Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 20. (13.5.1886)
- Date
- 1886-05-13
- Page
- Seite 161 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 161 m solche rechtswidrige, wie inhumane Erscheinungen und Früchte zu Tage- An Stelle des von Gegnern als bedeutende Geistes- und Arbeitskraft anerkannten Rechtsanwalts Emil Lehmann, der nebst einem andern Glaubensgenossen, der in finanziellen Angelegenheiten bedeutend war, durch eine leider einflußreich gewordene Clique bei den vorletzten Wahlen zurückgedrängt worden , sind mehr oder weniger versteckte christlich - sociale, conservativ-antisemitische Elemente getreten, die bei Abstimmungen dem Wunsche ihrer Wortführer uachzukommen bestrebt sind. Doch Alles ist dem Wechsel unterworfen und so kommt ja auch wohl einmal wieder eine entgegengesetzte Strömung. Danzig. Der Gemeindevorstand hat nunmehr definitiv beschlossen, daß der neue Tempel eine Orgel erhalten solle. Bezüglich des neuen Gebetbuches jedoch will man dem Herrn Rabbiner Or. Werner einige Concessionen machen. (Wir werden bei dieser Gelegenheit ersucht, doch eine Zusammenstellung derjenigen Gemeinden zu bringen, in welchen der Gottesdienst mit Orgelbegleitung stattfindet. Wenn diese Zusammenstellung vollständig sein soll, so müssen wir die Leser uns. Bl. ersuchen, uns mit diesbezüglichen Mittheilungen zu unterstützen. Red.) Ikorenz. Der große italienische Patriot Prospero P adu ist nicht mehr! Plötzlich hat ihn, den allerdings schon 75jährigen, der Tod dahingerafft. Als Jüngling Anhänger der „Carbonari", die ein geeintes Italien, wie es jetzt dasteht, anstrebten, war cj 1848 nach Ausbruch der Revolution, Mitglied der provisorischen Regierung. Er gehörte auch zu der Deputation, die an König Karl Albert, Vater des Victor Emanuel, wegen Annahme der Krone entsandt wurde. Nach Niederwerfung der Revolution exilirte Padu. In Turin wollte Cavour ihm verschiedene Aemter des Staates Piemont übertragen, doch Padu lehnte ab und lebte von seiner ärztlichen Praxis. Nach der Einigung Italiens übernahm P. ein Dezernat im Cultusministerium, das er im vorigen Jahre wegen Altersschwäche niederlegte. Dieser große Patriot blieb aber immer ein treuer Sohn des Judenthums. Mehrere pädagogische Aufsätze aus seiner Feder brachte „1'Läuorckors isrkrslita". Das Andenken des Gerechten bleibt zum Segen! IZekgrad. Herr Or. S. Berenfeld, einer der tüchtigsten der gegenwärtigen Hebraisten, durch seine eleganten! hebr. Artikel im „Hameliz" und „Hamagid" weithin bekannt, ist zum Rabbiner an der hiesigen Gemeinde berufen und seine Wahl von der serbischen Regierung, die einen Zuschuß zum Gehalte bewilligt hat, bestätigt worden. (Wir hatten Gelegenheit, diesen geistvollen und gewandten hebr. Stylisten jüngst persönlich kennen zu lernen, das Gespräch kam aus die vom Rabb. vr. Feilchenfeld dem Herrn vr. Goldschmidt ausgestellte mm; Herr Rabb. Dr. Berenfeld erklärte, daß die in der Wochenschrift (Nr. 18) gegebene Uebersetzung der Worte mmi tDStffc 171 '31 3^3 JflJ niTin1? die einzig richtige sei; die von Herrn vr. F. nachträglich gegebene abschwächende Deutung sei durchaus nicht im Geiste der hebr. Sprache. Aehnliche Zuschriften haben wir vielfach erhalten.) Amerika. Die Zusammenkunft einer größeren