Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 42. (14.10.1886)
- Date
- 1886-10-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Magdednrg, 14. Oeloder 1886. |fi]ir9. für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. ♦ 4 ♦ ... Wockentlich erscheint je eine Nummer der „Wv ochrn sch» ist", des „Fa mt ti en-! dlatts" u. des „xitterat« r bl irtts". > Preis für alle fcr«t fBliittrr des allen Postämtern j U. Buchhandlungen 3 IVTart vierteljährlich, i Mit d irecte r Zusendung : jährlich 14 Mark, j nachdem Aus ande: 16 Mk. (8 fl., 20 Jrcs-, > 8 Rbl., 4 Dollars). Einzelnummern der „Wochenschrift" k 25 P'., des „Littcralur Blatts" k 15 Pr. des „Familien-Blatts k 10 Pf. Verantwortlicher Rcdactcur und Herausgeber: Rabbiner l?r. W. Kaßwer in Magdeburg |iir Mahrheit. BetM und Frieden! &- srs I Inserate I I für die „Israelitische Wochenschrift", I! wie rür das „Jüdische Litteratnr-Biatt", die klcingespalUnc Pctitzeilc oder deren Raum 1?F ps. sind entweder durch die Annonccn- Expcditioncn von G. IL-IDau.'be Sc Oo., IRud-olf Mosse, Haasenstein Sc I Vogler n. A. ober direct einznscndcn an :! Die Expedition der ,.Israelit. Mochenschrift" in Magdeburg. iS- Inhalt: Leitende Artikel: Die Hütte des Friedens. — Eine Gefahr für das jüdische Genieindelkben Deutschlands. III. (Fortsetzung.) Berickte und Eorrespondeiizenr Deutschland: Berlin. Hamburg. Zweibrücken. Aus dem Hannoverschen. Oesterreich-Ungarn: Wien. Wien. Pest. Galizien. Brody. Rumänien: Bukarest. Rußland: Petersburg. Moskau. Vermischte und neueste Nachrichten: Magdeburg. Magdeburg. Berlin. Dresden. Wien. Droholitsch. Bochnia. Kalisch. Paris. London. London. London London. Petersburg. Moskau. Warschau. Warschau. Jerusalem. New-Uork. Mittheilungen aus dem U. 0. B. B. Berlin. Inserate. Wochen- October. Tischri. Kalender. 1886. 5647. Donnerstag . 14 15 Suckoth. l. Tag. Freitag. . . 15 16?> 3. ,, Sonnabend . 16 17 ö"mn Sonntag 17 18 1 Montag. . . 18 19 K Dienstag . . 19 20 3 c£ Mittwoch . . 20 21 q Hoschana rabba. Donnerstag . 21 22 Schmini Azeres. Freitag. . . 22 23 Simchas Thora. Sonnabend 23 24 rrtwro (s,sv) Neumond Einsegnung. Tie Hütte des Friedens. Durch den Versöhnungstag zum Hüttenfest. „'Geh' hinaus aus deiner festgefügten Wohnung und weile in der nur für ein Provisorium bestimmten Hütte" — so sagt uns die Bestimmung des Religions-Gesetzes! — Die Religion selbst ist eine Hütte, denn was will der Staubgeborene, der im Können und Wollen beschränkte Mensch, Festes zusammenfassen über den nie Erfaßten und ewig Unfaßbaren? Und wenn Gott selber zu dir spricht — und er hat zu dir gesprochen und spricht zu dir, mehr als du denkst — du verstehst die Worte doch nur nach deinem Verständniß. Und du willst über das, was du nicht weißt, was du nur nach deiner Wissenskrast wissen kannst, etwas Festes zusammenfügen, woran nie gerüttelt werden darf, was auch dem stärksten Sturme Widerstand zu leisten vermag, Widerstand leisten soll? Nein, o Mensch, all dein Wissen über das Höchste ist nur eine Hütte, die wohl den gewöhnlichen Stürmen Trotz bieten soll, *) aber nicht für den Widerstand gegen ungewöhnliche Stürme gezimmert ist. In dem Streben nach Vervollkommnung, in der Erkenntniß des Höchsten kannst du nie so weit kommen, daß du an irgend einem Punkte Halt machen dürftest; in der Formulirung deines philosophischen oder religiösen Systems darfst du nie denken, etwas Festes, für die Ewigkeit Gezimmertes, Unabänderliches hingeftellt zu haben! Und wärest du noch so sehr von deinen Gedanken überzeugt, und du wolltest dich anmaßen und erklären: So ist es? Und so bleibt es? Und so wird es ') "ixv nra nivr? n‘w für alle Ewigkeit bleiben? Wie könntest du das, da doch die erste Folge der wahren Gotteserkenntniß die Demuth ist, die- Erkenntniß der eigenen Schwäche und Beschränktheit. Und du wolltest für die Ewigkeit bauen, da du dir doch bewußt bist, das Ewige ist nur für den Ewigen, für den Zeitlichen nur das Zeitliche? Du kannst nach dem Ewigen streben, in weiter Ferne dich ihm zu nähern suchen; aber von dem Augenblicke, wo du glaubst, wo du behauptest, du, Mensch, habest das Ewige ersaßt, unabänderlich eingesangen und festgesetzt; in dem Augenblicke hast du das Urtheil über dich u. deine Erkenntniß, gesprochen.—Das, was seinemWesen nach über alles Menschliche hinausragt, das muß auch stets als ein Unendliches und Unbegrenztes der Erkenntniß erschlossen werden, und du wolltest eine Lehre aufstellen, die einem festen Bau gliche, mit Sparren und Balken, und einem festen i Dache, das als ein abgeschlossenes Ganzes sich darstellt, und alle kommenden Geschlechter verhindert, ihren Beitrag zum Bau der Ewigkeiten zu leisten? Sage nicht: Was liegt daran? Und wenn ich mir eine feste Lehre zimmere, die mir bis ins kleinste unabänderlich und unerschütterlich ist — wen stört das? Wer will es mir wehren? Warum mir den schönen Traum stören, das Ewige erfaßt zu haben? — Sprich nicht so! Nein, wisse es, du wohnst in einer nicht unerschütterlichen Hütte! Gehe jährlich sieben Tage aus deinem festen Wohnhause, und weile in der Hütte. So lange du niemand störst, soll dir niemand deinen schönen Traum stören, obgleich es gar kein schöner Traum, das Ewige in die Zeitlichkeit zu kerkern. Aber wirst du auch niemand stören? Wirst du Widerspruch,