Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 48. (25.11.1886)
- Date
- 1886-11-25
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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391 lief) der englischen Souveränität angehört; dort besteht eine .große und fromme jüdische Gemeinde, deren Mitglieder außerordenilich angesehen und einflußreich sind; diese könnte viel zur Realisiruna des Lopez'schcn Planes beitragen. Die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Gibraltar und ihre Blüthe ist eine Frucht der englischen Verfassung, die die vollständige Freiheit aller englischen Unterthanen ohne Unterschied des Bekenntnisses anerkennt. Möge die spanische Regierung diesem Boi bilde folgen. — Wie die neueste Nr. der „Arch. isr." berichtet, ist in Madrid ein Comits in der Bildung begriffen, aus Juden und Nichljuden, Einheimischen und Ausländischen, welches die Idee der Rückkehr der Juden nach Spanien realisiren soll. An der Spitze dieses organisatorischen Comitö's stehen: der französische Professor Jules Trouilland zu Maorid, der Spanier Jsid. Lopez Lap uya, Redacteur des „Progreso" und der Deutsche M. Bentfeldt, Correspondent der „Täglichen Rundschau". Diese Herren wollen einige israelitische Notabilitäten cooptiren und werden, sobald sie sich constituirt, das Programm zu dem großen philantropischen Werke veröffentlichen. _ Kerrnischle und neueste Nachrichten. Magdeburg. Einige jüdische Blätter waren so thöricht, zu verlangen, daß man an Stelle des verstorbenen Ludwig Loewe wieder einen Juden zum Abgeordneten au'stellen müsse. Mit Recht weist die „Freisinnige Zeitung" ein solches Wählen nach Konfessionen weit ab von den Grundsätzen des wahreil Liberalismus. „Wir Freisinnigen — schreibt sie — fragen bei den politischen wie bei den Kommunalwahlen in keiner Weise nach der Konfession. Wir wühlen überall den besten Mann, den wir für den betreffenden Platz finden können, und den, der uns die Garantie gewährt, daß er, wo die Aussicht für unsere Partei nicht ganz sicher ist, den politischen Gegner am besten zu schlagen im stände ist... Wir wissen, daß die Mehrzahl der Judeil mit dem Zustande der vollständigen Gleichberechtigung, wie er innerhalb der deutschfreisinnigen Partei für alle Konfessionen besteht und nach ihren Grundsätzen bestehen muß, zufrieden ist, und nicht nach einem Vorrecht auf einzelne Wahlkreise strebt." Wir können dem trefflichen Blatte in diesen Ausführungen im Namen der vielen Tausende unserer Leser nur voll und ganz zustimmen. Magdeburg. Wir erhalten aus London vom 16. d. M. eine Zuschrift des Hr. Lionel L. Cohen, Präsidenten des dortigen israelitischen Armenunterstützungs-Vereins, worin er uns schreibt: „Die weite Verbreitung Ihrer Zeitung veranlaßt mich, Ihnen inliegende „Warnung" zur Veröffentlichung zu übersenden u. s. w. — Es gebricht uns an Raum, die seitenlange Warnung abzudrucken, wir können sie nur inhaltlich wiedergeben, sie betrifft die „beklagenswerthe Einwanderungsfluth" hilfsbedürftiger Israeliten aus Rußland, Polen und auch — Deutschland, die bei der in London .herrschenden Arbeitsnoth aber nur den bittersten Enttäuschungen, den Schrecknissen des Hungers und den Verlockungen der Mission preisgegeben sind, und meist elendiglich unter- . gehen, da es ihnen zur Heimkehr an den nöthigen Geldmitteln fehlt. Darum ergeht die dringende Mahnung: „allen Auswanderungslustigen von ihrem Vorhaben, auf's .Ungewisse ein fremdes Land aufzusuchen, abzurathen lUnd sie zum Verbleiben in ihrer Heimath zu bewegen, wo sie sich, wenn auch kümmerlich, doch weit besser ernähren, als dort." — Auch aus Palästina kommen wiederholte Mahnrufe, die Aufforderungen der „Zionsfreunde" zur Auswanderun .nach den Colonien unbeachtet zu lassen. Perlt». Der vor einigen Wochen verstorbene Genecalikonsul Behrendt hat der Stadt Berlin 300.000 Mark, der hiesigen Synagogengemeinde 150,000 Mark und der zu eLandsberg a. W. (seinem Geburtsorte) 9000 Mark vermacht. .Der Landsberger Synagogenvorstand hat aus dem Zinserträge das Grab des Vaters des Erblassers auf dem dortigen Friedhof zu unterhalten. Hannover. Mit dem Sabbathausgang verschied hier der Stiftsrabbiner und Seminarlehrer I. Krimke. Seine zahlreichn Schüler werden ihm sicherlich ein dankbares Andenken bewahren. Er ruhe in Frieden! Stettin. 