Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-12-23 · N° 52. (23.12.1886) · p. Seite 423

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 52. (23.12.1886)
Date
1886-12-23
Page
Seite 423 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/5369809-9585330-9585775--6480-9585782
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 428 a i Aus Italien Der bedeutendste Sprachforscher Italiens, unser GlaubensgenosseGraziadio Aseol i feierte am 31. Oktober l. I. sein 25 jähriges Jubiläum als Professor der Linguistik in Mailand. Auch um die jüd. Archäologie und Epigraphik hat er sich verdient gemacht, ihm widmete der unsterbliche S. D. Luzzatto seine berühmt gewordene Abhandlung über die Kabbala. — Bess. Jsr. bringt Proben des jüdisch-römischen Dialectes, die noch der Erforschung bedürfen. — Salomon Momigliano wurde in Alessandria zum Pvstdirector ernannt. Iaris. Bichourd (ein Israelit) bisher Mitglied des Ministeriums des Innern, ist zum Nachfolger Paul Bcrt's als Generalresident für Tonkin ernannt: derselbe war kurz vor dem Tode Bcrt's in gleicher Eigenschaft für Tunis ernannt. Wesoul. Das hier erscheinende Blatt „Reveil de la Haute-Saöne“ bringt anläßlich der Ernennung Mailand'« zum Minister, einen judenfeindlichen Artikel, den unser Herr Oberrabbiuer Levy in sehr würdigem und übcrzeugungsrreuem Tone eutgegentritl; nichtsdestoweniger führt das Blatt fort, Proben seiner antisemitischen Gesinnung zu geben und sucht alten Haß und längst überwundene Vorurtheilc neu zu beleben. Iakotin. (Rußl.) Der hier zelotisch hausende orthodoxeRabb. Chaun Sokolowsky wurde zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt, well er oyue Erlaubniß des officiellen Rabbiners rabbmische Funktionen: Trauungen rc. ausgeübt hat. Wer dessen zelotifches Treiben kennt, wie er mit dem Bann gewütyet gegen jeden der ihm . . . einen Groschen z. B. durch Beiiutzung der staatlichen Gerichtsbarkeit rc. entzog, wird es ihm gönnen. — Scharigrad Unser Gutsbesitzer, Graf Banitzky, gehört zu deir edelste» Mensd)eufreunden, ohne confessionelle Unterschiede zu machen. So kam er unlängst in unser Dorf und sah den baufälligen Zustand der Synagoge. Sofort ließ er die Gemeindc-Borsteher rufen, und schenkte ihnen das zur Reparatur nöth ge Bauholz. — In tzH nr-Aoa (Anam) wurde Lieutenant Frank, Bruder des Consistorialsecretärs von Lyon, von einer Bande von 50 Mann meuchlings ermordet. Sein Commandant hat einen sehr belobigenden Bericht über diesen stets heroischen Offizier an den Generalresidenten erstattet. Konstantinopet. Der Attentäter, der den hiesigen Synagogeudicner und seinen 10jührigen Sohn mit einem Messer gestochen, wurde zu 10 Monaten Zuchthaus verurtheilt. Mittheilimgen aus dem U. O. B. B. Berlin. Als unser Kronprinz bei Anweseuheil in Straßburg zur Zeit der Manöver in Elsaß-Lothringen die Loge „Zum treuen Herzen" besuchte, hielt er daselbst eine Ansprache an die Logeu-Brüder ans der folgende Sätze aufbewahrt zu werden verdienen: „Zwei Grundsätze bezeichnen vor allein unser Streben: Gewissensfreiheit und Duldung. An ihnen lassen Sie uns festhalten mit unserer ganzen Kraft. Daß dieselben bei uns immer vollkommener werden, dazu lassen Sie uns allezeit mithclfen. Nicht nur loben wollen wir diese Tugenden, sondern sie auch fleißig üben." Hamburg. In einer frühern Nr. der Wochenschrift ist unter dieser auch von uns gern gelesenen Rubrik der in Druck erscheinende Vortrag des Herrn Dr. Jonas: Humanität und Judenthmn, signalisirt. Der im Aufträge des Vereins zur Gründung der Loge des N. O. B. V. für Hamburg-Altona gehaltene Vortrag'liegt uns nun