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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-11-11 · N° 46. (11.11.1886) · p. Seite 375

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 46. (11.11.1886)
Date
1886-11-11
Page
Seite 375 (sequence 7)
Language
German
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— 875 haben, aber nicht vorsätzlich. Auf die Frage: was habt ihr im fremden Hause zu suchen, wenn nicht der Vorsatz der Brandstiftung euch hinführte? — antworteten sie: Es war Sabbath; da dürfen wir kein Feuer anzünden. W.r aber wollten-Tabak rauchen. Wir schlichen uns daher in die Scheune, und als wir die Streichhölzer anzündeten, sing das Stroh Feuer. — Der Negierungs-Rabbiner erklärte als Zeuge, daß es sich mit dem Sabbath in der That religionsgesetzlich so verhalte und-die rauchlustigen Bürschchen wurden freigesprochen. — Der Genius der Sünde scheint tit Rußland seine Verehrer besser in Schutz zu nehmen, als der Genius der Frömmigkeit. Amerika. Ae»V»rß. Montag, den 25. Oktober, wird das hebräische Damenseminar wieder eröffnet. Die Damen, welche voriges Jahr die Vorbereitungsklasse bildeten, werden Heuer eine höhere Abtheilung bilden, während eine neue Classe aus Hörerinnen des Normal-College oder Lehrerinnen der City gebildet wird. Die Classe des Normal-College vom Jahre 1886 zählte 36 jüdische junge Damen. Einige von ihnen, oder vielleicht alle werden den Wunsch haben dar hebräische Seminar zu frequentiren um sich zum Unterrichte des Hebräischen in unseren Stadtschulen zu qualificiren, an welchen ein Mangel an praktisch geschulten Lehrern besteht. Sa» Arancisca. Mehrere englische Mitglieder der British Sooiety für die Verbreitung des Christenthums unter den Juden machten letzte Woche hier den Predigern Vorstellungen. Einer von ihnen behauptete, daß die Juden, wenn sie überträten, die Kosten der Propagation reichlich ersetzen würden. Denn er habe bemerkt, daß die getauften Juden weit weniger geschickt in der Kunst seien, sich zu bereichern, als sie vor ihrer Taufe waren. Dies schien die versammelten Prediger als etwas Neues sehr in Erstaunen zu setzen, und eS unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn dies den christl. Kaufleuten von San Francisco bewiesen werden könnte, dieselben einen riesigen Fond aufbringen würden, um ihre jüdischen Berufsgenossen zu bekehren. — Aus einem Städtchen im Staate Indiana wird uns berichtet, daß die dort wohnende kleine Anzahl jüdischer Familien Anstalt machte, zum ersten Male die Feiertage mit öffentlichem Gottesdienste zu begehen und bestellte zu diesem Zwecke einen Studenten aus dem Hebrew Union College. Eine protestantische Gemeinde stellte sofort und freiwillig eine Kirche zu diesem Zwecke zur Verfügung, christliche Sänger und Sängerinnen volontirten sofort und studirten die vorgeschriebenen Gesänge für den jüdischen Gottesdienst ein; daS ganze Städtchen nahm Anthcil an dem freudigen Ereigniß. (Das kann freilich nur in Amerika Vorkommen.) An WoodvMe (Missisipi) ist bisher am Sabbat Markttag gewesen und die israel. Kaufleute hielten ihre Laden geöffnet. Dem neu eingetretenen Rabbiner der Gemeinde, Herrn Henry Cohen aus London, ist es gelungen, seine Gemeindeangehörigen zu dem Entschlüsse zu bringen, an diesem Tage ihre Geschäfte zu schließen; nicht lange darauf hat auch der Stadtrath den Markttag auf Freitag verlegt. Vermischte und neueste Nachrichten. I. Merkin.(Or.