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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1934-08-01 · August 1934 · p. Seite 40

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1934. Bestand LBI
Issue
August 1934
Date
1934-08-01
Page
Seite 40 (sequence 42)
Language
German
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Arbeit zu erwarten halten. In der Ziffer waren u. a. enthalten: 11846 gerufen, 123 Kolonisten mil Vertrag, 222 technische Spezialisten. 1139 Touristen und Kaufleute, 854 Durchreisende, 10 151 ehemals im Lande Wohnende, die nach Argentinien zurückkehrten. -- Von den im Jahre 1033 eingewanderten 24 345 Passagieren waren 1429 Deutsche. Da im Jahre 1932 2089 Deutscht' ein gewandert waren, ergibl sich Eür das Jahr 1933 eine Vbnahme von 660 Personen. In diesen Zahlen sind die deutschen Reisenden I. Klasse nicht mitgerechnet. Aus Publikationen einer argentinischen Rank und einer argentinischen Zeitung ist Nachstehendes wiedergegeben: R ü c k g a n g der 1 a ii d wirtschaftli c h e n W e rte i n Argentinien: Die Landwirtschaftswerte spielen in der Wirtschaft eines Vorwiegend agrarisch eingestellten Landes natürlich eine lebenswichtige Rolle. Das sieht man hei Argentinien. Mit dein ungeheueren Slurz der Getreidepreise auf den Weltmärkten war es auch mit der wirtschaftlichen Prosperität Argentiniens zu Ende. Einen Index von 100 für die Agrarwerte in den Jahren 1910 his 1914 voraussetzend, verläuft die Kurve der argentinischen Agrarwerte etwa folgendermaßen: 1916 stand ihr Niveau auf 140, 1920 erreichten sie den höchsten Stand von etwa 160; seither sind sie in beständigem Abgleiten und sind heute etwa dort, wo sie sich 1910 befanden. wenn man Papierpesos zugrunde legt; in Goldpreisen ist ihr Stand weit niedriger, zirka auf 50. (Nach einer Wirtschaftsstudie in der „Revista Economica" der argentinischen Nationalhank.) Pesoentwertu n g i n A r g éntinien: 1 )ie angesehene Zeitung „Prensa" schreibt über die Maßnahme der Pesoentwertung, daß der Versuch, durch diese eine Erhöhung der Preise der argentinischen Ausfuhrwaren zu erzielen und dadurch die Lage der argentinischen Landwirtschaft zu verbessern, nicht nur nicht den erwarteten Erfolg, sondern, soweit es sich um die Viehzucht handelt, sogar das Gegenteil erzielt hat, da nicht nur die Viehpreise gefallen sind, sondern die Viehzüchter überdies noch eine entwertete Valuta erhalten. Im Getreidehandel ist die nominelle Preiserhöhung nicht dem Landwirte, sondern dem Zwischenhandel zugute gekommen. Die Folgen der Pesoentwertung sind nach dem genannten Blatt eine Erhöhung der allgemeinen Lebenskosten, eine Verringerung der Gehälter und Löhne und des Wertes der Sparguthaben, sowie eine Schädigung der Viehzüchter. Durch freundliche Vermittlung der Gesellschaft Hicem erhielten wir die folgenden Berichte aus Argentinien über die \ erhältnisse und über die Lebensuntcrhaltungskosten daselbst im Januar: Wirtschaftliche Lage und Arbeitslosigkeit: Bericht aus Argentinien In der wirtschaftlichen Lage des Landes spiegelt sich die \\ eil L risis wider. Die Verarmung der Konsumentenmassen, die sie veranlaßt, ihren Lebensstandard bis zur Entbehrung zu senken, hat den Konsum vieler Produkte vermindert, die Nachtrage und dadurch die Herstellung derselben herabgesetzt. Die Industrie beschäftigt weniger Arbeiter und die Zahl der Arbeitslosen wächst enorm an. Am Rande unserer Hauptstadt Buenos Aires, in der Nähe des Flusses, hat man den Arbeitslosen gestattet, sich irgendwie anzusiedeln. Da hat sich ein ganzes Dorf von huntscheckigem, traurigem Aussehen gebildet, wo mehrere tausend Arme in Zelten, Höhlen, in Häuschen aus leeren Kisten oder Büchsen usw. wohnen, ohne eine andere Beschäftigung als die Bettelei. Die hauptsächlichsten Erwerbszweige des Landes, nämlich Ackerbau und Viehzucht, machen eine ernste Krise durch, infolge der großen Senkung der Preise. Schon seit mehreren Jahren ist die Lage der Ackerbauern verzweifelt, verschlimmert noch durch Heuschreckenplage. m Für die Ernte, die jetzt abgehalten wird, hat die Regierung in ihrem Bestreben, der Mißwirtschaft der Getreideexporteüre zu steuern und das Unglück zu verhüten, das aus einer