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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 78

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand LBI
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 78 (sequence 84)
Language
German
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fahrt auf dem Magdalenenstrom sehr unter Wassermangel während der Trockenzeit. Die Wege in Columbien sind in der Mehrzahl bloße Maultierpfade; doch sind in den letzten Jahren seit 1931 in der Durchführung eines umfassenden Straßenbau- Programms der Regierung erhebliche Fortschritte gemacht worden. Die Gesamtlänge des A u t o s t r a ß e n n e t z e s beträgt über 6500 km; von der grandiosen, nach dem südamerikanischen Freiheitshclden Simon Bolivar genannten internationalen Autobahn, die in einer Gesamtlänge von etwa 3680 km von Caracas in Venezuela nach Guavaquil in Ecuador führen soll, ist der columbianische Teil bereits fertig. Regelmäßiger täglicher Luftverkeh r verbindet Bogota und Barranquilla; und zwar ist dies die rentabelste Linie der Welt. Von Barranquilla aus geht zweimal wöchentlich Flugverkehr bis New York; die gesamte Strecke wird in 2'o Tagen durchflogen. 7. Außenhandel Der Gesamtwert der columbianischen Ausfuhr betrug 1935 142,8 Mill. Pesos, im Vorjahre 152 Mill. Die Gesamteinfuhr hatte 1935 den Wert von 106,9 Mill. Pesos gegenüber nur 87,6 Mill. Pesos im Jahre 1934. Somit ergab sich für 1935 ein Ausfuhrüberschuß in Höhe von 35,9 Mill. Pesos. Doch ist hierbei zu berücksichtigen, daß ein großer Teil des Ausführertrages nicht in Columbien verbleibt, sondern denjenigen Ländern zufließt, deren Kapital in columbianischen L nternehnningen angelegt ist. Besonders stark ist die ausländische Kapitalbeteiligung in der P e t r o 1 e u m - Produktion, der Platingewinnung und dem Bananenexport. Die weitaus wichtigsten Abnehmer des columbianischen Exports sind die Vereinigten Staaten, während in der Einfuhr neben diesen auch Deutschland und zeitweilig Großbritannien eine sehr bedeutende Rolle spielen; seit 1935 macht Deutschland sogar den Vereinigten Staaten den ersten Platz als Lieferant Columbiens streitig. Aufteilung der Ausfuhr und Einfuhr des Jahres 1934 auf die wichtigsten Bestimmungs- bzw. Herkunftsländer (in 1000 Pesos) Herkunftsbezw. Bestimmungsland Ausfuhr Einfuhr Vereinigte Staaten 81 265 38 461 Großbritannien 2911 15 225 Deutschland 8 622 13 143 Frankreich 1 384 3 506 Japan — 4 209 Canada 6 891 — Die Handelspolitik Columbiens beruht auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit und erstrebt im allgemeinen die Erzielung eines Ausfuhrüberschusses jedem andern Lande gegenüber. Die columbianischen Exporte wurden schon oben geschildert. Die Einfuhr bestand hauptsächlich aus Verbrauchsgütern oder Halbfertigwaren; an Investitionsgütern ist die Einfuhr noch relativ gering. Deutschlands Außenhandel mit Columbien 1935 (in 1000 RM.) Gesamt-Einluhr 20 594 davon: Kaffee 18 953 Südfrüchte 625 Kalbfelle und Rindshäute 318 Rohtabak 292 Gerbhölzer, -rinden 206 Gesamt-Ausfuhr 27 699 davon: Malz 545 Hopfen 541 Zement 210 Woll- und andere Garne 537 WoUgewebe 593 Baumwollgewebe 2 394 Strümpfe 1 660 Leder 496 Kautschukwaren 271 Papier und Papierwaren 1 334 Schreib- und ähnliches Papier 227 Druckpapier 199 Farben, Firnisse, Lacke 1 134 Ton- und Porzellanwaren 559 Steingutwaren, einfarbig 