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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-08-26 · N° 35. (26.8.1886) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 35. (26.8.1886)
Date
1886-08-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 35. Magdeburg- 26. August 1886. Jahr-. XVII. für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. BL---& I Wöckenllich erscheint je eine Nummer der! „Wochenschrift", des ^«ntiitendlatl»" u. des „Ltttevatnvb l att«". j Preis für alle drei iplötter bei allen Postämtern j u. Buchhandlungen 3 it^Carlc vierteljährlich. Mit d ireete r Zusendung: jährlich 14 Mark,! nach dem Aus ande:16 Mk. (8 fl., 20 Fres., j 8 Rbl., 4 Dollars).! Linzelnummern der „Wochenschrift" ft 26 Pf., :! de? „Litteratur-Blatts" ft 15 Pf.! des „Familien-Blatts ft 10 Pf. Vt - -N Veraunvortlichcr Rcdacieur und Herausgeber: Rabbiner Nr. W. Hiahmer in Magdeburg. kür Wahrheit, Pecht und Frieden! iS---S I znfeeat» für d e „Israelitische Wochenschrift", wie kür das „Jüdische Litteratur-Blatt", die kleiugejpalune Petitzeile oder deren Raum pf. sind entweder durch die Annoneen- Erpeditionen von O-, Xj.Daube Sc Go., ftudolf IVEosse, Haasensteirt <Sc "Vogler u. A. oder direct einzusenden an : Di« Expedition de« „p»w»lit. Wochenschrift" in Magdeburg. -——13 Inhalt: Leitende Artikel: Die Judeuherrschaft. — Eine Gefahr für das jüdische Gemeindeleben Deutschlands. Berichte und Korrespondenzen: Deutschland: Breslau. Charlotten bürg. Weilburg. Hannover. Jnowrazlaw. Cassel. Wochen- August 1886. 1— ' Aw. 5646. Kalender.; Donnerstag . Freitag . . . 26 27 28 25 26 rnn p. 6. (r,»r) Stuttgart. Sonnabend 27 Spanien: Aus Madrid. Sonntag . . 29 28 (Neumondeinsegnung.) Rußland: Turek. Montag. . . 30 29 Vermischte und neueste Nachrichten: Magdeburg. Oettingcn. Hausberge. Dresden. Gera. Gleichenberg. Zürich. Paris. Paris. Dienstag . . 31 30 f Rösch Chodesch Amsterdam. Petersburg. Teplik. Amerika. Dresden. Mittwoch . . Sep. 1 1 f Ellnl. Inserate. Donnerstag . 2 2 Die Judenherrschaft. ■ „JudenHerrschaft" ist ein vom Antisemitismus zur Judenhetze erfundenes und gebrauchtes Schlagwort. Man will damit sagen, daß die Juden durchaus nicht mehr das unterdrückte und tolerirte Völkchen siild, sondern durch die Macht des an sich gebrachten Capitols bereits alle Zweige des politischen und sozialen Lebens der Christen beherrschen. Sie sind die Herren der Börse, des Handels und der Jndustrie, besitzen und besetzen die Presse oder machen sie sich käuflich und unterthänig, beeinflussen die Staatsstellen und dringen in dieselben ein. Die Juden sind eben überall und herrschen auf materiellem und geistigem Gebiete, sogar in Wissenschaft und Kunst, wie die Klagen und Anklagen Richard Wagncr's in seinem: „Das Judenthum in der Musik" beweisen. Den Aufgeklärten und Aufrichtige,, ist es bekannt, daß nichts von diesen boshaften Anklagen wahr ist. Wohl sind auch unter-den Juden hervorragende Kräfte und tonangebende Stimmen zu finden, aber diese sind zufällig Juden und stehen sogar sehr oft Juden und Judenthum fern. Nur Neid, Haß und eigenes Unvermögen haben diese Anklagen hervorgerufen. Wie diese im Mittelalter zünftige Ausschließung gegen Alle veranlaßten und jetzt wieder zu erneuern bestrebt sind, so verbot man dem Juden jede Arbeit und jeden Erwerb, wodurch ein Christ sich hätte ernähren können, verwehrte ihm die Wohnung und die Stellung, worauf ein Christ würde Anspruch erheben können. Ganz dieselbe Tendenz liegt dem heutigen Geschrei der Antisemiten über Judeuherrschaft und ihrem Streben nach Ausschließung der Juden zu Grunde. Und dabei sind doch die Juden auf ihrenr eigener, Gebiete, dem religiösen, um dessen Besitzes uno Pflege willen sie eigentlich Juden sind und heißen, fast fremd geworden; ein Beweis mehr, daß von Juden Herrschaft, das heißt doch: Herrschaft der Juden und gewiß nicht Herrschaft des Judenthums, eigentlich nicht die Rede sein kann. Für die Juden selbst gilt es nicht einmal eine Herrschaft des Judenthums. Das Volk hängt demselben meistens mit Gleichgültigkeit an, nur wenige Fachmänner haben dafür noch ein reges Interesse. Als früher die Juden politisch und sozial unterdrückt waren, strebten sie gewiß nicht nach fremder Herrschaft, sie schützten nur ihr eigenes Gebiet, das religiöse; seitdem sie sich freier fühlen, geben sie auch dieses auf, sie wollen nichts Besonderes, sondern nur den Anderen gleich sein. Man steht dem Judenthum fremd und theilnahmlos gegenüber, vielfach sogar feindselig, leugnet das Vorhandensein einer besonder,, jüdischen Wissenschaft und die Nothwendigkeit einer Pflege derselben. Viele unserer Lehrer- und Rabbinersem,nare bestehen nur von nothdürftig erbettelten Geldern, die man oft nur ungern hergegeben hat, aus Connivcuz gegen befreundete oder hochgestellte Förderer und Förderer, nicht aus Interesse an der Sache. Bei einer solchen Gleichgültigkeit unsererseits kann es nicht fehlen, daß wir andererseits kein Interesse vorfinden, daß wir sogar auf Gegnerschaft stoßen. Die Wissenschaft ist eine freie Republik, keine abgeschlossene Domaine. Schon zur Selbstaufklärung und -Rechtfertigung ist eine Besprechung des Christenthums zu wissenschaftlichen Zwecken sowohl zulässig wie unerläßlich. Darin liegt kein Streben nach Herrschaft, und doch haben selbst aufgeklärte Christen und sogar Judenfreunde geglaubt, auch hier einem Zeichen von Judeuherrschaft entgegentreten zu müsse»', haben verboten und es sich verbeten, daß Juden über Christenthum mitsprechen. Das läßt tief blicken! Wankt der Boden unter den Füßen; fühlt man sich nicht sicher mehr? Auf wissenschaftlichem Gebiete muß man doch die Wahrheit hören und ertragen können; da bleibt doch Grundsatz amicissima veritas! Wir pflügen nur auf eigenem Acker, aber da ist es nicht zu vermeiden, daß der Pflug auch einmal des Nachbars Acker streift; wir hüten uns nur, davon zu nehmen. Wir schütteln auch nicht fremde Bäume, aber wenn ein Sturm kommt, ist es nicht zu verhüten, daß die Birne vom Baume fällt, so sie reif isb Beim jüngsten Heidelberger Universitätsjubiläum wurde mit Recht die Einigung und Einheit Deutschlands aufs neue hcrvorgehobcn, hauptsächlich auch in den Reden der Fürsten; wir Juden

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