Aufgabe der Ernte entstehen würde, sehr wichtige Maßnahmen ergriffen. Sie hat einen Getreidemindestpreis festgesetzt und alle Filialen der Nationalbank angewiesen, das Getreide bei den Kleinbauern zu kaufen. Diese Maßnahmen werden, so hofft man, für die Landwirte vorteilhaft sein. Bei dieser Lage des Landes besteht also sehr wenig Anziehendes für Einwanderung, und wegen der großen Arbeitslosigkeit ergreift die Regierung auch Maßnahmen, um die Einwanderung größerer Massen ins Land zu beschränken. Wir sind aber trotzdem der Meinung, daß eine kleine Besserung der Weltlage sich sofort in einer Erhöhung der \kti\itäten unseres Landes auswirken würde, da es von Natur mit einem Überfluß von Ackerbau- und Viehzuchtprodukten gesegnet ist. Bei der gegenwärtigen Lage können wir die Schwierigkeiten nicht übersehen, die Einwanderern durch die I mstände bereitet werden. In den letzten Jahren sind die meisten von ihnen dadurch am Bleiben verhindert worden. Besonders hat sich die Schwierigkeit bemerkbar gemacht, in den Monaten Juni, Juli, August für Einwanderer Arbeit zu finden. Ein schwerer Winter suchte unser Land heim, so daß täglich Hunderte von Menschen um Hilfe, Essen. Kleidung usw. baten. Man hat sich in jeder Weise bemüht, diesen Leuten zu helfen. Doch waren die Bedürfnisse größer als die Hilfsquellen. Täglich mehrte sich die Zahl der Notleidenden, denn es waren nicht nur die Einwanderer eines Jahres, sondern Menschen, die seil mehreren Jahren in unserem Lande wohnten. Bisher sind die wenigen, die herkamen, mit aller verdienten Freundlichkeit aufgenommen worden. Man unterstützt sie auf jede mögliche Art. Wir sind überzeugt, daß bei einer kleinen Besserung im wirtschaftlichen- Leben ein Teil der neuen Ankömmlinge in unserem gastfreundlichen Lande Aufnahme linden wird. Trolz der angeführten I mstände sind wir sicher, daß bei der liberalen Gesinnung der heiler unseres Landes nicht viel Zeil verstreichen wird, bis es seine Tore denen öffnen wird, die hier Wurzel fassen wollen, um mil ihrer Arbeit zur Hebung des Landes beizutragen und sich der Vorzüge desselben zu erfreuen. Leb enshaltungskosten 1 kg Fleisch P esos 0.60 1 „ Brot 0.30 1 ,, Nudeln 0.30 1 ., Mehl 0.20 1 .. Reis 0.50 1 .. Grieß 0.40 1 ,, Bohnen 0.30 1 ,, Erbsen 0.40 1 .. Kartoffeln 0.10 100 g Butter 0.15 1 kg Käse 1.20 1 Liter Öl L— 1 hon fektions-Anzug .. 35 — 1 Maß-Anzug „ 100.— 1 Paar Stiefel 8—10. 1 Hemd 3.50 1 Monal Miete für ein einbettiges Zimmer .. 20.— 1 Monat Miete für ein Zimmer für eine Familie .. 40.- 1 Peso offiziell ungefähr 1 RM., die tatsächliche Kaufkraft ist aber viel geringer. Siedlungsgesellsc h afl Eldorado Die Siedlungsgesellschafl „Eldorado", deren Kolonien in dem Territorium Misiones gelegen sind, blickt schon auf eine längere Tätigkeit zurück. Wir haben bereits in dem Ueberblick über Kolonisation und Siedlung die Gesellschaft erwähnt. Die Ansiedlungsbedingungen der Gesellschaft sind die folgenden : Der Flächeninhalt der Landlose schwankt zwischen 20 und 35 Hektar. Die Landlose sind genau vermessen, in amtlich registrierte Pläne eingetragen und mil Grenzzeichen versehen. Die Vermessungskosten sind in den Landpreis eingeschlossen. Jeder Verkauf wird durch einen rechtsgültigen Vertrag zwischen der Gesellschaft und dein Käufer geregelt. In den Vermessungen, in denen augenblicklich in Eldorado verkauft wird, beträgt der Landpreis m$n 100—150 je Hektar bei folgenden Zahlungsbedingungen: 40% des Kaufwerls als Anzahlung bei Abschluß des Vertrages. 20 °/o des Kaufwerls nach Ahlauf von 2 Jahren, 20 o/o des Kaufwerls nach Ablauf von 3 Jahren und der Rest von 20 °/o des Kaufwerts nach Ahlauf von 1 Jahren, unter Anrechnung des Zinssalzes von 6 o/o jährlich auf die jeweils verbleibende Schuld, vom Vcrkaufsdätum an gerechnet. In unseren Kolonien Monte Carlo und Puerto Rico beträgt der Fandpreis m$n 100 je Hektar. Diejenigen, die aus anderen Teilen Argentiniens oder von Übersee kommen, um sich in den Eldorado-Kolonien niederzulassen, brauchen an und für sich keine große Ausrüstung mit sich zu nehmen, da in allen Kolonien der Gesellschaft zahlreiche Geschäftshäuser, Schneide- 40

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