Anzahl freisinniger amerikanischer Rabbiner, welche im vorigen Jahre in Pittsburg getagt hatten, soll in diesem Jahre in Cincinnati stattfinden und zwar am 28. Juni. Mittheilungen aus dem U. O. B. B. E. Magdeburg. Wir haben wiederum die erfreuliche Thatsache zu verzeichnen, daß der Stamm des II. 0. B. B. einen neuen kräftigen Zweig angesetzt hat. Am Sonntag den 9. d. M. fand in Ratibor (Oberschlcsien) die Jnstallativnsfeier der „Friedens-Loge" statt, die sich zu einem großartigen, Herz und Geist erhebenden, in allen seinen Theilen höchst gelungenen Feste gestattete. Es waren zu demselben außer dem würdigen Großpräsidcntcn Herrn Julius Fenchel aus Berlin, der die Installation persönlich leitete, Delegirtc von allen schlesischen Logen, von den 3 Berliner Logen, sowie von der Mendelssohn-Loge anwesend und außer diesen die stattliche Anzahl von über 70—80 Gästen aus Nah und Fern. Der officielle Theil der Installation begann mit der Aufnahme und Einführung der 30 neuen Brüder unter üblichem Ritual, worauf der Großpräsident mit einer von Herzen kommenden inhaltsreichen Rede die dem Frieden und der Humanität gemeihete Früchte unter dem Hinweise, daß in ihr die Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht im weitesteil Sinne des Wortes geübt werden möge, ihrem Zwecke übergab und Namens der Distrikts-Großloge die herzlichsten Wünsche für das Gedeihen der neuen Loge aussprach. Hierauf überbrachten Exp r. S ing er - Berlin, Namens der Deutschen Reichsloge, Bicepr. May-Berlin Namens der Berthold Auerbach- und Montefiore-Loge, Expr. Dr. Rahmer - Beuthen Namens der Mamreh- Loge, Expr. Dr. Mattersd orf- Gleiwitz Namens der Humanitätsloge, Expr. Kuhn-Breslau Namens der Lessingloge, Deleg. Kleem a nn-Kattow'tz Namens der Concordialoge, Pr. Pro skaucr- Krcuzbnrg Namens der Caritasloge. Deleg. E l kan - Magdeburg Namens der Mendelssohn-Loge in angemessenen Ansprachen die innigsten Glückwünsche. Außerdem liefen von allen deutschen Logen telegraphische Gratulationen ein. Der Präsident der Fricdenslogc. Herr S. Hirsch, dankte den Delegirten für die Wünsche ihrer Logen und den Gästen für ihr zahlreiches Erscheinen. Zum Bicepräs. wurde Rabb. Dr. Fried gewählt, zum Prot. Secr. Louis Wachsner, zum Finanzsecr. I. May, zum Schatzmeister der Bankier Ein Schneider, Mentor: Ferd. Mundo w s k y und Marschall: N. Zweig. Anl Abend vereinigten sich die neuaufgenommenen Brüder und die Gäste im Hotel Brock zu einem solennen Festmahl, woran sich über 100 Personen betheiligten, welches außer den lucullischen auch viele geistige und musikalische Genüsse darbot. Der Präsident der Friedensloge brachte den ersten Toast auf den deutschen Kaiser aus, worin sämmtliche Anwesende jubelnd einstimmten, begeistert den ersten Bers der Nationalhymne singend. Bicepr. Rabb. Dr. Fried ergriff sodann das Wort und toastete auf die Constitutions-Großloge, Dr. Rahmer- Bcuthen auf die Friedensloge und die Concordia-Loge als Mutter derselben, Oberamtmann Cohn-Ratibor auf die Gäste, Spitz-Cosel auf den Präsidenten der Humanitasloge, Herr Stein und auf die 3 Herren Cohn, welche sich um die Gründung der Friedensloge sehr verdient gemacht. Wol ff-Beuthen trat in gebundener Rede für den Leichtentrittschen Logen-Waisenhaus-Fvnds