Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1934. Bestand LBI
- Issue
- August 1934
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 26 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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Niederländisch-Indien Im Hinblick auf die Zunahme der Arbeitslosigkeit in Niederländisch-Indien sind die Bestimmungen für die Zulassung von Arbeitskräften wesentlich verschärft worden. Grundsätzlich sollen nur noch solche Personen zur Einwanderung zugelassen werden, die finanziell so gestellt sind, daß sie selbst für ihren Unterhalt sorgen können. Diese Zulassungsbcschränkung gilt sowohl für Ausländer wie auch für holländische Staatsangehörige. Aus einem Zeitungsartikel vom Ende Mai 1934 geben wir nachstehendes wieder: Die Anzahl weißhäutiger, zumeist aus Holland gebürtiger Personen in Niederländisch-Indien beträgt 200 000. Sie sind als Beamte in den Pflanzungen, im Verwaltungsdienst, im Heer angestellt. Sie stehen überwiegend an leitender Stelle und formen die Führerschicht, durch die Holland dieses ungeheure, G0 Millionen Einwohner zählende Insclreich beherrscht und leitet. Unter diesen Europäern hat die Weltwirtschaftskrise so schlimm wie überall Einzug gehalten. Tabak, Reis, Kakao, Tee, Zucker, das sind Artikel geworden, die man nicht mehr im alten Umfange ausführen und die man dementsprechend nicht mehr im alten Umfange anbauen kann. Man läßt die Pflanzungsanlage verwildern, und viele der Fabriken, wo das betreffende Erzeugnis für die Ausfuhr zurechtgemacht wird, sind stillgelegt. Dies hat zur Folge, daß nicht nur von den unleren Angestellten, sondern auch von den Beamten in leitenden Stellungen eine große Menge abgebaut werden mußte. Was tun diese verabschiedeten Beamten? In Indien selber finden sie keine neue Arbeitsstelle, da ja überall und in allen Berufen die gleiche Wirtschaftsnot herrscht, und so verlassen sie die Kolonie, um ihr Heil daheim in Europa, in Holland, zu suchen. Der Abzug weißer Elemente aus der Kolonie hat einen solchen Umfang angenommen, daß man schon jetzt von einer Gefahr der „Ontblanking", des Verschwindens der Weißen, spricht. Es handelt sich bei den Europäern nicht nur um die llerrenschicht, da diese auch bildungsmäßig den Westen und das Abendland verlritt. Im Verwaltungsdienst bei der Regierung beobachtet man die gleichen bedenklichen Erscheinungen. Die Regierung hat vor einiger Zeit die Gehälter in einem Grade herabgesetzt, daß es für viele, jetzt und in der Zukunft, nicht verlockend erscheint, als Regierungsbeamte das Leben in Indien zu verbringen. Die neue Gehälterregelung arbeitet der Enteuropäisierung Pviederländisch-Indiens in die Hand, da die Behörden mit der Tendenz, zu möglichst billigen Arbeitskräften zu kommen, immer mehr das einheimische, dem Klima und den Lebenskosten besser angepaßte Bevölkerungselement bevorzugen. Für die einheimischen Arbeitskräfte ist die neue Gehällerskala noch günstig zu nennen, so daß also das kulturell wertvollste Element, die Weißen, die Schläge der Exislenznot in vollem Maße auffängt, während die Angehörigen der farbigen Rasse davon in gewissem Sinne noch Vorteil haben. Wer von den abgebauten privaten und öffentlichen Beamten nicht die Mittel besitzt, in die Heimal zurückzukehren, fristet sein Leben in der Kolonie als Arbeitsloser, nämlich, da es keine staatliche Unterstützung gibt, von der Mildtätigkeit seiner Rassegenossen, was naturgemäß nur eine Weile geht und damit endigt, daß der Betreffende verkommt, und als Insasse eines der vielen Asyle sein Leben abschließt. Neu-Guinea Die Erschließung Neu-Guineas als Ansiedlungs- und Auswanderungsland ist in Holland propagiert worden. Es hat sich ein besonderes Neu-Guinea-Komitee gebildet. Es wird in einer Veröffentlichung des Komitees darauf hingewiesen, daß der niederländische Teil Guineas, der viele Male so groß sei wie das niederländische Reich in Europa, in seiner Entwicklung bedeutend hinter anderen Teilen Niederländisch-Indiens zurückgeblieben ist. — Schon in der ersten Kammer des holländischen Parlaments kam in einigen Anfragen das Problem der etwaigen Ansiedlung ausgewanderter Juden zur Sprache. In Beantwortung dieser Anfragen erklärte Ministerpräsident Colyn, daß die Regierung dem Plane zur Ansiedlung ausgewanderter Juden in Holländisch-Indien und ferner besonders in Surinam ablehnend gegenüberstehe. — Von einer holländischen Persönlichkeit, die eigene Forschungen unternommen hat und sehr gut unterrichtet ist, wird dringend davon abgeraten, eine Emigration ins Auge zu fassen, da das Land für eine Kolonisation völlig ungeeignet erscheint. Neu-Guinea bildete auch den Gegenstand der Erörterung in der zweiten Kammer in Holland. Angeführt wurde u. a., daß