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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-11-18 · N° 47. (18.11.1886) · p. Seite 383

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 47. (18.11.1886)
Date
1886-11-18
Page
Seite 383 (sequence 7)
Language
German
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383 und sonach in einer über das gewöhnliche Maaß hinausgehenden Weise durch ihr eheliches ßetc t, wie auch durch einen häuslichen, wirthschaftlichen Zinn vor Anderen sich besonders hervorgethan haben, so das; sie durch eine solche musterhafte Führung als ein Vorbild tit der Gemeinde betrachtet werden können. — Die Medaille, in Silber geschlagen, trägt auf der einen Seite die Bildnisse des Kaisers und der Kaiserin, ans der anderen Seite den Bibelspruch: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet." (Röm. 12, 12.) Magdeburg. Die Repräsentantenversammlung einer jüdischen Gemeinde batte den Beschluß beurkundet, nach welchem der Vorstand ermächtigt sein sollte, unter den im Beschluß gedachten Bedingnngen einen Engagementsvertrag mit einem Kantor und Religionslehrer abzuschließen. Ein Auszug dieses Beschlusses war dem anzustellenden Kantor von denr ersten Vorsteher eröffnet und von diesem mit der Erklärung unterzeichnet, das; er die gestellten Bedingnngea annehnae. Damit ist jedoch — »ach einer reichsgerichtlichen Entscheidung vom 27. September e. — die gesetzlich erforderliche schriftliche Form des Vertrages nicht erfüllt. Merlin. Von niehreren Freunden des verstorbenen Stadtverordneten Ludwig Löive ist dem Magistrat zur Errichtung einer Zweigstiftung bei der Allersver>0ignngsanstalt der Kaiser Wilhelm- und Augusta-Stiftung unter dem Namen Ludwig Löwe-Stiftung die Summe von 7000 Äk. >im dem Wunsche überwiesen worden, die Zinsen des Kapitals zur Errichtung einer event. zweier Hospltaliten - Stellen in der genannten Anstalt zu verwenden. Der Magistrat be;w. das Kuratorium der Kaiser Wilhelm- und Augusta - Stiftung haben das vfferirte Kapital acceptirt und wird die erforderliche kaiserliche Genehmigung zur Annahme des Ges.he.4s unverzüglich eingeholt werden. — Eine gleiche Summe wurde zur Begründung eines Bettes im Krankenhause der jüdischen Gemeinde dem Vorstände übergeben. Beide Stiftungen sollen mit entsprechendeil Gedenktafeln versehen werden. Willen. Hosprediger Stöcker beabsichtigt', hier am 18. November eineil Vortrag über die Judenfrage zu halten. (Witten ist der Mittelpunkt der antisemitischen Agitationen in Westfalen.) Am 14. sprach er in Kassel. Könitz, 11. November. Ein jüdisches Ehepaar feierte dieser Tage die goldene Hochzeit. Die alten Leutchen wollten in ihrer Herzensfreude auch Anderen eine glückliche Stunde berciten, zu welchem Zwecke sie dem Stadloberhaupie eine ihrem Vermögen angemessene Summe von 300 Mk. behufs Vertheilung an drei würdige Arme ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses zur Verfügung stellten. Drei hülfsbedürftige Wittwen: eine jüdische, eine katholische und eine protestantische, hatten sich dieser Wohlthat zu erfreuen. L. Dresden, Mitte November. Dle im Brüder-Verein in Verbindung mit dem 24. (diesjährigen ersten) Vortragsabend stattgehabte Gedüchtnißfeier für das verstorbene Ehrenmitglied, Herrn Oberrabbiner vr. Landau, in Form eines vom Vorsitzenden Herrn Bergmann verfaßten Nachrufes, fand vor einem zahlreich erschienenen Zuhörerkreis verschiedener Confessionen statt. Sie war einfach und Prunklos, ganz im Geiste des Entschlafenen. — Der „Dresdner Anzeiger" schreibt aus einer Sitzung des Thierschutzvereins: „Interessant war u. A. die Mitthellung, daß zwischen dem Genfer Thierschutzverein uuö dem bürt. Oberrabb. (?) Dr. Wertheimer in Bezug auf das Schächten ein Abkommen getroffen wurde, das geeignet sei, die religiösen Traditionen der Israeliten mehr und mehr mit den Humanitären Bestrebungen der Jetztzeit rn Einklang zu bringen." Dresden. Am 1. d. M. fand die solenne 50 jährige Jubelfeier der hies. vorzüglichen I. Bürgerschule statt, bet welcher es als ein erfreuliches, gewiß jüdische Leserkreise interessirendes Faktum zu verzeichnen ist, daß, sicherlich aus Rücksicht auf die, wenn auch geringe Zahl, lsraelittscher Schüler und deren Eltern, aus den Gesängen rc. alles