Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 19. (6.5.1886)
- Date
- 1886-05-06
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5369809-9585330-9585493--6200-9585502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Anlage zu Ar. 19 der „Jsr.Nochenschrift Noch ein Stück „Moranr". Wir haben zur Vervollständigung der in der Beilage zur vorigen Nr?) abgedruckten Schriftstücke noch das folgende vom Herrn Bezirksrabbiners Dr. Goldschmidt an Hr. Rabbiner Dr. Feilchenfeld (Posen) rechtzeitig gerichtete Schreiben, welches die von vielen Seiten — auch von u n s Anfangs — vermnthete Möglichkeit eitles aus Gedächtnisschwäche vorliegenden Jrrthums vollständig aus schließt, nachzutragen, damit der unbefangene Leser ein vollständiges Bild der Vorgänge erhalte und sich selbst daraus sein Urthcil bildet, Auf dieses Schreiben bezieht sich auch Herr Or. F. in seiner nachfolgenden Erklärung. „Sr. Ehrwürden Herrn Ra bbiner Dr. Fei lchenfeld Hochgeehrter Herr College! Bon dem Vorstande der Synagogengemeinde zu Erfurt wird mir die Abschrift eines Briefes von Ihnen zugesandt, in welchem Sie erklären. Sie haben mir „niemals ein Ra bbinats-Diplom PtKTlPI mm obereiit an nähern d ähnliches Schriftstück ausgefertigt". In der Voraussetzung, daß diese Ihre Erklärung ausschließlich die Folge eines Gedüchtnißfehlers ist, will ich mir gestatten, Ihrem Gedächtnisse durch einige Daten zu Hilfe zu kommen. — Sie haben mir die in Rede stehende „quasi PIKHPI mm“ ausgestellt, als ich mich um die Rabbinerstelle in Schrimm bewarb, in welcher Gemeinde statutengemäß der Rabbiner im Besitze zweier m*im sein muß. Diese zweite mm nxnH erhielt ich damals von Ihnen, wie Sie auch die Güte hatten, mich noch besonders brieflich in Schrimm auf's Wärmste zu empfehlen. Ich hoffe, dies wird genügen, die Erinnerung an diese Angelegenheit in Ihnen wieder wach zu rufen, widrigenfalls Sie ja durch diese Daten in der Lage sind, durch einen Brief an den Schrimmer Vorstand über diese Angabe Gewißheit zu erlangen. Da Ihre Erklärung: nicht der Autor der dem Erfurter Vorstande von mir präscntirten PlKTin mm zu sein, für mich die Anklage einer Fälschung ist, so sind Sie als Ehrenmann verpflichtet, eventuell diese kleine Mühe einer Eorrespondenz mit Schrimm nicht zu scheuen. Jedoch habe ich die Ehre, Sie genügend zu kennen, um mich der Hoffnnng hinzugeben, daß Ihr sonst so treues und kräftiges Gedüchtniß an diesen meinen Angaben genügende Elemente zur Restauration haben werde. — Indessen bin ich Realist genug, um auch die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, daß Ihre, dem Erfurter Vorstände abgegebene Erklärung, noch eine andere Grundlage als Gedüchtnißschwächc hat. Diese Möglichkeit zu erwägen, bin ich durch den Wortlaut Ihrer Erklärung berechtigt. Sie sagen in dieser nicht: „Ich erinnere mich nicht, jemals dem rc. ein Rabbiner-Diplom re ausgefertigt zu haben", sondern Sie erklären Kategorisch, mir „niemals" eine PIKIIPI mm Oder a n u ü h ern d ü h tt l i ches Schriststück ausgefertigt zu haben". Sie sind also Ihrer Sache ganz gewiß, Sie mißtrauen Ihrem Gedächtnisse gar nicht, obgleich es sich um die Anklage einer