Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1933. Bestand LBI
- Issue
- Oktober 1933
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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den, im allgemeinen aber mit dem nordeuropäischen vcrglcichbar. Der Sommer rsl meist heißer, der Wintér, mit Ausnahme der Küstengebiete der Provinz Britisch-Kolumbien, oft erheblich kälter als in Deutschland. An der niedrigen Sterblichkeitsziffer gemessen, isi das kanadische Klima gesund. Die Einwanderung im Jahre 1932 betrug 20 591 Personen, gegen 27 530 Personen im .lahre 1931, minus 25 o/0. Davon kamen aus Nordeuropa 1932 nur 909 Personen, gegen 1931 1313 Personen. Des weiteren kamen aus: 1932 1931 Britischen Staaten 3 327 7 678 Vereinigte Staaten 13 709 15 195 Andere Staatjangehörige 2 646 3 344 Nach einer Erklärung des Arbeilsminislers erhielten im Januar 1933 1 357 562 Personen Unterstützung, davon 252 000 Familienväter. Durch radikale Restriktionen ist die Einwanderung nach Kanada aufs stärkste beschränkt worden und für Angehörige vieler Länder zum Stillstand gekommen. Der Eintritt von Angehörigen kontinentaler Staaten wurde u. a. beschränkt auf landwirtschaftliche Familien und ledige Landwirte, die im Besitze genügender Mittel sind, in Kanada Landwirtschaft zu betreiben, vorausgesetzt, daß es sich bei der Ansiedlung um eine kanadische Provinz handelt, die sich nicht gegen solche Einwanderung erklärt hat. Des ferneren ist die Einwanderung gestattet Frauen oder unverheirateten Kindern unter 18 Jahren einer in Kanada gesetzlich zugelassenen und wohnhaften Person, die in der Lage ist, sie aufzunehmen und für sie zu sorgen. Das Visum wird des weiteren erteilt auf Grund einer vom Arbeitsministerium gegebenen Erlaubnis, wofür Angehörige von Spezialberufen wie Akademiker — eventl. in Frage kommen. Die \ isen werden durch einen kanadischen \.uswanderungskommissar auf dein Kontinent erteilt. In unserem Korresponden -1)1 a11 vom Februar dieses Jahres sind spezialisiertere Bestimmungen bezügl. der Einwanderung wiedergegeben worden. Einer Veröffentlichung des Nachrichtenblattes des Reichsauswanderungsamtes zufolge sind die Aiederlassungsmöglichkeiten für Ärzte in Kanada jetzt noch ungünstiger als 1929. Das Land .leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise. Es geht einer Anzahl von Ärzten in den Städten recht schlecht. Auf dem Lande konnten wenigstens in zahlreichen Distrikten Arzte bis vor etwa zwei Jahren ein gutes Auskommen finden. Seitdem ist aber die landwirtschaftliche Lage der Farmbevölkerung katastrophal geworden, und daher kann ein Arzt dort ebenfalls nicht mehr mit einem sicheren Finkommen rechnen. Es ist vielleicht möglich, daß in einzelnen Distrikten noch der eine oder andere Arzt unterkommen und seinen Lebensunterhalt verdienen kann, aber solche Gelegenheiten pflegen kanadische junge Arzte, deren Zahl seit 1929 erheblich gewachsen ist. ohne daß eine entsprechende Bevölkerungsvermehrung eingetreten ist, natürlich auch schon herauszufinden und wahrzunehmen. Auf jeden Fall hätte ein ausländischer Arzt, falls er überhaupt die Einwanderungserlaubnis erhalten würde, sich gründlich, besonders auch sprachlich, vorzubereiten und sein Examen zu machen. Soweit sich feststellen ließe, sei nach wie vor Heidelberg als einzige deutsche Universität anerkannt, deren Staatsprüfung für die Zulassung zu Examina berechtigt. Anderen Berichten entnehmen wir: Gelegenheit zu Siedlungen bieten sich durch Ankauf von kleinen Gütern, außerhalb und innerhalb der jüdischen Kolonien (s. Korrespondenzblatt vom Februar 1933, S. 16). Sowohl medizinische wie pädagogische Berufe sind überfüllt. Im allgemeinen können deutsche Ärzte und Lehrer auf irgendwelche Unterkunft nicht rechnen. Staatsangehörigkeit kann erst nach einem Aufenthalt von fünf Jahren in Kanada erlangt werden. Aach den bestehenden Einwanderungsbestimmungen sind Hausangestellte von der Einwanderung ausgeschlossen. Ihre Zulassung wäre mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Sobald sich die Wirtschaftslage bessert, kann es Arbeitsmöglichkeiten für Photographen, Barbiere und andere qualifizierte Arbeiter geben. Das Einreisevisum nach Kanada wird gebührenfrei erteilt. Ein Durchreisevisum wird nicht erteilt. Diese Bestimmung gilt für deutsche sowie nichtdeutsche Staatsangehörige. Vereinigte Staaten von Amerika Bevölkerung: 122 775 000. New