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Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 35

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand LBI
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 35 (sequence 39)
Language
German
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durchschnittlich etwa 17 000 Schafe! Die übrigen 45 Millionen Schafe entfielen auf 75 000 Eigentümer, d. h. hier betrug der Durchschnitt etwa 600 Schafe. Im eigentlichen Schafzuchtgebiet ist das Land durch Drahtgitter parzelliert, schon um die zeitweise verheerende Kaninchenplage zu bekämpfen, die sich vor allem darin äußert, daß die Kaninchen den Schafen das Futter wegfressen. Die Durchschnittsgröße eines solchen umzäunten Gebiets beträgt etwa 400 Hektar. Die gesamte Wollproduktion ist in bemerkenswerter Weise auf den Export hin organisiert. Zwischen den Produzenten und den Ausfuhrhändler schiebt sich der Stand der Wollmakler; diese sind besondere Experten, deren Verdienste sehr hoch sind. Diese Makler bringen die Wolle im allgemeinen auf Versteigerungen zum Verkauf; die bei der Versteigerung erzielbaren Preise sollen meistens höher liegen als bei freiem Verkauf. Der Versteigerung geht selbstverständlich eine sorgfältige Sortierung voraus, bei der man nicht weniger als 800 verschiedene Sorten unterscheidet, von denen allerdings praktisch nur etwa der zehnte Teil eine Rolle spielt. Die großen Wollmaklerfirmen haben eine ungemein starke Stellung durch ihre Sachkenntnis und durch ihre Kapitalkraft; in beträchtlichem Umfange finanzieren sie die Rohproduktion an Wolle. Die Maklerhäuser vermitteln sogar die großen in Jahren der Dürre notwendigen Kapitalien, wenn die Herden selbst — also die Sicherheit der aufgenommenen Anlagen — in Gefahr sind und die Durchhaltung der Tiere hohe Auslagen für die Beschaffung von Futtermitteln usw. verursacht. Die Wollmaklcr sind in dem National Council of Woolselling Brokers vereinigt, dem eine Organisation der Produzenten und eine Organisation der Wollkäufer gegenüberstehen. Neben der Schafzucht besitzt die Rinderzucht eine erhebliche Bedeutung. Bei dieser ist zu unterscheiden zwischen der Züchtung auf Fleisch und der auf Milch. In letzter Zeit gewinnt die Milchwirtschaft gegenüber der Züchtung auf Fleisch allmählich an Bedeutung; besonders in Queensland, das sich wegen seiner reichlichen und regelmäßigen Niederschläge für intensive Rinderzucht besonders eignet, nimmt die Milchwirtschaft zu. Die Regierung fördert diese Bewegung durch billige Hergabe von Land, das für Milchwirtschaft geeignet ist, zur Gründung von Bauernwirtschaften. Andererseits hat die Fleischproduktion dadurch an Bedeutung gewonnen, daß das Tiefkühlverfahren, das wegen der schwierigen Transportverhältnisse von Australien nach England vor besonderen Problemen stand, neuerdings so weit entwickelt werden konnte, daß das Fleisch den englischen Markt — der 1935/36 88 Q/o des gesamten Kühl- und Gefrierfleischexportes aufnahm — in befriedigendem Zustand erreicht. Die Produktion dieses Kühlfleisches (chilled beef) ist sehr viel lohnender als die des Gefrierfleisches, da das Fleisch durch den Gefrierprozeß stark an Qualität verliert. In den Jahren 1934/35 und 1935/36 wurde für je 2,5 Millionen £ Kühl- und Gefrierrindfleisch ausgeführt. Von den milchwirtschaftlichen Produkten bietet der Butterexport den Vorteil, daß er den europäischen Markt im Winter erreicht, also zu einer Zeit, wo die Absatzmöglichkeiten besonders gut sind. Die Milchwirtschaft leidet aber unter der Unregelmäßigkeit der Niederschlagsverhältnisse sowohl in Neu-Südwales wie in Victoria, die zu starken Schwankungen im Ausfuhrüberschuß führt. Im ganzen aber zeigen die Ausfuhrmengen eine steigende Tendenz. In mancher Hinsicht liegen die Verhältnisse bei der Geflügelzucht zur Eierproduktion ähnlich wie bei der Milchwirtschaft. Auch hier haben wir es mit einer Überschußproduktion zu tun, welche ihrerseits weitgehend von den schwankenden Erträgen der Getreideernten abhängt; gerade der sehr wechselnde