gedruckt vor'und hofseil wir, daß er and) in weiteren Kreisen das Interesse für die edlen Principien des unabhängigen Ordens erregen und zur Erstarkung des Bruderbundes beitragen werde. Nachdem der Redner den Begriff Humanität als die „Weise des Denkens und Handelns, welche geregelt wird durch die Erkenutniß und Empfindung von der Gleichheit des Grundwesens bei allen Menschen" defiuirt hat, weist er ans die ethische Grundlage unserer Religion hin und eitirt diesbezügliche Stellen in der Bibel r^n Talmud und dein übrigen jüd. Schriftthum und bemerkt mit vollem Rechte, „daß das Judenrhum der Welt den Begriff der Menschheit als emer alle umfassenden, auf dem Princip der Gleichberechtigung beruhenden Gemeinschaft gegeben! Im Anschluß hieran giebt der Redner eine kurze geschichtliche Entwickelung des Ordens der B'nai B'erith, dessen Tendenz er am Schliisfe noch einmal dahin präcisirt, daß er ein Orden sei geschlossen von Inden zum Zwecke der Belhätigung reiner Menschlichkeit — Die Installation der hiesigen Loge findet am 2. Januar statt. Ratibvr, 19. December. Auch die jüngste unserer dentschen Logen die ^nedensloge, bemüht sich, den Principien uliseres Ordens gemäß' ihren Mitgliedern geistige Anregung zu bieten und hat seit diesem Wintereinige Vorträge in Aussicht genommen. Den ersten Vortrag hielt vor einiger Zeit das Mitglied der Friedensloge, Obcringenieur Cohn, vor einer großen Anzahl BBr., welche ihre Familienangehörigen und viele Christen cingeladen hatten. Der Redner hatte als Thema für seinen Vortrag „Electricität" gemacht und beleuchtete in geistvoller und interessanter Weise das Wesen und die Entwickelung der Electricität von dem Augenblicke an, da Menschen versuchten, die Kraft des Blitzes sich dienstbar zu machen, bis zur Neuzeit, in welcher auf dem Gebiete der Electro-Technick so bedeutende Entdeckungen gemacht und verwerlhet wurden. Das Auditorium folgte mit gespannter Aufmerksamkeit dem Vortragenden, welcher seinen belehrenden Erklärungen durch Experimente vervollständigte Eine ckleine Dynamomaschine >var im Saale aufgestellt, mit welcher in jedem verständlicher Weise die Erzeugung der Electricität, des Eleenomagnelismus, des Glühlichtes, des Bogenlichtes durch praktische überaus gelungene Versuche demonstrirt wurde. Reicher Beifall und Dank wurde dem Vortragenden von sümmtlichen Anwesenden gespendet, welche noch einige Stunden zu geselliger Unterhaltung vereinigt blieben. Auch auf dem Gebiete der Wohlthätigkeii hat die Friedensloge versucht fordernd zu wirken Auf Anregung des Vicepräsidenten Dr. Fried forderte die Loge den Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde, sowie die Vorstände sämmllicher Unterstützungsvereiuc auf, eine Chanukka-Bescheerung für arme Kinder zu veranstalten. Dieses Vorgehen war sofort erfolgreich, denn schon bei der ersten Conferenz wurden von sämmtlichen aufgeforderten Corporationcn reichliche Mittel zur Bekleidung von 50 armen Kindern bewilligt, welche die Gabelt am Chanukkafeste erhalten werden. Wir sind überzeugt, daß diese Chanukka-Bescheerung, welche hier zum ersten Male stattfindct, sich nun alljährlich wiederholen wird und wünschen der Friedensloge weitere ähnliche Erfolge auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit. New-Nvrk, 10. Dezember. Am jüngsten Sonntag starb hier eiuer der 12 ersten Begründer des Ordens, Br. Rüben Rodacher, im 90. Lebensjahre. Bei seiner Beerdiguitg ivar das Executiv-Commits durch Br. Th almes s i a g er, das General-Eommite des 1. Diftricts durch 4 Mitglieder (Levy, Gans, Hamburger tlnd Hellmaitn) officiell vertreten, auch aus