ein. Singer- Berlin toastirte in humoristischer Weise auf die Brüder, Steinitz-Beuthen auf den Großpräsidenten, Dr. Hill er-Gleiwitz auf den Frohsinn; Obcringenienr Cohn in einem sinnreichen Gedicht auf die Gäste. Mit den Tischreden wechselte der Gesangsvortrag zahlreicher auf die Logen, den Orden, die Brüder und deren Frauen sich beziehende und von Ratiborer Brüdern eigens zu dem Feste gedichteten Lieder, welche die heiterste Stimmung hcrvorbrachten, die auch bis zum Schluß des Festes, Morgens 5 Uhr, ununterb rochen anhiclt. Eine Sammlung zuur Logen-Waisenhaus-Fonds ergab die Summe von 265 Mark. Was das Logcnlocal (Bahnhofstr. 10 im Hause des Hrn. Breitbarth) betrifft, so dürfte dasselbe wohl eines der schönsten unserer Logen sein, dessen hochelegante Einrichtung von Spenden der Ratiborer Brüder herrührt. Der wöchentliche Bersammlungsabend ist Donnerstag 8l/2 Uhr. Wie Schlesien die „Perle in Preußens Königskrone" genannt wurde, so verspricht die „Fricdenslogc" in Ratibor eine der Perlen unter den oberschlcsischcn Logen zu werden; möge sie ihrem Rainen stets Ehre machen und dem gcsannnten Orden zur Zierde gereichen! Berlin, 10. Mai. (Or. - Corr.) Wie bekannt, existirt hier seit einigen Jahren ein Verein für häusliche Gesundheitspflege, der sich ganz besonders die sog. „Ferien - Colonicn" (Versendung schwächlicher und kränklicher Schulkinder ivährend der Ferien auf's Land unter Aufsicht von Lehrern) angelegen sein läßt. Bisher haben jüd. Schulkinder von dieser Wohlthat nur geringen Gebrauch machen können, da das betr. interconsessionelle Comitö, keinen Unterschied in der Religion des Kindes machend, die rituelle Beköstigung jüd. Kinder nicht berücksichtigen konnte. Diesem Mangel abzuhclfen, haben die hiesigen Bnei Brith-'Logen sich vereint und auf eigene Kosten jüdische Ferien - Colonien arrangirt, was ja sehr löblich war, aber immerhin dem Vorurtheil, daß die Juden von allgemeinnützigen Institutionen sich lostrcnnten, neue Nahrung bot. Nunmehr aber ist es dem eifrigen Bemühen unseres Br. S. Simmel gelungen, das Comit« des „Berliner Vereins für häusliche Gesundheitspflege und Ferien-Colonien" (Vorsitzende: die Stadträthe Eberty und B orchardt)-von dem wahren Sachverhalt zu überzeugen, so daß dasselbe in richtiger Erkenntniß seiner humanen Aufgabe den sehr erfreulichen Beschluß gefaßt hat, von nun ab auf die Religion der Kinder Rücksicht zu nehmen und solche jüdische Kinder, die rituell beköstigt sein sollen, zur Sommerfrische bei jüdischen Familien unterzubringen.' Das ist in der That der richtige Ausweg. Wir können diesen, echte Humanität und Toleranz innig mit einanoer verbindenden Beschluß nur freudig begrüßen und können dem so edle Ziele verfolgenden Comitü unfern Dank nicht besser ausdrücken, als indem tvir zu zahlreichen Beitragszeichnungcn zu dem segensreichen Werke auffordern. Diejenigen jüd. Eltern (zunächst Berlin's), die ihre Kinder in die ^enen-Colomen geschickt wissen wollen, sowie solche jüd. Familien in den Provinzen, die gesonnen sind, Kinder (Knaben oder Mädchen) gegen Bezahlung während der großen Ferien bei sich aufzilnehmen, lverdcn ersucht, ihre Meldungen resp. Bedingungen dem Herrn Sigismund isimmel, Berlin O., Heil. Geiststr. 12, rechtzeitig zükommen zu lassen.