Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand LBI
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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lien ungemein stark entwickelt, und wenn man selbst den einwandernden Engländer als recht fremd empfindet, so sieht man den Einwanderer anderer Abstammung mit einem außerordentlichen Mißtrauen an, besonders wenn er Süd- oder Ost-Europäer ist. Diese Abneigung gegen die Fremden hat mancherlei Wurzeln — einmal wirtschaftliche, indem man von dem Einwanderer aus Ländern mit niedrigem Lebensstandard befürchtet, daß er sich selbst mit einem niedrigen Lohn zufrieden gibt und so das hohe Lohnniveau der australischen Arbeiter gefährdet. Da das Lohnniveau in Nord- und Westeuropa im allgemeinen weit höher ist als in solchen Ländern wie Italien, Jugoslawien, Polen usw., so ist schon aus diesem Grunde ein Engländer oder auch ein Schwede oder Deutscher weniger mißliebig als ein Süd- oder Osteuropäer. Es kommt aber andererseits hinzu, daß die Völker Süd- und Osteuropas den Australiern auch rassisch und kulturell sehr viel ferner stehen als Nord- oder Westeuropäer; zweifellos können sich Italiener oder Jugoslawen an die angelsächsische Kultur im allgemeinen nicht so schnell assimilieren, wie Deutsche oder Holländer. Besonders gegen die Italiener, die sich doch, infolge ihrer Herkunft aus einem warmen Klima, besonders gut für die Besiedlung der subtropischen und vielleicht selbst der tropischen Teile eignen würden, herrscht in Australien ein tiefes Mißtrauen; teilweise faßt man sie sogar, wie Colin Ross berichtet, als eine Art Zwischenrasse zwischen Weißen und Farbigen auf. Infolge dieser Einstellung hat man Jahrzehnte hindurch die Einwanderung aus den Ländern Süd- und Ost- Europas mit besonderem Mißtrauen betrachtet und behindert, während man die Einwanderung aus England in gewissen Grenzen förderte, — wobei freilich die finanzielle Last ganz überwiegend vom Mutterland getragen wurde. Doch zeigt sich in letzter Zeit immer deutlicher, daß die Hoffnung auf eine einigermaßen den wirtschaftlichen Kraftquellen Australiens entsprechende Bevölkerungsdichte sich in absehbarer Zeit nicht erfüllen wird, wenn man nur auf englische Einwanderer zählen will. Diese Erkenntnis beruht einmal darauf, daß in England selbst der Geburtenrückgang einen solchen Umfang angenommen hat, daß von einem Bevölkerungsüberschuß nicht mehr die Rede sein kann und infolgedessen auch die natürliche Quelle der Auswanderung versiegt; außerdem aber ist der englische Arbeiter, soziologisch betrachtet, heute ganz überwiegend Städter, und hat keinerlei Neigung, in die Einsamkeit des australischen Busches hinauszuziehen, um sich dort, ohne Achtstundentag und ohne großstädtische Zerstreuungen, eine unabhängige, aber schwere Existenz zu gründen; vielmehr besteht unter solchen Einwanderern die Tendenz, die ohnehin übermäßige Verstädterung Australiens noch zu vergrößern, das Land aber unbesiedelt zu lassen. Aus diesen Gründen sehen die nüchtern denkenden Australier allmählich ein, daß auf eine englische Einwanderung größeren Stils nicht mehr zu rechnen sein wird, und daß man, um die politisch gefährliche Untervölkerung Australiens zu beseitigen, auf Einwanderer anderer Nationalität wird zurückgreifen müssen. Ein solcher Entschluß wäre um so dringender, als die natürliche Vermehrung der australischen Bevölkerung sehr gering ist; betrug doch im Jahre 1934 die Geburtenziffer nur noch 16,4 pro 1000 der Bevölkerung. Infolge der äußerst niedrigen Sterblichkeit von 9,3 — die nur infolge einer normalen Altersgliederung möglich ist und später einmal steigen muß — betrug der statistische Geburtenüberschuß zwar 7,1 pro 1000. Aber selbst wenn sich das Verhältnis der Geburtenziffer zur Sterbeziffer nicht verschlechtern sollte, wäre ein Geburtenüberschuß in der genannten Höhe völlig unzureichend, um in absehbarer Zeit das Mißverhältnis zwischen der Größe Australiens und seiner geringen Bevölkerung auch nur einigermaßen zu mildern. Aber wenn auch die Notwendigkeit, die Tore Australiens der Einwanderung weit zu öffnen, schon vielfach erkannt wird — freilich im englischen Mutterland noch weit mehr als in Australien — so ist der Weg von der Erkenntnis zur Tat noch