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Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand LBI
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 4 (sequence 8)
Language
German
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Die Bedeutung des Klimas für den Auswanderer Nachstehend veröffentlichen wir zwei Aufsätze, die für jeden Auswanderer wichtig sind, den sein Geschick in heißere, d.h. subtropische oder gar tropische Zonen führt. Der erste dieser Aufsätze, der von einem ärztlichen Mitarbeiter stammt und auf gründlicher Kenntnis des einschlägigen wissenschaftlichen Schrifttums beruht, legt in einer allgemein verständlichen Form die Zusammenhänge zwischen geographischer Lage, Klima und körperlicher Beanspruchung des Auswanderers dar und gibt geeignete Verhaltungsmaßregeln zur möglichsten Ueberwindung der Anpassungsschwierigkeiten. Der zweite Aufsatz, der uns von einer Mitarbeiterin aus den Kreisen des Jüdischen Frauenbundes zur Verfügung gestellt worden ist, zeigt die wichtigsten Probleme der Haushaltführung in den Tropen. Wenn beide Verfasser, ungeachtet ihrer verschiedenen Ausgangspunkte, fast zu den gleichen Schlüssen kommen, so ist dies kein Zufall, sondern ein Zeichen dessen, daß für die Eingewöhnung des Europäers in den Tropen nur einige wenige, dafür aber um so wichtigere Verhaltungsmaßregeln gelten, die in gleicher Weise von der praktischen Erfahrung wie von der wissenschaftlichen Erkenntnis geboten werden. I. Die Klimazonen und ihre Begrenzung........ 4 II. Tropisches Klima ................. 5 III. Subtropische Klimate................ 8 IV. Gemäßigte Klimate................. 8 V. Gesundheitliche Voraussetzungen der Auswanderungs- 9 fähigkeit...................... VI. Allgemeine Verhaltungsmaßregeln für heiße Zonen 10 VII. Die Bekämpfung der Tropenkrankheiten....... 11 I. Die Klimazonen und ihre Begrenzung Die Auswanderung der Juden aus Deutschland richtet sich vorwiegend in Gebiete, deren klimatische Verhältnisse deutliche Abweichungen von dem in Deutschland gewohnten Klima zeigen. Bei der großen Bedeutung des Klimas für eine erfolgreiche Ansiedlung ist die Betrachtung dieser Verschiedenheiten von grundlegendem Interesse. Wir werden deshalb die verschiedenen Klimate zunächst charakterisieren, um dann ihre Eignung für den Auswanderer im einzelnen zu besprechen. Die geographische Einteilung der Erde ist die in eine heiße Zone (Tropen), je eine nördliche und südliche gemäßigte Zone und daran anschließend je eine nördliche und südliche kalte Zone (Polarzonen). Die heiße Zone reicht nach dieser Einteilung vom 23. nördlichen bis zum 23. südlichen Breitengrad; dem würde entsprechen: auf dem amerikanischen Festland ein Gürtel etwa von der Südhälfte des Golfs von Mexiko bis nach Rio de Janeiro, in Afrika ein solcher vom Mittellauf des Nils (Assuan) bis in den Nordteil der Südafrikanischen Union; in Asien reichen in die heiße Zone Vorder- und Hinterindien, des weiteren die Sundainseln, und in Australien das nördliche Drittel des Kontinents hinein. Diese Aufteilung nach geographischen Gesichtspunkten reicht indessen zur klimatischen Charakterisierung nicht aus. Diese muß vielmehr nach dem Temperaturverlauf in den verschiedenen Zonen bestimmt werden. Wir bedienen uns hierbei am besten der Einteilung, wie sie Koppen gibt: 1. Tropischer Gürtel: Die mittlere Temperatur (im folgenden kurz: Mittel) aller Monate liegt über 20° C, wobei unter mittlerer Monatstemperatur der Durchschnitt aus den täglich zu bestimmten Stunden abgelesenen Temperaturen verstanden wird. 2. Subtropische Gürtel: Die Mittel von 4—11 Monaten liegen über 20° C. 3. Gemäßigte Gürtel: Die Mittel von 4—12 Monaten liegen zwischen 10° und 20° C, die Mittel von höchstens 4 Monaten über 20° C. 4. Kalte Gürtel: Die Mittel von 1—4 Monaten liegen über 10° C. 5. Polare Gürtel: Die Mittel aller Monate liegen unter 10° C. Um diese Zahlen zu verstehen, wollen wir von dem uns bekannten Klima ausgehen und nicht nur die Temperaturen (die hier immer in C e 1 s i u s graden angegeben sind), sondern auch die Verhältnisse der Luftfeuchtigkeit und der Regenmenge betrachten. Berlin zeigt uns folgende Werte: Der Durchschnitt der Jahrestemperatur ist 9° C, die mittlere Julitemperatur 18° C, die mittlere Januartemperatur — 0,7° C. Diese Mittelwerte, die den wärmsten und kältesten Monat betreffen, erscheinen als Folge der Durchschnittsberechnung für die Julitemperatur niedrig, da die größte Tageshitze nur wenige Stunden zu währen pflegt, und umgekehrt für die Januartemperaturen hoch. Die höchsten in Berlin beobachteten Temperaturen liegen im Durchschnitt bei 33° C, die niedrigsten bei — 14° C. Die mittlere Schwankung der Temperatur im Tageslauf, d. h. der monatliche Durchschnitt aus den Differenzen der höchsten und tiefsten Temperaturen jedes Tages, beträgt im Sommer ca. 11° C, im Winter ca. 4° C. Um diese trocknen Zahlen etwas anschaulicher werden zu lassen, können wir auch sagen: Ein Sommer, in dem uns oft recht heiß wird und die Schulkinder nicht selten hitzefrei bekommen, weil die Temperatur im Schatten 25° übersteigt, zeigt im Zahlendurchschnitt doch nur 18°. Ebenso hat ein Winter, in dem wir oft wochenlang Gelegenheit zum Wintersport haben, eine Durchschnittstemperatur von nur wenigen Zehntelgraden unter Null. Im folgenden ist deshalb immer zu beachten, wie sehr die Durchschnittsberechnung die Extreme der Temperaturen einebnet. Die Häufigkeit des Regen- oder Schneefalls beträgt in Berlin für den Dezember im Durchschnitt 16 Regentage (d. h. Tage, an denen es schneit oder regnet), und in den heitersten Monaten Juni und September 12 Regentage. Dabei ist die Niederschlagsmenge im ganzen Jahr, kurz Regenmenge genannt, 570mm (Schnee und Hagel eingeschlossen). Der Juli ist mit einer Regenmenge von 80 mm der feuchteste, der Februar mit 30 mm der trockenste Monat. Je höher die Temperatur und Feuchtigkeit der Luft ist, um so unangenehmer verspüren wir die Feuchtigkeit als Schwüle, besonders bei fehlender Luftbewegung, weil die Verdunstung des Schweißes von der Hautoberfläche, die dem Körper Kühlung schaffen soll, nur sehr schwer möglich ist. Durch den Wind wird die Möglichkeit der Schweißverdunstung von der Haut vergrößert, so daß Hitze und Schwüle dann weniger unangenehm empfunden werden. Wir wollen uns nun der Begrenzung der Klimazonen in großen Umrissen zuwenden. 4

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