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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 102

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand LBI
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 102 (sequence 108)
Language
German
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Bestimmungen unterworfen, aber wenn man die Neuankommenden über das Land verteilt und es vermeidet, Menschen her auszuschicken, die sich mit Hausierhandel und dem Verkauf auf Ratenzahlung befassen, dann gäbe es schon jetzt für folgende Berufe Beschäftigungsmöglichkeiten : 1. H andwerker Im allgemeinen kann man mindestens 50 pro Jahr in sämtlichen Zweigen des Handwerks unterbringen: Herrenschneider, Damenschneider, Friseure, Schuhmacher, Tischler, Uhrmacher, Mechaniker usw., sowohl in Lima wie in den acht bis zehn wichtigsten Städten Perus. Sie können leicht drei bis fünf Soles täglich von Anfang an verdienen (1 Dollar 4 Soles). Und wenn sie mit der Arbeit vertraut sind und die Landessprache beherrschen, kann sich ihr Einkommen auf fünf bis acht Soles täglich stellen. Wenn die Handwerker ein kleines Kapital (1500 bis 2000 Soles) besitzen, dann sind die Aussichten viel besser, denn sie können sich dann auf eigene Rechnung niederlassen und zehn Soles täglich verdienen, vielleicht auch mehr. Sie könnten außerdem anderen Landsleuten innerhalb der Grenze des gesetzlich vorgeschriebenen Prozentsatzes ihrerseits Arbeit gewähren. 2. Kaufleute Dieser Berufszweig muß natürlich gewisse Kapitalien besitzen, um sich niederzulassen; man kann zu einer angenehmen Existenz kommen, aber ebenso wie bei den Handwerkern darf man sich nicht nur in Lima niederlassen, sondern vorzugsweise in den kleinen Städten und Dörfern des Innern, wo ein größeres Tätigkeitsfeld besteht und weniger Konkurrenz herrscht als in der Hauptstadt, wo die Kaufleute schon zahlreich sind. Die empfehlenswertesten Städt sind: Piura, Chiclayo, Trujillo, Huanacayo, Arequipa, Cuzco, Puno usw. 25 bis 30 Familien können sich dort mit Leichtigkeit niederlassen. 3. Arbeiter Diese finden Beschäftigung in Bergwerken oder bei landwirtschaftlichen Arbeiten. Der Tageslohn beträgt drei bis vier Soles; aber man muß in Rechnung stellen, daß die Arbeit nicht leicht ist, und daß die Neuangekommenen, die daran nicht gewöhnt sind, Schwierigkeiten haben werden, besonders wenn sie keinen kräftigen Körperbau besitzen. Für diese Art Arbeit wird man immer den Eingeborenen bevorzugen. 4. Angestellte Wegen der gesetzlichen Vorschriften, und besonders, wenn die Betreffenden kein Spanisch können, werden kaufmännische Angestellte Schwierigkeiten haben, schnell ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wenn sie aber fremde Sprachen beherrschen, könnten sie vielleicht bei Importfirmen Beschäftigung finden. Man kann nicht ganz die Möglichkeit leugnen, nach einem Aufenthalt von einigen Monaten und nach Erlernung der Landessprache Stellung zu finden. Je nach den Fähigkeiten kann ein Angestellter 100, 150 oder sogar 200 Soles verdienen, manchmal sogar mehr, wenn er Buchführung und Büroarbeiten wirklich gründlich versteht. 5. Techniker Ingenieur-Chemiker, Metallfachleute und andere Techniker werden ziemlich leicht und mit leidlicher Hoffnung auf Erfolg in den verschiedenen Bergwerken und Industrien, die im Lande bestehen, Arbeit finden. Sie dürfen aber nicht für den Anfang schon auf große Bezüge hoffen, sondern können zuerst höchstens 200 bis 300 Soles monatlich verdienen, je nach ihrem Beruf. Bei Angehörigen dieser Berufe besteht wahrscheinlich die Möglichkeit, 15 bis 20 jährlich unterzubringen. 