Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 47. (18.11.1886)
- Date
- 1886-11-18
- Page
- Seite 378 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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378 — intbf gebildetsten Männer in einem Borstande werden sich Nichts vergeben, bei derartigen Gelegenheiten dem von ihnen erwählten geistlichen Oberhaupt den Bortritt zu lassen. Im Oberschnlrath unserer Stadt saß neben dem Erzdechanten und dem evangelischen Pfarrer lange Jahre hindurch ein weltliches Mitglied des Vorstandes als Vertreter der jiidischen Gemeinde. Ans meine Vorstellung hin depntirte mich der Vorstand in entgegenkommender Weise in jene Körperschaft und ich glaube zuversichtlich, der Sache und dem Ansehen der Gemeinde gedient zu haben. Die Ehre, die dem berufenen Vertreter der Religion zu Theil wird, schmückt die ganze Religionsgenossenschaft. Daß sich der Rabbiner iticht überheben, daß er aus seiner Autorität in religiösen Dingen nicht hinübergreife in weltliche, daß er bei dem ihm einzur äumcndcn Einfluß nicht die Grenzen des Zulässigen überschreite — o Gott, wie viele Cautelen giebt es hierfiir! Jüdische Gemeinden unb deren weltliche Vertreter werden schon allezeit dafür sorgen, daß der Baum der Hierarchie nicht in den Himmel wachse! — Es ist aber ein unverzeihlicher Fehler so vieler Standcsgenosscit, theils aus Gleichgiltigkeit und theils aus Schwäche, theils aus Schmiegsamkeit und theils aus banger Furcht, auf die Prärogative ihres Standes so leicht zu verzichten. Habet Ihr deshalb bis in das Mannesaller hinein gearbeitet und gerungen, gelernt und studirt, geforscht und gestrebt, um Euch einem in der Verwaltung meist ausgezeichneten , in theologischen Dingen aber oft unerfahrenen Vorstand unterzuordnen, einem in seinem Fache wohlerfahrenen, im Wissen aber oft viel niedriger stehenden Vorbeter und Sängergleichgestellt zu werden? Für seine eigene Person kann mau, soll man in Demuth und Bescheidenheit auf jede Auszeichnung verzichten, von der Ehre feines Standes aber, welche ja zugleich die Ehre der von ihm vertretenen Religion und Lehre ist, kann und darf der Rabbiner um keinen Preis auch nur rin Titelchen aufgeben. Die größtmöglichste „Hierarchie" der Rabbiner, d. h. die weitgehendste „Herrschaft" des bestallten Seelsorgers im Gebiete des „Heiligen", wird der Gemeinde, wird der Heiligkeit des Glaubens und der Religion am dienlichsten und förderlichsten sein. Was die Rabbiner ängstigt und abschrcckt, eine Hierarchie in des Wortes bester Bedeutung zu erringen, davon soll recht bald wieder die ungeschmiiik'e Rede sein. Item, man glaube nur ja nicht, daß meine Vorschläge und Anregungen Schmerzensschreie einer bedrängten Seele seien. Fast Alles, was ich für meine Herren Collegeu er» strebe, habe ich für mich mit Gottes Beistand in meiner wohlgesinnten Gemeinde erreicht. Der Unterricht im Hebräisch-Lesen. Ein Beitrag zur „Methodik der jüd. Neligionsschulc". Von Js. Herzberg, Lehrer der hebr. Sprache an der Gemeindereligionsschnlc zn Jnoivrazlaiv. IV. (Schluß.) Da der einzige und Hauptzweck der Fibel nur fein kann, daß die Kinder in derselben die erste Lesefertigkeit sich aneignen sollen, so haben wir vor Allem hierauf unser Augenmerk zu lenken. Es mögen nunmehr einige kurze Anleitungen folgen, die uns dcn Weg ebnen sollen zur leichteren Erreichung dieses Zweckes.*) 1. Man halte aus langsames, genau accentuirtes Lesen, das jedoch nicht in ein unnatürliches, gedehntes und singendes ausarten darf. 2. Es ist ganz besonders zu empfehlen, bei einem kleinen Abschnitte der Fibel so lange zu verweilen, bis alle Schwierigkeiten gehoben sind. Der Lehrer lasse oftmals die Reihen, in jeder Reihe die Wörter zählen, diese in ihre Silbe zerlegen. Bei den Silben tst stets darauf aufmerksam zu machen, welche gedehnt, welche geschärft sind. Bald werden die Laute genannt, bald dieselben gezählt, bald buchstabirt, *) Nach Ohler, Lehrbuch der^Erziehung und des Unterrichts.