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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1928-03-01 · März 1928 · p. Seite 1

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1928. Bestand LBI
Issue
März 1928
Date
1928-03-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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IRI
…/6492417--001-9586760
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KORRESPONDENZBLATT über Auswanderungs* und Siedlungswesen Herausgegeben vom Hilfsverein der Deutschen Juden Zentralbüro für jüdische Auswanderungsangelegenheiten Vom Reichwanderungsamt anerkannte gemeinnützige Auskunftsstelle für jüdische Durchwanderung und Auswanderung Redigiert von Dr. Mark Wischnitzer und Arthur Goldschmidt. Berlin, März 1928 U ir behandeln in diesem Korrespondenzblatt nicht nur Aliswanderungsangelegenheiten, sondern auch das jüdische Siedlung siu es en in verschiedenen Ländern. In Rücksicht darauf ist der Titel des Korrespondenzblattes entsprechend abgeändert ruorden. Deutschland. Wir haben wiederum schwere Verluste zu beklagen. Der langjährige Leiter unseres Auswandercr-Schutzkomitees in Bremen, Herr B. Galatz er, ist jäh Mitte November 1927 dahingeschieden. Er hat die Fürsorge für die Auswanderer mit hervorragender Sachkunde und Tatkraft ausgeübt. Einer Anregung der Jüdischen Gemeinde in Bremen, Herrn Rechtsanwalt Dr. J. Rosen ak, Bremen, mit der Leitung des Auswanderer-Schutzkomitees zu betrauen, hat der llilfsverein mit Dank Folge gegeben. Herr Dr. Ilosenak hat damit eine humanitäre Aufgabe übernommen, die sein Vater, der verstorhenc Rabbiner Dr. Rosenak, Jahrzehnte hindurch, bis zum jähre 1923, durchgeführt hat. In Herrn G. M i 11 n e r , M e m e 1 , haben wir einen treuen Mitarbeiter auf dem Gebiete der Emigrantenf'ürsorge verloren, der uns seit Jahrzehnten zur Seite gestanden hat. Auswandererfürsorge des Hilfsvereins der Deutschen Juden. Die Durchwandernng durch Deutschland war im Jahre 1927 zun) Feil größer als im Vorjahre. Das Büro der Zentrale des Hilfsvereins in Berlin, seine seit Jahrzehnten bestehenden Komilee» in Hamburg und Bremen und Vertrauensmänner im Reiche nahmen sich der Auswanderer nach Kräften an. Bahnhofsdiensie, die vom Hilfsverein organisiert sind, bestehen in Berlin am Schlesischen Bahnhof, in Stentsch (deutsch-polnische Grenze) und in Osnabrück. Unter Fürsorge des Hilfsvereins passierten 1927: Berlin: Schlesischer Bahnhof Balmhofsdienst des Hilfsvereins, Aus- und Rückwanderer davon: 21 58o Männer 10 85 \ Frauen 5 671 Kinder (davon IN ich tjuden i8o85). Ihren Weg nahmen über Stentsch: Osnabrück: Hamburg: Im Ueberseeheim trafen ein Außerdem passierten Hamburg zirka die in der Stadt logierten. 38 io5 Personen 13822 5o85 2 882 5oo Bremen: Nach privaten Feststellungen wanderten über Bremen aus rund Berliner Büro: Individuelle Beratung, Fürsorge und I nterstützung fanden in unserem Büro, Steglitzer Str. 12 Gestrandete russische Emigranten in Hamburg und Bremen. Noch immer befindet sich ein Rest der russischen Emigranten, die im Jahre 1923 wegen Erschöpfung der russischen 260 982 Quote ihre Weiterreise nach den Vereinigten Staaten von Amerika nicht antreten konnten, in Hamburg und Bremen. Im ganzen waren es ursprünglich![-]5, Anfang des Jahres 1927 noch io3, jetzt befinden sich noch einige 60 dieser unglücklichen Emigranten in den beiden deutschen Häfen, bestehend aus Familien sowie einzelstehenden Männern und Frauen und Waisenkindern. Wir nehmen uns der Emigranten soweit wie möglich an. In einigen besonders gearteten Fällen übernehmen wir die Haftung für die Aufenthaltskosten. Wir sorgen für Unterricht von Schulkindern, Fortbildungsunterricht, Sprachunterricht, Unterbringung in Lehrstellen, Erholungskuren. Leider ist bisher noch immer keine Milderung in den restriktiven Gesetzen der Vereinigten Staaten eingetreten, die die langjährige Trennung von Familienmitgliedern zur Folge haben. Für das amerikanische Fiskaljahr 1927/28 sind für die in Bremen befindlichen gestrandeten Emigranten nur 10 Visen im ganzen freigegeben worden. Allgemeine Auswanderung aus Deutschland. Die Zahl der nichtjüdischen Passagiere, die im Ueberseeheim Hamburg eintrafen, betrug im Jahre 1927: 29620 Personen. Interessant ist ein Vergleich mit der Auswanderung in dem letzten Vorkriegsjahre. 1913 gingen deutsche Auswanderer über deutsche Häfen 18 44o, über fremde Häfen 7 /jo3. Die Zahl der Fremden, die über deutsche Häfen auswanderten, betrug in der gleichen Zeit 413 857. Die überseeische Auswanderung Deutscher über deutsche und fremde Häfen im Jahre 1926 belief sich auf 65 280 Personen. Aufhebung des Visums zwischen Deutschland und anderen Ländern. Zwischen Deutschland und einer Anzahl von Staaten sind Vereinbarungen getroffen worden, auf Grund deren der Visumzwang fortgefallen ist. Zu bemerken ist aber, daß die sonstigen Einreisebestimmungen wie die polizeilichen und Aufenthaltsbestimmungen der einzelnen Länder bestehen bleiben. Nachstehend 1. Angabe der Länder, bei denen ein Visum nicht mehr nötig ist, und der besseren Uebersicht wegen 2. eine Aufzählung einer Anzahl hauptsächlicher Staaten, bei denen ein Visum noch erforderlich ist. I. Der Visumzwang fällt fort bei: Cuba, Dänemark, Danzig, England und Kolonien (außer Australien und Indien), Dominikanische Republik, Finnland, Haiti, Island, Jugoslawien, Japan, Liechtenstein, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Oeslerreich, Panama, Portugal, Schweden, Schweiz. Die Regelung bezgl. Aufhebung des Sichtvermerkzwanges zwischen Norwegen und Deutschland ist mit Wirkung vom 1. Februar ab erfolgt. Personen, die eine Stelle antreten wollen, müssen im Besitze, einer von dor zuständigen Vertretung des Aufenthaltstaates im Ausland vor dem Grenzübertritt beschafften Zusicherung der Bewilligung zum Stellenantritt sein. Vom 1. Januar 1928 ist ein neues Fremdengesetz in Norwegen in Kraft getreten. 0

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