Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand LBI
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 77 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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3. Die Landwirtschaft Das Hauptprodukt der columbianischen Volkswirtschaft ist der Kaffee, dessen Ausfuhr 1935 etwa 78,6 Mill. Pesos einbrachte. Der columbianische Kaffee ist von milderem Aroma als der brasilianische; auch wird die Nachfrage nach diesem von der Ueberproduktion in Brasilien kaum betroffen. Die Qualität wird staatlicherseits überwacht. Da während des ganzen Jahres geerntet; werden kann, fließt dem Kaffeeproduzenten ein regelmäßiges Einkommen zu, und heftige saisonale Preisschwankungen fallen fort. Ein' anderes wichtiges Produkt der columbianischen Landwirtschaft sind die Bananen, die vorwiegend im tropischen Küstengebiet des Nordostens angebaut werden. Nach dem Kaffee bilden sie den bedeutendsten agrarischen Exportartikel; 1935 betrug sein Exportwert 8,9 Mill. Pesos. Tabak wird im ganzen Land angebaut, und zwar hauptsächlich für den inländischen Eigenbedarf einer zollgeschützten Tabakindustrie. — Baumwolle wurde bisher nur in geringem Umfang angebaut, obwohl das Land, speziell das Cauca-Tal, für eine Baumwoll-Kultur und -Industrie als sehr geeignet gilt. Noch ist Columbien in Baumwollgeweben, wie in Textilien überhaupt, stark abhängig von der Einfuhr. (1934 machte der Einfuhrwert der Woll- und Baumwollgewebe 26,1 Mill. Pesos bei einer Gesamteinfuhr von 87,6 Mill. Pesos aus.) Von weiteren Agrarprodukten, die in Columbien angebaut werden, sind von Bedeutung: Kakao, Zucker, Südfrüchte, Weizen und Mais. Für den einheimischen Bedarf wird auch in steigendem Maße Reis angebaut. 1933 wurden 51000 t erzeugt. Nicht unbeträchtlich ist die Viehzucht; die Zählung von 1934 ergab fast 8 Mill. Stück Rindvieh, daneben über D/2 Mill. Schweine, fast 1 Mill. Pferde usw. Fleisch wird nicht exportiert, dagegen betrug der Wert der ausgeführten Häute und Felle 1935 2,5 Mill. Pesos. Erhebliche Entwicklungsmöglichkeiten dürfte die Waldwirtschaft bieten; wachsen doch im Gebiet des Magdalena- Stromes zahlreiche Farbhölzer, Zedern usw.; doch hat ein nennenswerter Export bisher nicht stattgefunden. An Nutzholz deckt Columbien zur Zeit nicht einmal den eigenen Bedarf. 4. Bodenschätze Vom Kaffee abgesehen, ist Petroleum der wichtigste Exportartikel des Landes. Seine Ausfuhr brachte 1935 rund 29 Mill. Pesos ein. Die ergiebigsten Quellen, die Columbien zu einem der größten Erdölproduzenten der Welt machten, liegen am Mittellauf des Magdalena- Stromes. Es besteht ein Petroleum-Monopol, das in den Händen der Tropical Oil Co. liegt. Gold wird in allen Departements des Landes gefunden, doch nur mit recht primitiven Methoden gewonnen. Der Produktionswert betrug 1935 zirka 20 Mill. Pesos; etwa 16,6 Mill. wurden davon exportiert. Als P 1 a t i n-Produzent steht Columbien heute in der Welt an erster Stelle; der Ausfuhrwert betrug 1934 2,7 und 1935 2 Millionen Pesos. Doch scheinen sich die Vorkommen allmählich der Erschöpfung zu nähern; die Exporte gehen zurück. Columbien besitzt die einzigen Smaragd- Bergwerke der Welt. Diese befinden sich im Staatsbesitz; die Ausfuhr von Smaragden wird streng kontrolliert; nur die schönsten Steine dürfen ins Ausland verkauft werden. An sonstigen Bodenschätzen besitzt Columbien hochwertige Kohle, besonders in der Nähe von Cali, ferner Eisen, Kalkstein usw., so daß in manchen Gegenden ausgezeichnete Grundlagen für eine metallverarbeitende Industrie vorhanden