Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 25. (17.6.1886)
- Date
- 1886-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Magdeburg. 17. Juni 1886 M 25. Jfllltg. XVII. für die religiösen und socialen Interessen des Judenttzums. St-& Wöchentlich erscheint je eine Nummer der „Mach»« schrift", des .^amtllenblatt»" u. des „Sttteraturblatt*". Preis für alle drei Klätter bei allen Postämtern U. Buchhandlungen 3 D»«LarL: vierteljährlich. Mit direkter Zusendung: jährlich 14 Mark, nach dem Auslande: 16 Mk. (8 fl., 30 Fres., 8 Rbl., 4 Dollars). rtnjelmmuuern der ^Wachenschrist" fl Sb Pf., des „Litteratur-Blatts" fl 1b Pf. des „Famtlien-Blatts fl 10 Pf. V,-SS Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber: Rabbiner Dr. M. Wahwer in Magdeburg. 'Für Mehrheit, Krcht Frieden'.! Interat»! für die „I s r a e l i t i s ch e W o ch e n s ch r i s t",! wie iür das „Jüdische Litteratur-Blatt",! die kleingespalnne Petitzeilc oder deren Raum! 25 |lf. sind entweder durch die Annoneen- > Expeditionen von G. Xj. Daube «Sb Co., \ Ibtudolf IVEosse, Uriaasenateiri «Sb; "V"«agier u. A. oder direct einzusenden an : Die Grpeditia« der „Jaraelii. Wochen»! schrift" in Magdeburg. S5-» Inhalt: Abonnements-Einladung. Leitende Artikel: Die Beendigung des Kulturkampfes und die Stellung der Juden. — Humanität und Halacha Von vr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. Berichte und Correspondenzen: Deutschland: Wolfenbüttel. Aus dem Reg.-Bez. Cassel. Glogau. Danzig. Oesterreich-Ungarn: Wien. Prag. Vermischte und neueste Nachrichten: Berlin. Berlin. Magdeburg. Dresden. Flatow. Würzburg. Salzburg. Paris. Petersburg. Warschau Tiflis. Mittheilungen aus dem U. O. B. B. Glciwitz. Berlin. Ostrowo. Inserate. Briefkasten. Abonnements-Einladung. Mit nächster Nr. schließt das zweite Quartal und erinnern wir unsere geehrten Abonnenten an die recht« zeitige Erneuerung des Abonnements - bei den Postämtern bis zum 25. d. Mts. - Direete Zusendung findet ebenfalls nur gegen oorherige Einsendung des Abonnements statt. Die Expedition. Die Beendigung des Kulturkampfes und die Stellung der Juden. Der sogenannte Kulturkampf geht zu Ende, und ist es an der Zeit, zu erörtern, in wie weit unsere Stellung und unsere Interessen hiervon berührt werden. An sich ist das Ende dieses Streites ein Glück. So, wie der Kampf geführt, und namentlich wie er von der großen Mehrheit unserer katholischen Mitbürger aufgefaßt wurde, nämlich als ein Eingriff des Staates in die inneren Verhältnisse der katholischen Kirche, war er ein Unglück für Preußen und für ganz Deutschland. Wir Juden mochten einzeln vom politischen Standpunkte aus uns zu diesem Kampfe stellen, wie es Jedem nach seiner Ueberzcugung paßte, in unserer Eigenschaft als Juden hatten wir uns zur Seite zu halten. Einen Angenblick schien es allerdings, als ob aus diesen Kämpfen gute Resultate für die Stellung der Juden und des Judenthums hervorgehen könnten; allein diese Hoffnung war eine sehr vorübergehende und trügerische, und bald genug trat eine schwere Enttäuschung ein. Die Früchte des Kulturkampfes sind auch für uns Juden, und vielleicht am meisten für uns, bittere und verderbliche gewesen, indem wir, die wir doch gar nicht bethei¬ Wochen- Juni 1886. Siwan. 5646. Kalender. Donnerstag . Freitag. . . Sonnabend Sonntag . . Montag. . . Dienstag . . Mittwoch . . Donnerstag . 17 18 19 20 21 22 23 24 ±4 15 16 17 18 19 20 21 vbü P. 2. (9,88) ligt waren, als Prügelknaben und Sündenböcke herhalten mußten und noch müssen. Die ultramontanen Blätter, die „Germania" voran, haben mit der Jnscenesetzung des Antisemitismus — der Name ist allerdings erst später erfunden — schon früh begonnen; die Juden hetze sollte als Ableitung dienen, die Aufmerksamkeit von den Katholiken ablenken. Die Parteiführer haben die Hetzer gewähren lassen, obschon manche unter ihnen durchaus keine Judenfeinde sind, am allerwenigsten der in dieser Hinsicht geradezu mustvrhafte Win dt Horst. Die Juden selbst hatten zu dieser Hetze, abgesehen von Tactlosigkeiten einiger jüdischen, d. h. als Juden geborenen aber als solche sich nicht fühlenden und noch weniger handelnden, Litteraten und Zeitungsschreiber wenig Veranlassung gegeben. Bei der Berathung des Jesuitenaustreibungsgesetzes hatte Lasker seine beredte Stimme gegen dieses Gesetz erhoben und mit den sämmtlichen damaligen jüdischen Reichstagsabgeordneten , mit alleiniger Ausnahme von Bamberger, g e g e n dasselbe gestimmt. Auch in den späteren Kulturkampfgesetzen haben sich die jüdischen Abgeordneten durchaus nicht hervorragend betheiligt. Ludwig Löwe ist stets ein Gegner des Kulturkampfes gewesen und hat in allen Fragen sein Votum zu Gunsten der Katholiken abgegeben. Allein den streitsüchtigen Ultramontanen niederer Gattung paßte die Judcnhetze durchaus in ihren Kram, und dauerte es nicht lange, als ihnen von den übrigen judenseindlichen Elementen flott sekundirt wurde. Diese Bewegung würde bei der rücklaufenden Zeitströmung und dem durch den Niedergang nach der Schwinde^eriode hervorgcrufenen materiellen und moralischen Katzenjammer vielleicht ohnehin sich eingestellt haben, wie sich solches in Deutschland wiederholt, zum