284 Glas und Glaswaren 775 Flaschen, weiß 121 Apparate, Instrumente 110 \\ aren aus Eisen 7 814 Waren aus Kupfer 769 Stangen, Bleche usw. 125 Textilmaschinen 364 Werkzeugmaschinen 77 Dieselmotoren 111 Eletrotechnische Erzeugnisse 461 Kraftfahrzeuge, -räder 45 Musikinstrumente 123 Uhren 148 Spielzeug 149 Hol zw aren 191 (Aus: Wirtschaftsdienst Nr. 14, 3. April 1936.) Voraussichtlich werden sich die Handelsbeziehungen mit Deutschland durch das Aski-Markverfahren, das dem columbianischen Importeur große Kursgewinne zusichert, weiter verstärken. 8. Konjunktur Während noch Anfang 1935 Columbien in der Depression verharrte, gegen Ende 1935 sich aber schon Anzeichen ihrer Ueberwindung bemerkbar machten, ist man jetzt allgemein der Ansicht, daß Columbien definitiv in eine Aufschwungsperiode eingetreten ist. Zwar stagnierte der Aufschwung während einiger Monate dieses Jahres, denn der Preis von Columbiens wichtigstem Ausl'uhrprodukt, dem Kaffee, war am New-Yorker Markt starken Schwankungen ausgesetzt; trotzdem liegt aber der Preis des Kaffees noch über dem Jahresdurchschnitt 1935. Auch mengenmäßig wurde mehr Kaffee exportiert als im Vorjahre. Die Kaffee-Ernte für das laufende Jahr gilt als befriedigend. Eine neue Steuergesetzgebung — mit Einführung einer direkten Besteuerung — wird dem Staatshaushalt eine bedeutende Steigerung der Einnahmen verschaffen, und ein Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten dürfte den Außenhandel weiter beleben. Die industrielle Entwicklung ist weiter in starkem Aufschwung begriffen. Für die künftige Wirtschaftsentwicklung ist nicht nur die Förderung der Industrie von Regierungsseite von größter Bedeutung, sondern vor allem die Anlage neuer Verkehrswege, die die natürlichen Verkehrsbarrieren überwinden und die Transportwege kürzer und bequemer gestalten. Die allgemeine konjunkturelle Aufschwungstendenz wird durch erleichterte Kreditgewährung der Banken unterstützt. Auch der Notenumlauf und die Bankdepositen nahmen weiter zu. Die Notierungen wichtigster Papiere auf der Börse zeigen deutliche Anstiegstendenzen. (Teilweise nach: „Die Weltwirtschaft Mitte 1936", Sonderbeilage zu „Wirtschaft und Statistik", 16. Jahrg. Nr. 12.) IV. Kulturelles Wie in ganz Südamerika ist auch in Columbien die vorherrschende Religion der Katholizismus. Doch ist man anderen Bekenntnissen gegenüber ausgesprochen tolerant. Die Staatsschulen sind sämtlich katholisch, aber Privatschulen anderer Bekenntnisse sind gestattet. Das Niveau der allgemeinen Bildung ist in Columbien wesentlich höher als in den Nachbarrepubliken Venezuela und Ecuador. Der Volksschulbesuch ist zwar unentgeltlich, aber es besteht kein Schulzwang; trotzdem ist der Teil der Bevölkerung, der tatsächlich die Schule besucht, mit 5 o/o für südamerikanische Verhältnisse ziemlich groß. Im Jahre 1933/34 bestanden 8712 Volksschulen mit rund 560 000 Schülern, ferner 438 höhere Bildungsanstalten und Lehrerseminare mit zusammen über 30 000 Schülern; ferner 203 Gewerbe- und Fortbildungsschulen mit über 10 000 Schülern, 10 Kunstschulen mit fast 700 Schülern und 90 Handelsschulen mit über 5000 Schülern. Trotz dieses ausgebreiteten Bildungswesens besteht immer noch ein nicht unerhebliches Analphabetentum; 1928 waren noch 23 o/0 der männlichen und 25 o/o der weib- 78

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