noch immer nach einem Produkt zum Export gesucht würde. — Von anderer nichtholländischer Seite wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß in derartig weit abgelegenen Ländern das Kolonisieren aus vielen Gründen außerordentlich teuer sei; es sei zu bezweifeln, daß geeignete Interessenten da wären. Es wurde auch hier betont, daß die Frage der Märkte unklar sei. Wir führen in kurzem Auszuge eine weitere Zeitungsnotiz, und zwar aus einer holländischen Zeitung vom Ende Juni an. Der Artikel ist deshalb interessant, weil er wieder einmal beweist, wie teuer und riskant Gruppensiedlungcn in neuen Ländern sind und mit welcher Vorsicht man an solche Pläne herangehen sollte. Der Artikel ist überschrieben „Das Fiasko der Kolonisation in Neu-Guinea". Zusammenfassend wird bemerkt: 86 Enttäuschte zurückgekommen, keine Existenzmöglichkeit, Unterernährung und Krankheit, der Boden ist ungeeignet für den Landbau. Man weiß, daß trolz Warnungen der Regierung ein paar Vereine in den letzten Jahren Indo-Europäische Kolonisten nach Neu-Guinea haben gehen lassen. Diese Menschen hofften dort im Landbau eine Existenz zu finden. Sie sind auf Kosten der Vereine nach dem gelobten Land transportiert und genossen da eine kleine Beihilfe für den Lebensunterhalt, um über die erste mühevolle Zeit hinwegzukommen. Auch sind einige auf eigenes Risiko dahingegangen, darunter ein paar holländische Bauern. Alle Kolonisten verlangten danach, nach Java zurückzukehren, aber nicht alle verfügten über die erforderlichen Mittel. Jetzt sind schon einige mit Hilfe der Vereine, die sie fortgeschickt hatten, zurückgekommen. Diese Gruppe Kolonisten, 71 Seelen groß (d. h. 36 Männer, fO Frauen und 25 Kinder) kehrten von Manokwari zurück. Es ist noch eine große Anzahl sog. Kolonisten dieser Art in Manokwari, und ihr Los ist das gleiche wie das der Zurückgekehrten. Es sind unter dieser Gruppe Leute, die vor drei Jahren voller Erwartung dorthingegangen und andere, die dort ein Jahr geblieben sind. Alle verloren, was sie dort mitgenommen halten, was oft sehr wenig war, und sie brachten nichts anderes zurück als große Enttäuschung und Verbitterung. Viele haben sich ehrlich bemüht, das Beste daraus zu machen. Sie haben ein Häuschen gebaut und ein Stück Boden bearbeitet, dort gepflanzt und gesät, doch keine anderen Früchte von dieser Arbeit gehabt als etwas armseligen Kohl und Ketella. Man erzählte von einem Deutschen, der es tüchtig hatte anfassen wollen und Fl. 50 000 in den Boden gesteckt hat, was er als verloren ansehen muß. Nichts von allem, was man probiert hat, will dort gedeihen. Die Papaja liefert nur Blätter, der Salat wächst aus den Kohlstrünken, der Reis gedeiht schlecht und der Lombok degeneriert wie auch anderes Gesäte. Von seinem Boden kann niemand dort leben, und die Existenz kann mit Mühe dort aufrechterhallen werden durch die monatliche Unterstützung von Fl. 7.50, wovon man sich kaum ernähren kann. Die Mahlzeiten bestanden in der Regel aus Reis und aus Papajablältern und etwas anderem Grün. Fleisch war nicht zu bezahlen, ebensowenig wie Eier oder Fisch. Unterernährung kam viel vor, womit Krankheit Hand in Hand ging. So bilden die Erzählungen ein langes Leidenslied. Palästina Zur Einreise bzw. Durchreise ist ein Visum erforderlich. Die zuständigen Konsulate von Großbritannien können für vorübergehende Einreise (Vergniigungsreisende, Touristen) bis zu einem Aufenthalt von drei Monaten das Visum selbständig erteilen. Touristen (Travellers) Visa mit einem x\ufenthalt bis zu drei Monaten werden vom zuständigen Kgl. Britischen Konsulat unter folgenden Bedingungen erteilt: Vorlage des auf mindestens sechs Monate gültigen Reisepasses. Bei nicht reichsangehörigen Personen muß der deutsche Wiedereinreise-Sichtvermerk im Reisepaß eingetragen sein, sofern der Sichtvermerkszwang mit dem Heimatlande einer solchen nicht reichsangehörigen Person nicht aufgehoben ist. Staatenlose Personen erhalten im allgemeinen kein Visum. Wenn ganz besondere Umstände vorliegen, werden Anträge von staatenlosen Personen zur Entscheidung nach Palästina weitergeleitet. Alle Reisenden müssen bei ihrer Ankunft in Palästina im Besitz einer voll bezalülen Rückreisekarte sein, die den Einwanderungsbeamten vorzuweisen ist. Sämtliche Reisenden müssen im Besitz ausreichender Mittel sein, um ihren Unterhalt während ihres Aufenthaltes in Palästina zu bestreiten. Alle Touristen, — auch solche, welche die erste Schiffsklasse benutzen, — müssen entweder pro Person 800 M. beim Konsulat hinterlegen oder eine Bankgarantie stellen, die durch die zuständige Devisenstelle genehmigt sein muß. Wenn die Kaution bei den Bankhäusern: Deutsche Bank und Diskontogesellschaft, Bankhaus Gebrüder Arnhold, Berlin W 8, Behren- 26