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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-08-19 · N° 34. (19.8.1886) · p. Seite 271

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 34. (19.8.1886)
Date
1886-08-19
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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— 271 — zu entkräften. Wir wollen einmal annehmen, daß aus den, dem Ministerium eingeschickten Verzeichnissen zu ersehen sei, daß in den Streitigkeiten zwischen Juden und Rumänen, die Juden mehr Prozesse gewonnen hätten als die Rumänen. Run? .. was läßt sich daraus schließen? Folgt daraus, -aß die Juden den Richtern Geld gegeben haben? Folgt, daß sie sie unrechtlich gewonnen haben? Man muß von Aner kolossalen Unwissenheit sein, um sich so etwas vorzustellen. Um aus einem solchen Verzeichniß, das ein ähnliches 'Resultat enthielte, diese Ueberzeugung zu haben, muß man vor allem annehmen, daß die Juden, ob Kläger oder Angeklagte,^ nie Recht haben, und daß das Recht stets auf Seiten der Rumänen ist. Sonst, wenn wir annehmen dürfen, daß man Jude sein, und in seinen Forderungen Recht haben kann, und daß man Rumäne sein kann und kein Recht haben — wenn wir dies annehmen, so können die vom Justiz- Minister verlangten Aufschlüsse zu gar keinem Resultat führen. Dies sind die Heldenthaten des Genie's der national- .liberalen Partei. Um die von Herrn Ghergel leichtfertig hingeworfene, unbewiesene Aeußerung gründlich zu erhärten und der Wahrheit auf den Grund zu kommen, darf man nicht die bloßen Zahlen sprechen lassen, sondern man müßte jeden Prozeß zwischen einem Juden und Rumänen nach den Akten und Schriftstücken revidiren und prüfen. Nur wenn ersichtlich sein sollte, daß der Richter trotz aller vom Rumänen gelieferten Beweise, dem Juden das Recht zugesprochen, nur dann könnte man daraus einen Schluß auf die Parteilichkeit und Bestechlichkeit desselben ziehen; solche Fälle dürften sich aber nicht vorfinden, und das Circular hätte weiter nichts bezweckt, als den ganzen ehrenwerthen moldauischen Richterstand unverdient zu verdächtigen. Bukarest, 12. August. Die Wortführer des Antisemitismus haben, wie ein hies. Bl. meldet, beschlossen, am 26. August hier einen europäischen Antisemiten-Congreß abzuhalten. Dagegen schreibt das „Buk. Tageblatt" vom 10. August itt einem Leitartikel folgendes: Unsere Residenz wird also vielleicht in Bälde die etwas problematische Ehre haben, in ihren Mauern den würdigen Berliner Hofprediger, Herrn Stöcker, die ungarischen Ritter ohne Furcht und Tadel Jstoczy und Simony, den Verfasser von „La fraise juive“, Herrn Ed. Drumont und noch zwanzig andere Matadoren des Antisemitismus zu beherbergen. Aber wenn die Herren glauben, daß sie in der Residenz des Königreichs Rumänien einen mächtigen Resonanzboden für ihre Bestrebungen finden werden, daß es ihnen gelingen werde, ihren abgetakelten Glorienschein hier neu zu verfolgen, so ist dies eine Illusion, die wir ihnen rauben müssen. Bei der großen Masse des rumänischen Volkes hat der Antisemitismus niemals Anklang gefunden. Unser Bauer und Dorspope, so ungebildet dieselben sind, könnten den hochgelehrten Herrn Stöcker in Toleranz und wahrem Christenthum Unterricht ertheilen. Für die große Masse ist also die Stöcker'sche Weisheit Kaviar. Aber auch jene Elemente der gebildeten Klasse, in welchen antisemitische Regungen vorhanden sind, werden über den Besuch der antisemitischen Gäste nicht sehr erbaut sein. Dieselben haben genug Antisemitismus auf Lager, um den Eigenbedarf zu decken und benöthigen daher keinen ausländischen Import in diesem Artikel. Wenn also die Herren Stöcker und Consorten glauben, daß sie in Bukarest willkommene Gäste sein werden und daß man ihnen Ovationen bereiten wird, so sind sie gewaltig auf dem Holzweg. Wollen jedoch die Wortführer des Antisemitismus nichts weiter erreichen, als in eklatanter Weise die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu