Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 22. (27.5.1886)
- Date
- 1886-05-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 22. Magdeburg, 27. Mai 1886. Iillirj. WH. für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. «n Wöchentlich erscheint je eine Nummer der <b* *t & dlatt»" u.des „Litteraturblatt»' Preis sür alle drei Klätter bei allen Postämtern u. Buchhandlungen S vierteljährlich. Mit directcr Zusendung: jährlich 14 Mark, nach dem Auslände: 16 Mk. (8 fl., 20 Frcs., 8 Rbl., 4 Dollars). Etnzelnumniern der „Wochenschrift" k 26 Pf., des „Litteratur-Llatts" k 16 Ps. des „Familien-BIatts k 10 Pf. Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber: Rabbiner l>r. M. Aahmer in Magdeburg. kür Wahrheit. Pech! und Frieden! «r--» Inserad « für die „Israelitische Wochenschrift",! wie iür das „Jüdische Littcratur-Blatt",! die klcingcfpaltene Petitzeilc oder deren Raum? 2S pf. sind entweder durch die Annonccn- Expeditionen von G. Ij-IData/be Ss Co-, > 3rtiad.ol£ ÜVCosse, Haasengtein Ss ■ Vogler u. 21. oder direct einzusenden an : Die Expedition der „Israeitt. Machen» l schrift" in Magdeburg. .... -& Inhalt: Leitende Artikel: In Sachen des jüd. Religionsunterrichts. Von I. Klingen stein in Ober-Ingelheim. IV. — Briefe aus Oesterreich- Ungarn. I. (Schluß.) — Das praktische Judenthum. II. Der jüdischreligiöse Cultus eine cullltellc Ethik. Von Landrabbiner vr. L. A d l e r s. A. (Fortsetzung). Berichte und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Bromberg. Erfurt. Aus der Provinz Hannover. Aus Rheinhessen. Oesterreich-Ungarn: Prag. Aus Ungarn. Dermifckte und neueste Nachrichten: Magdeburg. Berlin. * Berlin. Zachau. Fürth. Stuttgart. Mkmel. Paris. Paris. Damaskus. Jerusalem. Mittheilungen aus dem ü. O. B. B. Luxemburg. New-Uork. Memphis. Inserate. — Hn Sache« des jüd. Religionsunterrichts. Von I. Kling enstein in Ober-Ingelheim. IV. Unsere wiederholten Betrachtungen würden zwecklos sein, wenn wir nicht darauf hinwirkten, denselben auch einen praktischen Erfolg zu sichern; wenn wir nicht den Versuch machten, Hand anzulegen, um einheitliche Bestrebungen zur Verbesserung der vielfach verwickelten und unklaren Verhältnisse anzuregen. So lange wir die Hände in den Schoß legen, nützen die Klagen Nichts Wie muß die Bildung der jüdischen Lehrer beschaffen sein, wenn sie den Anforderungen an einen gediegenen zeitgemäßen Religionsunterricht genügen sollen? Was kann geschehen, um den Idealismus unter den jüdischen Lehrern zu pflegen und sie zur freudigen Hingebung an ihren Beruf zu veranlassen? Wie kann die Reorganisation des Religionsunterrichts gefördert werden, damit möglichst weite Kreise einen möglichst guten Religionsunterricht erhalten? Gestatten Sie mir, mich zum Schluffe meiner Erörterungen. so weit möglich, über diese Fragen auszusprechen; einige praktische Forderungen zu stellen. Ich komme zunächst wieder auf die Bildung des Religionslehrers zurück. Ein solcher muß, wie ich früher wiederholt erörtert habe, einerseits eingehende Kenntniß von der Bibel und einigermaßen auch von demjenigen jüdischen Schriftthum, dem wir eine actuelle Bedeutung für das religiöse Leben beimessen, sowie von der Geschichte des I u d e n t h u m s und den wichtigsten Bestandtheilen der L i t u rg ie haben. Er muß andererseits wissen, wie er zu unterrichten und an der religiösen Erziehung Theil zu nehmen hat; wie er die Re ligions lehren und^G eb ete aus den genannten Quellen zu entwickeln und zusaminenzufassen, wie er durch den Religionsunterricht zur Religiosität führen, aus Gemüth und Willen einzuwirken hat. Er muß praktisch angeleitet werden, auch zur Ertheilung des Religionsunterrichts. Also — Religion und Pädagogik; in Praxis — Methodik! Da aber die Muttersprache allüberall das vermittelnde Gefäß für unsere Geistescultur ist, während die hauptsächlichsten Wochen- Mai. 1886. Jjar. 5646. Kalender. Donnerstag . 27 22 Omer 37. Freitag. . . 28 23 - „ 38. Sonnabend 29 24 13*103 P. 5. (9,1) „ 39. Sonntag . . 30 25 Neumondcinsegiiung. Montag. . . 31 26 „ 41. Dienstag . . Junil 27 „ 42. Mittwoch . . 2 28 , 43. Donnerstag . 3 29 „ 44. Quellenschriften der jüdischen Religion hebräisch geschrieben sind, auch die hebrä.sche Sprache im öffentlichen Gottesdienste fast ausschließlich gebräuchlich ist, so zwar, daß die gemeinsame Bethätigung des jüdischen Lebens im Gotteshause sich zur Zeit noch fast nur in dieser Sprache vollzieht, so kommen zu den obigen Fächern noch Hebräisch und Deutsch. Daß ich die Bedeutung des übrigen allgemeinen Wissens keineswegs verkenne, ist selbstverständlich. Allein für die vorliegende Frage, für den Religionsunterricht, kommen sie nur insofern iu Betracht, als von ihnen die Erhöhung der geistigen Bildung überhaupt, sowie vielfach auch die Achtung der Schüler und deren Eltern bedingt ist, und als von diesem Wissen die Möglichkeit abhängt, später überhaupt Lehrer, d. h. Volksschullehrer zu werden und eine sichere Existenz sich zu erringen. Für die vorliegende Frage, für den Religionsunterricht, erscheinen uns noch wichtig einige Kenntnisse in der Musik, die Fähigkeit, Unterricht im gottesdienstlichen Gesang zu ertheileu und den Gottesdienst in einfacher, würdiger Weise zu leiten. Hiergegen möchten wir unsere jüdischen Seminarien dringend warnen vor der Ueberhäufung mit Unterrichtsgegenständen, die nicht unbedingt erforderlich sind; vor einseitiger Bevorzugung einzelner Unterrichtszweige. vor der Ueberbürdung mit unfruchtbarem Gedächtnißstoff, die allerdings auch in vielen nichtjüdischen Seminarien häufig ist, obgleich diese den, einen so weiten Raum, so viele Zeit und Kraft in Anspruch nehmenden, hebräischen Unterricht nicht haben. Wortwissen macht den Lehrer nicht. Der jüdische Lehrer muß klar denken, klar sehen, tief fühlen; er muß sich fortbilden, gesundes Streben, Begeisterung für seinen Beruf haben, — und soll darum nicht vollgepropft werden mit tauben Nüssen, mit unverdaulichem Gedächtnißstoff. Sie hemmen die Lust zur Fortbildung, machen matt und müde, stumpfen vor der Zeit ab; bringen den jungen Menschen zu der Einbildung, daß er zuviel wisse für seinen Beruf und führen zu''Unzufriedenheit mit demselben! Daher muß im Seminare — auch im Hebräischen — Maß und Ziel emgehalten werden! Es kommt allüberall nicht auf die Breite, sondern auf die Tiefe,