York: .6 930 000 Personen. Währung: 1 Dollar 2.71 RM., Goldparität 4,198 RM. Klima: Die ganze Küste des Stillen Ozeans und des Golfs von Mexiko hat milde Winter. Der übrige Kontinent zeichnet sich durch starke Gegensätze. heiße Sommer und kalte Winter, aus. Das gilt selbst unmittelbar an der Ostküste. Diese Gegensätze verschärfen sich nach Norden und nach Westen zu Plötzliche Temperaturstürze sind dem ganzen Gebiet eigentümlich und verschonen auch die Westküste nicht. Visagebühren. Die Gebühren für Einwanderungsvisa für Personen, gleich welcher Nationalität, sind die folgenden: 1 Dollar für den Antrag und 9 Dollar für das Visum. Die Gebühren für Besuchsvisa (für Personen, die zum vorübergehenden Besuch nach den Vereinigten Staaten fahren), sind 50 cents für deu'sche Staatsbürger, durch Vertrag vorgesehen. In Fallen von nichtdeutschen Staatsbürgern ändern sich die Gebühren wie in dem Vertrag festgesetzt. Wenn in Fidlen ein Vertrag nicht vorliegt, sind die Gebühren für Besuchsvisa wie folgt: 1 Dollar für den Antrag und 9 Dollar für das Visum. Das Durchreisevisum ist kostenlos, gleich welcher Nationalität. Im Jahre 1927 betrug die Zahl der Juden in den Vereinigten Staaten 4228029, hiervon in New York 1 765000. in Chicago 325 000. in Philadelphia 270 000. in Boston Q0 000, in Cleveland 85 000, in Detroit 75 000. in Baltimore 68 000. in Los Angeles 65 000. Newark 65 000 und in St. Louis 50 000. Von den amerikanischen Generalkonsulaten wird seit der Verfügung des Präsidenten vom September 1930 die Ausgabe von Visen administrativ aufs radikalste eingeschränkt. Es soll die Möglichkeit ausgeschaltet werden, daß der Eingewanderte der Öffentlichkeit zur Last fällt. Es werden Mittel verlangt, die auf unbestimmte Zeit den Lebensunterhalt ermöglichen, und es werden genaue Nachweise über Besitz und Einkommen des Vuswanderungswilligen, wie seiner Verwandten, gefordert. \ iele Kinder, Frauen und Eltern amerikanischer Bürger können auf Grund dieser Handhabung der Visagewährung nicht nach Amerika kommen. Bestrebungen, die Aufhebung der bisherigen Immigrationspolifik oder eine Milderung herbeizufuhren, sind bis jetzt ohne Erfolg geblieben. Das State Department hat unter dem 5. Juni d. J. die Zahl di r Vusländer bekanntgegeben, die im Fiskaljahr 1932/33 von amerik anischen Konsularbchörden Einw anderungsvisen erhalten haben. Es ergibt sich daraus, daß von den gesetzlich zulässigen 153 831 Einwanderungsvisrn nur insgesamt 6023 ausgegeben worden -lud. also nur 4,31 o/o. Da das Department hinzufügt, es handele sich nur um die ausgestellten Visen, nicht aber um die Zahl der tatsächlich Eingewanderlen, so dürfte der Prozentsalz tatsächlich noch geringer sein. Deutschland, dem gesetzlich eine Einwanderungsquote von 25 057 jährlich zusteht, hat nur 996 Visen erhalten, weniger als den Gesamtdurchschnitt. Die wirtschaftlichen Verhältnisse auf dem Lande und in den Städten sind schlecht, die Arbeitslosigkeit und der Rückgang des Konsums haben katastrophale Formen angenommen. Im Jahrzehnt 1920/30 haben 450 000 Farmer ihren Landbesitz eingebüßt. Der Wert von landwirtschaftlichem Grund und Boden ist um 20 Milliarden Dollar gesunken. Die Zahl der Pächter ist um 200 C00 gestiegen. Liner Berechnung des Bureau of Agricultural Economics in Washington zufolge ging der landwirtschaftliche Besitzwert im Laufe der beiden letzten Jahre um 33 "/o zurück. Das Sinken der Kaufkraft der Farmer, die noch vor einigen Jahren auf 16 Milliarden, heute aber auf weniger als 5 Milliarden geschätzt wird, hat dem Markte einen der stärksten Abnehmer genommen. Diese fehlende Kaufkraft von 11 Milliarden ist doppelt so viel, als der allerhöchste Wert der amerikanischen Ausfuhr. Es gibt kaum eine Industrie und keinen Beruiszweig. der durch diese Erscheinung nicht in Mitleidenschaft gezogen wäre. Nach den vom Ackerbau-Department kürzlich bekanntgegebenen Schätzungen haben sich im Jahre 1932 1 544 000 Personen mit städtischem Wohnsitz auf dem Lande angesiedelt. Nach Abzug der Abwanderung nach den Städten ergibt sich ein Nettozuwachs von 533 000 Personen i'1931 214 000). - In einer Betrachtung des Problems der Vereinigten Staaten heißt es: U.S.A. hat ungeheure Gebiete, welche menschenleer sind, aber es sperrt sich hermetisch gegen jede Zuwanderung ab. Die Farmer haben keine Liehe zum Boden, bald beuten sie den Boden im Osten, bald im Norden, bald im Western '22