Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1928. Bestand LBI
- Issue
- März 1928
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Mann und Kindern zwischen [8 und 21 Jahren von Bürgern der Vereinigten Staaten bei der Herausgabe der Einwanderungsvisa ein Nonquota-Status gegeben worden. Es wird wiederholt, daß Frauen, die Bürgerinnen sind, das Recht haben sollten, Nonquota-Status für ihre (".allen fremder Staatsangehörigkeit zu beantragen, ebenso wie amerikanische Gatten jetzt das Recht in bezug auf ihre Frauen ausländischer Staatsangehörigkeit haben. Dem Secretary of labor soll ausgedehntere Vollmacht gegeben werden, Fremde in Härtefällen zuzulassen — politische Flüchtlinge, Künstler und geistige Größen und Frauen \on Fremden, die vor dem 1. Juli 1924 zu dauerndem Aufenthalt zugelassen wurden und ihre Absicht, Bürger der Vereinigten Staaten zu werden, erklärt haben. Es sollen angemessene Prüfungen bezüglich der Anpassungsfähigkeit erfolgen, um zu bestimmen, ob ein Fremder, der sich um die Zulassung nach den Vereinigten Staaten bewirbt, gutes Bürgerschaftsmaterial (..good citizenship material") ist, und es soll Ermächtigung gegeben werden, Elemente auszuschließen, die bei solchen Prüfungen versagen. O D Diese Erweiterung des schon außerordentlich weitgehenden Systems der Examination Einwanderungswilliger würde der "Willkür Tür und Tor weit öffnen, da die Feststellung von ..good citizenship material" auf bestimmte einseilige Tendenzen basiert werden würde. Wirtschaftliche Verhältnisse. In interessanter Weise beleuchtet ein unlängst im „Berliner Tageblatt vom 1. Februar 1928 erschienener Artikel „Industriekampf der U.S.A. Südstaaten mit dem Norden" von Dr. Julius Hirsch, Staatssekretär z. I). Probleme der Landwirtschaft, Industrie und Arbeiterfragen. Es geht daraus u. a. auch hervor, worauf auch schon bei Frankreich hingewiesen wurde, in wie hohem Grade jetzt Menschenkräfte durch maschinelle Kräfte ersetzt werden. Es heißt darin u. a.: Ucberall beginnt nämlich in der Landwirlschaft die mechanische Kraft die Menschcnkraft zu ersetzen. Die gedrückte Lage der amerikanischen Landwirtschaft hat in allen Gebieten nach einer zeitweiligen Ausdehnung im Kriege zu einer Wiederabstoßung der menschlichen Arbeitskraft geführt, und in der Landwirtschaft des Südens ist der N'egef noch immer billiger als der Weiße. So fand die kommende Industrie ein nicht nur geeignetes, sondern überaus williges und relativ auch sehr billiges Arbeitsmaterial vor. Im Zentrum der neuen südlichen Industrie, in der Stadt Greensboro (Nord-Carolina), die in den letzten sechs Jahren von ig 000 auf 55 000 Einwohner gewachsen ist, nannte man uns einen Durchschnittslohn von i5 Dollars die Woche. Darin waren aber die Hochbezahlten, Werkmeister, Ingenicure usw. mitenthalten. Der Durchschnitt der Arbeitermasse dürfte auf einem bedeutend niedrigeren Einkommen liegen*). Hält man dagegen, daß das Durchschnittseinkommen eines Arbeiters im Staate New York jetzt etwa bei 3o Dollars liegt, daß sogar Dienstboten neben freier Station und meistens freier Kleidung im Norden Go bis 80 Dollars und noch wesentlich darüber bekommen, so tritt die relativ ungünstige Bezahlung plastisch vor Augen. Dazu die bedeutend längere Arbeitszeit. Der weiße Arbeiter an Süden schafft noch immer 55 Stunden in der Woche (zehn Stunden in den ersten fünf Tagen, fünf Stunden am Sonnabend). Im Norden ist die 48-Stunden-Woche vielfach durchgeführt. Die Gewerkschaften, die sich im Norden auch auf Neueingewandertc stützen und bei ihnen leichler Boden finden, sind im Süden vorerst angesichts der Ueberfüllung des Arbeitsmarktes mit armen Weißen bedeutungslos. Es wird uns gesagt, daß die Arbeitslöhne des Südens seit fünf Jahren im wesentlichen die gleichen geblieben sind. Folge Wirkung: Der Arbeiter strebt nach Norden. Die Arbeit zieht derweil nach Süden. In einem weiteren Artikel des gleichen Verfassers (im „Berliner Tageblatt" vom 20. Februar 1928) : „A m e r i k a s L a n d - wirtenot und die Maschine" wird auf die zunehmende Landflucht, Landentwertung und Maschinenarbeit hingewiesen. In der vorzüglichen Zeitschrift Immigrant des National Council of Jewish Women. New York. 799 Broadway, von; Oktober 1927 finden sich in einem Artikel von Immanuel Cellcr sehr interessante Ausführungen bezüglich des Restriktions-Prinzips in seiner Wirkung auf die Zusammensetzung der Bevölkerung der Vereinigten Staaten. Es wird darauf hingewiesen, daß wirtschaftliche Gesetze von Angebot und Nachfrage die Einvvanderungsbewegung beherrschen, und gesetzliche Bestimmungen und Restriktionen an dem Zahlenverhält- *) Die amtliche Statistik für 1926 zeigt für Nord-Carolina einen tatsächlichen Wochendurchschnittslohn von i3U>, in Süd-Carolina gar nur von ioi/2 Dollars. nis des Einwanderer-Elements zu der ansässigen Bevölkerung auf die Dauer nichts ändern. „Sonderbar, wie es manchen heulen erscheinen mag. hat es wirklich niemals eine Fremdengefahr gegeben, das Verhältnis von Fremden zu der (Jesamtbcvölkerung des Landes hat zu keiner Zeit i3 0/0 überstiegen, und dies bei der Hochflut der Einwanderung. Es hal nie meinals i3 o/0 gegeben, weder 18Ö0, noch 1880, noch 1900 oder T910 oder 1920, und es werden sehr wahrscheinlich nie mehr sein, gleichviel, welches unsere Einwanderungspolitik sein mag. