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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-10-07 · N° 41. (7.10.1886) · p. Seite 339

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 41. (7.10.1886)
Date
1886-10-07
Page
Seite 339 (sequence 7)
Language
German
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Es ist dies ein äußerst harter Schlag für die zahlreiche jüdische ans Hausirern bestehende Bevölkerung Rostow's. Vermischte nnb Neueste Nachrichten. Magdeburg Nach den diesjährigen statistischen Ausnahmen belauf* sich die Zahl der die hiesigen Schulen besuchenden jüd. Schüler und Schülerinnen auf 302, 184 Knaben und 122 Mädchen; davon besuchen die Volksschulen nur 12. ILerkin. Der in der hygienischen Sektion der Natursorscherversaminlung zum Ehrenpräsidenten gewählte Professor Sopka (aus Prag) ist unser Glaubensgenosse. Aüruöerg, 27. September. Zu der heutigen Hoftafel waren vom Prinzrcgenten Luitpold außer den ihn begleitenden Herren die Spitzen der Militäruud Civilverwaltung, sowie die ersten Geistlichen der katholischen, reformirten und jüdischen Gemeinde geladen. Nachmittags kurz vor 6 Uhr fuhr Se. k. Hoheit Prinz Luitpold vor der besonders geschmackvoll dekorirten Synagoge mit großem Gefolge vor. Am Thore des Vorhofes wurde derselbe von dem Administrationsvorstande Herrn Rechtsanwalt Josephthal feierlich empfangen und zum Portale des Tempels geleitet, woselbst sich die übrigen Administrations- Mitglieder, an ihrer Spitze der Rabbiner Herr Or. Ziemlich, befanden, von welch Letzterem Se. K. Hoheit in ehrerbietiger Weise begrüßt und sodann in den Tempel geiührt wurde. Die Synagoge war durch mehr denn 200 Gasflammen wundervoll beleuchtet, was gerade in der Dämmerstunde einen zauberischen Eindruck machte. Se. K. Hoheit sprach sich mit großer Befriedigung über das herrliche Gotteshaus aus. Beim Weggange vom Altar präludirte der Synagogendirektor auf dem vorzüglichen Orgelwerk, und mächtig rauschten die Akkorde der figurirten Königshymne durch die Wölbungen des schönen Baues. Aonitz, W.-Ar., 4. October. Nachdem der Umbau, den die hiesige Synagoge erforderte, beendet worden war, fand Sonntag, den 26. vor. Monats, Nachmittags '^6 Uhr, eine Einweihungsfeier statt, welche, wenn auch auf einen kleinen Kreis beschränkt, doch recht erhebend auf die Gemüther der Anwesenden wirkte. Eingeleitet wurde die würdige Feier durch das Mah tobu, welches von einem zu diesem Zweck durch Herrn Cantor Bloch eingeübten Chor vorgetragen wurde. Nachdem hierauf mit den Thorarollen ein Umzug in der Synagoge stattgefunden hatte, betrat Herr Rabbiner Or. Roth die Kanzel, um vor allem Denjenigen seinen Dank auszusprechen, die sich so sehr den Umbau des Gotteshauses angelegen sein ließen, und die den Gedanken, das Heiligthum Gottes seiner Würde gemäß auszustatten und zu verschönern, zur Ausführung gebracht haben. Hauptsächlich bethätigte der jüdische Frauenverein seinen Wohlthätigkeitssinn dadurch, daß er zum Bau 300 Mk. spendete, dann Frau Amalie Heymann von hier und Frau Marie Heymann aus Berlin, die ein heiliges Familienerbstück, silbernes 2h,*2 hO, der Gemeinde zum ewigen Andenken übergaben. Anknüpfend an Pf. 24 B. 4 hielt der gesch. Redner eine belehrende Betrachtung über die hohe Bedeutung gemeinsamer Andachtsstätten. Mit dem üblichen Segen und Chorgesang schloß die auf alle Anwesenden erhebend wirkende Feier. Kom WHeirr. (Or.-Corr.) Eine Fußwanderung führte den Schreiber dieser Zeilen vor einigen Tagen durch das in reizender Gegend gelegene Sayn bei Coblenz. Ich unterließ daher auch nicht, der weit berühmten Heil- und Pflegeanstalt des Herrn Jacoby einen Besuch abzustattcn und staunte über die herrlichen Einrichtungen dieser Anstalt. Noch mehr aber wunderten wir uns darüber, daß das Bewußtsein der dieser Anstalt anvertrauten unglücklichen Menschen dadurch gehoben wird, daß sie scheinbar frei sich bewegen und doch, ohne daß sie es fühlen, stets gewissenhaft bewacht werden. Herrliche Gesellschaftsräume, gesunde Schlafzimmer und ausgezeichnete Verpflegung