Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1933. Bestand LBI
- Issue
- Oktober 1933
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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nach Palästina wie die Durchreisebestimmungen der in Betrachl kommenden Länder anbetrifft, nicht durchführbar. Für das englische Aisuni für einen Touristen wird der Besitz von £ 50 gefordert. Die Reisenden, welche durch Syrien fahren wollen, müssen sich nach konsularischen Erklärungen dieses Visum im Herkunftslande beschaffen. Die Türkei fordert für Einreise wie Durchreise den Nachweis des Besitzes von 400 türk. Pfd. Also bleibt den Reisenden, die nicht die nötigen Visa zur Weiterreise von Griechenland aus haben, kein anderer Weg als die Rückreise. Der A r b e i t s ni a r k l. Das Palästina-Amt bemerkt in der Informationszeitschrift Alijah: Es können keine Stellungen von hier aus für Palästina vermittelt werden. Jeder Einwanderer muß das volle Risiko der Arbeitssuche auf sich nehmen. Aachstehend sind nur Hauptberufsmöglichkeiten aus der ..Alijah", August 1933 — angeführt. Männerbe r u f e. Der Arbeitsmarkt in Palästina bietet zurzeit Aufnahmemöglichkeit für Handwerker verschiedenster Art. Es besteht weiterhin die Möglichkeit, Arbeiter in der Landwirtschaft unterzubringen, wenn es sich um junge kräftige Menschen handelt, die zu jeder Arbeit bereit sind. Auch in der Stadt bietet sich für ungelernte Arbeiter Beschäftigung. — In den akademischen Berufen herrscht bereits heule eine starke Überfüllung. Für Ärzte und Anwälte bestehen so gut wie gar keine Nicderlassungsmöglichkeiten. Anwälte müssen eine Prüfung über ihre Kenntnisse der Landesgesetze in einer der Landessprachen ablegen. Der Apothekerberuf ist ebenfalls überfüllt. Apotheker müssen Antrag auf Erteilung einer Lizenz stellen. Deutsche Approbation genügt. Die Unterbringung von Büropersonal und kaufmännischen Angestellten stößt auf erhebliche Schwierigkeiten. Für Einwanderer, die Hebräisch beherrschen, sind die Aussichten sehr viel besser. Freilich ist auch in diesem Falle die Kenntnis einer zweiten Landessprache, wie englisch oder arabisch, sehr erwünscht. Wer mit Kapital nach Palästina kommt, hat die Möglichkeit, sich an kaufmännischen oder industriellen Unternehmungen zu beteiligen. Für Frauen bieten sich Existenzmöglichkcilen in landwirtschaftlichen und hauswirtschaftlichen Berufen. An Köchinnen. Plätterinnen, Wäscherinnen und Kellnerinnen fehlt es. Kaufmännische Anstellungen sind nicht in größerer Anzahl zu haben. Für alle kommerziellen Berufe ist die Beherrschung der englischen und hebräischen Sprache in Wort und Schrift eine Voraussetzung. Sehr gering sind die Möglichkeiten in den freien Berufen Für Ärztinnen und Apothekerinnen, desgleichen für Laborantinnen, Chemikerinnen, technische, medizinische Assistentinnen, Krankenschwestern, Pflegerinnen, Säuglingsschwestern. — Aus einem Brief, der von der Bedeutung Palästinas für jüdische Einwanderung, von der Entwicklung und Entwicklungsfähigkeil des Landes ein anschauliches Bild gibt, führen wir u. a. einen Passus an, in dem hervorgehoben wird, von welcher außerordentlichen Wichtigkeil Sprachkenntnisse für die Begründung einer Existenz sind, und ferner einige zusammenfassende Bemerkungen : Wenn man im Augenblick auch mit Deutsch überall durchkominl, weil fast alle Juden aus Europa auch Deutsch können, so ist dies doch nur auf ein augenblickliches Entgegenkommen dem deu Ischen Juden gegenüber zurückzuführen. Man verlangt von jedem Einwanderer kategorisch, daß er hebräisch lernt. Wer mit Hebräisch durch ist, lernt auch — wenn irgend möglich — arabisch. Wer perfekt englisch spricht, kommt überall durch. Ein Verkäufer muß mindestens englisch sprechen, ein Buchhalter mindestens hebräisch sprechen und schreiben, ein Beamter an der Post, Bank oder anderen öffentlichen Zweigen muß mindestens hebräisch und englisch lesen und schreiben. Alle landwirtschaftlichen Arbeiter, alle Handwerker und alle die Leute, die wenigstens £ 50—100 haben, werden entweder sofort unterkommen und verdienen