der hieß Freimiurer-Loge, ivelcher der Verstorbene angchörte, war eine große Anzahl von BBr. erschienen. — Von den 12 Männern, die i. I. 1849 den nnabhäng. Orden der B. B. gründeten, sind nur noch 6 am Leben, die BB. Valentin Kahn, Isaak Rosenberg und Michael Schwab Zn New-Uork), Heinrich Auspacher in Wilkesbarre, William Renan in Cincinnati, Jonas Hecht in Norfolk. Der Orden ist über alle vereinigten Staaten Amerika's, in Crnada und Deutschland verbreitet, faßt nun auch in Aegypten '.Cairoi Wurzel und soll nächstens and) in England sich eine Heimstätte gründen. Auch in Oesterreich und Ungarn will man, sobald die Uebereinstimmung mit dem dortigen Vercinsgesetz hcrgestellt ist, mit der Gründung von Logen gern Vorgehen._ Das rege Interesse, welches in immer höherem Maße alle bürgerlichen Kreise für die wirthschaftlichen Fragen ersaßt hat, veranlaßt den Verlag des „Berliner Tageblatt", den volkswirthschastlichen Theil der Zeitung entsprechend zu erweiteru und demselbeit durch Einrichtung jincr besonderen vollständigen Kandekszeitung eine sorgfältige und um* zagende Pflege zu widmen. Um dies räumlich zu ermöglichen, erscheint fortan die Abendnnmmer in einem Doppelbogen von 8 Aokioseiten, wovon die Hälfte für die „Handclszeitung" bestimmt ist, welche alle wichtigen Nachrichten über Börse, Waarenhandel und Industrie, die Produkteu- und Waareubericht der bedeutenden Handelsplätze des In- und Auslandes, einen sehr vollständigen Curszettel der Berliner Börse, sowie die Ziehungslisten der wichtigen LooSpapiere enthalten ivird. Die einzelnen Handelstind Industrie-Zweige sollen periodisch von anerkannten Fachautoriälen durch selbstständige Artikel sachgemäße Beurtheiluug finden. Hhne den Abonnementsbetrag zn erhöhen, wird somit der redaktionelle Text des 1i. '1'. um ea. 500 vis 600 Seiten jährlich vermehrt werden, und wenn wir die Ncueinrichtttitgen der letzten Zeit, als die Parlaments- Ausgabe, die Wontagsnummern dem Feullletonbeiblatt „Ser Zeitgeist" sowie die Vergrößerung des illustr. Witzblattes „U L k“, hiernach erwähnen, so soll damit nur kundgcgcben iverdeu, wie sehr das tj. 'I. dem gesteigerten Lesebedürsniß seiner -Abonnenten Rechnung ztl tragen bestrebt iß. Da auch die sonstigen Leistuugeu des „Berliner Tageblattes" aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens, seine frische und unabhängige politische Haltung, seine Anstrengungen in Bezug auf rascheste Berichterstattung meistens durch Lpczialtelegrantme. die reichen belletristischen Gaben ans per Feder unserer ersten Schriftsteller sich allgemeiner Anerkennung zu erfreuen haben, so dürften die obenerwähnten neuen Bestrebungen ebenfalls volle Würdigung finden. Im täglichen Romanfeuilletoit des itächsten Quartals erscheint nächst einer reizenden Humoreske von Htto Hrindt: „Das Buch Heiroch", das neueste Werk von Heorge Hhnet r „Sie will es", ein Roman im Genre von desselben Autors: „Ser Küttenbesttzer", ivelcher s. Zt. so außergewöhnlichen Beifall gefunden hat. Der Abonnementspreis für das „-Aertiuer Tageblatt", nebst seinen werthvvllen 5 Beiblättern: Illustr.'Witzblatt Jüustr. Sonntagsblatt „Deutsche Lesehalle", „Mitthcilungen über Landwirthschast, Gartenbau und Hausivirlhschast", der Feuilleton-Beilage „Ser Zeitgeist" und der täglich erscheinenden „Lrandelszeitung" beträgt Alles in Allem nur Mk. 5,25 pro Quartal. Alle Postämter des Deutscheit Reiches nehmeu jederzeit Bestellungen entgegen, ^robenummern sind gratis franco von der Expedition des „Berliner Tageblatt", Berlin SW., Jerusalemerstr. 48—49 zu beziehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.