Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 103 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
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Hebräisches Gymnasium mit Internat in Mukaçevo. Das Internat nimmt Kinder im Mittelschulalter auf. Pension pro Monat von 500 Kronen an. Marienbad: Kinderheim Frau Gertrud Rothgießer. Interkonfessionell. Die Kinder besuchen Marienbader Schulen. Auf Wunsch Unterricht in Neu-Hebräisch. Preis 1050 Kronen monatlich. Nimmt Knaben und Mädchen auf. Gablonz, Neiße. Kinderheim Frau Else Becker. Nur jüdische Kinder (Knaben und Mädchen ab 10 Jahren). Die Kinder besuchen die örtlichen Schulen. Das Heim ist nicht rituell, docli werden besondere Wünsche berücksichtigt. Pension von 900 Kronen ab. Maturitäts-Vorbereitungskurse von Prof. Dr. Franz Bloch in Heichenberg, Heinrich-Liebig-Str. 10. Kein Internat. Etwa IV2 bis 2jährige Kurse. Als Vorbildung genügt Mittelschule oder Mittelstufe einer höheren Lehranstalt. Dänemark. Das dänische Schul- und Bildungswesen steht auf einer hohen Stufe. Bemerkenswert sind die zahlreichen Volkshochschulen und insbesondere das landwirtschaftliche Schul- und Volkshochschulwesen. Im Schulwesen wird die Einheitsschule erstrebt. Der Unterricht in den höheren Schulen beginnt mit dem 11.—12. Lebensjahr und knüpft an den entsprechenden Volksschuljahrgang an. Die Volksschule selbst steigt zunächst zu einem einjährigen Mittelschullehrgang empor, der seine eigene Abschlußprüfung hat. Auch von hier ist dann noch ein Uebergang auf die höhere Schule möglich. Auch kann ein weiterer Uebergang in eine einklassige Realabteilung erfolgen, die mit einer Realprüfung abschließt. Das staatliche Gymnasium hat ähnlich wie in Deutschland einen klassischen, einen mathematisch-naturwissenschaftlichen und einen mehr neusprachlich betonten Zweig. Es schließt mit dem Abitur. An den meisten Schulen wird die Koedukation angewandt. Besonders berühmte Gymnasien sind die Metropolitanschule in Kopenhagen, die Kathedralschule in Odense und die Akademie in Sorö. An den staatlichen Schulen wird Schulgeld nicht erhoben. Höhere Privatschulen gibt es kaum noch. Dänemark hat freie höhere Schulen in Vedbäk, Vejen und Grihskov, an denen nach modernsten Methoden gearbeitet wird. An allen Schulen wird starker Wert auf Charakterbildung, Körperschulung und Werkunterricht gelegt. Das Berufsschulwesen (Technische Schulen, Handelsschulen, Ackerbau- und Gartenbauschulen) ist reich entwickelt. Dänemark hat eine Universität in Kopenhagen. Eine weitere in Aarhus (Jutland) ist in der Gründung begriffen. In Kopenhagen gibt es weiter eine Technische Hochschule, eine Kunstakademie, eine Tierärztliche und Landwirtschaftliche Hochschule, eine Pharmazeutische Hochschule und eine Zahnärztliche Schule. Das erste Studienjahr an den Hochschulen ist ein allgemeinbildendes mit besonderer Abschlußprüfung. Kolleggelder werden nicht erhoben. Das deutsche Abitur wird für die Immatrikulation, nicht aber für Prüfungen anerkannt. Für diese muß das dänische Abitur nachgemacht werden. Semesterberechnung bei der Prüfung ist unbekannt. Man meldet sich, wenn man genügend vorbereitet zu sein glaubt. Deshalb können auch deutsche Semester nicht anerkannt werden. Neben den Vorlesungen spielen die praktischen Uebungen eine wichtige Rolle. Mediziner studieren 7 Jahre und Zahnmediziner 5 Jahre, die praktische Zeit mit eingerechnet. Philologen müssen mit 4, Mathematiker und Naturwissenschaftler mit 5—6 Studienjahren rechnen. Der Titel lautet für Philologen mag. art., für Naturwissenschaftler mag. scient. Der Doktor ist selten. Aemter erhalten nur die Dänen. Für akademische Techniker rechnet man 4V2—5 Jahre. Sie erhalten den Kandidatentitel. Volkswirtschaftler studieren 5V2—6 Jahre und erhallen den Titel cand. polit. Für den Lebensunterhalt benötigt man etwa 1500 Kronen jährlich. Die Bücher für das Studium kosten 500—1000 Kronen. An Prüfungsgebühren usw. kommen 300—500 Kronen hinzu. Niels Brocks Handelsskole, Kopenhagen. Sehr altes Institut. 