Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-10-14 · N° 42. (14.10.1886) · p. Seite 347

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 42. (14.10.1886)
Date
1886-10-14
Page
Seite 347 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/5369809-9585330-9585690--6395-9585697
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

347 — Merlin. In der Privatsynagoge hier bei Seefeld in der <Greuadierstraße sank am Sonnabend Vormittag während des ^Gottesdienstes. wie man dem „Börs. Kur." mittheilt, der .meunundsicbenzigjährige Borbeier Benjamin plötzlich zusammen und hauchte seinen Geist aus. Ein herbeigerufeuer Sanitätsrath konstatirte Entkräftung als die Ursache des plötzlichen Todes des Greises. A. L. Dresden, Oktober. Der durch seine mannigfaltigen Veranstaltungen gemeinnütziger Bestrebungen, insbesondere durch seine öffentlichen Vorträge wohlbekannt gewordene Brüder-Verein versendet soeben sein Winter-Programm .auf 1885/86. Demselben entnehmen wir, daß die Herren Justizdircktvr Schmidt, Prediger Or. Winter, Schuldirektor Kleinert und Rechtsanwalt Emil Lehmann, Vorträge halten werden. Sonntag, den 17. Oktober (zur Vorfeier des Simchas-Thorafcstes), eröffnet ein Familienabeud, zu dun die hervorragendsten künstl. Kräfte des Residenztheaters (Israeliten) ihre Mitwirkung zugesagt haben, die Saison in den Sälen des „Kaiserhofs". Wie«. Unser Glaubensgenosse, Herr Joseph Ritter v. Weilen, der Mitarbeiter des Kronprinzen Rudolph, an dessen Werk „Oesterreich-Ungarn in Wort und Bild", wurde vom Kaiser zum „Hofrath" ernannt. — Herr Ritter von Weilen ist auch Präses des deutschen Dichter-Vereins „Concordia". — Drohoöilsch Auf Antrag der „Archäologischen Commission" erhielt Herr Dr. Leo Sternbach, ein Kind der hies, Gemeiner, vom Cultusminister Or. v. Gantsch ein Staats- Stipendium von 1200 fl., um in Rom 1 Jahr archäologische Studien zu machen. Dr. Stcrnbach hat sich durch mehrere Arbeiten auf diesem Gebiete einen Namen gemacht. ZZochnia (Galizien.) Auf der Durchreise des Kaisers fehlte unter den Deputationen der jüd. Gemeinden die Nachbargemeinde Wisnitz. Wie sich jetzt herausstellt, trägt die Schuld der hiesige Bürgermeister. Dieser ließ die Wisnitzer Deputation, die mit dem Rabbiner an der Spitze und einer Thorarolle herankam, von seinen Untergebenen zurückweisen mit der Bemerkung: „Er könne, wenn es ihm beliebe, alle Juden aufknüpfen lassen!" — Hoffentlich wird der wackere Bürgermeister seiner Strafe nicht entgehen. Kakusch (Galizien). Eine schreckliche Feuersbrunst hat mehr als 400 Häuser eingeäschert. Die meisten Besitzer derselben sind Juden. 4 Synagogen wurden ein Raub der Flammen; auch fehlte es an Brot, da die Bäckereien mit verbrannten. Seine Majestät, der Kaiser hat 1500 fl. für die Unglücklichen gespendet. Aaris Der Vorstand des deutsch-isr. Hospitals wandte sich an Baron Hirsch um ein Darlehen von 50 000 Francs zum Ausbau des Hospitals. Herr Baron Hirsch bewilligte 25 000 Fr. — als Geschenk. London Ein englisches Blatt hatte Salisbury beschuldigt, er habe darum Goschen bei der Bildung des Ministeriums zurückgesetzt, weil derselbe von Juden abstamme, wie er auch seine Güter nie an Juden verpachte, also aus Judenhaß. Zwei jüd. Deputirte überreichten den betreffenden Artikel dem genannten Lord, und dieser erklärte diese Insinuation für Verleumdung, er habe nie einen seiner Pächter nach seinem Bekenntnisse gefragt. London. Am 23. September wurde Disraely's Büste im Beaconsfield-Klub aufgestellt. London. Herr F. D. M o ccatta läßt auf seine Kosten Grätz' Geschichte der Juden — selbstverständlich mit Genehmigung des Autors — ins Englische übersetzen. Einige Theile befinden sich, wie „Jew. Chron." berichtet, bereits im Druck. London. Der Jahrzeittag des seligen Moses Montefiore ist in vielen Gemeinden Israels feierlich begangen worden, nur an einem Orte und von einem Manne nicht, u. z. — wer wollte es glauben? — in Ramsgate, dem Wohnorte des Verstorbenen und von seinem Universalerben und Neffen, Joseph Sebag! Während des ganzen Jahres ist kaum 4 Monate Gottesdienst in dem von Montefiore