Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand LBI
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 71 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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(Wertangaben in Pesos zu 6 d) Eisendraht 1 646 989 Schmiede- und gußeiserne Röhren 2 115 645 Diverse Maschinen 4 706 610 Glühbirnen 638 432 Autos 736 342 Zeitungspapier 431 887 In letzter Zeit ist der Handel Chiles mit Deutschland sehr stark gewachsen. Die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands und seine führende Rolle in allen Warengruppen, die nicht mit Nahrungsmitteln, Mineralien und Textilien zusammenhängen, beruht z. T. auf dem niedrigen Stand der Verrechnungsmark (etwa 25 o/o unter pari). Infolge starker Käufe der chilenischen Importeure sind aber zur Zeit in einzelnen Branchen die Läger mit deutschen Waren überfüllt. 5. W ährung Währungseinheit ist der chilenische Peso (abgekürzt $; :$ 1 100 Centavos). Einer in Peso ausgedrückten Geldsumme folgt zumeist die Abkürzung m/c (d. h. moneda eorriente) oder auch (in gleicher Bedeutung) m/1 (d. h. moneda legal). Die Summe von 1000 Pesos beispielsweise wird also geschrieben: 8 1000 m/c oder $ 1000 m/1. 10 Pesos werden auch „Condor" genannt. Der Peso, dessen Parität 6 engl, pence, Gold (d) oder 0,51 RM. beträgt, ist in den letzten Jahren mehrfach abgewertet worden, blieb aber seit 1. Januar 1935 im Freiverkehr im Verhältnis $ 1 V ■> d stabil. $ 100 notierten im Juni 1936 12,80 RM. In Chile herrscht eine zwar nicht lückenlose, aber im allgemeinen strenge und sehr komplizierte Devisen- Wirtschaft, über deren Einzelheiten wir einem ausführlichen Aufsatz der „Frankfurter Zeitung" vom 26. 6. 1936 folgendes entnehmen: „Die bisherige Devisenregelung stellt zugleich eine Verbindung von Freiheit und Kontrolle dar, die weniger einem bestimmten System, als einer allmählichen Anpassung an die Gegebenheiten der Entwicklung entsprungen sein dürfte. Es gibt zum mindesten sechs verschiedene Pesokurse, nämlich den offiziellen Kurs, den Kurs der Exportdevisen, den Kurs der Kompensationsdevisen, soweit er von der Zentralbank festgesetzt wird, den Kurs der Kompensationsdevisen, soweit er sich frei bildet, den Kurs, zu dem die Devisen aus Kupfer- und Eisenexporten der Zentralbank abgetreten werden, und schließlich den Pesokurs am freien Markt. Im Januar 1935 wurde der offizielle Kurs des Peso auf 6 d festgesetzt. Dieser Kurs ist entscheidend für die Bestimmung der Zollzuschläge, zu diesem Kurs haben auf Grund einer Liste die Exporteure einen Teil ihrer Exportdevisen an die Zentralbank abzuführen. Die Regierung benutzt diese für sie „billigsten" Devisen entweder zur Zahlung ihrer Auslandsverpflichtungen oder zum Weiterverkauf an Importeure lebensnotwendiger Waren. Eine von der Zentralbank unabhängige Devisenkommission kontrolliert sodann Ex- und Import. Der Exporteur muß dafür garantieren, daß der Gegenwert für seinen Export dem Lande wieder zugute kommt, und zwar entweder in Devisen oder in — lebensnotwendiger — Ware. Exporteure können über ihre Guthaben im Ausland entweder zum eigenen Import (bei lebensnotw endiger Ware) verfügen, oder die W echsel an Importeure oder aber an die Zentralbank bei freier Kursbildung verkaufen. Solche Exportwechscl aber entstehen nur im Verkehr mit Ländern, mit denen keine Kompensationsverträge bestehen, namentlich mit England und den Vereinigten Staaten. Es gibt in Chile zwar eine Verwendungs-, aber keine vollständige Ablieferungspflicht für Devisen, auch ist der Zeitpunkt für die Ablieferung des betreffenden Anteils (1 bis 20 o/o) nicht genau bestimmt, so daß I lamsterung und Spekulation möglich sind. Kupfer und Eisen sind von der Exportdevisen-Regelung ausgenommen. Die Regierung hat mit diesen Exporteuren besondere Ablieferungsverträge geschlossen. Der Importeur muß erst mit der