Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand LBI
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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rung und zur Begründung von Siedlungen hat sich schon seit langem, ja seit Generationen vor allem bei den Chinesen immer wieder gezeigt. Aber jeder Gedanke an die Einwanderung von Farbigen ist bisher bei den Australiern auf den fanatischsten Widerstand gestoßen, in dem sieh alle australischen Parteien vereinigen; ist man sich doch darüber klar, daß gerade die Anspruchslosigkeit, Zähigkeit und das feste Zusammengehörigkeitsgefühl dieser Menschen sie zu wirtschaftlich außerordentlich erfolgreichen Konkurrenten machen müssen, während ihre tiefe Wesensfremdheit eine Assimilation an die weiße australische Bevölkerung unmöglich machen würde. Die Australier erblicken deshalb in der Frage der farbigen Einwanderung geradezu die Schicksalsfrage Australiens, da die kulturelle, ja selbst die physische Existenz der jetzigen Bevölkerung durch eine starke farbige Einwanderung von Grund auf verändert werden müßte. Infolgedessen hat sich Australien schon seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts immer leidenschaftlicher und mit mannigfachen Mitteln gegen die Zuwanderung farbiger Arbeitskräfte gewehrt. Dies bezieht sich in erster Reihe auf die Angehörigen der mongolischen Rasse, also Chinesen und Japaner, in zweiter aber auch auf andere Farbige, wie die Kanaken, die besonders als Arbeiter auf den Zuckerplantagen von Queensland eine gewisse Rolle gespielt haben. Bei der Gründung des Australischen Bundes im Jahre 1901 wurde die Einwanderung der Farbigen verboten. Diejenigen, die bereits in Australien ansässig waren, wurden australische Bürger; ihre Zahl war aber gering. Selbst gegen die Einreise von Farbigen zu vorübergehendem Aufenthalt sind heute mannigfache Maßnahmen getroffen. So erklärt es sich, daß die gesamte durch Einwanderung entstandene farbige Bevölkerung Australiens heute nur auf etwa 30000 Menschen zu veranschlagen ist, von denen der größte Teil chinesischer Herkunft ist. Diese Chinesen sind vorwiegend Gärtner, Gemüsehändler und Handwerker im tropischen Norden; oft arbeiten sie auch als Hausangestellte. Die wenigen tausend Japaner sind meist als Kaufleute oder als Perlenfischer (an der Nordküste) tätig. Außerdem spielen in Australien höchstens die Syrier und Afghanen (als Kameltreiber und Händler im Innern) eine Rolle. Von dieser eingewanderten farbigen Bevölkerung sind durchaus zu unterscheiden die eigentlichen Eingeborenen, die Australschwarzen. Diese spielen heute in den wirtschaftlich erschlossenen Teilen des Kontinents keine Rolle mehr. Sie konnten von Anfang an dem Vordringen der weißen Bevölkerung keinen Widerstand entgegensetzen, wurden durch blutige Verfolgungen aus den besseren Teilen des Landes vertrieben und in das unerschlossene Innere zurückgedrängt. Eine Zivilisierung der Australschwarzen ist bisher unmöglich gewesen. Sie können weder selbständig arbeiten, noch sind sie zu irgendeiner geregelten Arbeit heranzuziehen. Nur im Busch und in der Wildnis können sie unersetzliche Dienste als Hirten oder als Hilfsarbeiter auf Viehstationen leisten. Die Zahl dieser Eingeborenen läßt sich nicht feststellen, weil sich die Stämme im Innern völlig der Kontrolle entziehen und es manche Stämme geben mag, die noch niemals mit Weißen in Berührung gekommen sind. Nach offiziellen Angaben sollen im Juni 1936 nur noch rund 57 000 Australschwarze und 23000 Mischlinge vorhanden gewesen sein, wobei die Zahl der letzteren im Zunehmen, die der reinen Australschwarzen dagegen in der Abnahme begriffen sei. Doch veranschlagen manche Fachleute die Zahl der Eingeborenen aus den angegebenen Gründen sehr viel höher — auf 150 000—200000 Köpfe. Im ganzen gesehen ist also sowohl die Eingeborenenbevölkerung, wie der von farbigen Einwanderern abstammende Bevölkerungsteil unbeträchtlich. Die ganz überwiegende Mehrheit ist weißer Abstammung, und von der weißen Bevölkerung sind angeblich 98 °/o, jedenfalls aber die überwältigende Mehrheit, wiederum britischer Herkunft. Hier nun liegt eines der Hauptprobleme der australischen Zukunft. Heute sind die Australier ein nahezu einheitliches Volk — trotz eines nicht unerheblichen Einschlages deutscher Einwanderer, der sich, wie schon früher erwähnt, besonders in Süd-Australien geltend macht. Und das Ideal der australischen Bevölkerung ist auch für die Zukunft: ein Kontinent, eine Sprache, ein Volk. Der Nationalismus ist in Austra- BRASCH & ROTHENSTEIN INHABER HARRY W. HAMACHER SPEDITION LAGEREI Versicherung UMZÜGE / Liffs / Verpackung HAUPTGESCHÄFT: TELEPHON: SAMMEL-NR. 356641 BERLIN NW40 LÜNEBURGER STRASSE 22 Apolda Bentheim Bremen Chemnitz Zweigniederlassungen: Dresden Gronau i. W. Passau Ebingen Hamburg Pirmasens Emmerich Hannover Plauen Frankfurt a. M. Nürnberg Rheine Schwarzenberg I. Sa. Sebnitz Stettin Weener 27