, weil einfach der Markt fehlt. Man muß sich klar darüber sein, daß dem Durchschnittsaustralier ein schlechter Engländer noch viel lieber ist als der beste Ausländer. Trotzdem aber glaube ich, daß ein solcher Einwanderer, wenn er Zeit hat, sich umzusehen, gute Chancen finden wird. Kenntnis des Englischen ist unbedingt erforderlich. Man ist radebrechende Ausländer hier nicht gewöhnt und hat so seine Vorurteile. Leute, die direkt aus Deutschland kommen und nie länger in fremden Ländern gelebt haben, haben es natürlich im Anfang nicht ganz leicht, weil eben hier sehr vieles anders ist, als sie es gewohnt waren. Wenn Neuankömmlinge sich fest vornehmen, nie mit dem Gewohnten zu vergleichen, und ferner, Gegründet 1851 CH^6* ^.i***"* speamo- «äfiaffi^ 0OBF BEttü«*;*,lM—«a» VftU*e Hnsaue 36 Vertrags PALÄSTINA: AMT BERLIN Sptä'Jeür Möbeltransporte, Reisegepäck nach allen Teilen der Welt 47

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