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage hat immer in der Immigration geherrscht. Als wir geschäftliche, Depression hallen. ließ die Einwanderung nach, und bei günstiger Geschäftskonjunktur erfolgte eine Auf« wärlshewegung der Immigration, aber wie es auch sein mag, günstige industrielle Bedingungen führten niemals eine Lage herbei, wo die nicht eingeborene Bevölkerung mehr als i3 o/0 der Gesamtbevölkerung beinig. So war die Furchtsamkeit und Angst wegen der Einwanderung ein bloßes Schreckbild." Weibliche Dienstboten. Der ..Immigrant" hat die Freundlichkeil gehabt, einer Anfrage des Hilfsvereins an ihn bezüglich Beschäftigungsmöglichkcitcn für ein junges Mädchen als Wirtschafterin oder Köchin durch Abdruck in seiner sehr interessanten ..Question box" weite Verbreitung zu geben, und wir wollen nicht unterlassen, die Antwort, die gleichfalls abgedruckt ist, wiederzugeben, da sie für einen weilen Kreis von Interessentinnen wichtig isl : „Wir empfingen Ihren Brief vom t5. Juni und können Ihnen in Beantwortung desselben mitteilen, daß tüchtige Köchinnen und gute Heushälterinnen nicht viel Schwierigkeiten haben, Stellungen in den Vereinigten Staaten zu bekommen. Wegen des Contract labor law ist es natürlich für uns nicht möglich, im voraus zu versprechen, für das junge Mädchen eine Stellung zu beschaffen, aber wir glauben, daß, wenn sie ihr Visum bekommt und ihr der Eintritt nach den Vereinigten Staaten erlaubt ist, sie sehr bald eine Stelle bei einer jüdischen Familie finden wird. Eine unserer "Council Sektionen würde vielleicht imstande sein, ihr bezüglich Erlangung einer Stellung nach ihrer Ankunft zu raten. Es ist jedoch wesentlich, dal:') ein Verwandter in den Vereinigten Staaten der jungen Frau ein affidavit sendet, das den Konsul davon überzeugt, daß man sicli ihrer annimmt, bis sie eine auskömmliche Position findet. Da die deutsche Quote recht groß ist, wird die junge Frau zweifellos nicht sehr lange auf ein Visum zu warten haben." Wir führen in diesem Zusammenhange noch folgende Bemerkung aus den Population Problems über die Frage des Bedarfs an weiblichen Dienstboten an. „Ein weilerer klar erwiesener Mangel besieht an weiblichen Dienstboten. Wenn Haushälterinnen so aktiv wie Farmer gewesen wären, als das neue Immigrationsgesetz beraten wurde, würden wahrscheinlich gelernte Dienstboten den Preferred quota status haben. Josef A. Hill hat bemerkt, daß die Zahl weiblicher Dienstboten in den Vereinigten Staaten zwischen 1910 und 1920 um etwa 3o o/0 abgenommen hat, und wenn heute nicht die Negerwanderung bestände, so würde die Lage bezüglich des Hausdienstes im Norden sogar noch schlimmer sein. Gleichzeitig soll, ebenso wie bei den Farmern in Europa, ein großes Ueberangebot von jungen Frauen bestehen, die, wenn sie könnten, gern zur Verrichtung von Hausdiensien nach den Vereinigten Staaten kommen würden." Aus der sehr interessanten Question box des Immigrant erwähnen wir noch einen Fall, der für Besucher und Einwanderer nach den Vereinigten Staaten von Interesse ist. Nach den Immigrationsverordnungen, die vom Departement of labor erlassen sind, kann kein H e - sucher während seines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten seinen Status in einen anderen umändern. Wenn z. II. ein Besucher Student zu werden wünscht oder dauernd in den Ver einigten Staaten seinen Wohnsitz aufschlagen will, so muß er zunächst das Land verlassen, sich von dem für ihn zuständigen amerikanischen Konsul im Ausland ein Visum verschaffen und dann nochmals nach den Vereinigten Staaten zurückkehren. Warnung vor illegaler Einwanderung. Das in seiner Gestaltung starre, zu seiner Durchführung höchst minutiöse formale Vorschriften enthaltende amerikanische Einwanderungsgesetz zu umgehen, ist bei dem Kontrollapparat in den Vereinigten Staaten und außerhalb der Vereinigten Slaalen ein hoffnungsloses Beginnen. W ir warnen Einwanderungswillige erneut davor, sich auf irgendwelche Verbindungen mit Elementen einzulassen, die die Unerfahrenheit der 'S'