Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand LBI
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 14)
- Language
- German
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Kreislaufs auf längere Sicht durchaus nicht außer acht gelassen werden kann. Dagegen sind dem Europäer alle „Schreibtischberufe" sogar im tropischen Tiefland zumutbar; auch kaufmännische Berufe, wie der des Vertreters, ferner alle Arten von Handel- und Gewerbebetrieb und selbst solche handwerklichen Tätigkeiten, die nicht mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden sind. Hierbei muß aber berücksichtigt werden, daß an eine Daueransiedlung im tropischen Niederungsklima nicht gedacht werden kann, sondern nur an einen Aufenthalt, der sich nach etwa 5—7 Jahren bemißt. Während dieser Zeit sind Erholungsmöglichkeiten durch vierteljährige Reisen ins gemäßigte Klima etwa alle 2—3 Jahre von größtem Wert. Ohne sie führt das tropische Niederungsklima zu einer großen Schwächung und Erschlaffung des Europäers, in deren Gefolge die Arbeitsfähigkeit zu stark absinkt, als daß eine erfolgreiche, wirtschaftliche Tätigkeit auf die Dauer möglich wäre. Für das tropische Hochland — nicht so sehr für die Mittelzone — gelten bis zu einem gewissen Grade dieselben Bedingungen, denn auch in diesem sollte man sich möglichst nur zu einer zeitlich bemessenen Ansiedlung entschließen, da mit wachsendem Lebensalter vor allem die Gefahr einer Schwächung des Herzens, auch wenn es vorher völlig intakt war, zu bedenken ist. Dieser Herzschwäche ist am besten durch zeitweiliges Verlassen der Höhenregion entgegenzuwirken. Ganz anders liegen die Verhältnisse bei einer Ueber- Siedlung in subtropische Gebiete. Auch hier ist allerdings zu berücksichtigen, daß das subtropische Klima einen weiten Spielraum hat, und daß die Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse in der besonderen Region des Siedlungslandes, in die die Einwanderung erfolgen soll, nicht zu große Anforderungen an den Wärmeregulierungsapparat des Europäers stellen dürfen. In weiten Gebieten subtropischen Klimas wird aber gegen eine landwirtschaftliche Siedlung kein Bedenken bestehen, viel weniger natürlich gegen kaufmännische und handwerkliche Tätigkeiten, wobei hier die Ausübung von Handwerken mit größerer Beanspruchung der Körperkraft ebenfalls möglich ist. Im gemäßigten Klima wird für die Einwanderung eine gesundheitliche Schranke kaum bestehen. Es ist nur zu bedenken, daß das gemäßigte Klima oft, wie z. B. im südafrikanischen Kapland, wiederum auf eine Höhenlage begrenzt ist, was sowohl vom körperlich Arbeitenden wie besonders von Herz- und Kreislaufgefährdeten berücksichtigt werden muß. VI. Allgemeine Verhaltungsmaßregeln für die heißen Zonen Wenn nun Anpassungsschwierigkeiten im gemäßigten Klima nicht bestehen, so erfordert dagegen das Leben in tropischen und subtropischen Ländern eine weitgehende Anpassung an die veränderten Umweltsverhältnisse und Vorbeugung vor einer ganzen Reihe von Krankheiten, von denen einige auch in den gemäßigten Gürteln heimisch sind. Von beidem soll im folgenden kurz gesprochen werden. Das tropische und subtropische Klima unterscheidet sich von dem gemäßigten vor allem durch die höhere Luftwärme und Luftfeuchtigkeit, sowie die stärkere Sonnenstrahlung, die dort dem ganzen Leben ihren Stempel aufdrücken. So ist ein Arbeiten, wie es der Europäer gewohnt ist, wirklich pausenloses, intensives Arbeiten, sowohl bei körperlicher wie bei geistiger Tätigkeit nicht möglich. Die Eingeborenen halten die Grenze ihrer Arbeitsfähigkeit instinktiv ein, während der Europäer sich erst bewußt auf ein geringeres Arbeitsquantum und eine geringere Arbeitsintensität umstellen muß; andernfalls ist er in kurzer Zeit erschöpft und ausgepumpt. Er muß es sich also zur Regel machen, etwa mit halber Kraft zu arbeiten, die Zeit