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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-09-23 · N° 39. (23.9.1886) · p. Seite 316

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 39. (23.9.1886)
Date
1886-09-23
Page
Seite 316 (sequence 2)
Language
German
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— 316 — Ungarn und in jenen Staaten, die unseren Beschlüssen zustimmen werden, die Verpflichtung auf, von den Kammern und den Regierungen Folgendes zu verlangen: a) Der Staat, die Distrikte und die Kammern dürfen den Juden, auch wenn diese einen fremden Namen annehmen, in keiner Weise irgend welche Konzession gewähren, b) Einem Juden bars keine vom Staate, vom Distrikte oder von den Kammern bezahlte Stellung verliehen werden, derselbe darf ebenso wenig einen Posten bei Versicherungsgesellschaften. Banken und anderen ähnlichen Instituten bekleiden, 0) die europäischen Völker, welche diesem Entschlüsse zustimmen, dürfen an Juden weder Güter noch Häuser verkaufen. Der Staat darf gleichfalls einem Juden weder Güter, noch Häuser oder Mühlen verpachten, ebensowenig ist es Privatleuten gestattet, einem Juden Güter zu verpachten oder Häuser und Hötels zu vermicthcu. d) Den Juden ist zu verbieten, nachfolgende Etablissements zu halten: Wirthschaften, Hotels. Cafehäuser, Spiritus- und Wcinfabriken. Ferner ist ihnen die Ausübung der Gewerbe eines Bäckers, Metzgers, Kolomalwaarenhändlers. Schcnkwirthes, Getreidehändlers, Arztes und Apothekers zu untersagen, e) Geistliche und Lehrer haben die Pflicht, diese Ansichten zu verbreiten und dahin zu wirken, daß bei einem Juden nicht gekauft werde und daß die Juden zu keinem einzigen Dienste verwendet werden, f) Alle Nationen, welche diesen Beschlüssen beistimmen, müssen bei ihren Regierungen erwirken, daß Gesetze in diesem Sinne erlaffen werden. Zu diesem Zwecke sind Comitö's zu errrichten, welche durch Massenpetitionen die Ausführung dieser Beschlüsse zu verlangen haben. Das nationale Centralkomite in Rumänien appellirt hiermit an alle Rumänen, Comitäs zu bilden, welche durch Massenpetitionen von der Kammer bei ihrem Zusammentritt Gesetze in diesem Sinne verlangen, damit die Juden das Land verlassen und damit wir nicht in die Zwangslage kommen, sie durch andere Mittel hinaus zu jagen". Das ist also des antisemitischen Pudels Kern. Wir haben diesen Resolutionen nichts hinzuzufügen und wollen nur noch unfern Herren Antisemiten den Dank dafür ausdrücken, daß sie in diesen schweren, bangen Zeiten, wo der Humor sich verkriecht und wo man allüberall griesgrämigen Gesichtern begegnet, als unfreiwillige Bajazzos in ausgiebiger Weise für die Erheiterung des Publikums gesorgt haben. *. Ein Brief Ad. Franck's in Paris an N. Blaremberg in Bukarest. Als wir, schreibt das „Buk. Tgbl.", mit der „Romania libera" wegen der Judenfrage in eine Polemik geriethen, stellte an uns Herr Majorescu, der Verfasser des betreffenden Artikels im genannten Blatte die Frage, ob wir denn nicht glauben, daß das rumänische Volk seine Eigenart wahren und demgemäß jene Elemente beseitigen müsse, welche den eigenartigen Charakter des Volkes trüben. Den ersten Theil dieser Frage müssen wir mit einem entschiedenen „Ja" beantworten und unsere Leser wissen, daß wir stets alle Bestrebungen, welche darauf Hinzielen, den nationalen Charakter der rumänischen Nation zu kräftigen und zu fördern, mit Freuden begrüßt haben. Bezüglich der Behandlung, welche den fremden Elementen und speziell den Juden in Rumänien zu Theil werden sollte, sind wir jedoch anderer Ansicht als die „Romania libera". Man müßte unseres Erachtens denjenigen Juden, welche durch Worte und Thaten beweisen, daß sie sich als Rumänen fühlen, den Zutritt zu rumänischen Staatsbürgerrecht erleichteren, und deren Verschmelzung mit dem rumänischen Volke nach Möglichkeit fördern. Geschieht dies, so wird diese Elite des rumänischen Judenthums auf das Gros ihrer Glaubensgenossen segensreich einwirken und so würde im Laufe der Zeit eine vollständige Assimilation der hiesigen Jupen mit dem rumänischen Volke erfolgen. Diese Ansicht wird auch von dem berühmten französischen Gelehrten. Ad. Franck, in einem Briefe vertreten, den derselbe an Herrn N. Blaremberg gerichtet