gestifteten Beth Hamidrasch gehalten worden, weil der Erbe — nicht aus Geiz, sondern aus innerem Unwillen — sich weigerte, den Minjan-Leuten den Besuch des Gottesdienstes zu bezahlen! Wer ist da mehr zu verurtheilen, der Neffe und Universalerbe, oder die „Minjan-Leute"? Fast die letzteren noch mehr, als ersterer. Dieser sieht eben mit innerem Ekel ein, wie jämmerlich der Verewigte von schamlosen Schmarozern ausgesaugt wurde. Doch wer will es entschuldigen, daß er an der Jahrzeits-Feier nicht einmal Theil genommen? — Aetersvirrg. Ein besonderer Verein hat sich hier gegründet, um die jüdischen Handwerker, die als solche hier Domicilrecht haben, zu überwachen, ob sie ihr Handwerk auch wirklich betrieben. Sobald ein Vereinsmitglied einen solchen ein anderes Geschäft als sein Handwerk treiben sieht, muß er ihn denunzieren. Wäre der Eifer nicht einer bessern Sache würdig? Moskau. Ein seltenes Preisausschreiben ist von hier zu melden: ein Preis für ein hebräisches Gedicht, welches in sanglicher Weise den Gefühlen Ausdruck giebt, welche die nationalistischen Colonisations-Bestrebungen in Palästina im Herzen des jüd. Nationalisten zu erregen geeignet sind. Der Preis beträgt 50 Rubel, Termin für Einsendung des Gedichtes ist Rosch Chodesch Schewat 5647. Am 1. Nissan soll das Ergebniß der Concurrenz veröffentlicht werden. Warschau. Der hiesige Feuerwehrverein erklärte seinen jüd. Mitgliedern, daß nur diejenigen in demselben verbleiben dürften, die sich bereit erklärten, auch an Sabbathen den Feuerlöschdienst zu verrichten. Warschau. Ein interessantes qui pro quo hat hier sich ereigner. Durch einen einzigen Buchstaben auf dem Theaterzettel hat eines der hiesigen Theater ein ausverkauftes Haus erzielt. Auf dem Theater-Zettel war ein Gastspiel von Miranda angekündigt. Die Besucher der Synagoge dachten dabei an... Mirandau, der von hier als Cantor nach der Hauptsynagoge in Paris abgegangen war. In der Erwartung, diesen herrlichen Sänger von der Bühne herab zu hören, beeilte man sich in isr. Kreisen ein Billet zu erlangen. — Am Abend aber war es nicht Mirandau, sondern Miranda! Jerusalem. Die Vollstrecker des Testaments von Moses Montefiore wollten die für Jerusalem gestiftete Summe nicht eher senden, bis ein Verzeichniß der Subventionirten eingeschickt werde. Anfangs weigerte man sich hier, — aus allgemein bekannten Gründen. Da man aber in London nicht nachgab, so hat man hier nachgeben müssen. Aew-Aork Die Zahl der i. I. 1886 aus Europa nach Amerika ausgewanderten Juden war bis 10. August 18,658, der Nationalität nach 12,048 aus Rußland, 5161 Oesterreicher, 689 Deutsche, 687 aus Rumänien. Von diesen haben sich 13,928 in New-Aork niedergelassen. Kein Wunder, daß viele derselben in Nothlage sich befinden. Mittheilungen aus dem U. O. B. B. Berlin. Die Bertyold Auerbach-Loge wird am 21. d. Mts. (Vorabend des Simchas-Thora-Festcs) ein geselliges Bruderfest arrangiren. Wir finden dergleichen Veranstaltungen in Anlehnung an jüd. Freudenfeste sehr zweckentsprechend. Simchas-Thora, Chanukah, Purim sind sehr geeignet für derartige der Geselligkeit und Brüderlichkeit gewidmete Zusammenkünfte. — Der 50. Geburtstag unseres allverehrten Großpräsidenten gestaltete sich zu einer schönen Ovation für denselben. Zuerst erschien die Großloge in corpore unter Führung des 1. Vicepräsidenten Hrn. S. Hangen, der eine herzliche Ansprache hielt und eine künstlerisch ausgeführte Adresse in kostbarer Mappe überreichte. Darauf ^folgte eine Deputation der Berthold Auerbach-Loge unter Führung ihres Präsidenten (Benjamin I). welche außer einer schönen Adresse, ein kostbares Geschenk ihrer Loge überbrachte. Sodann erschienen Deputationen der deutschen Reichs- und Montefiore-Loge (mit herzlichen Ansprachen ihrer Präsidenten Merzbach und Hildesheimer); außerdem eine sehr große Anzahl von BBr. der hiesigen Logen. Blumenspenden, hunderte von Deveschen und Beglückwünschungsbriefe waren aus allen Logen desr deutschen Districts eingelaufen, alle waren vom Gefühle dankbarster Verehrung eingegeben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.