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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 40

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand LBI
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 40 (sequence 42)
Language
German
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Gebiet ausgefüllt. Im Norden konnte sich zeitweilig eine Kautschukwirtschaft entwickeln, die durch zum Amazonas- und Paraguay-System gehörige Flußläufe verkehrswirtschaftlich belebt wurde. Siedlungen sind im ganzen Tiefland spärlich, die hohen Tropentemperaturen erschweren Europäern die Niederlassung. Die wenigen Ortschaften gehen auf Jesuitengründungen zurück. Die im Tiefland lebenden wilden Indianerstämme führen ein Nomadendasein. 2. Klima und Gesundheitsverhältnisse Klimatisch zerfällt Bolivien in drei Teile: das eigentliche Hochland, das mittlere Hochland und das Tiefland. Das Hochland über 3000 m ist sehr regnerisch und hat Jahresdurchschnittstemperaturen von etwa 3—9° C, das mittlere Hochland weist Temperaturen zwischen 10 und 18° C auf, das Tiefland endlich trägt rein tropischen Charakter mit 24—27° C Durchschnittstemperatur. Die durchschnittliche Jahrestemperatur für die wirtschaftliche Landeshauptstadt La P a z, die 3690 m hoch liegt, beträgt 9° C. Kältester Monat ist der Juni (7° C), wärmster der November (11,5° C). Das Klima ist also verhältnismäßig kühl, doch muß gegen die in dieser Höhe sehr intensive Sonnenstrahlung Vorkehrung getroffen werden. Die Luft ist hier schon recht dünn, und der Einwanderer wird einige Anpassungsschwierigkeiten zu überwinden haben. Die durchschnittliche Jahrestemperatur von Cochabamba, der zweitgrößten Stadt des Landes, die 2550 m hoch liegt, beträgt 17,3° C. Kältester Monat ist der Juni (14° C), wärmster Monat ist der November (20° C). Cochabambas Klima ist mild und gesund. Die Niederlassung in den außerordentlichen Höhenlagen ist nur wirklich gesunden Naturen, vor allem nur Herzkräftigen, zu empfehlen. Das Tiefland, insbesondere der Chaco-Distrikt, ist für Europäer nicht zu "Empfehlen. Hier grassieren auch die typischen Tropenkrankheiten, wie beispielsweise Malaria. 3. Bevölkerung Die Zahl der Gesamtbevölkerung wurde 1932 auf 3 066 815 berechnet. Neuere Schätzungen, die den durch den Chaco-Krieg bewirkten Bevölkerungsschwund berücksichtigen, geben die Zahl von 2 911 000 Einwohnern an. Die Zusammensetzung der Bevölkerung gestaltet sich schätzungsweise folgendermaßen: reine Weiße 14,6 o/0 reine Indianer 54,5 °/o Mischlinge (sogenannte Cholos) 30,9 o/o 100 o/o 80 o/o der Bevölkerung leben in Höhen über 3300 m. Die Bevölkerungsdichte ist außerordentlich gering, wobei zu bedenken ist, daß sich die Bevölkerung zudem noch auf wenige landwirtschaftliche Flecken bzw. auf die Umgebung der Städte konzentriert. Die indianischen Eingeborenen leben bedürfnislos auf niedrigster Kulturstufe, beherrscht von der dünnen Oberschicht der in neuerer Zeit eingewanderten Europäer und der Nachkommen der Konquistadoren und der indianischen Inkas. Einwohnerzahlen der wichtigsten Städte (Schätzung 1934, für Oruro 1929) : La Paz 150 165 Cochabamba 49 000 Oruro 40 700 Potosi 35 900 Sucre 34 577 Santa Cruz 31300 Tarija 11950 4. Regierung Die Verfassung von 1880 legt die Exekutive in die Hände eines auf vier Jahre gewählten Präsidenten und eines Vizepräsidenten. Der Präsident ernennt die sieben Minister des Kabinetts. Die Legislative obliegt dem Kongreß, der sich aus einer Abgeordnetenkammer (Wahlen alle vier Jahre) und einem Senat zusammensetzt. Wahlberechtigt sind alle männlichen Bürger über 21 Jahre, die lesen und schreiben können und über ein regelmäßiges Einkommen verfügen. Verwaltungsmäßig ist Bolivien in acht Departements und zwei Territorien (Chaco und Orient) eingeteilt, die in Provinzen, weiter in Kantone und Unterkantone gegliedert sind. Religions-, Rede-, Erziehungs- und Pressefreiheit sind durch die Verfassung zugesichert. (Ueber den Chaco- Konflikt: siehe Paraguay.) III. Die