Überschuß aber soll auf dem Weltmarkt abgesetzt werden. Auch hier kann Australien die günstigen Preise der Wintermonate der nördlichen Halbkugel ausnutzen, was allerdings die Lieferung sorgfältig ausgesuchter Ware, die auch nach dem langen Transport den Markt in relativ frischem Zustande erreichen muß, voraussetzt. Doch sind die großen Schwankungen der Ausfuhr von Jahr zu Jahr dem Aufbau eines regelmäßigen Geschäftes und der Gewinnung eines sicheren Kundenkreises natürlich nicht förderlich. D. Eigentums - und Betriebs Verhältnisse Der größte Teil des australischen Kontinents befindet sich, sofern überhaupt Eigentumsrechte an ihm bestehen, in Staatseigentum. Der Staat seinerseits gibt große Teile seines Grundbesitzes an Farmer ab, und zwar durch verschiedene Pachtsysteme (Pacht auf Zeit, Erbpacht usw.). Heute unterliegt mehr als die Hälfte des australischen Grund und Bodens verschiedenen Pachtsystemen, während noch fast 40 o/o Staatseigentum (Kronland) und eigentumsfreies Gebiet sind. Nur ein geringer Teil der riesigen Flächen ging tatsächlich in Privateigentum über; nur 7 o/o der Fläche des australischen Bodens dürften zur Zeit Privateigentum sein, während 3 o/o sich im Prozeß des Übergangs vom Pacht- bzw. Kronland in Privateigentum befinden. Diese Prozentsätze gelten für das gesamte australische Bundesgebiet. In den Einzelstaaten ist das Verhältnis zwischen Kronland und Privateigentum ganz verschieden. Beispielsweise sind 48 °/o des Bodens von Victoria und 22 °/o des Bodens von Neu-Südwales Privateigentum, während der Boden Westaustraliens sich nur zu 3 % im Privateigentum befindet. Dagegen sind über 60 °/o der Fläche Westaustraliens überhaupt ohne Eigentümer, während die entsprechenden Zahlen für Neu- Südwales 11 o/o und für Victoria 30 °/o betragen. Der Einzelstaat mit dem verhältnismäßig größten Anteil von Pachtland ist Queensland (74 o/o). Victoria dagegen, das eine so große Anzahl von Siedlern auf eigenem Grund und Boden aufweist, verpachtet nur 10 °/o seiner Fläche. In den letzten Jahren macht sich eine starke Tendenz zum Eigenbesitz bemerkbar. Die Regierung ist jetzt leichter geneigt als in früheren Jahrzehnten, ihr Land in das volle Eigentum des Siedlers übergehen zu lassen, um weiße Einwanderer in größerer Zahl nach Australien zu locken oder den australischen Städter wieder auf das Land zu bringen. Aus dem gleichen Grunde hat in den letzten Jahrzehnten die Anzahl der Pächter mit besonders langfristigen Verträgen zugenommen. Der landwirtschaftliche Betrieb arbeitet, wie wir sahen, zumeist extensiv; der australische Farmer kann und muß mit riesigen Flächen rechnen. Doch macht sich im letzten Jahrzehnt fast in ganz Australien eine Tendenz zur Intensivierung bemerkbar; besonders in der nahen Umgebung der Großstädte findet man intensive landwirtschaftliche Betriebe, die zum großen Teil auf Gartenbau und Gemüsezucht spezialisiert und mit Privateigentum am Boden verbunden sind. Die am dichtesten besiedelten Staaten weisen deshalb auch die verhältnismäßig größte Anzahl privater Klein- und Mittelbetriebe auf. So gibt es in Neu-Südwales über 12 000 private Kleinbetriebe unter 50 acres (1 acre 0,4 ha). Die meisten in Privateigentum stehenden Betriebe von Neu-Südwales, Victoria und Queensland weisen jedoch Durchschnittsgrößen von 100 bis 500 acres auf. Ausgesprochene Riesengüter (über 50 000 acres; die höchste Kategorie der australischen Statistik) sind sehr selten; in ganz Australien zählt man 72, wovon allein 55 in Neu-Südwales liegen. Die im Pachtsystem bewirtschafteten Einzelf armen weisen im Durchschnitt 260 acres Fläche auf. Wo die Böden schlechter sind, beträgt die durchschnittliche Größe dieser Farmen etwa 520 acres. Die australischen Anbau-Methoden sind in erster Linie von den klimatischen Bedingungen und erst in zweiter vom Boden und von den Eigentumsverhältnissen abhängig. In der Tropenzone wird Landwirtschaft in großem Stil nur SILBERSTEIN *. C 0 BERLIN S036 REICHENBERG ER STRASSE 154 35

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