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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 101

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 101 (sequence 103)
Language
German
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In den Umkreis der Volksschule gehören auch technische Schulen, die gehobene Volksschulen sind. Sie gewähren die Fachausbildung, die für die kleineren Gewerbetreibenden, Angestellten und Kaufleute er/orderlich ist, und bieten keinen Uebergang zu anderen höheren Schulen und Laufbahnen. Das Gymnasium (Gynnasio-Lyceo) hat einen humanistischen und einen realistisch-naturwissenschaftlichen Zweig. Ueberall auf der höheren Schule werden Latein und Philosophie stark gepflegt. Die Prüfung des Abitur wird von einer Kommission abgelegt, der Universitätslehrer und solche der höheren Schulen angehören. Der Religionsunterricht (katholisch) ist an allen Schulen obligatorisch, doch ist Dispens leicht zu erlangen. Neben den oben geschilderten Typen der höheren Schule steht das technische Institut, das etwa unserer Oberrealschulrichtung entspricht. Schon auf der Unterstufe der höheren Schule setzt Latein ein (auch im Istituto teenico). In den letzten 4 Jahren der technischen Schule (Gesamtlehrgang 8 Jahre) wird Latein nicht weitergeführt. Die Oberstufe des Istituto teenico hat zwei getrennte Kurse, den einen mehr für Handelskunde und Buchführung, und den anderen überwiegend für praktisch-technische Berufe. Von der Unterstufe des Istituto teenico ist noch der Uebergang in den realgymnasialen Zweig des Gymnasiums möglich. Dieselbe Unterstufe ist für Mädchen gleichzeitig auch Vorstufe des Liceo femminile. Zu den Abiturprüfungen werden im allgemeinen auch Extraneer zugelassen. Sehr entwickelt ist auch das mittlere Berufsschulwesen. Die mittleren Landwirtschaftsschulen verleihen den Titel eines perito agrario. Handelsunterricht wird in Handelsschulen und Handelsinstituten erteilt, der gewerbliche mittlere Unterricht in Industrieinstituten, die den Titel eines perito teenico verleihen. In Italien gibt es neben den Staatsuniversitäten solche, die von Staat und Kommune gemeinsam, und solche, die durch Stiftungen unterhalten werden. Volluniversitäten sind in Mailand, Bologna, Florenz, Genua, Neapel, Padua, Palermo, Pavia, Pisa, Rom und Turin. Kleinere Universitäten gibt es in Bari, Macerate, Messina, Modena, Parma, Perugia (mit stark ausgebildeten Ausländerkurseh), Sassari und Siena. Die Hochschulen, nur zum Teil mit den Universitäten verbunden, sind ihnen in Rechten und Bildungsniveau gleich. Allerdings sind die Hochschulen im Lehrplan gebundener, während auf der Universität große Freiheit in der Wahl der Vorlesungen herrscht. Es gibt acht Technische Hochschulen: Bologna, Mailand, Neapel, Padua, Palermo, Pisa, Rom, Turin; zwei Schilfsingenieurinstitute in Genua und Neapel; eine höhere Bauschule in Rom, ein höheres chemisch-industrielles Institut in Bologna, sechs tierärztliche Hochschulen in Bologna, Parma, Pisa und Mailand; 2 Handelsuniversitäten in Mailand und Triest, fünf landwirtschaftliche Hochschulen in Bologna, Mailand, Pisa, Portici, Perugia; eine forstwissenschaftliche Hochschule in Florenz; eine Hochschule für Sozialwissenschaft in Florenz, ein orientalisches Institut in Neapel, ein königliches Musikkonservatorium und eine Rezitationsschule in Rom. Höhere Handelsinstitute bestehen in Bari, Gatania, Palermo, Venedig, Genua, Neapel und Turin. Mediziner studieren 6 Jahre; Zahnmediziner 6 Jahre Medizin und zwei Jahre Zahnmedizin: Apotheker studieren 4 Jahre; Tierärzte können auf den Istituti superiori di Medecina Veterinaria in Bologna, Messina, Mailand, Neapel, Parma. Perugia, Pisa, Sassari und Turin studieren. Juristen studieren 4 Jahre. Die Prüfungen sind sehr schwer; die Advokaten und Prokuratoren, die etwa den französischen avoués entsprechen, müssen eigentlich Italiener sein; doch soll es auch für Ausländer Möglichkeiten geben. Philologen, Mathematiker und Naturwissenschaftler studieren 4 Jahre; desgleichen Volkswirtschaftler, die entweder an den Handelshochschulen oder an den Universitäten ihr Studium absolvieren können. An verschiedenen Universitäten finden Ferienkurse statt, die in die italienische Sprache einführen. Mit England und Japan bestehen Abkommen, wonach die italienischen Diplome dort anerkannt werden. Das bezieht sich auch auf die britischen Dominien. Technische Hochschule, Turin. Dauer des Studiums 4 bis () Jahre. Nur in Einzelfällen Anrechnung von deutschen Semestern und Prüfungen. Die deutsche Doktorprüfung befreit von den Jahresendprüfungen bis auf die Abschlußprüfung. R. Istituto superiore di Scienze Economiche e Cömmerciali, Venedig. Hochschule mit folgenden Fakultäten: le. Sezione economiche e cömmerciali. 