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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1928-03-01 · März 1928 · p. Seite 6

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1928. Bestand LBI
Issue
März 1928
Date
1928-03-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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Bewalde! sind 1,2 Millionen Quadratmeilen mil \o ot0 zum Verkauf geeignetem Holz, die zweitgrößte Holzreserve der Welt. Weite Gebiete enthalten Mineralschätze; was den Reichtum an Fischerei anbelangt, sieht es an zweiter Stelle. Canada nimmt yi6 der Landfläche der Erde ein, bilde! a*>er nur i/2 °/o der Weltbevölkerung. Canada hat, wie aus Vorstehendem hervorgeht, ungeheure Bodenschätze und ein vitales Interesse daran, sie zu entwickeln. Es ha! daher auch einen außerordentlichen Menschenbedarf speziell für ackerbautreibende Elemente, da es nur seindünn bevölkert ist. Es halle auf 9,65o,43o .[km lt. Zählung vom 1. Juni 1926 eine Bevölkerung von 1)36/1200 Einwohnern. [921 zählte es 1 26 000 Juden. Einwanderung. Die Gesainieinwanderung in den Jahren 1901 his 192G betrug 5096183, wovon, über Seehäfen eingewandert, 10237? Juden. Die Zahl der nach Canada vom Jahre [920 an eingewanderten Personen und das Verhältnis der jüdischen Einwanderer zu den nicht jüdischen illustrier! folgende Tabelle: Gesamtzahl Juden (über Prozentsatz Seehäfen) der Juden 1920 117 336 116 0,09!921 148477 2763 1,9 1923 1923 1924 1925 1926 89 999 72 887 i48 56o m 362 96 064 8 4o4 2 793!\ 2 55 6 45g 3 587 9,0 3,8 2,8 Einwanderungspolitik. Canada beschränkt die Zulassung von Einwanderern nach Möglichkeit auf Kategorien, die zur Hebung der Landwirtschaft direkt oder indirekt beitragen können. Es werden Farmer, landwirtschaftliche Arbeiter, weibliche Dienstboten und außerdem Angehörige bestimmten (i rades von Personen, die in Canada bereits seßhaft sind, zugelassen. Es liegt seiner ganzen Einwanderungspolilik ein selektives Moment zugrunde, das allerdings zurücktritt gegenüber dem Bedarf an .Menschen und Kapital zur Entwicklung des Landes. Erst vor kurzem erklärte der Minister für Einwanderungswesen die Durchführung eines proportionalen Systems nach dem Vorbilde der Vereinigten Staaten wäre für Canada nicht angängig, doch sei er bestrebt, die Einwanderung aus England zu fördern und den Zustrom europäischer Kolonisten einzudämmen. Bei der großen Wichtigkeit, die die Praxis der canadischen Regierung bezüglich Einwanderung für die Juden hat, seien nachfolgende Ausführungen aus dem erwähnten Buch „Population Problems" und ferner der Times Weekley vom 22. Dezember 1927 auszugsweise wiedergegeben, da aus ihnen die Bedürfnisse des Landes, die Tendenzen der selektiven canadischen Einwanderungspolitik und ihr prinzipieller l nterschied gegenüber der Restriktionspolilik der Vereinigten Staaten sehr klar hervorgehen, und überdies sehr wertvolle Hinweis;' für Immigranten in ihnen enthalten sind. „Die Vereinigten Staaten haben eine Quote aufgestellt. Gleichviel wie wünschenswert ein Individuum einer gegebenen Nationalität als ein zukünftiger Bürger sein mag, kann es nach Erschöpfung der Quote nicht in das Land kommen. Im Gegensatz dazu ist C a n a >- das restriktive Politiknicht zahlenmäßig oder quantitativ, sondern qualitativ, basiert auf Beschäftigung und allgemeine Eignung, letztere selbstverständlich in gewissem Grade nach dem Ursprungslande bemessen. Wir wünschen nur Landwirte mit Kapital, Farmarbeiter und Dienstboten, aber wir lassen auch gewisse andere Klassen zu, so Frauen und abhängige Angehörige, wenn sie gesund sind, von Personen, die gesetzlich in Canada wohnen, Bürger der Vereinigten Staaten, nach deren Arbeit eine Nachfrage besteht, Briten von verschiedenen Teilen des britischen Reiches, die genügende Mittel haben, sich zu erhalten, Iiis sie Beschäftigung finden. So besteht auch keine Einreisebeschränkung für Schweden z. B. als solchen, Orientalen jedoch schließen wir fast aus und Süd- und Südost-Europäer werden streng geprüft. („Population Problems".) Times Week ley: In den Jahren unmittelbar vor und seit dem Kriege ist das Verhältnis von Einwanderern nach Canada aus anderen europäischen Ländern als Großbritannien ständig im Wachsen und gegenwärtig ist die Zahl der Immigranten aus anderen Ländern als Großbritannien beträchtlich größer als die aus Großbritannien. An vielen Stellen in Canada herrscht große Beunruhigung über diesen Ceberschuß. Es ist klar, daß es unmöglich und unerwünscht sein würde, sich auf eine Politik einzulassen, die darauf ausgeht, Ansiedler dieser anderen Länder auszuschließen, und doch, um den Charakter und das Niveau des Landes zu bewahren, ist es absolut notwendig, das Verhältnis britischer Ansiedler aufrechtzuerhalten. Ansiedler aus anderen Landein, namentlich solchen, die rückständig sind, sollten einen beträchtlichen