zeichnen diese dem Wohle der leidenden Menschheit gewidmeten Anstalt vor vielen ähnlichen aus. Humane Behandlung seitens des Vorstandes, sowie auch von Seiten der beiden sehr tüchtigen Anstaltsärzte, Herr vr. Bereudt und Herr vr. Rosenthal, machen den Patienten die Anstalt zu einem angenehmen Aufenthalt. Außerdem hat Herr Jacoby auch den* religiösen Bedürfniß durch Gründung einer sehr schönen Synagoge Rechnung getragen. Der beste Beweis für das Zweckentsprechende dieser Anstalt ist der. daß dieselbe gegenwärtig von 120 Leidenden besucht ist, zu welchen auch 20 Kinder beiderlei Geschlechts zu rechnen sind, für welche Herr I. eine Idioten-Anstalt gegründet hat, in welcher unter Leitung eines tüchtigen Lehrers recht schöne Resultate erzielt werden. Honllantinopek. Der hiesige Großrabbiner bezieht auf Anordnung des Sultans Abdul Hamid II ein monatliches Gehalt von 5000 Piaster aus der Staatskasse. Mittheilungen ans dem U. O. B. B. L. Berlin, 4. October. (Or.-Corr.) Am 28. fand in der berliner Logenhalle unter dem Borsitze des Großpräsidenten Br. Fenchel, unter sehr zahlreicher Betheiligung von Brüdern sämmtlicher berliner Logen, ein weihevoller Gedächtnißact zu Ehren des im vorigen Jahre verstorbenen Herrn Ad. Leichtentritt statt. Das fast lebensgroße Bild des Verewigten, reich mit Topfgelvächsen umgeben, war vor dem Präsidentenstuhl aufgestellt. Die Familienangehörigen des Verblichenen nahmen die Ehrenplätze ein. Die Feier wurde durch einen Choral von Br. Frankenstein eingeleitet. Br. Dr. Landsberge!r hielt die Gedächtnißrede und versetzte durch seinen tief empfundenen Vortrag alle Anwesenden in die feierlichste Stimmung; als er zum Schluß das Gebet und den Segen über die Brüder sprach, glänzten in Vieler Augen Thränen der Rührung. Mit einem Choral schloß die stimmungsvolle Feier. Aus Schlesien. Das Wachsthum der oberschlesischcn Logen ergeben folgende Mitgliederzahlen: C o n c o r d i a c. 100, M a m re 120, Humanitas 70, Caritas 60, Egeruud Fried en-Loge je c. 40. „Fenchel-Stiftung". In der Geschichte unseres Ordens nimmt der Name Julius Fenchel einen hohen. ia unbestritten ersten Rang ein, als der des Begründers des Ordens B B. auf deutschem Boden. Längst schon trachteten die meisten der deutschen Logen darnach, ihrem zeitigen Großpräsidenteu einen sichtbaren Ausdruck ihrer Liebe, Verehrung und dankbaren Anerkennung seiner mit unsäglichen Mühen und Opfern verbundenen Thätigkeit und Verdienste um den Orden zu geben. Eine willkommene Veranlassung bietet nun sein heutiger 50. Geburtstag. Anläßlich desselben wird von den Logen eine größere Summe — sie übersteigt bereits 1000 Mark — als „Fenchel- Stiftung" dem B. B.-Waisen- Haus-Bausouds überwiesen, über deren spccielle Verwendung er selbst das Nähere zu bestimmen haben wird. — Dem wahrhaft bescheidenen, selbstlosen, menschenfreundlichen Sinne des „Halbjahrhundertjährigen" dürfte gerade diese im Dienste des Ordens stehende Ehrenwidmung ganz besonders entsprechen, möge sie einst dem „Hundertjährigen" als reicher, Viele beglückender Segensguell, noch Freude bereiten. Festgrutz an Julius Fenchel» den Begründer des deutschen Distrikts II. O. B. B, fi* seinem 50. Geburtstage, am 7. Oktober 1886. Auf Bergesgipfel baut sein stolzes Nest Der Adler kühn für seine zarten Zungen, Er fügt es sorgsam, kunstvoll, fest, Und freut sich, wenn das schwere Werk gelungen — So hast auch Du in hohen Regionen Die Brut gelegt für Deine Epigonen. Mit starken Fittigen, mit späh'ndem Blick Umkreisest Du die Schöpfung Deiner Seele, Nicht achtend eig'nes widriges Geschick Sorgst Du, daß ihr nur Licht und Luft nicht fehle, Du schleppst herbei die Nahrung unter Aechzen, Ob tief auch unter Dir die Raben krächzen. Von Dir gespeist, von Deinem Rath genährt, Erheben wir allmählich unsre Schwingen; Wir wiffen's wohl: Der Flug, den Du gelehrt, Er geht durch Wolken, schwer nur zu durchdringen — Doch wenn zur Sonn' einst strebet uns're Schaar, Wir denken Dein, der unser Schöpfer war'.

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