Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand LBI
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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C. Die Viehzucht Wie wir sahen, besitzt die australische Viehzucht noch eine weit größere Bedeutung als der Ackerbau. Die beiden Hauptzweige der australischen Viehzucht sind Schafzucht und Rinderzucht. Beide Produktionen werden im allgemeinen raumextensiv betrieben, hätten aber ihre gegenwärtigen Erfolge nicht erreichen können ohne Zuchtintensivierung. Zur raumextensiven Wirtschaft wird im allgemeinen die an die Randzone des Kontinents, das Küstengebiet, anschließende Zone verwendet. Diese weidewirtschaftliche Zone schließt sich im allgemeinen in sehr breitem Streifen an die Randzone an, vor allem im Osten, und umfaßt zum Teil Land, das genügend Regen empfängt, um bei rationeller Wasserwirtschaft auch zu intensiver Kultur gebraucht werden zu können; zum größeren Teil allerdings könnte das heute zur Weidewirtschaft benützte Land kaum für intensive Kultur nutzbar gemacht werden, da es für Getreidebau oder reguläre Wiesenkultur zu wenig Wasser erhält. Die Wasserverhältnisse sind im doppelten Sinne das Hauptproblem der australischen Viehzucht. Denn einmal muß das Vieh getränkt werden; in dieser Hinsicht hat man durch die Bohrung von Tausenden von artesischen Brunnen, zum Teil mit einer Tiefe von über 1000 Metern, sich von der Unsicherheit der Niederschlagsverhältnisse weitgehend unabhängig gemacht und für große Teile des Landes die Gefahr, daß Millionen von Tieren in regenarmen Jahren einfach verdursten könnten, wie es früher der Fall war, gebannt. Sehr viel schwieriger aber liegt die andere Seite des Problems. Denn wenn der Regen ausbleibt, so wächst auch kein Futter für die Herden, und wenn die artesischen Brunnen die Gefahr des Verdurstens bannen können, so bleibt nichtsdestoweniger die Gefahr des Verhungerns der Tiere in Jahren der Dürre. Diese Gefahr bekämpft man heute teilweise dadurch, daß man die Schafe nach Gegenden bringt, wo Futter vorhanden ist; soweit dies möglich ist, treibt man die Herden aus den Dürregebieten fort; zu diesem Zweck sieht die australische Schafzucht sogar auf die Erzielung von langen Beinen durch Züchtung! Besonders wertvolle Zuchtherden und Tiere transportiert man sogar heute mitunter auch mit dem Lastwagen. Außerdem aber versucht man in den Gegenden, wo die Niederschlagsverhältnisse günstiger sind, Wiesen anzulegen, welche regelmäßig gemäht werden, so daß große Heuvorräte oder auch der grün am Boden geschnittene Mais als Reserven für den Notfall vorhanden sind. Vor allem verwendet man auch Kraftfutter: Ölkuchen und Getreide. Trotz alledem bleibt aber das Risiko, das die Unsicherheit der Niederschlagsverhältnisse für die australische Viehzucht mit sich bringt, außerordentlich groß. Von der überragenden Bedeutung der Schafzucht im Rahmen der australischen Wirtschaft ist schon mehrfach die Rede gewesen. Die Schafe gehören sehr verschiedenen Rassen an; je wasserreicher das Land, auf dem das Schaf gehalten wird, um so mehr dient dieses neben der Wollproduktion auch der Fleischerzeugung; je trockener das Land, um so mehr überwiegt das Merino-Schaf, also der Typus des reinen Wollschafes. Neben der Art des Landes spielen aber auch die Marktbedürfnisse für die Züchtung eine entscheidende Rolle; so hat die starke Konkurrenz Südamerikas bei der Belieferung der europäischen Märkte mit Hammelfleisch dazu geführt, daß bei der australischen Schafzucht die Wollproduktion mehr in den Vordergrund trat. Es bestehen auch zwischen den Besitzgrößen und den verschiedenen Schaf arten gewisse Beziehungen; das Merino-Schaf ist mehr das Schaf des Großbetriebes, während die Kreuzungstypen zwischen Woll- und Fleisch-Schaf mehr dem mittleren Betriebe gehören. Aber für den weitaus größten Teil der Schafzucht Australiens spielt die Fleischgewinnung nur eine Nebenrolle. Die Herdengröße hat sich während der letzten 30 Jahre sehr vermindert. Trotzdem überwiegt auch heute noch vorwiegend der Großbetrieb; nach Angaben von Hermann Lufft besaßen (um 1930) 3500 Eigentümer über die Hälfte des australischen Schafbestandes, nämlich 58 bis 60 Millionen Schafe, d. h. ein Eigentümer hatte GEBR. ARNHOLD Bankhaus Gegr. 1864 BERLIN W 8 Behrenstraße 62/63 Fernsprecher: 11 00 46 Londoner Vertreter: F. H. Brunner, 7 Princes Str., London E C 2 New Yorker Vertreter: W.L. Schoenheimer, 25 Broad Street, New York 34