^^ j bald geradezu gelesen. 33ct jeder neu eu Uebung.^je nach dem Lehrgang der Fibel, werde das Kind aui dieselbejiufmerksam gemacht, und es werde gezeigt, wie gelesen werden muß. wie nicht. Je allseiliger und mannigfaltiger, besonders im Anfang. die Hebungen an ein und demselben Stoffe sind, desto besser, lind je genauer man in der ersten Zeit verfährt, desto rascher wird man später vorwärts können. Es soll nicht „Vieles", sondern „viel" gelesen werden! 3. Man dringe von vornherein und in der Folge stets auf ein reines, deutliches und lautes Aussprechen aller Laute, Silben und Wörter, suche aber eine unnatürliche, gekünstelte, zu schreiende Aussprache zu verhüten. Besonders beachte man die reine und richtige Aussprache der Vocale und lasse nicht 1 oder wie „ü". * wie „eu", wie „e", ■? wie „ä" lesen. 4. Man lasse bei schwächeren Kinderit, wenn sie falsch lesen, oder gar st'cken bleiben. die Wörter in Silben, diese in Laute zerlegen und sodann wieder verbinden. Es werde lautirr und buchstabirt. Sollte es erforderlich sein. kann man auch die Laute oder die Silben zählen. 5. Eine jede Lectioir lasse mau so lauge lesen, bis die erforderliche Fertigkeit und Geläufigkeit bei dem größten Theile der Schüler erreicht ivorden ist. Na hzügler und Schwächere bedürfen der weiteren Nachhülfe. 6. Beim Uebeu des fertigen Lesens müssen alle, ode r doch möglichst alle, au die Reihe kommen, indem von jedem Kinde bald in. bald außer der Reihe ein größerer Satz oder mehrere kleiire Sätze oder Zeilen gelesen werden; die Uebrigen haben stets mit nngetheilter Aufmerksamkeit in Gedanken nachzulesen. Schwächere mögen angehalten werden, mit dem Stifte oder einem Finger auf jedes Wort zu deuten. 7. Von nicht geringem Nutzen, besonders in Abtheilirngen mit größerer Schülerzahl, ist das Chorlesen am Schluffe einer jeden Hebung. Der Lehrer deute durch das Aufschlagen mir einem Stäbchen an, wann zu beginnen ist, lasse die Pausen genau beobachten und gebe ein Zeichen, wenn nach der Pause fortgefahrcn werden soll. Man beachte aber, daß sämm tlich e Kinder am Chorlesen sich betheiligen und überzeuge sich von Zeit zu Zeit dvvon. indem man das eine oderandere Kind fragt, welches Wort gelesen tverde. 8. Der Lehrer lese auch des Oefteren das zu lesende Stück fertig und richtig vor. Es ist dies ein vorzügliches Mittel bei einer Uebung. Dieses Vorlesen kann den Kindern " zum Ru,.er dienen, wie sie zu lesen haben. Er bekommt hicidurch leichter das Verständniß für das, worauf es bei . der neuen Uebung besonders ankommt. 9. Endlich frage der Lehrer nach geschehenem Vorleseit, wer es versuchen wolle, das Lesestück auch einmal so zu lesen, wie es eben vorgelesen worden ist und mtlntere die Kruder dazu auf. Dies Letztere ist von großen: Einfluß auf das j Kind. Denn soll der erste Versuch gelingen, so muß das Kind beherzt sein und sich schon etwas zutrauen. Rur ein > solches Kind, das im Voraus weiß, daß feine Mängel und Schwächen vom Lehrer nicht übel genommelt tverden, bringt es zum guten Lesen. Zu solchem Nachleseit ziehe man nach | und nach alle Kinder heran, im Anfänge allerdings die Fähigeren, allmählich aber auch Schwächere, welche einen guten Willen zeigen._ Berichte und Correspondeuzen. Deutschland. Berliner Briefe. III. Wie werden denn hier die Wahlen gemacht? Finden Vorberathungen statt? Kommen die .Wähler zu Wort? Lernt man die Kandidaten, ihre religiöse Gesinnung, ihre Fähigkeiten kennen? Es wird allerdings einige Tage vor der Wahl eine Art offiziöser Vorberathung in einer öffentlichen Versammlung — in dem Saale der Gesellschaft der Freunde — abgehalten. Dort werden die Herren Eandidaten ausgestellt, die natürlich schon früher von einer geheimen Commission normirt wurden. Die | .'.'■j-sit1