specisisch Christliche ausgeschieden ist. Im Fest-Comitö saßen die angesehensten Bürger, unter ihnen auch Herr Rechtsanwalt Emil Lehmann. Memel. Am 10. d. Mts. fand hier die solenne Einweihuiig der neuen Synagoge unter übliche,» Ceremoniell statt. Die Festrede hielt Herr Rabb. N R ü l f über Jes. 66,1. Am Abend fand ein in jeder Beziehung wohlgelungenes Festmahl mit vieleii maßvollen Toasten statt, deren Reihe der Oberbürgermeister mit einem Hoch aus den Kaiser eröffuete. Frankfurt a. M. lieber das Testament des verstorbenen Freiherrn v. Rothschild wird dem „F. I." mitgetheilt, daß in demselben die hinterlassene Ehefrau als Universalerbin eingesetzt ist, der eventuell die sechs Töchter fubst tuirt sind. Jedem Commis des hiesigen Hauses Rothschild sind 1000 Mk., j.dem fest angestellten Ausläufer und Portier 50 Mk. vermacht worden Maris. Emile Zola proteftirt in einem Briefe gegen die Insinuation des russischen Journals „Nowoie Wremia", w.lches. ihn der Theilnahme an dem Druinmond'schen Machwerke beschuldigt. „Alle meine Werke", schreibt^dieser gefeierte Schriftsteller, „widerlegen zur Genüge diese Stupidität; ich verurtheile den Inhalt und die Form, die Tendenz, die Voraussetzungen und Schlüsse dieses Buches." Maris. Der neue französische Minister für öffentliche Arbeite», M i l l a u d, ist Israelit. Aus Japan. Gar manchen Industriezweig haben Juden hierher verpsianzt und deren Vertreter haben sich bei der vollen Freiheit der Bewegung, der ihnen gestattet ist, Ansehen und Anerkennung erworben. Aber auch öle W ssenschast fordert nun jüdische Jüu;er auf, ihr in Jap in ihre Kräfte zu gründlicher Pflege zu widmen. So erfahren wir, daß der Rechtsanwalt Or. Welgert zu Kassel einem Ruse an die Universität Tokio in Japan zur Uebernah ne einer Professur für Jurisprudenz zum 1. Oktober folgen werde. (Von Ör. Cohn's Berufung haben wir schon früher berichtet.) Maden, 14. Novbr. König Karl v. Württemberg hat unserm Glaubensgenossen, dem badischen Finanzminister v. Ellstätter, das Großkreuz des Friedrichordens verliehen. Korb, 10. Novbr. Ein junger isr. Handelsmann, I. Stern von Dettensee, wurde in der Gegend von Gültlingen von eine,» dortigen Bürger überfallen und ihm 16 Wunden am Kopfe mittelst eines Steines beigebracht, und hat es der Uaglückttche den infolge des Geschrebs von Kindern herbeigeeilteu Personen zu verdanken, daß der Attentäter fernen Zweck nicht ganz erreichte. Daß hier ein Racheakt vorzuliegen schei nt, kann daraus geschlossen werden, daß der Thärer erst kürz lieh aus dem Zuchthause entlassen worden ist, woselbst er eilte längere Strafe wegen Meineids bezüglich einer Schuldsorderung des obigen Handelsmanns zu verbüßen hatte. Der Thärer ist verhaftet. Mittheilunge» aus dem U. O. B. B. Berlin, 15. November. Die Moutefiore-Loge feierte gestern ihr erstes Stiflungsfest in den Räumen der Gesellschaft der Freunde, bestehend ans einem Festaci, Festmahl und darauf folgendem Ball. Die Betheillgnng war eine sehr starke (ca. 200 Personen). Der Festact, 6' , Uhr beginnend, wurde vom Präsidenten der Montefiore - Loge, vr. H. Hildesheimer, mit einer schwungvollen, zu Herzen gehenden Festrede eingcleitet; daraus brachten die Delegirieu der Gcoßloge (Haagcn) und der Schwesterlogen (von der Deutschen Reichsloge Präs. Merzbach, von Berth. Auerbach-Loge Präs. Benjamin, Mendelssohn-Loge Br. Max Hei mann und von Zion-Loge Präs. vr. Kro ncr) ihre Glückwünsche dar, womit die erhebende Feier ihren Abschluß fand. — Das darauf folgende Festmahl wurde mit einem begeisterten Hoch auf unfern Kaiser und damit der Reigen der Toaste eröffnet. Besonders hervorzuhebeu sind die Worte der Anerkennung über den Ausschwnng der deutscheil Logen von deiit den Ehrenplatz einnehmenden Br. vr. Sulzbcrger der New-Z)ork-Loge zu New-Z)ork, welcher bereits 33 Jahre dem B'uai B'rith - Orden angchört und die höchsten Aemter mehrfach bekleidete. Während der Tafel wurde vom Br. Roth auf einem Cello (Clavierbegleitung Frl. Kalischer) das Col Nldre-Gebet künstlerhaft und ergreifend vorgetragen. Nach einer kurzen Pause begann der Ball mit lebhaftester Betheiligung und hielt die Brüder und Schwestern noch lange in fröhlichster Stimmung beisammen.

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