-Corr.) Jüngst starb in demDorfe Sch.bei Berlin eine Christin, die mit einem Juden in Mischehe lebte. Letzterer ließ die Leiche nach Berlin bringen und erwirkte vom Vorstände die Erlaubniß, daß sie auf dem jüdischen Friedhöf beerdigt wurde, obgleich es sich in diesem Falle nicht um ein Mitglied der hiesigen Gemeinde handelte, da der Betreffende gar nicht zur hies. Gemeindekasse steuerte, was sonst als Hauptgrund für derartige Berücksichtigungen angeführt wurde. Daß einer der HH. Gemeinderabbiuer am Grabe der Christin sogar die Leichenrede hielt, setzt dem Toleranzedict die Krone auf. (Unfern Standpunkt in dieser Frage haben wir in einem früheren Jahrgang ausführlich dargelegt. Red.) Merlin. Der Vorstand der jüd. Gemeinde läßt — nach der Voss. Zeit. — verbreiten, daß es in seiner Absicht liege, zwei neue Synagogen im Westen bezw. Süd-Westen der Stadt zu errichten. Ein Ausschuß sei damit beschäftigt, die Vorfrage zu prüfen. Hoffentlich jist das mehr, als ein plumpes Wahlmanöver. Hamburg. Wie ich Ihnen bereits früher berichtet, hat eine Anzahl von c. 30 gleichgesinnten Männer,! sich vereinigt, um hierorts eine Loge des Ordens B'nai Brith zu begründen. Vor 8 Tagen ist die Petition nach Berlin abgegangen und hierauf der Freibrief ertheilt worden. Kannsver Zur ^Richtigstellung der Notiz aus dem Hannöverschen in Nr. 39 d. Ztg. sei bemerkt, daß überall, wo der Mangel einer Lehrprobe in Religion beklagt wurde, der systematische Religionsnnt'-rricht darunter zu verstehen war. Jedoch ist auch hierfür wöchentlich eine Stunde festgesetzt und wurde s^gar bei der Halbjahrsprüfung eine Lehrprobe bierin abgehalten. HieLPkt. In Pompeji wurde ein Bas-Relief entdeckt, welches da- Urtheil des Königs Salomo enthält. Auf einem Triclinium wurden ferner die beiden Worte Sodom und Gomora gefunden. Air». Wie produktiv der Antisemitismus an Lügen ist, beweist wieder folgender Vorfall. Der „Kieblianin" berichtet: „Am 14. September reisten auffallender Weise sehr wenige Juden mit dem Dampfer „Olga" von Kiew nach Krementschug. Der Grund davon war, daß der Justiz- Minister an diesem Tage an Bord war. Der Rabbiner in Kiew hatte das vorher ausgespürt und unter Androhung des Bannes den Israeliten verboten, am 14. September mit der »Olga" zu reisen, damit .... der Minister zu der Ansicht komme, daß die Israeliten am geschäftlichen Verkehr nur geringen Antheil haben." — Der Rabbiner von Kiew, Zuckermann, hat nuu diese ganze Mittheilung als Lüge erklärt. — Kiew. Von unserem neuen Pristaw wurde dies Jahr Jagd auf die — Laubhütten gemacht. Es sollte par tout dieses religiöse Gebot nicht gefeiert werden. Den 1. Abend blieb er trotz aller Bemühungen des Rabbiners rc. unerbittlich. Erst am 2. Tage schien sich sein Laubhütten-Haß gelegt zu haben und an den £>atbfeiertagen wurden die niedergerissenen Hütten wieder aufgerichtet — eine schnelle Erhörung der entsprechenden Einlage ins Tischgebet. Kid». Vor Kurzem starb ein armer Mann, dessen Frau zu arm war, um den Sarg aus neuen Brettern ansertigen zu lassen. Sie ließ die Bretter der wagrecht liegenden — — Kellerthür dazu verwenden. Sie hatte das aber vergessen, ging des Nachts ihrer Gewohnheit nach im Dunkeln durch's Haus und — die Arme — fiel in den unbedeckten tiefen Keller hinab. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt. (Giebt es denn dort keine Chewra kadischa?) Stawitsch. Graf Branitzki hat für die hiesigen abgebrannten Israeliten 1000 Rubel gespendet. 4 der Abgebrannten sollten von der Subvention aus dieser Summe ausgeschlossen sein, weil-der edle Graf sie besonders subventioniren wolle. Jerusalem. Der vor 13 Jahren in Livorno verstorbene Graf Nissim Samama, welcher ein Vermögen von 20 Millionen Francs hinterlassen, hatte der hiesigen jüdischen Gemeinde 200,000 Fr. zur Errichtung einer Jeschibah und den israelitischen Gemeinden zu Hebron, Safed, Tiberias je 25,000 Francs zur Unterstützung armer Talmudgelehrter vermacht. Die Erben hatten das Testament angefochten, und der Prozeß ging durch alle Instanzen. Der oberste Gerichtshof hat nunmehr das Testament bestätigt und die stipulirten Summen werden demnächst den isr. Gemeinden der vier h. Städte ausbezahlt werden. E^ wird eine besondere Verwaltung eingesetzt werden, die über die richtige Verwendung der Gelder zu sorgen hat.

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