Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 78 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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Vor der Vollendung der Brücke mußte der Zambesi passiert werden mit Dampfern und Barken, was noch dazu auf besondere Schwierigkeiten stieß, da der Zambesi in der trockenen Jahreszeit fast ausgetrocknet ist und in der nassen oft über seine Ufer tritt. Durch die zwischen Beira und dem Nyasa-See geschaffene weitaus bessere Verbindung wird Nyasaland für Handel und Verkehr erschlossen. Bisher beruhte die Wirtschaft hauptsächlich auf dem Export von Tabak. Nyasaland wird jetzt imstande sein, die Produktion vieler anderer Erzeugnisse vorzunehmen, für die natürliche gute Bedingungen von Boden und Klima vorhanden sind, ebenso wie ein Ueberfluß an willigen und fleißigen Arbeitern, und der größere Ausfluß von Exporten wird die Kaufkraft vermehren, was dann wieder eine Nachfrage nach immer mehr Importen schaffen wird. Die Bahnlinie arbeitet auch unter günstigeren Bedingungen, was wiederum für die Versorgung des Landes mit Gütern von Wichtigkeit ist, für Nyasaland, wie seine ganzen Nachbargebiete. Einwanderungsbestimmungen. Alle Immigranten müssen beim Betreten des Protektorats vor einem Einwanderungsbeamten erscheinen und ihn davon überzeugen, daß sie im Besitz genügender Mittel lind und voraussichtlich nicht der Oeffentlichkeit zur Last fallen werden. Personen, die das Protektorat betreten, um dort zu wohnen oder Beschäftigung anzunehmen, müssen die Summe von £ 100.—.— deponieren. Kein Nichteingeborener darf zu dem Zweck der Arbeitssuche das Land betreten, wenn nicht sein in Aussicht genommener Arbeitgeber die Begierung davon überzeugt hat, daß kein geeigneter Arbeitsloser im Lande ist. Im Falle eines bona fide Touristen oder Besuchers ist es in der Begel genügend, wenn solcher Einwanderer eine Summe von nicht weniger als £ 50.— besitzt oder den Nachweis über die Verfügungsmöglichkeit bezüglich dieses Betrages erbringt. Süd-Rhodesien. Süd-Bhodesien, das Hochplateau zwischen Sambesi und Limpopo, ist seit der 1923 erfolgten Trennung von Nordrhodesien autonomes Do minion. Es hat kaum mehr als 50 000 weiße Einwohner auf einem Gebiet von fast 390 000 Quadratkilometer, und 95% darunter sind britischer Abkunft. Die Zahl der Ein- und Auswanderer für das Jahr 1933 betrug: Einwanderer Europäer 1 621 Afrikaner 62 971 Asiaten (Inder) 41 Farbige 8 Auswanderer 1 169 geschätzt 29 621 27 5 In unserem Korrespondenzblatt vom August 1934 ist das Informationszirkular des obersten Immigrationsbeamten in Bulawayo (Süd-Bhodesien) für Immigranten und Besucher mitgeteilt. Dem Prospekt einer Schiffsgesellschaft ist folgendes über die Einreisebedingungen nach Süd- und Nordrhodesien entnommen: „Die für Bhodesien maßgebenden Bestimmungen decken sich im großen und ganzen mit denjenigen für die Südafrikanische Union. Beisende nicht britischer Staatsangehörigkeit benötigen für die Einreise das Visum eines britischen Konsulates. Der Betrag des etwaigen Rückreisedepots beläuft sich auf £ 100 für Nordrhodesien und auf £ 250 für Südrhodesien. Beisende nach Rhodesien, die über Beira oder Lourenco Marques fahren, benötigen außer dem britischen Visum zur Einreise in Rhodesien auch das portugiesische Visum zur Durchreise durch Portugiesisch-Ostafrika." Ueber ein Siedlungsprojekt, das auch schon weiten Kreisen bekannt geworden war, wurden vom Hilfsverein durch Vermittlung einer englischen Organisation Erkundigungen eingezogen. Es wurde von kompetenter Stelle die Auskunft gegeben, daß der Plan als undurchführbar anzusehen sei. Gleichzeitig wurde erklärt, daß zu der Siedlung auf dem Lande in Südrhodesien mindestens 1000 £ notwendig seien. Ein früherer Siedlungsplan, einige Jahre vor 1930, mit englischen Siedlern, hat zu keinem Erfolge geführt. Nach einer Mitteilung von Ende Februar 1935 beläuft sich die europäische Bevölkerung in Bulawayo auf etwa 9000 Personen. Es praktizieren dort bereits mehrere Aerzte. Der Gouverneur von Südrhodesien führte