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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-08-05 · N° 32. (5.8.1886) · p. Seite 265

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 32. (5.8.1886)
Date
1886-08-05
Page
Seite 265 (sequence 7)
Language
German
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— 265 beunruhigen braucht. Wir glauben, in der obigen Annahme noch weiter gehen und sicher sein zu dürfen, daß der Bundesrath, selbst wenn ein konkreter Rekursfall vorläge, auf das Gesuch nicht eintreten würde. Er hat in seinem Erlaß vom 29. Oktober 1875 erklärt, daß das Schächten, sobald es von der obersten Kantonsbehörde genehmigt und so lange ein diesbezüglicher Beschluß zu Recht besteht, nicht als eine der „öffentlichen Ordnung" widerstreitende Schlachtweise angesehen werden darf und üuf Grund dessen das von der St. Galler Polizeibehörde damals erlassene Schächtverbot aufgehoben. (Bergl. Engelbert. Das Schächten und die Bouterole. St. Gallen 1876. S. 11.) Nun. was die hohe Bundesbehördc damals in Schutz genommen, wird sie heute gewiß nicht verurtheilen wollen, selbst auf den Wunsch einiger Thierschutzvcreine hin. Und daß es nur einige sind, die vorstellig geworden, unterliegt keinem Zweifel. Bon dem Genfer Thierschntzvereine berichteten ja erst vor Kurzem die Zeitungen. daß derselbe durch die vom dortigen Rabbiner, .Herrn Prof. Wert hei me r. in Bezug auf das Fällen der Schlachtthiere gemachten Konzessionen vollkommen zufrieden gestellt wurde und was den St. Galler Verein, zu dessen Vorstandsmitgliedern Herr Rabbiner Dr. Engelberl gehört, betrifft, so ist in demselben eine derartige Eingabe resp. die Betheiligung an einer solchen gar nie zur Sprache gekommen, geschweige denn beantragt und beschlossen worden. Immerhin dürfen wir diese Angelegenheit nicht außer Acht lassen, werden vielmehr auch diesen „letzten Versuch" mit der nöthigen Aufmerksamkeit verfolgen müssen. Amerika. W. Aus Hlord-Amerika. Anfang Jnli. (Or.-Corr.) Wie ich Ihnen jüngst schrieb, wurde i)r. Souneschein in St. Louis von dem Vorstände feiner Gemeinde der beabsichtigten Apostasie angeklagt, und zwar geschah dies hauptsächlich auf Grundlage einer von Sonneschein selbst gegebenen Erklärung, die in deutscher Uebersetzung also lautet: „Ich „ging nach Boston nrit dem festen Entschlüsse, um, im Falle „die Unmöglichkeit Rabbiner der Shaare-Emeth Gemeinde „oder einer anderen respectabeln jüdischen Gemeinde bleiben „zu können, so offenbar lvürdc, um alle meine Aussichten „auf diesem Gebiete zu verschließen, ein mir sympathisches „und geistig reiches Gebiet für meine bescheidenen Fähigkeiten „und meinen ehrlicheil Ehrgeiz zu finden." Der Antrag des Gemeinde-Vorstandes, Sonneschein seines Amtes sofort zu entsetzen, wurde trotzdem von der in Special-Versammlung einbernfenen Gemeinde mit eitlem Votum von 112 gegen 68 verworfen. Sonneschein bleibt somit Rabbilier seiner Gemeinde bis zum 1. Oktober, au welchem Tage seine Resignation in Kraft treten soll. Die Gemeinde sucht Bewerber um ihr Rabbinat in einer Zeitungs- Annonce. Sonneschein selbst bewirbt sich, sein eigener Nachfolger zu werden — und es ist nicht blos möglich, sondern auch wahrscheinlich, daß er gewählt wird. — Zwei der zahlreichen amerikanisch jüdischen Zeitungen hörten auf zu erscheinen. „The Jewish Reformer" redigirt von Or. Köhler und Or. Hirsch und „The Jewish Record", redigirt von Alfred Jones. Wir haben noch immer Blätter genug! Auch ist ein neues Journal erstanden: „The Menorah“, redigirt bon Peixotto, ehemaligem General Consul in Rumänien; das neue Blatt wird ganz besonders den Ordens-Angelegenheiten der B. B. gewidmet sein. (Das erste Heft ist uns bereits zugegangen, wir kommen an anderer Stelle darauf zuriick. Red.) Uerrnischle und neueste Nachrichten. Uertin. Unter den 2544 i. I. 1885 naturalisirten Ausländern befanden sich 977 aus den Niederlanden, 795 aus Oesterreich-Ungarn, 236 aus den Vereinigten Staaten, 209 aus Dänemark, nur 40 aus Rußland (gegen 242 im Jahre 1884). Unter diesen Naturalisirten waren 1672 Katholiken, 742 Evangelische und 120 Juden (gegen 239 im Vorjahr). Keidekverg. Prof. Or. Cohn hat vom japanischen Ministerium unter glänzenden Bedingungen einen Ruf an die juristische Fakultät in Tokio erhalten. Aus Aadcn, 24. Juli. Die „N. Bad. L.