Zentralbank verhandeln, um den Importdevisenpreis zu erfahren. Die Regierung setzt auch den Kurs der Devisen fest, die aus Kompensationsverträgen abfallen, welche auf dem Salpeter aulgebaut sind. 36—40 o/o des Salpeterexportes dürften in Länder gehen, mit denen derartige Kompensationsverträge abgeschlossen sind. Von den Erlösen aus dem Salpeterexport werden i. a. 20 o/o zur Zahlung festgefrorener Kredite einbehalten, für weitere 20 o/0 müssen W aren aus den betreffenden Ländern nach Chile eingeführt werden, und die Regierung setzt den Kurs je nach den verschiedenen Fällen verschieden fest. Neben diesen Kompensationsverträgen gibt es eine andere Gattung, innerhalb deren der ganze Exporterlös zum Import Verwendung finden muß, wie z. B. im Verkehr mit Japan und Deutschland. Bleibt in solchen Fällen der Importbegehr hinter dem Export zurück, so sinkt der W ert des Peso so lange, bis er neue Käuferschichten anzieht." Welche Wirkungen sich im einzelnen aus dem Zusammentreffen der chilenischen Devisenwirtschaft mit den deutschen Devisenbestimmungen und aus den deutschchilenischen Verträgen ergeben, kann hier nicht ausgeführt werden. Zeitweilig haben in den letzten Jahren besondere Möglichkeiten des Kapitaltransfers für Auswanderer aus Deutschland bestanden und die Bedeutung Chiles als Einwanderungsland erhöht. Zur Zeit (Mitte August) ist der Kapitaltransfer in beschränktem Maße wieder möglich. 6. Konjunktur Bei der überragenden Bedeutung, die der Export einzelner Standardprodukte, wie vor allem Salpeter und Kupfer, für die chilenische Volkswirtschaft besitzt, mußte die Weltwirtschaftskrise, deren Beginn durch den Zusammenbruch der Rohstoffpreise charakterisiert war, Chile auf das schwerste treffen. 1932 erreichte die Krise in Chile ihren Höhepunkt. Der Außenhandel war stark zurückgegangen, ein industrielles Unternehmen nach dem andern brach zusammen, infolge mangelnder Benzineinfuhr hatte der Autoverkehr fast völlig aufgehört, und Pferde- und Maultierkarren beherrschten wieder das Stadtbild. Der Betrieb der wichtigsten Bahnlinien war eingestellt. Aus dieser Krisenlage hat sich Chile erstaunlich schnell erholt. Die wirtschaftliche Entwicklung läuft wieder in kontinuierlichen Bahnen. Zwar kann noch nicht gesagt werden, daß in Chile schon Hochkonjunktur herrsche, doch sprechen alle Anzeichen dafür, daß Chile — auch im Vergleich zu den Aufschwungstendenzen anderer Länder Südamerikas — sich im Stadium des konjunkturellen Aufstieges befindet. Ein untrügliches Kennzeichen dieses Vorganges ist die Abnahme der Arbeitslosigkeit im Zusammenhang mit einer bedeutenden Zunahme der Bautätigkeit, die nicht nur auf Ausführung von Staatsaufträgen beruht (Straßenbau, Untergrundbahn-Anlage in Santiago, Errichtung von Stadien, Sport- und Flugplätzen usw.), sondern auch auf eine ständig wachsende Privatinitiative zurückzuführen ist. Die Produktions-Indizes gerade der konjunkturell wichtigen Schlüsselindustrien des Landes sind bedeutend gestiegen. Die Außenhandelsziffern, die im vorigen Jahr noch eine stagnierende Ausfuhr Chiles zeigten, haben sich bedeutend zugunsten Chiles gewendet. Die Währungslage ist augenblicklich stabil. Die Staatseinnahmen waren zu Anfang dieses Jahres um etwa 20 o/o höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zwischen der Lohn- und der Preisbewegung besteht aber eine Diskrepanz; die Preise sind in den letzten Jahren erheblich mehr gestiegen als die Löhne. In letzter Zeit hat sich dieses Nachhinken der Lohnkurve hinter der Preiskurve bereits im Einzelhandel bemerkbar gemacht. Der Absatz stockte infolge mangelnder Kaufkraft der Lohn- und Gehaltsempfänger; W7echselverlängerungen, Auswanderer kaufen Reiseschreibmaschinen (in allen Sprachen und Systemen) bei DrCSClnd* Auch Umtausch gebrauchter Maschinen Berlin W 15, Ludwigkirchstraße 7 * J2 Oliva 4261 (bis 1 Uhr und ab 7 Uhr ) 71