sind. 5. Industrie Zur Zeit ist Columbien noch sehr stark auf die Einfuhr von Industriewaren angewiesen, da die eigene Produktion noch nicht genügend entwickelt ist. Doch sind in der letzten Zeit schon erstaunliche Fortschritte zu verzeichnen gewesen. Die „Industria Nacional Colombiana", die führende Industrie-Organisation des Landes, hat Schätzungen veröffentlicht, nach denen die Erzeugung verschiedener Industriewaren in den letzten Jahren um 50 bis 80 o/o gestiegen sein und die columbianische Industrie insgesamt etwa 300 000 Arbeiter beschäftigen soll. Als 1935 die Regierung den Acht-Stunden-Tag ohne Lohnsenkung gesetzlich einführte, hatte dies die Vermehrung der beschäftigten Arbeiterzahl um mindestens 10 000 Köpfe zur Folge. Augenblicklich sollen, nach Schätzungen der erwähnten Organisation, unter Zugrundelegung einer Durchschnittsfamilie von 5 Köpfen, etwa 1,5 M i 11. Menschen von der columbianischen Industrie leben. Zur Zeit deckt die Industrie des Landes den Bedarf der Bevölkerung im wesentlichen nur bei einigen Genußmitteln und billigen Luxuswaren. So bei Bier (es bestehen 20 Brauereien im Lande), Mineralwasser, billiger Schokolade, bestimmten alkoholischen Getränken, Tabakwaren und Zündhölzern. Solche Industrien werden durch Zölle geschützt. Auf anderen Gebieten vermag aber selbst der jeder neu entstehenden Industrie bereitwillig gewährte Zollschutz das Land noch nicht von ausländischer Einfuhr unabhängig zu machen. Solche Industrien, deren Produktion noch durch Einfuhr ergänzt wird, erzeugen u. a. Textilien (auch Kunstseidenwaren), Leder-, Glas-, Schuhwaren, Zement, Seifen, Kerzen, Lacke, Keramik, Bürsten und Kartonagen, Stacheldraht, Stahlmöbel usw. — Von Bedeutung sind auch die auf den agrarischen Landesprodukten aufbauenden Industrien: Kaffeeverarbeitung, Getreide- und Sägemühlen, Panamahut- Fabriken, Gerbereien. Große Fortschritte machte in letzter Zeit auch die chemisch - pharmazeutische Industrie. Ihre Hauptprodukte sind: Kohlendioxyd, Kölnisch Wasser, Toilettepuder, Toiletteseife usw. Für die Versorgung der Industrie mit elektrischer Energie bieten die Wasserkräfte Columbiens ausgezeichnete Möglichkeiten; schon jetzt sind Elektrizitätswerke über das ganze Land verteilt, die billigen Strom erzeugen. Günstig ist für die columbianische Industrie auch die sehr geringe Steuerlast. 6. Verkehr Infolge der gebirgigen Natur des Landes erwies sich der Eisenbahnbau in Columbien als überaus kostspielig und schwierig. Die Länge des gesamten Eisenbahnnetzes, das in den Händen von 15 zum Teil englischen, zum größeren Teil einheimischen Gesellschaften ist, beträgt zur Zeit über 3000 km, ist aber in starkem Wachstum begriffen. In Staatsbesitz sind etwa 1500 km. Die columbianischen Staatsbahnen wiesen in den letzten vier Jahren einen Nettogewinn von 2,4 Millionen Pesos auf. Die Eisenbahnen sind häufig nur Stichbahnen auf kurzen Strecken oder Umgehungslinien für die nicht schiffbaren Teile der Ströme, welche die Hauptverkehrsadern des Landes bilden. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Bergland auch Drahtseilbahnen. Zwischen Mariquita und Manizales fährt die längste Drahtseilbahn der Welt. Die weitaus wichtigste Wasserverkehrsstraße Columbiens ist der Magdalenenstrom, der das Innere des Landes mit dem Caribischen Meer verbindet und etwa 1700 km weit schiffbar ist. Dampfer verkehren bis hinauf nach La Dorada, mehr als 900 km flußaufwärts von Barranquilla. Doch leidet die Schiff- E. GOLDSCHMIDT HOF-JUWELIER KÖLN, DOM KLOSTER 1 GEGENÜBER DEM DOM TELEPHON: 223944/45 .77