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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 111

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand LBI
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 111 (sequence 117)
Language
German
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lien, im Süden von Brasilien und im Westen von Columbien. Das Land erstreckt sich etwa vom 1. bis zum 13. Breitengrad nördlich des Äquators, liegt also durchaus in den Tropen. Doch wird der Einfluß dieser Tatsache auf das Klima durch mächtige Gebirgszüge, die einen großen Teil des Landes beherrschen, stark gemildert, während in dem gewaltigen Tiefland des Orinoko- Beckens der tropische Charakter unverfälscht hervortritt. Ueberhaupt ist Venezuela kein Land von einheitlichem Aufbau, sondern zerfällt geographisch in drei Teile, die auch klimatisch und wirtschaftlich große Unterschiede aufweisen: A. Die Gebirgsgegenden im Norden und Westen; B. Die Llanos des Orinokostromes und C. das Hochland von Guayana. A. Die Gebirgsgegenden im Norden und Westen. Die Ostkordillere der columbianischen Anden teilt sich an der venezolanischen Grenze in zwei Gebirgszüge, von denen der eine sich nordwärts erstreckt und in der Halbinsel Goajira endet. Die internationale Grenze folgt dem unerforschten Höhenzug dieses Gebirges, das Sierra de Perija heißt. Der andere Gebirgszug erstreckt sich in nordöstlicher Richtung und heißt C o r - dillera de Merida. Dieses Gebirge steigt bis zu 5000 m empor und hat teilweise Gletscher und ewigen Schnee. Es zerfällt in zahlreiche Gebirgsketten, zwischen denen Täler liegen, die zum großen Teil reich angebaut und zur Besiedlung vorzüglich geeignet sind; die Bevölkerungsdichte steigt hier bis auf 24 Menschen pro Quadratkilometer. Zwischen den beiden Gebirgszügen der Sierra de Perija und der Cordillera de Merida liegt der Golf und „See" von Maracaibo — eine Gegend, die in letzter Zeit wegen der dortigen Petroleumvorkommen außerordentliche Bedeutung erlangt hat. Der tropisch heiße Hafen Maracaibo, die drittgrößte Stadt Venezuelas, mit etwa 75 000 Einwohnern, lebt im wesentlichen von Export und dem Handel mit dem Hinterlande. Im Norden und Nordwesten dieses Tieflandes und der Sierra de Perija, sowie auf der Halbinsel Goajira leben noch wilde Indianerstämme. Das Karibische oder Küstengebirge beginnt östlich vom Flusse Cojedes und erstreckt sich mit einer einzigen großen Unterbrechung bis zum äußersten Osten der Republik. Es erreicht seine größte Höhe von etwa 2500 m unweit der Landeshauptstadt Caracas. Dieses Gebirge ist von der Cordillera de Merida durch eine Reihe von Berggipfeln getrennt, die die „Berge von Cora" heißen. Das Küstengebirge, mit seinen vielen Längs- und Querbruchzonen, ist heute der wichtigste Siedlungs- und Wirtschaftsraum des ganzen Landes. Die Bevölkerungsdichte steigt hier bis zu 73 Seelen pro Quadratkilometer. Hier liegen die Häfen La Guaira und Puerto Cabello, vor allem aber die Landeshauptstadt Caracas. Caracas liegt am Südabhang des Küstengebirges in einer Höhe von etwa 900 m und hat etwa 141 000 Einwohner. Der nördliche Teil der Stadt liegt erheblich höher als der südliche. Die Stadt hat rechtwinklig angelegte breite, schattige Straßen und Plätze, eine ausgezeichnete Wasserversorgung sowie ein gutes Straßenbahn- und Telephonnetz, elektrische Licht- und Kraftanlagen, Hospitäler, Asyle und dergleichen. Durch ihre Lage beherrscht sie den Handel mit den wichtigeren Städten im Norden des Landes und auch einen großen Teil des Wirtschaftslebens im Landesinnern. Caracas hat Papier-, Zement-, Textil-, Seifen- und Kerzenfabriken. Die wichtigsten Handelsprodukte sind aber Kakao, Kaffee und Zucker. