Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 27. (1.7.1886)
- Date
- 1886-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Magdeburg, 1. Juli 1*86. IM. xvn. für die religiösen und socialen Interessen des Iudenlhums. «8 Wöcbentlich erscheint je eine Nunmer der „Wochenschrift", des „Famttienvlatt«" u. des „Kitteraturblatts". Preis sür alle drei Kliitter bei allen Postämtern u. Buchhandlungen 3 Ltflarls: vierteljährlich. Mit dit^ectcr Zusendung: jährlich 14 Mark, nach dem Auslande: 16 Mk. (8 fl., 20 Frcs., 8 Rbl., 4 Dollars). Liuzelnummern der „Wochenschrift" a 25 Pf., des „Littcratur-Blatts" h 16 Pf. des „Familien-Blatts k 10 Pf. Veranrmortlicher Redaclcur und Herausgeber: Rabbiner iir. M. HlaKmer in Magdeburg. für Wahrheit, Leiht and frieden! n --S Inserate! für d e „I s r a c l i t i s ch e W o ch c u s äi r i f t",! wie iür das „Jüdische Litteratur-Blatt", ' die ktcingespaltene Pelilzcilc oder deren Raum 95 Df. sind cntioedcr durch die Annouccn- Erpeditionen vou Q. L-IDau.be Sc Co., IRuclolf HVHosse, Llaasenstein Sc Vogler u. A. oder direct eiil^usendcu au : Die Erpedition der „Israelit. Wochenschrift" in Magdeburgs Znhali: Abonnements-Einladung. Leitende Artikel: Schule und Haus. Von Bezirksrabbiucr Dr. Goldschmidt-Weilburg. II. — Humanität und Halacha. Von Dr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. Berichte und Correspoudenzen: Deutschland: Berlin. Berlin Berlin. Darmstadt. Sstrowo München. - England: London. Rußland: Petersburg. Vermiscbte und neueste Naebrictiten: Magdeburg. Bayreuth. Kaiserslautern. Frankfurt a. M. Wien. Krakau. Mittheilungen aus dem U. ü. B. B. Magdeburg. Beuthen. Inserate. Briefkasten. Abonnements-Einladung. “W? Mit dieser Nr. beginnt das Quartal des ftC&CttjCtytttett Jahrgangs dieser allen an ein belehrendes und unterhaltendes Henmnde- Schulu. Kamitienökatt zu stellenden gerechten Anforderungen nach besten Kräften nachkommenden ,,Wochenschrift". Abonnementspreis 3 ÄRE. pro Quartal. vEk- Den „Berliner Gemeinde-Verhältnissen" wird von kundiger mit den Verwaltungszweigen wohlvertrauter Seite eine besondere Sorgfalt zngewendet werden. Die Expedition. Schule und Haus. Von Bezirksrabbiucr Dr. Gold schm id t-Wcilburg. „So sollt chr sprechen zum Hause Jacob's!" II.*) „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muß der Prophet zum Berge", das Leben der jüdischen Familie kommt der Religioneschnle nicht entgegen, cs muß also die Schule dem Hause entgegenkommen. Entgegenkommen? Diese Forderung dürfte stutzig machen. Sollte das etwa bedeuten, einige der Forderungen erfüllen, welche das Haus erhebt? Dann wäre die erste wohl: „Weg mit Hebräisch!" Die zweite: „Weg mir dem ganzen Religionsunterricht! Der hilft doch nichts zum Fortkommen in der Welt!" — Solche Vorstellungen leben allerdings sehr häufig in der Lehrer- und Rabbiner-Welt über die Anschauungen des jüdischen Hauses. Aber diese Vorstellungen sind unberechtigt; sie müssen modificirt werden. Wären sic berechtigt, dann wäre die Existenz der jüdischen Religionsschnle ein unauflösliches Räthsel. Wer erhält denn die jüdische Religionsschule? doch nur das jüdische Haus. Der staatliche Zwang kommt doch nur in sehr wenigen Theilen unseres Vaterlandes *) Art. I in Rr. 24. Wochen- Juli I 88'6. Siwan. 5046. Watender. Donnerstag . 1 28 Freitag . . - 2 29 Sonnabend 3 30 npn p- 4. (», IS® Tammus. Sonnt an 4 1 Icd o }f* -fl Montag. - . 5 2 ü Dienstag j 6 3 Mittwoch . 1 7 4 Donnerstag . 8 5 der Existenz unserer Religionsschulen zu Hilfe. Wenn also das jüd. Haus in der Thal unserer Rel.'Schule gegenüberstände, so wäre diese längst den Weg alles Fleisches gewandelt. Der Lehrer versuche es einmal uird erlasse den Kindern den hcbr. Unterricht oder gar den ganzen Relig.- Unterricht, er wird sich bald überzeugen, daß er die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Nein, die großen pecuniüren Opfer, wellne die Unrerhattung der ReUg.-Schule dem jüd. Hause auferlegt und welche dieses mit bei keinem andern Bekenntnisse erreichter Opserwllligkett trägt, beweist am Vesten, daß das Haus' unserer Relig.-Schule nicht feindlich gegenübersteht, sondern im Gegentheile große Werthschätznng für^neselbe empfindet. — Wie ist aber dieser Widerspruch zu lösen? Thatsache ist es, daß unsere Religionsschule keinesweges auf die Mitwirkung des Hauses rechnen kann, und die Thatsache der Unterhaltung der Schule durch das Haus, sowie der Klagen der Eltern über mangelhafte Leistungen der Religionsschule beweist das ziemlich starke Interesse des Hauses für die Schule — wie ist dieser Widerspruch erklärlich? Meine Antwort lautet: das Interesse des jüd. Hauses für das Judenthum und seine Institute, also auch die Schule, ist ein freiwilliges, die Gleichgiltigkeit ist eine durch den Tyrannen: „Leben" erzwungene. Dieser Tyrann ist ein „großer Herr", mit dem bekanntlich „nicht gut Kirschen essen ist". Er ist streng, straft empfindlich jedes Vergehen, jedes Versäumniß: was Wunder, daß man schon bei dem Gedanken, mit diesem Tyrannen in Conflikt zu gerathen, im tiefsten Herzen zittert? Die Fnrchl vor diesem Tyrannen ist eine mächtige, wie dies der menschlichen Natur gemäß nach unfern heutigen Verhältnissen gar nicht anders sein kann. Im Mittelalter hatte der Jude vor diesem Tyrannen höchstens — das Leben zu riskiren, allein er hatte dabei sein volles, ganzes, göttliches Judenthum im Herzen, das ihm höher stand als das Leben. Heute hat der Jude alle die glänzenden ihm zu erklimmen freistehenden Gipfel menschlicher Existenz und Stellung für sich und. was noch