bei einer Aussprache gelegentlich der Eröffnung des Parlaments von Südrhodesien im März 1935 aus, daß der Handel der Kolonie im vergangenen Jahr eine bemerkenswerte Erweiterung erfahren habe, sowohl die Importwie die Exportzahlen zeigten Steigerungen, und die Prosperität spiegelte sich in den Einnahmen ab. Es sei zu hoffen, daß das neue Handelsabkommen mit der Südafrikanischen Union auf die Dauer sich von großem Vorteil für die Kolonie erweisen werde. Die Ausbeutung der Goldminen nähme einen guten Fortgang, und der Wert der Goldproduktion im Jahre 1934 war ein Rekord für die Kolonie. Von der Industrie werde erwartet, daß sie noch größere Fortschritte mache, bezüglich der Hauptmineralien lägen auch bestimmte Zeichen der Wiederbelebung vor. Die nachfolgenden Angaben sind in kurzem Auszuge einem Artikel ,,Progress of Southern Rhodesia. Goldmining and Tobacco" des High Commissioner für Süd-Rhodesien, S. M. Lanigan O'Keeffe entnommen. Politisch ist Süd-Rhodesien nur elf Jahre alt. In den vorhergehenden 23 Jahren wurde das Territorium durch die British South-Africa Company verwaltet. Da die Fläche der Kolonie über 150 000 englische Quadratmeilen ist mit einer europäischen Bevölkerung von nur etwa 50 000, ist der gemachte Fortschritt erstaunlich. Die eingeborene Bevölkerung zählt etwa 1 000 000. Mister Huggins, der Premierminister und Minister der Eingeborenen- Angelegenheiten von Süd-Bhodesien, hat Erfolg gehabt mit einer Politik, die die Abhängigkeit beider Rassen voneinander anerkennt und gleiche Chancen für beide vorsieht. Er ist sich jedoch klar darüber, daß das Problem gemeinsam ist mit den benachbarten British-Ost- und Zentral-Afrika Staaten. Die Frage, die einem Süd-Rhodesier, der England besucht, oft gestellt wird, ist, ob seine Heimat in „eines weißen Mannes Land" liegt. Wenn sich die Erkundigung auf das Klima und die allgemeine Eignung der Naturbedingungen für ein dauerndes Heim und die Entwicklung einer gesunden Familie bezieht, so muß die Antwort höchst entschieden „ja" lauten. Obgleich man gerade in den Tropen ist, macht die Höhe die Temperatur kräftig und angenehm. Der Boden und der Regenfall sind sehr geeignet für eine außerordentliche Mannigfaltigkeit des Ackerbaues, und das Land ist reich an Mineralien. Der Hauptgebirgszug des Landes ist eine große Hochebene 4000 Fuß oder mehr über dem Meeresniveau, aber es ist mannigfaltig und immer interessant. Nach dem Osten erheben sich die Bergketten zu über 8000 Fuß und mit ihren Wäldern und immer grünen Tälern bilden sie die großartigste Szenerie und bieten fruchtbarsten Boden. Alle diese Vorzüge jedoch würden von wenig praktischem Nutzen sein ohne gute Transportgelegenheiten. Es gibt 1356 Meilen Eisenbahn in der Kolonie, wo Personenzüge fahren, die das Höchste an modernem Luxus bieten. Es gibt auch etwa 2000 Meilen von Haupt- und etwa 4000 Meilen von Nebenstraßen, die zu allen Teilen den Zugang erschließen. Die Hauptstützen des ökonomischen Lebens der Kolonie sind zuerst Bergwerkbau und dann Farmwirtschaft. Alle andern Geschäfte, Berufe und Beschäftigungen sind mehr oder weniger von diesen beiden Hauptzweigen abhängig. Die wertvollste Pflanzung ist Tabak. Es ist soviel Land gleicher Qualität, das für die Tabakpflanzung geeignet ist, in Süd-Rhodesien wie in den Vereinigten Staaten. Seit 1930 ist Erziehung für europäische Kinder obligatorisch. Die Zahl von Kindern in Schulen der Regierung oder unterstützten Schulen beträgt etwa 10 000, und etwa 1000 nicht europäische Kinder sind in besonderen Anstalten. Der High Commissioner hielt im April als Gast der Royal Empire Society eine Ansprache über „einige Probleme von Süd-Rhodesien". Als das wichtigste Problem, von dessen Lösung das Schicksal Rhodesiens abhängt, bezeichnete er das Eingeborenenproblem. Er hob die Erfolge hervor, die eine humane Eingeborenenpolitik gehabt hätte, und wies auch zugleich auf die Schwierigkeiten hin, die sich ergeben hätten. Der Premierminister Huggins habe die Gefahren der niedrigeren Zivilisation der Eingeborenen, ihrer großen 78