18. November. (Or.-Cor.) Bei den im Laufe dieser Woche stattgehabten Wahlen zum Stadtverordnete- Collegium wurde auh Herr Samuel, der langjährige Vorsteher uns. Gemeinde, zum Stadtverordneten gewählt. Dem genannten Collegium gehören nun 6 Israeliten an. — Vorstand und Repräsentanten unserer Gemeinde haben den sehr wichtigen und nachahmungswerthen Beschluß gefaßt, in unserer Synagoge die Heizung einzuführen. Mit dem Bau dazu wird im nächsten Jahre begonnen werden. Aon», November. In der vorigen Woche fand in einem der ersten hiesigen Hotels ein von unserem Synagogen- Chor veranstaltete Abend-Unterhaltung statt, die sich eines so großen Beifalls erfreute, daß ihr schon in den nächsten Wochen eine zweite folgen wird. Bon echt jüdischem Geiste getragen, wie schon der Prolog es ahnen ließ, schloß die Festlichkeit, deren zweiter Theil dem Tanze galt, erst gegen vier Uhr Morgens. Noch ein Anderes habe ich Ihnen zu berichten. Zu den in unserer Universitätsstadt schon zahlreich vorhandenen medizinischen Anstalten ist vor einigen Tagen eine neue hinzugetrete», die hier ihres Gleichen gleichwohl noch nicht hat, und zwar eine israelitische Heil- und Pflege- Anstalt für Nerven- und Gemüthsleidende. Herr Or. Kahn, welcher an mehreren derartigen Anstalten des In- und Auslandes unter der Leitung hervorragender Capacitäten ärztlich thätig gewesen ist, wird sein Institut in jeder Weise so leiten, wie es dem Namen desselben als israelitische Heilanstalt entspricht. Köln, 19. November. Der Oberbürgermeister Becker gab der Stadtverordnetenversammlung in ihrer gestrigen Sitzung Kenntniß von einem Schreiben des Beigeordneten vr. Rosen t hal, in welchem dieser den Antrag stellt, ihn mit dem 31. Dezember d. I. aus seiner amtlichen Stellung zu entlassen und das Gehalt für die Zeit seiner Krankheit zu einer Stiftung zur Unterstützung bedürftiger städtischer Büreaubeamten zu verwenden. Airkenfekv. Z nm Landrabbiner unseres Fürstenthnms ist Hr. vr. Braun, seit ll[2 Jahren Rabbiner in Pleß, gewählt worden. Wien. Der Dichter Leopo l d Ko mp e rt ist gefährlich erkrankt; die Aerzte geben wenig Hoffnung auf sein Aufkommen. Kalisch. Dem „Kalißanin" zufolge, soll der hiesige Magistrat die Weisung erhalten haben, die ausländischen jüdischen Kaufleute und Handlungsgehilfen, die kein Heimathsrecht zur Niederlassung in Rußland besitzen, auszuweisen. Die Nachricht habe in den betheiligten Kreisen eine Panik hervorgerufen, zumal da der größere Theil der jüdischen Ausländer (fast ausschließlich deutsche Unterthanen) seit einer langen Reihe von Jahren dort ansässigsei. Ainavnrg. Endlich nach 7 jährigem Bau ist unsere neue Synagoge fast vollendet. Es ist ein Prachtbau, das den Männern, die sich darum bemühten, zur Ehre und der Stadt zur Zierde gereicht. — 50 Familien sind von hier wegen Armuth nach Amerika ausgewandert. Aelersburg Für den verewigten I. I. Korobkow, weiland Gemeindepräses, wurde eine erhebende Gedächtnißfeier in der Synagoge gehalten. H.rr Rabbiner Drabkin hielt die sehr ergreifende Gedächtnißrede mit dem schönen Texte: „Deine Hände waren nie gefesselt!" Turin Im freiesten der Länder. Italien, kommt Proselitenmacherei auf dem Todtenbette auch noch vor. So hat eine Wärterin im St. Johann-Hospital hier auf eigene Faust an einer Frau in der Todesstunde die katholische Taufe vorgenommen. - m