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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1886-06-03 · N° 23. (3.6.1886) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
17 (1886)
Issue
N° 23. (3.6.1886)
Date
1886-06-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Magdeburg, 3. Jum 1^86 i M 23. Iahrg. XVII. für die religiösen und socialen Znteresien des Judenchums. Wöchentlich erscheint je eine Nnnmer der „M-chonschrlft", des ..L a«».»" enbla tt»" n. des ,,Lltterat«rt» latts". Preis für alle >r*t Kliitter bei allen Postämtern u. Buchhandlungen S LvLsrL: vierteljährlich. Mit dirceter Zusendung: jährlich 14 Mark, nach dem Auslande: 16 Mk. (8 fl., 20 Fres., 8 Rbl., 4 Dollars). Einzelnummern der „Wochenschrift" a 25 Pf., des „Litteratur-Blatts" a 15 Pf. des „Familien-Blatts ä 10 Pf. für Wahrheit, Leiht und frieden' -0 Veramwortlicker Redakteur und Herausgeber: Rabbiner Nr. W. Wahmer in Magdeburg. Inserate für die „Israelitische Wochenschrift", wie nir das „Jüdische Lirteratur-Blatt", die kleinqespalUne Petitzeile oder deren Raum l 95 Pf. sind entweder durch die Annoneen- Mpeditionen von ö- L.Daube «Sc C°-3 ZEtucLolf IVEosse, Haasenstein «Sc "Vogler u. A. oder d i r e e t einzusenden an : Die Expedition der ..Israelit. Machenschritt" in Magdeburg. Inhalt: Leitende Artikel: Humanität und Halacha. Von Dr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. — In Sachen des jüd. Religionsunterrichts. Von I. Kl in gen stein in Ober-Ingelheim. IV. (Schluß.) Berichte und Correspondenzen: Deutschland: Magdeburg. Berlin. Glogau. Oppeln. Alls Bromberg. Erfurt. Freiburg. Frankenthal. Oesterrcich-llngarn: Brünn. Schweiz: Zürich. Vermischte und neueste Nachrichten: Magdeburg. Brombcrg. Erfurt. Dresden. Wien. Prag. Paris. Jerusalem. Mittheilungen aus dem U. 0. B. B. Dresden. Hamburg. Inserate. Briefkasten. Wochen- Juni 1886. Jjar. 5646. Kalender. i Donnerstag . 3 29 Omer 44. Freitag. . . 4 1 RoschChodeschSiwan „ 45 Sonnabend 5 2 NW2 P- 6. (9,10) „ 46 Sonntag . . 6 3 „ 47. Montag. . . 7 4 „ 48. Dienstag . . 8 5 „ 49. Mittwoch . . 9 6 1 Schowuaus 1. Donnerstag . 10 7 / ,» » 2* Humanität und Halacha. Von Dr. Krön er, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. Unlängst wurde mir von einem Freunde ein Ausschnitt aus der in Cincinnati erscheinenden „Deborah" zugesandt, in dem es wörtlich heißt: „Nachdem wir vr. Kroner's Entgegnung auf Prof. Stadc's Behauptung, daß im Judenthum das „Reacha" nur für Mitjnden verstanden wird, in der „Israel. Wochenschrift" aufmerksam gelesen hatten, schrieben wir darunter Delru. Der Herr Rabbiner Kroner hat genau nachgewiesen, daß die jüdische Ethik sich auf dem Boden der allgemeinen Nächstenliebe erhebt, aber er schweigt über die Halacha (eigentlich: Gang, daher Sitte, Brauch, Ueberlieferung, Gesetz, Ausgestaltung der Bibel in Lehre und Recht u. dergl. Kr.), die doch für das orthodoxe Judenthum die Hauptsache ist, ,lnd in der Halacha heißt „Reacha" dein „Mitjude". Also entweder oder! Entweder ist uns die Halacha Rcligionsgesetz und Prof.j Stade jhat Recht, oder die jüdische Ethik ist unser Leitfaden und die gejetzestreue Orthodoxie ist im Unrecht. Geniren Sie sich nicht, meine Herren, und sagen Sie es gerade heraus, daß wir nicht auf dem Boden des halachischen Judenthums stehen, und fügen Sie hinzu, daß die Verfügungen der Halacha gegen jüdische Ketzer ebenso barbarisch sind, wie die anderer Kirchen gegen ihre Ketzer. Das Judenthum hat in Kulturländern mit der