Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 48. (25.11.1886)
- Date
- 1886-11-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 48. Magdeburg. 35. Uooember 1886. IM-. MI. für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. iS , Wöchentlich erscheint je eine Nummer der „Wochen schrift", de? „Lamtlt-n- »1 «tt» " u. des „Lttteratno dl atts". Preis für alle drei gt|«tt*r bei allen Postämtern u. Buchhandlungen 3 Ik/Iarlc vierteljährlich. Mit d i recte r Zusendung: jährlich 14 Mark, nach dem AuSlande: 16 Mk. (8 fl., 80 Frcs-, 8 Rbl., 4 Dollars). Einzelnummern der „Wochenschrift" k 25 Pf., des „Litteratur-BlattS" k 15 Pf. des „Famklien-BlattS st 10 Pf. & Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber: Rabbiner vr. W. Kahwer in Magdeburg. kur Wahrheit» Leiht und Frieden! «-Ä In f«r «t« für die „Israelitische Wochenschrift", wie kür das „Jüdische Litteratur-Blatt", die kleingespalUne Petitzeilc oder deren Raum 35 Pkf. sind entweder durch die Annoncen- Expeditionen von C3-- X.-XDau.'be «Sc Co., 3rtu.d.olf ÜVÜoBse, Haasensteln «Sc "Vogler u. A. oder direct einzusenden an : Die Grpodiiion der ,.Israelit. Wochenschrift" in Magdeburg. £--5» Irrhalt: Leitende Artikel: Unser Gottesdienst. — Ein berechtigter Wunsch Brrickte und Korrespondenzen: Deutschland: Berliner Briefe IV. Berlin. Kassel. Witten. Essen. Aus dem Hännöverschen. Hamburg. (Fortsetzung.) Spanien: Madrid. Dermisckte und neueste Nachrichten: Magdeburg. Magdeburg. Berlin. Hannover. Stettin. Bonn. Köln. Birkcnfeld. Wien. Kalisch. Dinaburg. Petersburg. Turin. Inserate. Briefkasten. Woche». Novemb61' 1886. Cheschwan. i 5647. Kalender. Donnerstag 25 27 Freitag . . 26 28 nribir» (»,»«). (Neumondeinscgmmg.) Sonnabend 27 29 . Sonntag 28 1 Kisslew. Montag. . . 29 2 Dienstag . 1 30 i Mittwoch . iDec. 1 4 Donnerstag | 2 5 ■ Unser Gottesdienst. Die unter diesem Titel von Herrn Dr. Caro - Pilsen an unserem Gottesdienste geübte Kritik hat begreiflicherweise den Cantoren einen gelinden Schrecken eingejagt, obgleich ganz unbegründeter Weise; — die Vorschläge des Herrn vr. C. werden bei den Herren Rabbinern noch weniger Anklang flnden, als bei den Cantoren. „Schuster, bleib bei Deinem Leisten!" — Der Chasan muß singen, der Rabbiner muß predigen. Die Kantoren und Lehrer lieben es zwar, den Rabbinen durch Predigen und Vollziehung von Trauungen rc. ins Handwerk zu pfuschen, aber das vios vsr8a steht sehr vereinzelt da. — Was mich gegen den Artikel des Herrn vr. C. aufbringt, das ist — mein Realismus. Herr vr. C. sagt sehr schön: „Es nützt nichts, die Augen zu verschließen" — aber Herr vr. C. streut uns selbst, natürlich unabsichtlich, Sand in die Augen. Oder ist es etwas anderes, als „Sand in die Augen streuen", wenn er sagt: „Man schiebe nur ja nicht Mangel au Verstündniß der Gebetsprache als Entschuldigungsgrund vor; der größte Theil der jetzigen und Heranwachsenden Generation in Deutschland und Oesterreich hat in den Religionsschulen die Gebete übersetzen gelernt?" Und mit dem „in der Religionsschule Gebete-Uebersetzeu-Lernen" soll der „Mangel an Verständniß der Gebetsprache beseitigt sein? Das gedankenlose, mechanische Wort-für-Wort-Uebersetzen z. B. Adaun, Herr, aulom der Welt, ascher welcher, moloch regierte rc., das soll ein Verstündniß bewirken, wodurch der Unterschied, ob die Gebetsprache, die seit frühester Kindheit auf geübte Muttersprache, .oder die todte hebr. Sprache ist, aufgehoben wird? — In der Religionsschule haben sie übersetzen gelernt — weiß denn Herr vr. C. wirklich nicht, daß das Kind in so viel Monaten nach Austritt aus der Religionsschule das dort gelernte Hebräisch vergißt, als er es in Jahren gelernt hat, und daß Ausnahmen von diesem Erfolg eben Ausnahmen sind? Oder hat Herr vr. C. auch in der Religionsschule so „außerordentlich günstige Erfolge" erzielt, wie mit seinem Gottesdienste — — ja dann ist er eben auch eine Ausnahme: — Chidusch hu, umechiddusch lau gomrinen! — Also die jetzige Generation hat die Gebete in der Religionsschule übersetzen gelernt, — vielleicht liegt aber der Mangel an „packenden Momenten" in dem Inhalt dieser Gebete? Hat "denn Herr vr. C. noch nie etwas davon gehört, daß cs Leute giebt, die sich nicht davon packen lassen können, wenn sie beten sollen: „Unser Vater, Allbarmherziger, Erbaue doch wieder Deinen Tempel! Und zum Lohne oder Danke dafür wollen wir Dir anch alle Opfer darbringen, wie vorgeschrieben und Zugabeopfer, kein einziges wollen wir fehlen lassen: Am Sibbath 2 Lämmer, jedes ein Jahr alt, zwei Zehntel vom feinsten Weizenmehl, mit Oel eingerührt, und auch das Wein-Gießopfer, und anch das Lamm des beständigen Opfers" und außerdem (z. B. am Laubhüttenfeste) wollen wir Dir darbringen, „am ersten Tage 13 Stiere, 2 Widder und 14 Lämmer ä 1 Jahr; am zweiten Tage 12 Stiere, 2 Widder und 14 Lämmer a 1 Jahr rc. — ja, Herr vr. C., kennen Sie nicht den Eindruck, den diese Gebete ihres Inhaltes wegen' auf den gebildeten Synagogenbesucher machen muß, daß sie gar nicht daran denken, den Mangel der „packenden Momente" in diesem Inhalte zu suchen?