6. Mediziner Für Mediziner besteht fast gar keine Wahrscheinlichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und zwar wegen der großen Schwierigkeiten, auf die sie stoßen, wenn sie ihren Titel für gültig erklären lassen wollen. Selbst für die Beschäftigung als Krankenpfleger, Assistenten oder auf irgendeinem anderen Posten in Krankenhäusern, besteht dieselbe Schwierigkeit. Die Aerzte müssen zunächst 2000 Soles als Examensgebühr bezahlen, müssen ihre vom peruanischen Konsul in Berlin visierten Diplome vorlegen und haben keinerlei Gewißheit, das Examen zu bestehen, denn man tut das Unmöglichste, um sie durchfallen zu lassen, und in diesem Fall ist die hinterlegte Summe von 2000 Soles verloren. Es existieren vier Universitäten in Peru (zwei in Lima, eine in Trujillo und eine in Arequipa), und selbst die Akademiker dieser Universitäten sind längst nicht sicher, Arbeit zu finden. Deshalb will man nicht, daß Fremde ihnen Konkurrenz machen und gestattet diesen nicht, einem Eingeborenen die Stellung wegzunehmen. Zusammenfassend kann man sagen, daß es bei Handwerkern, Kaufleuten, Angestellten, Ingenieuren und Intellektuellen (mit Ausnahme der Aerzte) möglich sein sollte, in einer vorsichtig berechneten Zeit ungefähr 150 Personen unterzubringen, vielleicht auch mehr. Aber diese Personen müssen wissen, daß ihre Zukunft viel eher im Innern des Landes liegt, und daß sie nicht versuchen dürfen, sich in Lima oder Callao zu konzentrieren, was gegen ihr eigenes Interesse verstoßen würde; denn ebenso wie in allen anderen südamerikanischen Ländern, besonders in Argentinien, wo jedermann in Buenos Aires bleiben will, wendet sich die peruanische Regierung gegen die Zusammenballung der Einwanderung in der Hauptstadt. 7. Industrielle Alle möglichen Kleinindustrien können sich in den Zentren von Peru niederlassen, ohne Beschränkung auf ein bestimmtes Arbeitsgebiet und mit guten Aussichten auf Erfolg. Natürlich braucht man dazu ein gewisses Kapital, wenn es auch nicht sehr hoch sein muß. Denn der Erfolg hängt mehr von der Person selbst ab, die Unternehmungslust besitzen und für die betreffende Industrie oder Handelsunternehmung den geeignetsten Ort richtig auswählen muß, entweder in der Umgebung von Lima, wo schon Transportmittel bestehen, oder aber da, wo die Gehälter und Löhne am niedrigsten sind. Die Regierung betrachtet mit größter Sympathie einen jeden, der mit solchen Absichten in das Land kommt, nicht nur weil man so den Fortschritt beschleunigt, sondern auch weil die neuen Industrien zu 80 °/o peruanische Arbeiter beschäftigen müssen. Was industrielle Unternehmen von größerer Bedeutung und mit größerem Kapitalbedarf angeht, so kann man die Einrichtung von Zementfabriken, Webereien, Fabriken für Jutesäcke, Papierfabriken usw. ins Auge fassen, ebenso Unternehmungen zur Ausbeutung der im Lande befindlichen Erze. Im allgemeinen werden die Arbeitskräfte jeder Industrie, und zwar sowohl die Ingenieure wie die Mechaniker und die Arbeiter recht anständig bezahlt. Die neuen Industrien, die erst eingerichtet werden, können, wie oben gesagt, 20 °/o fremde Arbeiter beschäftigen. 8. Siedler Jedes kolonisatorische Werk erscheint in Peru außerordentlich schwierig, denn die von der Regierung geforderte Vorbedingung besteht, wegen des Zustandes des Landes, in dem Bau von Zugangsstraßen. Man kann auch nicht an eine Stadtrandsiedlung denken, denn in der Nähe der großen Städte sind die Terrains schon vergeben, die Ländereien an der Küste haben kein Wasser, und im Innern des Landes würde man auf die Konkurrenz der Eingeborenen beim Verkauf der Produkte stoßen. Daher würde jede Unternehmung zunächst die Investierung großer Kapitalien erfordern. Daran sind auch alle Kolonisationsversuehe von privater Seite schließlich gescheitert, die man zwischen 1920 und 1935 unternommen hat. V. Lebenshaltungskosten Für Personen, die von Europa her an ein angenehmes Leben gewöhnt sind, werden folgende Lebenshaltungskosten in Peru angegeben: Ein Junggeselle braucht 120 Soles, eine vierköpfige Familie 400 Soles. Die wirklich notwendigen Kosten sind aber erheblich niedriger. Aus einem Sonderbericht der Hicem über Peru geht folgendes 102

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