2e. Sezione diplomatica e consolare. 3e. Sezione magistrale di economiche e diretto (Recht). 4e. Sezione magistrale di computisteria c ragioneria (Rechnungsführung). 5c. Sezione magistrale di Lingue straniere. Studiendauer pro Fakultät 4 Jahre mit dem Abschlußdiplom des laurea dottorah* Tm allgemeinen Abitur zum Besuch erforderlich. Ausläi Lsches Abitur oder Examen — auch solches von Landwirtsch- .tsschulen und Techniken — kann als gleichwertig anerkannt werden. Immatrikulationsgebühren 300 Lire. Studiengebühr pro Jahr 450 Lire. Examensgebühren jährlich 150 bis 300 Lire. Stipendien möglich. R. Istituto Teenico Industriale, ,,Lorenzo Cobianchi" in Intra (bei Novara), Oberitalien. Ausbildung von Chemikern und Elektromechanikern für die mittlere Laufbahn. Uebergang auf die Hochschule möglich. Vorbereitungsklasse: 1 Jahr; Hauptkurs: 4 Jahre. Abschluß Diplom. Aufnahme von 14 Jahren an. Es besteht in Intra ein Vorbereitungskursus. Bei Eintritt in den Hauptkurs Prüfung. Schulgeld: Vorbereitungsklasse 400 Lire pro Jahr; Hauptkurs pro Jahr 310—320 Lire, dazu Prüfungs- und Einschreibegebühren zwischen 60 und 250 Lire. R. Istituto teenico agrario, Imola. Bildet Landwirte und landwirtschaftliche Angestellte für die mittlere Laufbahn aus. 4jähriger Lehrgang. Großes Internat. Vorbereitender und Hauptkurs. Für den Vorbereitungskurs keine Eintrittsprüfung. Schulgeld: Vorbereitungskurs: 160 Lire, Hauptkurs 325 Lire pro Jahr (Daneben Einschreibe- und Prüfungsgebühren.) R. Scuola per Industrie Artistiche in Bologna. Kunstgewerbeschule (staatlich) für beide Geschlechter. Hauptkurs 4 Jahre. Vervollkommnungskurs: ein Zusatzjahr. Voraussetzung: Volksschul- bis Mittelschulbildung. R. Scuola per l'Arte Bianca et per le Industrie Dolciarie in Turin. Schule für Bäcker, Konditoren und Müller. Jahreskurse. Preis zirka 300 Lire (einschl. Prüfungsgebühren.) 2. Istituto Nazionale per le Industrie del Cuoio in Turin. Oeffentliche Schule für Leder- und Schuhindustrie. Gute Fachschulbildung vorausgesetzt. Fremdsprachen englisch und französisch. Der Hauptkurs ist 3jährig. Schulgeld pro Jahr 300 Lire. Einschreibung: 50 Lire. Materialgeld: 300 Lire. Prüfungsgebühr: 60 Lire. Schüler- und Studentenheim, Bologna. Deutsch-Jüdisches Haus. Vorbereitungskurse für italienische Schulen. Kosten (Schulgeld und Vollpension) 120 monatlich. Interkonfessionelles Internat für Knaben und Mädchen von 10—19 Jahren. Villa Pazzi, Florenz. Pian dei Giullari. Deutschjüdische Leitung. Vorbereitung auf deutsche und italienische Schule und Reifeprüfung. Kosten 1800 RM jährlich. Kleinkinderheim Frau Beatrice Mazzoni-Loeb, Colonia dei Bambini, Rapallo. Villa Beatrice. Tschechoslowakei. Das tschechoslowakische Schul- und Hochschulwesen ist in seinen Grundzügen vom deutschen nicht allzu entfernt Ein großer Teil der Schulen hat Tschechisch als Unterrichtssprache, ungefähr 23 %> aber haben als solche Deutsch. In Prag gibt es eine deutsche und eine tschechische, in Brünn eine tschechische und in Bratislava (Preßburg) eine slowakische Universität. In Prag gibt es ferner eine deutsche Technische Hochschule. Die Handelshochschule in Prag, die landwirtschaftliche Hochschule in Brünn, die Bergbauhochschule in Pribram und die Tierärztliche Hochschule in Brünn haben tschechische Unterrichtssprache. In Prag ist auch eine Kunstakademie. Fast das gesamte Bildungswesen ist staatlich und untersteht dem Ministerium für Wissenschaft und Volkskultur in Prag. Nur die landwirtschaftlichen Schulen unterstehen dem betreffenden Fachministerium. Die Schulpflicht dauert vom 6. bis 14. Lebensjahr. Kinder können auf Wunsch der Eltern vom Religionsunterricht befreit werden. Die Geschlechter sind getrennt. Die sogenannten Bürgerschulen bilden in den Städten meist die obere Stufe der Volksschulen. Sie haben oft außer einem 3jährigen Lehrgang noch eine vierte fakultative Klasse. Die Bürgerschule betreibt außer den auch an den entsprechenden deutschen Volksschulen üblichen Fächern Tschechisch und fakultativ eine weitere Fremdsprache. Daneben wird Stenographie und Schreibmaschine gelehrt. Die Bürgerschule erreicht aber nicht ganz die Stufe der deutschen Mittelschule. Sie ist wiederum Grundlage für das reich entwickelte Fach- und Berufsschulwesen. Die niederste Stufe der Fach- 101

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