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 21,8° Celsius; im kältesten Monat (Januar) beträgt sie 20,3°, im wärmsten Monat (Mai) 23,3°. Ist die mittlere Jahrestemperatur für den Europäer durchaus nicht zu hoch, so dürfte die Geringfügigkeit der Temperaturschwankungen bei dem an den Rhythmus der Jahreszeiten gewöhnten Körper des Europäers auf die Dauer Ermüdungserscheinungen hervorrufen. La Guaira, das mit seinem prachtvollen Gebirgshinterland als einer der schönsten Häfen der Welt gilt, ist der Haupthafen Venezuela. Es zählt nur 8500 Einwohner, besitzt aber moderne, teilweise mit englischem Kapital gebaute Hafenanlagen und treibt regen Handel besonders nach dem mittleren Teil der Republik. Die wichtigsten Handelsartikel sind Kaffee, Kakao, Häute und Felle. Es gibt dort Brauereien sowie Schuh-, Seifen- und Kerzenfabriken und Sägemühlen. In der Nähe von La Guaira liegt M a c u t o„ das in der Saison (November bis März) als Badeort benutzt wird. Puerto Cabello mit 23 000 Einwohnern, der zweitwichtigste Hafen des Landes, liegt auf einer schmalen Halbinsel. Es hat einen ausgezeichneten Hafen, zwei Forts und gute Verbindungen mit anderen Landesteilen. Es ist der Sitz von Getreide- und Baumwollmühlen, Sägewerken, Marmorwerken und Zigarettenfabriken. B. Die Llanos oder Ebenen des Orinokostromes erstrecken sich vom Flusse Guaviare in Columbien nördlich und östlich bis zum Delta des Orinoko. Diese ungeheuren tropischen Ebenen, die etwa ein Drittel des gesamten Wirtschaftsraumes Venezuelas ausmachen, eignen sich am ehesten zur Viehzucht, aber auch dies nur mit großen Schwierigkeiten. In der Regenzeit, d. h. von April bis Oktober, stehen große Teile des Landes unter Wasser, während in der Trockenzeit sich oft Wassermangel fühlbar macht. Die Llanos sind größtenteils nur spärlich bevölkert. Die wichtigste Stadt dieses Gebietes ist Ciudad Bolivar, der Haupthandelsplatz für etwa die Hälfte des venezolanischen Staatsgebietes. Die Stadt zählt etwa 20 000 Einwohner und liegt am rechten Ufer des Orinoko, der bis hierher — 400 km von der Mündung entfernt! — für Seedampfer schiffbar ist. Die Stadt ist ein beachtlicher Markt für billige Importware. Ihre wichtigsten Exportartikel sind Gold, Häute und Felle und Tonka-Bohnen. Die Stadt gilt trotz ihres tropischen Klimas als ziemlich gesund. Sie ist durch eine Straße von 960 km Länge mit Caracas verbunden; eine neue Straße bis zur brasilianischen Grenze ist im Bau. C. Das Hochland von Guayana, das mit seinen 450 000 qkm etwa so groß ist wie das Deutsche Reich, ist im allgemeinen heute noch so gut wie unerforscht — abgesehen von ein paar Punkten. Dort leben Überreste einiger Indianerstämme. Die Bevölkerungsdichte beträgt noch nicht eine Seele auf 2 qkm. Wenige Farmen und Plantagen und einige Bergwerke sind fast alles, was das große Gebiet an menschlicher Wirtschaft aufzuweisen hat. 2. Klima und Gesundheitsverhältnisse Das Klima Venezuelas ist einerseits durch seine Lage nahe am Äquator, andererseits durch die beträchtliche Höhenlage großer Landesteile bestimmt. Dementsprechend teilt man das Land in drei Klima-Zonen mit sehr abweichenden Durchschnittstemperaturen. Von der Küste bis zu einer Höhe von zirka 600 m über dem Meeresspiegel erstreckt sich die für Europäer auf die Dauer kaum erträgliche heiße Zone, deren Durchschnittstemperatur 26—28° Celsius beträgt; die gemäßigte Zone, die zwischen 600 und 2200 m Höhe liegt, weist Temperaturen von 18—25° Celsius auf; bei 2200 m beginnt die kalte Zone mit Durchschnittstemperaturen von 2—4° Celsius. Im allgemeinen wird man davon ausgehen können, daß die gemäßigte Zone, wenigstens soweit sie über 1000 m liegt, für den gesunden Europäer klimatisch geeignet ist, — wenn auch mit der doppelten Einschränkung, daß das Fehlen wesentlicher Temperaturschwankungen auf den Europäer, dessen Körper an den Wechsel der Jahreszeiten gewöhnt ist, etwas ermüdend wirkt, und daß das Leben in Höhen über 2000 m Anforderungen stellt, denen nur Menschen mit sehr anpassungsfähigem, kerngesundem Herzen und kräftiger Lunge gewachsen sind. Die Gesundheitsverhältnisse des Landes gelten als mittelmäßig. Die Kindersterblichkeit ist außerordentlich hoch; aber auch die allgemeine Sterblichkeitsziffer ist erschreckend; soll sie doch zwischen 40 pro 1000 in den größeren Städten und 138 in einzelnen Teilen schwanken. Trotz alledem ist aber in letzter Zeit eine erhebliche Bevölkerungszunahme zu verzeichnen, die nur zu einem ganz geringen Teil auf Einwanderung zurückzuführen ist. ///

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