lang. Denn während der australische Nationalismus vor allem fürchtet, daß der angelsächsische Charakter des Landes angetastet werden und ein buntes Gemisch aller möglichen nicht-assimilierten, ja vielleicht sogar geschlossene Blöcke bildenden Nationalitäten entstehen könnte, — bildet die Angst vor einer Senkung des Lebensstandards das Hauptmotiv für die Einwanderungsfeindlichkeit der Gewerkschaften. Infolge dieser beiden mächtigen Einflüsse ist zur Zeit die australische Einwanderungspolitik darauf gerichtet, jede Masseneinwanderung zu verhindern, Einzeleinwanderung aber jetzt — nachdem die Wirtschaftskrise so gut wie völlig überwunden ist — zuzulassen, sofern die Gewähr dafür gegeben ist, daß sich der Einwanderer schnell assimilieren wird — wofür die Beherrschung der englischen Sprache ein Hauptkennzeichen ist —, und daß er außerdem durch seinen Beruf dem Lande Nutzen bringt: d. h. weder zur Senkung der Löhne noch zur Vergrößerung der Arbeitslosigkeit irgendwie beiträgt, sondern ein wirtschaftliches Bedürfnis des Landes befriedigt. Vor allem in diesem Sinne ist auch die Frage der jüdischen Einwanderung dort zu betrachten; größte Vorsicht, besonders bei der Auslese der Berufe, ist unbedingt geboten. 4. Regierungsform, Innen- und Außenpolitik Australien ist ein britisches Dominion. Als solches genießt es nahezu alle Rechte eines selbständigen Staates, sowohl in außenpolitischer Hinsicht wie innenpolitisch. Es hat seine eigenen Finanzen, sein eigenes Heer und seine eigene Gesetzgebung. Es zahlt an das Mutterland keine Abgaben und trifft im Kriegsfall seine eigene Entscheidung. Doch schließt all dies, wie wir sehen werden, eine sehr enge, teils aus wirtschaftlichen und militärpolitischen Interessen, teils aus dem Gefühl entspringende freiwillige Verbundenheit mit dem englischen Mutterland und dem übrigen Empire nicht aus. 1901 ging aus dem Zusammenschluß der früher selbständigen Kolonien auf dem Festlande Australiens und der Insel Tasmanien des Commonwealth of Australia hervor. Dieses ist ein unauflöslicher Staatenbund, an dessen Spitze der vom König ernannte Generalgouverneur steht. Die Unauflöslichkeit des Australischen Staatenbundes ist durchaus nicht ohne praktische Bedeutung, da die ungeheuren Entfernungen zwischen den Einzelstaaten, sowie die große Verschiedenheit ihrer klimatischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu starken Interessengegensätzen führen, die besonders in Westaustralien noch in den letzten Jahren eine starke Sezessionsbewegung zur Folge hatten. Doch sind bisher diese Bestrebungen an der australischen Bundesverfassung gescheitert. Die Stellung des Generalgouverneurs als Vertreter des englischen Königs besitzt weit mehr symbolische Bedeutung — verkörpert dieser doch die Zugehörigkeit Australiens zum Empire — als praktische Wirksamkeit. Der Generalgouverneur hat das — ziemlich belanglose — Recht der Einberufung und Auflösung des Parlaments; im übrigen aber ist er selbst den Gesetzen des Commonwealth unterworfen. Die wirkliche Macht liegt ausschließlich in den Händen des Parlaments. Das Bundesparlament — wohl zu unterscheiden von den Parlamenten der sechs Einzelstaaten — besteht (von dem schon erwähnten Generalgouverneur abgesehen) aus dem Senat und dem Abgeordnetenhaus. Der Senat zählt 36 Mitglieder — je 6 aus jedem der 6 Einzelstaaten. Die Wahlperiode beträgt an sich 6 Jahre, doch wird im allgemeinen die Hälfte der Senatoren nach drei Jahren neu gewählt. Das Abgeordnetenhaus soll möglichst genau doppelt soviel Mitglieder zählen wie der Senat; doch richtet sich hier die Zahl der auf jeden Einzelstaat entfallenden Ab- Aus ättem 3uef eines AusgewancUiteH: o»» .....Wie eigenartig-, wir haben doch ein Koffer-Grammophon mit mehreren guten Platten mit. Es war in einer Kiste und wir konnten es erst hier auspacken. Jetzt bildet es für mich und auch für Lola und die Kinder ein Stück unseres alten Lebens! Wirkliches Leben, während unsere vielen anderen mitgebrachten Dinge doch tot, wenn auch an sich sehr angenehm sind. Der Firma „Lukra" müssen wir hierfür besonders dankbar sein . . ." Für RADIO und SCHAJLL.PJLATTEN das bekannte Spezialhaus „LLKBA" Berlin SW 68, Friedrichstr. 308, U-Bahn-Ausgang; Kochstr., Telefon 13 49 33 28