Wirtschaft 1. Währung Währungseinheit ist der Boliviano (1 Boliviano 100 Centavos). Münzen im Werte von 10 Bs. werden „Bolivar" genannt. Goldparität des Boliviano in Reichsmark: 100 Bs. 153,22 Reichsmark. Kürzlich hat sich Boliviens Regierung entschlossen, den Boliviano auf Vm £ zu stabilisieren. Dementsprechend stellte sich der Kurs eines Boliviano im Mai 1936 auf 0,25 RM. 2. Landwirtschaft Die Feldbauproduktion, die sich auf das Gebiet der östlichen Andentäler und Cordillerenabhänge beschränkt, ist sehr gering und dient im wesentlichen nur zur knappen Deckung des eigenen Bedarfes. Mais (Produktion 1932: 660 000 t), Kartoffeln (510 000 t) und Gerste (98 000 t) sind die wichtigsten Produkte für den Inlandsverbrauch. Exportiert wird Koka (1931 im Werte von 1 010 000 Bolivianos), die Pflanze, aus der Kokain gewonnen wird und Chinarinde (etwa 200 t jährlich) zur Gewinnung von Chinin. Zur Zeit der Kautschukhausse spielte Boliviens Kautschukexport eine gewisse Rolle. Damals stand Bolivien unter den südamerikanischen Kautschuklieferanten an zweiter Stelle. Heute ist sein Kautschukexport von geringer Bedeutung. Boliviens großer Reichtum an Hölzern ist infolge der Verkehrsschwierigkeiten bisher unausgenutzt geblieben. Boliviens Viehzucht ist von größerer Bedeutung als seine Ackerwirtschaft. Der Rindviehbestand wurde 1931 auf 2 064 300 Stück geschätzt, die Anzahl der Schafe auf 5 232 000, die der Lamas und Alpacas auf 1 883 000, die der Ziegen auf 987 000 und die der Pferde und Schweine auf etwa je 394 000. Dem reichen Viehbestand entspricht ein gewisser Umfang der Häute- und Fellausfuhr (1931 im Werte von 543 000 Bs.) und der Alpaca-Wollproduktion (in den letzten Jahren wurden durchschnittlich 182 t jährlich exportiert). In den letzten Jahren wurde eine Farm zur Chinchillazucht mit englischem Kapital errichtet. 3. Bergbau und Industrie Etwa 90 o/o des Exports Boliviens wird durch Bergbauprodukte eingenommen. Als Welt-Z i n n versorger steht Bolivien an zweiter Stelle. Der Zinn-Export betrug 1932 23 201 t im Werte von 106 650 353 Bs. Die 1936 beabsichtigte Produktion wird auf 41841 t geschätzt. — Gewisse Bedeutung hat auch noch die Produktion von Zink, Antimon, Wolfram, Kupfer, Blei und einigen Edelmetallen, vor allem Silber. Petroleum wird durch die Standard Oil Company gebohrt, die auch zwei Raffinerien betreibt. Insgesamt werden jährlich etwa 44 000 barreis in Bolivien produziert, die im Inlande verbraucht wurden. „Die Industrie befindet sich in ihrem Anfangsstadium, und man verspricht sich für die nächste Zukunft keinen unmittelbaren Fortschritt. Fast alle verarbeitenden Werke des Landes befinden sich in La Paz. Ihre Produktion erstreckt sich auf Zement, Feinmehl, Seife und Kerzen, Lederwaren, Baumwolltextilien, Papier und Papierschachteln, Möbel, Alkohol, Bier, Mineralwasser, Mosaike, Süßigkeiten und Makkaroni. Auf jeden Fall ist die Gesamtproduktion gering und dient nur der Versorgung der heimischen Nachfrage. Das Zementwerk in Viaeha, nahe La Paz, produziert etwa 4000 barreis monatlich. Eine Baumwoll-Spinnerei, die 1929 zu arbeiten begann, produziert jetzt etwa 18 300 m Tuch täglich. Eine Woll-Spinnerei wurde in La Paz 1930 in Betrieb gesetzt, eine neue Getreidemühle mit einer jährlichen Kapazität von 12 000 t arbeitet seit 1931. Eine Zigarettenfabrik ist in La Paz errichtet worden. Das hauptsächliche Hindernis für Boliviens industrielle Entwicklung ist der Mangel an billigem Feuerungsmaterial. Kohle wird nicht gefördert, und die Importkosten sind hoch. Dieselmotoren werden weitgehend zur Krafterzeugung benutzt. Die ausgenutzte Wasserkraft soll in Punata 2500 PS, in La Paz 2000 PS, in Cochabamba 1000 PS, in Potosi 500 PS und in Sucre 157 PS betragen." (South American Handbook 1936) Der Bau großer Wasserkraft-Elektrizitätswerke am Titicaoasee ist in Angriff genommen. Die von der Firma Mauricio Hochschüd & Cia. gebaute Kraftzentrale, deren Baukosten auf etwa 40

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