2jähriges Handelsgymnasium und einjähriger Kursus für Abiturienten. Schulgeld in jeder Abteilung 24 Kronen monatlich. Dazu kleine Gebühren. Stipendien sind vorhanden. Fremdsprachen: Englisch, Französisch, Deutsch. Auch Mädchen zugelassen. Den handelsvidenskabelige Laereanstalt (Handelswisscnschaftliche Hochschule), Kopenhagen. Abitur Vorbedingung. Handclswissenschaflliche und Fremdsprachliche Abteilung. Polytekniska Laereanstalt, Farmagsgatan 2 G. Kopenhagen. Große Anstalt für alle technischen Fächer (auch Chemie- und Baulächer), auch Kurse für Photographie und entsprechende Laboratorien. Schulgeld 50 Kronen monatlich. Dansk Slöjdlaererskole, Kopenhagen. Ausbildung von Werklehrern und Werklehrerinnen. Statens Gymnastikinstitut Norreallee 51, Kopenhagen. Einjahreskurse; auch Lehrerausbildung. Schweden. Schweden hat wie die beiden anderen skandinavischen Länder Schulpflicht, viel Koedukation, stark ausgeprägten Werkunterricht, ein entwickeltes Volkshochschulwesen und legt Wert auf Leibesübungen. Auch der Fachunterricht aller Art ist gut und weit verbreitet. Die Grundschule mit 4 Jahren ist die Unterabteilung der Volksschule. Darauf folgt als besuchteste Mittelschule die 3-, 4- oder öklassige Realschule. Die höheren Vollanstalten (Högre allmänna Laeroverket) bestehen aus je einer solchen Realschule und einem Gymnasium, das von der 5. Klasse der Realschule abzweigt und 2 Züge hat, das Lateingymnasium mit 4 und das Realgymnasium mit 3 oder 4 Klassen. In vielen Gymnasien herrscht Koedukation, vier Staatsläroverken in Stockholm, Gotenburg, Hälsingborg und Malmö sind nur für Mädchen bestimmt. Da die Realschulen im allgemeinen nur Knaben aufnehmen, gibt es eine Anzahl 7klassiger Privat- und 5—6klassiger kommunaler Mädchenschulen. Neuerdings werden auf der Grundschule auch 6klassige selbständige Realanstalten aufgebaut (Lyzeen). Auch auf der Volksschule gibt es Aufbauten (höhere Volksschulen). Obligatorisch sind bereits die 2klassigen Fortsetzungsschulen und für Berufstätige die üblichen Fortbildungsschulen. Weiter gibt es höhere Fachschulen aller Art. Die Handelsgymnasien sind, wie schon der Name sagt, höhere Schulen mit besonderer Pflege der Handelsfächer. Das Schulgeld beträgt in den mittleren und höheren Schulen etwa 30—120 Kronen pro Jahr. Sehr verbreitet ist an der höheren Schule der Deutschunterricht. In der Realschule wird nur deutsch und englisch gelehrt. Die romanischen Sprachen (Lateinisch, Französisch) bleiben dem Gymnasium vorbehalten. Schweden hat staatliche Universitäten in Upsala und Lund. Daneben gibt es eine medizinische Fakultät in Stockholm, das Kgl. Carolinum, ein Mediko-Chirurgisches Institut in Stockholm und Technische Hochschulen in Stockholm und Gotenburg. Das deutsche Abitur wird für das Studium oder mindestens für die Prüfungen nicht anerkannt. Die Vorlesungen sind im allgemeinen gebührenfrei, nicht aber die sogenannten Kurse (Uebungen). Mediziner müssen wenigstens 7—8 Jahre, Zahnmediziner 3—3V2 Jahre studieren. Zahnmediziner können nur in Stockholm studieren. Heilkunde und Zahnheilkunde dürfen nur von in Schweden Approbierten ausgeübt werden. Mediziner und Zahnmediziner erhalten den Fachtitel Kandidat oder Lizenziat. Eine gesetzliche Regelung für die Berufsausbildung von Advokaten gibt es in Schweden nicht. In Wirklichkeit können den Beruf aber nur diejenigen Advokaten ausüben, die dem Advokatenverband Schwedens angehören. Es werden 4 Jahre Studium und 2 Jahre praktische Ausbildung verlangt. Philologen, Mathematiker und Naturwissenschaftler studieren mindestens 6 Jahre. Apotheker müssen in Schweden approbiert sein und die Staatsangehörigkeit besitzen. Sie studieren am Pharmazeutischen Institut in Stockholm. Die Zahl der Studenten, die aufgenommen werden können, ist begrenzt. Ein Zimmer in der Großstadt kostet 50—80 Kronen, der gesamte Lebensunterhalt 160—200 Kronen. Die Prüfungs¬ und Kursgebühren sind oft hoch. Auskunft erteilt: Moseiska Forsamlingen, Wahrendorffsgatan, Stockholm. Landwirtschaftliches Institut, Ultuna. 2jähriger theoretischer Kurs. 1200 Kronen im Jahr (einschließlich Unterkunft und Verpflegung). Hauptschüler und Hospitanten, Mindestalter 18 Jahre. Erforderlich ungefähr Unterprimareife und Nachweis 2jähriger praktischer Tätigkeit. Ausnahmen sind möglich; dann aber even- 103