-Z." berichtet über eine Mittheilung des Großh. Staatsministeriums betr. die Visirung von Reisepässen nach Rußland an sämmtliche Bezirksämter des Landes.. Dieselbe lautet: „Nach Mittheilung der Kaiserlich russischen Gesandtschaft ist die strenge Handhabung der bezüglich des Uebergangs Angehöriger der mosaischen Religion über die russische Grenze bestehenden erschwerenden Vorschriften den russischen Behörden neuerdings eingeschärft worden. Die Kaiserlich russische Gesandtschaft hat dabei sich dahin geäußert, daß es nothwendig sei., daß Israeliten, welche das zur Ueberschreitung der russischen Grenze nöthige Visum zu erhalten wünschen, ihre Pässe persönlich bei der Kaiserlich russischen Gesandtschaft zu diesem Zwecke präsentiren, uin über die Tragweite der neuen Anordnungen belehrt werden zu können, wenn sie sich nicht Weiterungen und Nachtheilen aussetzen wollen. Die Großh. Bezirksämter werden angewiesen, die Betheiligten vorkommcnden Falls auf diese Verhältnisse aufmerksam zu machen." Aus Württemberg. Durch Verfügung des K. Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens ist der Herr Rabbiner Weimann in Buchau seinem Ansuchen gemäß wegen andauernder Krankheit in den Ruhestand versetzt worden. Aas Kisstngen, 28. Juli, wird Berliner Blättern gemeldet: Herr Distriktsrabbiner Bamberger, hier, hat sich anläßlich der Anwesenheit des Fürsten Reichskanzler an denselben mit einer Eingabe in B-'zug ans die Anti-Schächtagitation der Thierschutzvereine gewendei. Daraufhin wurde derselbe heute Morgen von dem Chef der Reichskanzlei, Herrn Geh. OberReg.-Rath Or. Rottenburg empfangen. Dieser gab die beruhigendsten Versicherungen und sagte unter Anderem: „Der Herr Fürst beauftragt mich, Ihnen mitzuthecken, daß die Reichsregierung dem Verlangen der Th erschutzvereine, das einen Eingriff in die religiösen Satzungen des Jud'nthu.ns bedeute, niemals ihre Zustimmung geben w.-rd?." Lemberg. Wir haben einen großen Verlust erlitten: Herr Hillel Lehner, Vorsteher des „Tempels" und Vorstands-Mitglied des Vereins „Schomer Jisrael", ist gestorben. Er war ein gefürchteter Gegner des religiösen Obscurantisinus. Kinder hinterläßt er nicht, sein Vermögen fällt einem Verwandten, Herrn Lehner in Triest, zu. Sein Testament bestimmt 10,000 fl. zu wohlthätigen Zwecken. Wie sehr er die Achtung auch der Christen genoß, beweist, daß er in seinem Wohnorte, einem nahen Dorfe, seit langen Jahren zum Bürgermeister gewühlt ist. Er ruhe in Frieden! Vreßkurg. In Folge der antisemitischen Excesse vor 2 I ihren war die Stadt, für die Militär - Requirirung, zu 5000 fl. verurtheilt. Die von der Stadt eingelegte Berufung ist nun eudgiltig verworfen und das antisemitische Pläsirchen kostet uns nicht welliger als 5000 fl. (So viel war'S doch nicht werth!) Audapest. Der hiesige Eisentrödler Armin Löwenthal ist einem ruchlosen Attentat zum Opfer gefallen. Die Mörder, leider Juden, die dem Ermordeten eine goldene Remontoir-Uhr, einen Ring und 20 fl. Bargeld geraubt, der 17jährige Schloffergehilfe I. Goldstein und der 22jährige stellenlose Kolporteur F. Bogdan, sind verhaftet und geständig. Iafchkom. Vor einiger Zeit beehrte der „gute Jnd" „Reb Jauschiele von Kantakusow" unser» Ort mit einem Besuch über Sabbath. Aber das ist ihm schlimm bekommen. Dem heiligen Manne ist am heiligen Sabbath eine sehr unheilige Ueberraschung bereitet worden: während er zur Sabbath- Tafel im Kreise der „Chassidim und Ansche-Maasse" saß, wurde der goldene Becher-ihm gestohlen!! (Der arme Becher, der nun wer weiß an welche unheiligen Lippen sich führen lassen muß!) Kopenhagen. Herr Oberrabbiner Prof. Or. A. Wolfs begeht am 15. d. Mts. sein 60jähriges Rabbinerjubiläum.

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