hat. Die gestrige „Epoca" hat diesen Brief veröffentlicht und da er auch unsere Leser im hohen Grade interessiren dürfte, so lassen wir denselben sammt den einleitenden Worten der „Epoca" folgen. „Wirschätzen uns glücklich", schreibt letztere, einen Brief des illustren Philosophen vom College de France, Herrn Ad. Franck. veröffentlichen zu können, einen Brief, den er an Herrn N. Blaremberg in Folge der Veröffentlichung seines Werkes „über die Gesetze und die Jnstutionen Rumäniens" gerichtet hat. Herr Franck behandelt in diesem Briese die Judenfrage in Rumänien, welche heute bei uns auf der Tagesordnung steht er schreibt: „Saint Gartien (Seine et Oise) 1. September 1886. Geehrter Herr! Sie hatten vor einiger Zeit die Güte, mir mit der liebenswürdigsten Widmung ein Werk von hervorragendster Bedeutung zu übersenden, das Sie veröffentlicht haben unter dem Titel: „Vergleichender Versuch über die Institutionen und Gesetze Rumäniens von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage". Dieses Werk, wofür ich Ihnen nicht früher danken wollte, bevor ich es gelesen hatte, gereicht Ihrer Gelehrsamkeit, Ihrem Patriotismus und sogar Ihrem Vaterlande zur größten Ehre. Die Gelehrtem und vor allem die Historiker, welche sich von Ihrem Lande eine Idee bilden wollen, müssen von jetzt ab von Ihrem Werke nicht bloß Kenntniß nehmen, sondern dasselbe sogar studiren. In Ihrer werthvollen Arbeit habe ich jedoch einen Theil gefunden, der mich zwingt. Ihnen mit dem herzlichsten Wohlwollen einige ernste Bemerkungen zu machen: ich meine jenen Theil, welcher die Juden betrifft. Ich gehöre, mein Herr, und ich bin stolz darauf, jenem alten Geschlechte anzugehören, welches der Menschheit die Bibel, das Evangelium, die Apostel und sogar die Person Jesu Christi geschenkt hat. Wenn Sie es nicht gewußt haben, so erachte ich es für meine Pflicht, es Ihnen zu sagen. Wenn Sie es jedoch gewußt haben, so werden Sie begreifen, wie sehr ich enttäuscht und betrübt war, als ich sah, was Sie und ein großer Theil der Rumänen über meine Glaubensgenossen in den alten Provinzen der Moldau und Walachei denken. Sie schreiben den Juden alle möglichen Schandthaten zu, sogar diejenige, welche darin besteht, die Ehre ihrer Frauen und Töchter zu verschachern, obgleich alle Welt, sogar zu den Zeiten des rohesten Fanatismus, den patriarchalischen Tugenden derselben gehuldigt hat. Wenn man Sie hört, müßte man glauben, daß die Juden alle Laster und keine einzige Tugend besitzen. Ich kann inich nicht in einem einfachen Dankschreiben in eine eingehende Debatte über einen so ernsten Gegenstand einlassen. Ich werde inich daher blos darauf beschränken, auf Ihre Anklagen mit Thatsachen zu erwidern, die so klar sind wie der Tag. Die Juden waren «ur da moralisch und physisch schmutzig, wo man sie beschmutzt hat. In jenen Staaten hingegen, wo sie die Gesellschaft in ihren Schooß aufnahm, wo man nach den edlen Worten der konstituirenden Versammlung vom Jahre 1789 deren Menschen- und Bürgerrechte anerkannte, hat ihnen keine einzige moralische oder patriotische Tugend gefehlt. In Frankreich, in England, in Holland, in Belgien, ja sogar in Deutschland, wo der Rassenhaß entfesselt wurde, finden Sie die Juden in den Parlamenten, Gerichtshöfen, Universitäten, Akademien, in den höchsten Stellungen der Armee, in der politischen und Finanzverwaltung. Gegenwärtig befindet sich ein Jude im englischen Oberhause, ein Anderer im konservativen von Salisbury präsidirten Kabinet. Vor einigen Jahren war ein Jude, David Salomon, Lord- Mayor (Bürgermeister) von London. Wissen Sie, daß sich in der französischen Armee vier jüdische Generäle im activen Dienst befinden? Und gleichwohl zählt Frankreich bei einer Bevölkerung von nahezu 38 Millionen Einwohnern im Ganzen nur 70 bis 80 000 Juden. Sie beklagen sich über die Unehrlichkeit der Juden. Zahlreiche französische Juden, deren Namen unantastbar ist, sind Kassierer, Steuereinnehmer, Finanzverwalter. Ich kenne persönlich vier oder fünf jüdische Präfekten, drei jüdische Mitglieder des hohen Kassationshofes, darunter einen Sektionspräsidenten, Herrn Bedarrides. Wenn die italienische Regierung über finanzielle oder wirthschaft-

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