oder sich aber mit Kapital an irgend etwas beteiligen können. Der Bedarf an Arbeitern ist unstillbar. Kapitalisten mit £ 500 können sich alles mögliche aufmachen, überall ist noch Platz. Die Übersiedlung bedeutet ein völliges Aufgeben seines bisherigen Standards, seiner Bequemlichkeit und aller Gewohnheiten, ohne die man bisher nicht glaubte, leben zu können, es sei denn, man käme mit einigen £ 1000. Das Leben ist hier furchtbar schwer, aber schön. Vom Palästina-Amt sind zwei Sonderbroschüren herausgegeben worden : Landwirtschaftliche Ansiedlung von deutschen .luden in Palästina; Chinuch, Merkblatt über Lehrstätten in Palästina. Der Erlaß des Reichswirtschaftsministers vom 28. Augusl 1933 ist für die Auswanderung nach Palästina von besonderer Rcdeutung. Ihm ist der nachfolgende Passus entnommen: „In III, 31 Abs. 1 Iii, ist die Erteilung von Sammelgenehmigungen zur Transferierung laufender Versorgungsbezü^e. Rentenzahlungen und dgl. nur für den Fall vorgesehen, daß der Empfänger schon vor Inkrafttreten der Devisenverordnung im Ausland oder Saargebiet ansässig war. Ich habe keine Bedenken, daß solche Genehmigungen auch Neuauswanderern erleilt werden, wenn die Übersiedlung nach dem Ausland durch besondere persönliche Umstände gerechtfertigt ist, oder im deutschen Interesse liegt; diese Voraussetzung wird bei der Abwanderung von Nichtariern grundsätzlich zu bejahen sein." Das Palästina-Amt, Berlin W15, Meinekestr. 10, teilt mit; Zur Information aller Palästinainteressenten wird von dem Palästina-Amt, Berlin, monatlich eine umfangreiche Broschüre herausgegeben, die alles Wissenswerte über Einwandcrungs-, Zoll-, Speditions- und Frachtfragen, über Lebensbedingungen, landwirtschaftliche Verhältnisse, Bodenpreise Palästinas usw. enthält. Das Heft, das den Namen Alijah trägt, ist gegen Voreinsendung von 0,75 RM. zuzüglich Porto durch das Palästina- Amt erhältlich. Vorstehendes ist zu großem Teil dieser Publikation (Nummer vom August d. J.) entnommen. P e r s i c n Bevölkerung: 9 00U00Ü (40 000 Juden), Teheran: 320 ÜU0. Visagebühren. Nach den neuesten Bestimmungen müssen, um ein Einreisevisuni zu erhalten, genügend Geldmittel für Hin- und Bückreise nach Persien, ^owio für einen sechsmonatigen Aufenthalt daselbst vorhanden sein. Für Deutsche kostet ein Durchreisevisum BAL 2.— Eür Deutsche kostet eine einmalige Einreise RM. 8.— s o Für Deutsche kostet eine mehrmalige Einu. Durchreise UM. 16.— In klimatischer Beziehung sind die nördlichen Teile des Landes, wenn sie auch niclil Eieberfrei sind, im großen und ganzen als gesund zu bezeichnen, dagegen verursacht im Süden des Landes während eines großen Teiles des Jahres die Hitze dem Europäer allerhand Beschwerden. Kaufmännische Kräfte sind in Persien in Überzahl vorhanden. Was den ärztlichen Reruf anbetrifft, so gibt es in Persien kein Gesetz, das den Fremden die Ausübung verbietet. Einem früheren Bescheid eines persischen Konsulats ist folgendes entnommen: Es empfiehlt sich, von sämtlichen ärztlichen Diplomen, Facharbeiten, Zeugnissen usw. zwei Abschriften an das Konsulat zu senden, welche von diesem an das Kultusministerium zur Erlangung der Erlaubnis geschickt werden. Ks muß außerdem Garantie dafür geleistet werden, daß genügend Geldmittel — zirka 2500 RM. — für ein Jahr Lebensunterhalt und Rückreise vorhanden sind. In Persien macht sich, besonders unter den einheimischen Ärzten, eine starke Strömung gegen die Zulassung ausländischer Ärzte bemerkbar. Es ist ein Gesetz in Vorbereitung, das die Niederlassung regeln soll. Aach vorliegenden Pressemeldungen soll danach die persische Regierung künftig befugt sein, von ausländischen Ärzten. Apothekern, Zahnärzten und Hebammen neben der Vorlage ihres Diploms den Nachweis zu verlangen, daß sie vor der Ankunft in Persien in ihrem Heimatlande fünf Jahre lang eine selbständige Praxis ausgeübt haben. — Ferner soll der Generaldirektor des Persischen Hygienewesens bei Erteilung der Genehmigung zur Niederlassung in Persien den Bezirk angeben, innerhalb dessen der Bewerber sich in Persien niederlassen und 20