Halacha gebrochen, weil es mußte, weil die Halacha vielfach mit der jüdischen Ethik in Widerspruch steht". Für die Mittheilung dieser Ansichtsäußerung und seine Randbemerkung dazu, bin ich meinem Freunde von Herzen dankbar, nicht sowohl deshalb, weil die Aeußerung — gleich mehreren anderen jüdischer- und christlicherseits mir gewordenen Kundgebungen — anerkennt, wie ich „genau nachgewiesen, daß die jüdische Ethik sich auf dem Boden der allgemeinen Nächstenliebe erhebt", als vielmehr aus dem Grunde, weil mir nun Anlaß geboten ist, Dinge ausführlicher zu erörtern, die ich in meiner Entgegnung nur andeuten konnte. Ist doch eine solche Erörterung geeignet, wissenschaftliche Wahrheit zu fördern, häßliches Vorurtheil zu beseitigen und die höchste Menschenzier, die Humanität, an dessen Stelle zu setzen. Und nun zur Sache! Der Redakteur der „Deborah", Herr vr. Wise — allem Anschein nach der Verf. obiger Notiz derselben — will meine Entgegnung mit Aufmerksamkeit gelesen haben. Leider vermag ich das nicht in vollem Unifange einzurüumen: mehrere wesentliche Stellen meines Artikels kann Herr Wise nur höchst flüchtig angesehen haben. Zudem ist seine Meinung über die Halacha so eigenartig, den Ergebnissen heutiger ernster Forschung so wenig kongruent, daß ich sie nicht theilen kann. Andernfalls hätte er nicht voll hoffnungsloser Resignation das „Teku“ (das nach gewöhnlicher Erklärung eine Schriftkürzung aus talmudischen Worten ist, welche bedeuten, daß der Th chbitc, der Prophet Elias, die schwierigen Fragen einst lösen werde*) unter meine Entgegnung zu schreiben, von der Prophetie zu erwarten brauchen, was er selbst vermochte. Ein Weiser kann einen Propheten übertreffen, sagt der Talmud (B. batra 12a). Der genaue Nachweis, daß die jüdische Ethik sich auf dem Boden der allgemeinen Nächstenliebe erhebt, genügt der „Deborah" nicht völlig; sie bemerkt, daß ich in meiner Entgegnung über die Halacha schweige. Hatte ich denn Anlaß, auf dieselbe tiefer einzugehen? Alle Spezialien, die Herr Prof. Stade aus dem jüdischen Schriftthum bemängelt, glaube ich gründlicher, als ihm lieb ist, erörtert zu haben, so: R ea (Nächster), G er (Fremdling), Polygamie (Vielweiberei)**); seine *) nvOT rvftwp prv Richtiger ijrn — dipn d. h. sie (die Frage) steht, bleibt unentschieden. Cfr. Levy's Cbald. Wörterb. II. 351a s. V. DD» **) Wie sich doch die Zeiten ändern und — gewisse Professoren- Allüren mit ihnen! In seinen 1849 erschienen „Grundzügen der Erziehungslehre" äußert sich vr. Gustav Baur, Prof, der ev. Theologie au der Universität Gießen, über die „barbarische" Polygamie der alten Israeliten also: „Die Vielweiberei war bei ihnen mehr gestattet, als wirklich herrschend und sowohl zarte Züge individueller Zuneigung der Gatten, wie andererseits die wunderbar hohen Fraucngestalten einer Mirjam, Debora, Hulda u. a. zeigen, daß das Weib hier eine dem übrigen Alterthum fremde Achtung genoß. Damit hängt die eigenthümliche Innigkeit des israelitischen Familienlebens, des Verhältnisses zwischen Vater und Sohn und der Geschwister unter einander eng zusammen; und ein solches Familienleben ist tviedcrum der fruchtbare Boden, die Grundbedingung wahrer Erziehung rc." (S. 25 f.) Ob damals Herr Stade dieser „unverfrorenen" Ansicht seines Amtsbruders oder jüdischer Gelehrten entgegengetreten ist? Ich beztvcifle es stark. Doch getrost! Die s u bj e cti v e Kritik des Einzelnen, sagt D. Strauß (Glaubens-

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