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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-08-19 · N° 34. (19.8.1886) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 34. (19.8.1886)
Date
1886-08-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jfä Z4. Wagdevurg- 19. Augnst 1886. Illljry. XVII. für die religiösen und socialen Interessen des JndenLhums. + A + «—--# Wöcheutlich erscheint sc eine -lummer der „>ßoch««fch»1f1". des .^amiilr«- >»1*11»" u. des „Kttt«rat«rb 1 *11*". Preis für all e >r*| Kliiller bei allen Postämtern u. Vukbhandlungen 3 D^ll»r1r vierteljährlich. Mit direcler Zusendung: jährlich 14Mark, nachdem Aus ande:16 Mk. (8 fl., 20 Jrcs-, 8 Rbl., 4 Dollars). Einzelnummern der „Wochenschrift" k 25 Pf., \ des „Litteratur-Blatts" k 16 Ps. : des „Famtlicn-Blatts k 10 Ps. -'S Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber: Rabbiner vr. W. Wahwer in Magdeburg. Für Mehrheit, Nicht »uh Frieden! «--—--a! füi die „Israelitische Wochenschrift", wie iür das „Jüdische Litteratur-Blatt", die kleingcspalttnc Petitzeilc oder deren Raum?5 pr. sind entweder durch die Annoncen- Mpeditioncn von Q-. L-Daute Sc Co., Rudolf Glosse, HaasenBtein Sc “Vogler u. A. oder direct einzuscnden an : Die G»p«di1i»n der „?«r«»ii1. M*<h»*- schrifl" in Magdeburg. «?-« Inhalt: Leitende Artikel: Der religiöse Jndifferentismus unserer Zeit. Von vr. I. Goldschmidt-Weilburg. — Unsre Todtcnbestattung. Berichte und Korrespondenzen: Deutschland: Magdeburg. Breslau. Breslau. Hannover. Aus Hessen. Oesterreich-Ungarn: Prag. Rumänien: Bukarest. Bukarest. Bermifckte und neueste Nachrichten: Berlin. Berlin. Dresden. Wien. Bern. London. Warschau. Kowno. Odessa. Piriatin. Dalbinow. Constanlinvpel. Inserate. Wochen- August 1886. Aw. 1 5646. Donnerstag . 19 18 Freitag. . . 20 19 Sonnabend 21 20 Sonntag . . 22 21 Montag. > - 23 22 Dienstag . . 24 23 Mittwoch . . 25 24 Donnerstag . 26 25 Kalender. 2VV P. 5. (?»»*) Der religiöse Jndifferentismus unserer Zeit. Von Dr. I. Goldschmidt-Weilburg. H Unsere Religionsphilosophie, die im Mittelalter einen Maimonides, einen Gabirol, einen Juda Hallevi gezeitigt hat. sie liegt ganz brach: unsere Theologie besteht in historischen, kritischen, archivalischen, bibliographischen und allen möglichen Forschungen, sie ist alles, nur keine Theologie. Das frisch pulsirende Leben fehlt dem Judenthume als Religion. Es lebt ganz in alten Zeiten, es durchsucht mit der gewissenhaftesten Genauigkeit alle Rumpelkammern seiner Geschichte, das ist das Gebiet, welches alle Kräfte abforbirt; zu den Gebieten der Gegenwart steht es zum Theil in feindlicher, zum Theil in sklavischer Stellung. Die Zeiten ändern sich, die Cultur schreitet vorwärts, das soziale und staatliche Leben nimmt immer neue Formen an, die Wissenschaft unterwirft sich immer neue Bezirke, die Philosophie muß der Autorität der Erfahrungs-Wissenschaften Rechnung tragen, die Weltanschauungen verdrängen einander — aber das Judenthum kümmert sich um alles dies nicht, es beschränkt sich auf die halbirte Thätigkeit des Fichte'schen „Ich"; es setzt sein „Ich" und sein „Ich" und niemals auch das „Nicht-Jch!* Schreitet ihr dadraußen vorwärts, so weit ihr wollt, wir sind schon vor 1000 Jahren so weit vor gewesen, daß ihr uns auch in 10,000 Jahren, überhaupt nie, zuvorkommen könnt! — Das ist Axiom und Glorificirung der Unrhätigkut und Maskerade. Stolz erhebt sich der antiquarische Philologe über den kleinlichen Maimonides, der es der Mühe werth hielt, sich mit der damals dominirenden Philosophie des Aristoteles auseinander zu setzen, das Judenthum mit der Mode-Philosophie seiner Zeit: ein König, der den Sklaven um Entschuldigung bittet; Juda Hallevi wird als über solcher Kleinlichkeit erhaben dargestellt, und so wollen wir auch darüber erhaben sein. Und wie gut ist es, daß wir das thun! Wozu die unnütze Mühe? Die Zeit thut ja für uns die Arbeit! Wie gut, daß wir uns mit Kant nicht auseinandersetzen, seit Fichte ist das nicht mehr nöthig; eine Auseinandersetzung mit Fichte ist durch Schelling überstüssig geworden; Hegel hat auch für uns den Schelling abgethan, Hegel wurde durch Herbart, Schleiermacher, Schopenhauer und Beneke den Weg zum Orkus geschickt, und auch an diesen wird das alte pyiDI nDtOiH b'S pBW TpBTflD. — sich erfüllen: wozu also gegen sterbliche Schaaren das Unsterbliche, das Ewige, die Religion in den Kampf führen? — Aber Kampf ist das Princip des Lebens, wo kein Kampf ist, da ist Tod, und wäre eine Lehre auch noch so von ewiger Wahrheit durchströmt, aber sie entzündet sich nicht durch Reibung im ew'gen Kampf der Geister, in dem Herzen ihrer Träger und Vertreter: so ist sie todt! Das ist Gesetz der Geschichte, und wer bestätigt dies mehr, als das Judenthum unserer Zeit? Ob wir uns die Gottheit so oder so vorzustellen haben; ob wir die von der Religion — von der Religion? Nein, von den mittelalterlichen Religions- Philosophen — aufgestellten Eigenschaften Gottes nach der heutigen Weltanschauung, d. h. die uns alle chatsächlich beherrscht, auch diejenigen, die, gleich dem Vogel Strauß, den Kopf in den Sand stecken, in ein neues Licht gerückt werden müssen; ob die von unfern großen Religions-Philosophen aufgestellten Lehren von Gott und seinen Eigenschaften auch > wirklich nothwendig aus der Schrift sich ergeben; ob die

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