Mannheim
Compact Memory

Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand LBI
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 6 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492429-9991065-9587945--378-9587955
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ab. Diese Verhältnisse werden auf der nebenstehenden Klimakarte deutlich. Innerhalb des tropischen Gürtels sieht man überall da, wo sich Gebirge erheben, Inseln kühleren Klimas eingesprengt. Der Klimatologe Koppen gibt hierüber folgende (von uns gekürzte) Tabelle: Obere und untere Grenzen der verschiedenen Klimagürtel Tropisches Klima m Subtropisches Klima m Sommerheißes gemäßigtes Klima m Konstant gemäßigtes Klima m Sommerkühles gemäßigtes Klima m 0— 500 500—1700 1700—1800 2200-2700 2700—3600 Aequatoriale Anden . 0—1000 1C03—1500 — 1500—3400 34C0—3600 Peru, Westabhang: — 0— 200 — 200—1210 1200—2000 Rio de Janeiro .... 0— 200 2C0—1100 — 1100— — 0—10C0 1000—1300 — 1300— — Gabun (Afrika) .... 0— 700 700—1000 — 1000—2400 24C0—2800 0- 7C0 700—160J — 1600-2300 2300—3300 — 0— 800" 800—1650 — 1650— Natal.......... — 0— 500 — 500— 950 950—2200 Kap der Guten — — — 0— 450 450— Chile in 20OS — — — — 0-1700 Diese Abnahme der Temperatur hat in Zentralamerika und Südamerika zur Unterscheidung von drei Stufen des Klimas geführt. Man unterscheidet dort das heiße Land von Meereshöhe bis zu etwa 600m, das gemäßigte Land zwischen 600 und 1800m und das kalte Land oberhalb 1800 m. Zu der hohen Durchschnittstemperatur, die besonders in den Niederungsgebieten einiger als Auswanderungsländer in Frage kommender Länder herrscht und etwa 24—27° C beträgt, kommt durch die reichlichen Regenfälle eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, die in einigen Gegenden nur sehr wenig, etwa zwischen 84 und 94 °/o, schwankt. Innerhalb dieser Gebiete ist außerdem die größte Jahresschwankung der Temperatur 5° C zwischen höchstem und niedrigstem Monatsmittel (gegen ca. 19° C in Berlin!). Es gibt also dort keine Scheidung des Jahres in warme, kühle und kalte Jahreszeiten, sondern eine jahraus jahrein fast gleichbleibende, heiße Zeit, die nur durch die größeren oder geringeren Regenmengen, die gewöhnlich in einer oder zwei Regenzeiten fallen, einige Veränderung zeigt. Weiterhin haben die tropischen Gebiete im geographischen Sinn, also der Gürtel der Erde zwischen dem 23. nördlichen und 23. südlichen Breitengrad, eine weitgehend gleichbleibende Tageslänge, so daß der längste Tag 13V2, der kürzeste IOV2 Stunden dauert und nur durch eine kurze Morgen- und Abenddämmerung von je 10—15 Minuten verlängert wird. Es gibt also keine Tagesdauer von etwa 17 Stunden, wie bei uns im Juli, noch eine lange Dämmerung, noch die hellen Sommernächte, in denen es fast überhaupt nicht recht dunkel wird. Also nicht nur der Verlauf der Temperatur, sondern auch der des Tages ist von einer dem Europäer unbekannten Gleichförmigkeit. In diesem Klima ist die Hitze und Feuchtigkeit für die Kleinlebewesen (Bakterien), die als Erreger der Tropenkrankheiten in Frage kommen, außerordentlich günstig und ebenso für die als Ueberträger in Frage kommenden Insekten, so daß die Gefahr einer Erkrankung an Malaria, Gelbfieber und anderen Seuchen, wie auch an Typhus und Magendarmstörungen, größer ist als in der gemäßigten Zone. Das tropische Niederungsklima ist demnach als Stätte dauernder Ansied lung für Weiße, zumal wenn sie aus einem Gebiet geringer Sonnenstrahlung und Hitze, wie Mitteleuropa, kommen, durchaus ungeeignet. Die wenigen, in diesem Klima „ansässigen" Weißen müssen fast stets, um weiter dort arbeitsfähig zu sein, in Abständen von einigen Jahren einen längeren Europa-Urlaub nehmen; auch haben sie gewöhnlich leitende Positionen inne; niemals aber können sie in tropischen Niederungen nennenswerte körperliche Arbeit leisten. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sonnenstrahlung schließen diese von vornherein aus. Fast alle in tropischen Niederungsgebieten begonnenen landwirtschaftlichen Siedlungen haben sich als nicht lebensfähig erwiesen und würden auch heute ebenso scheitern müssen, nicht zum wenigsten durch die abnehmende Fruchtbarkeit der Weißen; nach den bisherigen Beobachtungen tritt in spätestens der vierten Generation Unfruchtbarkeit ein. In diesen Verhältnissen sieht Sapper die Ursache der V e r m i s c h u n g des weißen Elements mit der eingeborenen Bevölkerung im tropischen Zentral- und Südamerika. Die Mischlinge erweisen sich dann als ausdauernd. Die Verhältnisse im tropischen Höhenklima, das subtropisch bis gemäßigt ist, sind weitgehend andere: Die mittleren Temperaturen sind sehr viel niedriger und entsprechen, je nach der Meereshöhe, unseren Sommer- bis Frühlingsmonatsmitteln. Dabei ist aber im allgemeinen die Niederschlagsmenge etwa doppelt bis dreimal so groß wie Dei uns, und mancher Monat fast ohne regenfreie Tage. Indessen ist der Temperaturunterschied zwischen Schatten und Sonne wegen der dünneren Höhenluft sehr erheblich, wie wir das auch in mitteleuropäischen Gebirgen wahrnehmen. Diese Schwankungen, denen man im tropischen Hochland viel schonungsloser ausgesetzt ist, führen, zusammen mit der oft hohen Luftfeuchtigkeit, zu starker Häufung der Erkältungskrankheiten. Eine wesentliche Schwankung der Temperatur im Laufe des Jahres herrscht auch in diesen Gegenden nicht, oft ist die Differenz zwischen dem wärmsten und kältesten Monatsmittel kaum mehr als 1°. Ebenso wie im tropischen Tiefland verändert sich die Tageslänge im Jahreslauf auch im tropischen Hochland nur in engen Grenzen und verstärkt auch hier wieder den gleichförmigen Temperaturgang. Zu diesen klimatischen Faktoren gesellt sich aber noch der der Höhe, die sehr erhebliche Abnahme des (barometrischen) Luftdruckes. Während der normale Barometerdruck in Meereshöhe 760 mm oder eine Atmosphäre (1 kg auf einen Quadratzenlimeter) ist, beträgt der Druck in 1800 m Höhe nur noch 615 mm (oder 810 g pro Ouadratzentimeter), in 2200 m Höhe 580 mm (oder 760 g pro Ouadratzentimeter) und nimmt mit wachsender Höhe noch weiter erheblich ab. Diese Abnahme des Luftdrucks führt zu einer mangelnden Sauerstoffversorgung des Körpers, die sich in erhöhter Herzarbeit und Vermehrung der roten Blutkörper ausdrückt. Darum sind Herzkranke und auch Herzschwäche von vornherein für eine Besiedlung tropischer Höhengebiete ausgeschaltet. Aber auch für Herzgesunde ist körperliche Arbeit in der Höhe als Dauerzustand kaum möglich, sofern sie nicht etwa aus Hochlandsregionen stammen. Ein interessantes Beispiel für die lebenverkürzende Wirkung des Hochlandes gibt der bekannte Geograph Prof. Knoche. Die Hauptstadt Ecuadors, Quito, die 2850 m über dem Meere liegt, ist von Malaria und anderen schwereren Tropenkrankheiten im ganzen verschont. Indessen ist dort das durchschnittliche Lebensalter nicht höher als in dem unter ungünstigen klimatischen und hygienischen Verhältnissen in 50 m Höhe liegenden Guayaq u i 1, das eine hohe Erkrankungsziffer an Malaria und anderen Tropenkrankheiten aufweist. In Quito bildet das Erlahmen des Herzens die weitaus häufigste Todesursache! Dabei Au$w andere* kaufen: Eisenwaren aller Art / Werkzeuge für Werkstatt und Garten Siedlungsbedarf / Wasserfilter / Mückennetze / Petroleumkocher / Elektr. Artikel / Haus« und Küchengeräte in Tropen »Qualitäten / Feuerfestes Porzellan / Jenaer Glas usw. bei A BAUM, Berlin S036, Dresdener Straße 8 Fernruf: 61 43 66 Gründungsiahr 1869 Am Kottbusser Tor 6

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.