Sauerteig britischer Ansiedler in ihrer Mitte haben. Gewisse Sicdlerlypen sind willkommener in Canada als andere, und man hat in der Praxis gefunden, daß Ansiedler der nordischen europäischen Länder viel nützlichere und bessere Arbeiter sind und mit größerer Wahrscheinlichkeil dauernd in dem Lande heimische, nützliche und loyale Bürger werden als die aus dem Süden . . . Viele, welche die Frage gründlich studiert haben, schlagen vor, Einwanderung nach Canada hauptsächlich auf die teutonischen und skandinavischen Rassen zu beschränken. Die Zeit für eine scharfe Beschränkung von Zahl und Art von Immigranten ist jedoch kaum gekommen, und das gegenwärtige Problem ist vielmehr, immer mehr Menschen zu beschaffen und dies so schnell wie möglich. Canada braucht am allermeisten Farmarbeiter und Frauen für häuslichen Dienst. Zu häufig hat man gefunden, daß der Siedler nur eine sehr kurze Zeit auf der Farm geblieben ist, er ist dann in die Stadt geraten, wo nicht immer Arbeit zu haben ist, und wo besonders in den Wintermonaten oft eine große Zahl Arbeilsloser sich befindet, infolge des Schlusses der Saison-Farmarbcit. Der Einwanderer muß bereit sein, zu hören und zu lernen und allezu tun, was von ihm verlangt wird. Die falschen Ideen von Spezialisation und Facharbeit .... sind von wenig Nutzen in Canada, und der Einwanderer, der bereit ist, jelc Arbeit zu unternehmen, die sich ihm bietet und sein Bestes dabei zu tun, wird sehr bald in Canada Erfolg haben. Einvvanderungsbestimmungen. Die Einwanderung deutscher Staatsangehöriger nach Canada ist seit vorigem Jahr freigegeben worden. Wir haben über die Aufhellung der canadischen Einreisebeschränkungen für Deutsche bereits in unserem Korrespondenzblall vom März/April 1927 berichtet. Es ist naeli Verhandlungen mit den canadischen Behörden zu der Praxis übergegangen worden, daß die deutschen Juden jetzt mit gleichem Maße gemessen werden, natürlich müssen sie den allgemeinen Einwanderungsbedingungen entsprechen. Die nachstehenden Einreiscbestimmungon einem Prospekt des Norddeutschen Lloyd entnommen — finden bei Staatsangehörigen folgen der Länder Anwendung: Deutschland, Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland und skandinavische Länder. Nachdem Deutschland in die Reihe der sogenannten bevorzugten Länder aufgenommen ist, können Reichsdeutsche aller Berufe, auch Landarbeiter, jederzeit nach Canada einwandern. Entsprechend der Jahreszeit und der dadurch bedingten Nachfrage nach Arbeitskräften genügt für ledige Männer außer dem Seepassage-Betrage und dem canadischen Eisenbahnfahrpreis bis zum endgültigen Bestimmungsort in Canada der Besitz von $ 100.— bis $ i5o.— bei der Landung. F a m i 1 i e n müssen entsprechend der Kopfzahl im Besitze eines höheren Geldbetrages sein. All einreisende Landarbeiter, die in den Frühiahr»- monaten März, April bis spätestens 1. Mai oder aber in den Erntemonaten Juli/August in Canada eintreffen, benötigen außer dem Seepassage-Betrage und dem Eisenbahnfahrpreise von Halifax nach Winnipeg in Höhe von $ 3 5.— noch den Besitz eines weiteren Betrages von $ 20.—■ bei der Landung, sofern ihnen eine Stellung in der Landwirtschaft nachgewiesen wird. Landarbeiter-Familien, die zu den gleichen Terminen in Canada landen, müssen außer dem Seepassage-Betrage und der Eisenbahnfahrt mindestens $ 2Öo.— in Händen haben. Für Passagiere, die zu Verwandten reisen, und für weibliche Hausangestellte, die sich im voraus eine Arbeitsstelle sicherten und dieses durch Originalbriefe bzw. Arbeitsverträge nachweisen können, wird neben der Fahrkarte bis zum Bestimmungsort ein Geldbetrag in Höhe von $ 9.5.— pro Kopf als ausreichend erachtet. Hierbei ist zu bemerken, daß Alleinreisende junge Mädchen und junge Leuteunter 2i Jahren zwei beglaubigte Schriftstücke ihrer Ellern bzw. ihres Vormundes vorlegen müssen, aus welchen hervorgeht, daß diese nichts gegen ihre Auswanderung einzuwenden haben. Frauen und Kinder von in Canada ansässigen P e r s o n e n können ebenfalls jederzeit nach Canada einwandern, sofern der schriftliche Nachweis erbracht wird, daß der Ehemann bzw. der Vater gesetzmäßig eingewandert ist. Falls uns die betreffenden Familienmitglieder mitteilen, mit welchem Dampfer (Jahr und Tag) die Ausreise des Familienoberhauptes erfolgte, sind wir gern bereit, die erforderlichen Unterlagen zu beschaffen. An Frauen, die minderjährige Kinder in Deutsch land zurücklassen, wird das Visum nur erleilt, wenn vorher eine besondere Einreiseerlaubnis eingeholt ist. Es sind jetzt canadische Regierungsärzte dem Einwanderungskommissar beigeordnet, denen sich die Einwanderer zur Untersuchung stellen müssen. Die Untersuchung bei der Landung fällt infolge des Amtierens dieser canadischen Verzte in den Auswanderungsländern fori. Bei dieser Untersuchung 6

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