intensivster Tätigkeit in die frühen Morgenstunden und den Nachmittag zu verlegen und die größte Hitze des Tages, die etwa in die Zeit zwischen 12 und 3 Uhr fällt, zu leichter Tätigkeit und zur Siesta auszunutzen. Es ist aber durchaus ungeeignet, innerhalb dieser Zeit die Hauptmahlzeit des Tages zu halten, da der Appetit in der Mittagshitze am geringsten ist. (Er pflegt überhaupt in den Tropen und Subtropen gering zu sein.) Eben wegen dieses Appetitmangels und der damit zusammenhängenden Beschaffenheit der Verdauungssäfte würde aber das Einnehmen eines ausgiebigen Mittagessens sehr unzweckmäßig sein; ein kleiner, leicht verdaulicher Imbiß ist das Richtige zur Mittagszeit. Die Hauptmahlzeit gehört in diesen Gegenden unbedingt in die Abendzeit, aber auch dann ist Mäßigkeit angebracht. Ein Wort noch zur Würzung der Speisen: Wir sind von unserer heimischen Küche gewöhnt, im wesentlichen mit Kochsalz und Pfeffer zu würzen. Beides hat in den Tropen Gefahren; der Pfeffer dadurch, daß er, in größeren Mengen genommen, zu Nierenreizungen führen kann, das Kochsalz, weil es den schon ohnehin erheblichen Durst noch vergrößert. Dagegen ist es durchaus geraten, den in diesen Gegenden viel verwandten Curry und den roten Pfeffer (Paprika) in mäßigen Mengen zur Würzung der Speisen heranzuziehen, da die in den Tropen meist zu geringe Salzsäuresekretion des Magens hiermit angereizt wird. Die normalen Salzsäureverhältnisse sind aber nicht nur die Vorbedingung für die gute Verdauung der genossenen Speisen, sondern auch weitgehend ein Schutz vor Magendarmkatarrhen und anderen Störungen der Verdauungsorgane, da der normale Salzsäuregehalt des Magens mit der Nahrung eingeführte Krankheitserreger nicht nur weitgehend schädigt, sondern zum Teil sogar abtötet. Da es infolge der veränderten Temperaturverhältnisse und des starken Schwitzens zu einer Verarmung des Körpers an Kali und Kalksalzen kommt, soll dieser Verlust am besten durch der Nahrung zugesetzte Pflanzenasche, die an diesen Mineralien reich ist, ausgeglichen werden. Natürlich darf die Würzung ein gewisses Maß nicht überschreiten, um einerseits nicht zu Reizungen der Magenschleimhaut, andererseits nicht zu gesteigertem Durst zu führen. Der Durst ist in diesen Klimaten eine Folge des beständigen Schwitzens, das durch die hohen Lufttemperaturen hervorgerufen wird. Zu seiner Stillung eignet sich am besten kühler, schwacher Tee oder auch Kaffee, weniger Limonaden, deren kühle Temperatur dazu verführt, mehr zu trinken, als im Augenblick erforderlich wäre. Alkoholische Getränke jeder Art, auch der ganz zu Unrecht als unschädlich bezeichnete Whisky sind in tropischen und subtropischen Gebieten absolut zu meiden, zum mindesten während des Tages. Die Gefahr des Alkoholgenusses liegt hier vor allem in der Zunahme der Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit, sowohl allgemein als auch besonders bezüglich der Vorbeugungsmaßnahmen gegen Erkrankungen. Daß scharfes Salzen, Alkoholgenuß und geschlechtliche Ausschweifungen zusammengehören, ist eine alltägliche Erfahrung. Da in den tropischen Gebieten das Verlangen nach geschlechtlicher Betätigung beim Europäer ohnehin größer ist als in den gemäßigten Zonen, ist auch aus diesem Grund der Alkoholgenuß zu meiden und ganz allgemein auch in geschlechtlicher Beziehung Mäßigkeit zu fordern. Bei den oft mangelhaften hygienischen Verhältnissen ist die Gefahr, sich bei außerehelichem Verkehr eine Geschlechtskrankheit zuzuziehen, ganz außerordentlich groß, während die Möglichkeit einer sachgemäßen Behandlung meist sehr gering ist. Im stoßen Speztalgefchäft für Herrenunö Knabenhletimns Hnöet Oer Aueroanöerer öie richtige Beratung Wir führen fämtliehe für öie Ausioanöerung benötigte Kleiöung unö Wäfche für PALÄSTINA unö UBERSEE LUDWIG FRANKFURT A. M. HINDENBURGPLATZ 1£ Gegenüber öcm Hauptbahnhof 10 9HIHBHHBKH