lenken, so ist Bukarest hierfür ein schlecht gewählter Ort. Wir haben hier keinen großen journalistischen Apparat, keine Weltblätter, die brühwarm dem staunenden Europa verkünden würden, was die Herren hier zum Besten gegeben. Wenn dies die Herren Antisemiten erwägen, so werden sie sich vielleicht ein wenig bedenken, bevor sie Fahrkarten nach Bukarest lösen." Uerrmschle und neueste Nachrichten. Werti« Ueber die große Zahl jüdischer Gymnasiasten klagt das „Deutsche Tagebl.": „Es sei ungemein bezeichnend, daß in Berlin die Juden vorzugsweise die Gymnasien okkupiren, dagegen die auf eine sog. praktische Vorbildung angelegten höheren Schulen den Christen überlassen." — Welche Angriffe auf die Erwerbssucht der Juden aber würden erst diese Blätter bringen, wenn umgekehrt sich Nachweisen ließe, daß die Juden gerade vorzugsweise die auf eine sog. praktische Vorbildung angelegten höheren Schulen benutzen? Berti« Dem prakt. Arzt Sanitätsrath vr. Ad. Abraham ist der Charakter als geheimer Sanitätsrath, dem Dr. Heinrich Straß mann der als Sanitätsrath verliehen. Dresden. Anläßlich seines — in vor. Nr. geschilderten — Jubiläums hat Herr Jos. Bondi 1000 Mk. für würdige bedürftige jüd. und christl. Familien gespendet, von welchem Wohlthätigkeitsakte gleichwie vom Jubiläum überhaupt, die hies. hervorragenden Tagesblätter gebührend Notiz nahmen. Auch Wien hat einen jüd. Dekan, und zwar der juristischen Fakultät, in Herrn Professor Or. Grünhut. Mer«. (Or.-Corr.) Zur Ergänzung meines jüngsten Berichtes betr. der Schechita-Angelegenheit kann ich Ihnen heute mittheilen, daß die bezügliche Petition an den Bundesrath vom Centralvorstand der schweiz. Thierschutzvereine gerichtet worden und zwar auf Anregung der Section Aargau. Lottdo«. Die isr. Mitglieder des aufgelösten Parlaments sind auch bei den Neuwahlen wieder gewählt worden: Baron v. Worms, Arthur Cohn, Sir Julian Goldshmith, S. Montagu, Sergeant Simon und Baron Ferd. Rothschild. Warschau. Die von einigen Zeitungen colportirten Gerüchte von einem Rescript an die Gerichte, alle jüdischen Secretaire zu entlassen, werden von einem officiösen Organ dementirt. — Das „Medicinische Departement" hat über die Anzahl jüdischer Thierärzte, Zahnärzte, Hebammen und Apotheker Bericht eingefordert. •— Im Kreise Odessa sind 93 männliche und 6 weibliche Aerzte, Thierärzte 2, Zahnärzte 9, Hebammen 35, Bader 10, Apotheker 10, Provisoren 4, in Summa 178, jüd. Confession. Kowuo. Nach neuerem Gesetze gehört für die Juden Rußlands zur Erlangung eines Gewerbescheines auch der Nachweis, daß der Betreffende seiner Militärpflicht genügt habe. Um nun den vielen Schreibereien, vielleicht auch Schreibegebühren, die mit diesem Nachweis verbunden sind, zu entgehen, geschieht es häufig, daß der Gewerbeschein auf den Namen der F r a u genommen wird. Es wäre zu wünschen, daß dieser Usus unterbliebe. Unsere Feinde werden nicht sagen, der Nachweis der erfüllten Militärpflicht sei uns zu beschwerlich, sondern — die Erfüllung der Militärpflicht. Rabbiner und Gemeinde-Vorsteher sollten hierauf aufmerkam machen — mahnt mit Recht „Hamelitz". Hdesta. Das Budget unserer Gemeinde wächst von Jahr zu Jahr. Vor 8 Jahren betrug es 90,000 Silberrubel, die letzten 4 Jahre schon 136,000 S.-R. und jetzt 160,000 S.-R., wovon die Regierung 6000 S.-R. gestrichen hat. Mrialin. (Rußl.) Herr S. W. Gold stein (Isr.) wurde in den Stadtrath gewählt. Dakymorv. DerLeichnam des umOstern todt aufgefundenen christlichen Knaben wurde ärztlich untersucht. Die Sektion ergab, daß nicht die geringste Wunde am Körper war und der Tod durch Erdrosselung herbeigeführt war. Wie man hört, soll der Stiefvater der Mörder sein, um das Vermögen des Gemordeten zu erben. ßonstantmopek. Baron Hirsch wurde die große goldene Kette des „Osmanie"-Ordens vom Sultan verliehen. Graf C.amondo (Isr.) wurde mit großer Auszeichnung vom Sultan in der Audienz behandelt.

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