Fälschung gegen einen Ihrer langjährigen Amrsbrüder handelt. Ich bin also um jo mehr berechtigt, die obengenannte Möglichkeit auch vorauszusetzeu. Für diesen Fall erlaube ich mir, Ihnen felgende Mittheitung zu machen. — Ich besitze noch die ganze Eorrespondenz, welche ich mit Ihnen zu führen die Ehre hatte; ich besitze noch den Brief. n»t welchem Sie s. Z. die niOin m an mich begleiteten. I» diesem Briese theilen Sie mir sogar eine geistreiche Wendung mit, in welcher Sie mich in Schrimm als „tüchtigen pÜT‘ herausstreichen, was doch auch schon eine Art mm *) 1&S muH daselbst Sp. a 11 natürlich im Nachsatz heißen: “IDlK KP DK "18 ntmn ist. Ich besitze auch noch die ganze Eorrespondenz, welche wir gelegentlich der Liegnitzer Vacanz führten, sogar noch den Original-Brief Ihres Correspondenten Scheret und Salinger, auf dessen Rückseite Sie mir Vorschläge hinsichtlich der Petvfy-„Reclame" machten rc. — Einige dieser Briese, hebräische und deutsche, darunter auch den Begleitbrief der nmin mm habe ich dem Erfurter Vorstande zur Verfügung gestellt, wodurch Ihre Autorschaft der '“TH m wohl objectiv sich constatiren wird. —Vielleicht würde es die Ansicht des Erfurter Vorstandes über die Qualität Ihrer Erklärung doch noch günstig modificiren können, wenn Sie nün noch nachträglich der Wahreit die Ehre geben, und Ihre Erklärung zuruckneymen. — Uebrigens sei zur Beruhiguug Ihres orthodoxen Gewissens bemerkt, daß ich meiner Bewerbung um Erfurt, weder die qu. "TH TIPI von Ihnen beigelegt noch mich daraus berufen habe. Im gelegentlichen Gespräch mit Herrn Director Dr. Wahl kam die Rede auf dieses Schriftstück uuD erst aus Wu ns ch wurde es von mir präsentirt. L>v viel ich weiß, ist meine Wahl durch die Repräsentanten in E. nicht auf Grund dieses Schriftstückes erfolgt, sondern dieses wird nur von den Gegnern meiner Wahl als Mittel gegen diese gebraucht. Da also meine Wahl in E. gar nicht (im orthodoxen Sinne) Ihnen „zur Last" fiele, so dürfte wohl das fps rron P>K1 Dtr hier am Platze sein. — Sv sehr ich hoffe, daß durch eine Zurückziehung Ihrer Erklärung diese Affaire für mich erledigt sein werde, so will ich doch auch bemerken, daß ich keineswegs der Mann dazu bin, der die Verleumdung einer Fälschung ruhig auf sich sitzen läßt. Die Affaire mit Herrn Dr. Hildesheimer würde ein Kinderspiel sein gegen das, was die chronique scandaleuse hier zu verzeichnen bekäme, denn eine T hat suche ableugnen ist doch etwas anderes, wie eine Thatsache widerrufen. — „Ich bin der Mann der bleichen Furcht nicht". — Der Ton dieses Briefes widerspricht ganz und gar den Gefühlen, die ich bisher stets für Sie hegte; allein "KtfKD 'D rtin mm p traj inam inn vs Dp' — und ich sollte in süßlichen Wendungen es überzuckern, wenn ich nichts als Wahrheit fordere? — Wenn sich meine Hoffnungen auf Ihr weiteres Benehmen in dieser Sache verwirklichen, so will ich gern dieses traurige Intermezzo vergessen und verzeihen, — 'Dl p"l2f pK DN8 'D — und auch weiter wie bisher gegen Sie verharren > in Hochachtung und cvllegialer Verehrung Dr. I. Gvldschmidt." ,,P. S. Die Orthodoxie wurde überhaupt besser thun, mich, den Friedfertigen, nicht, in den pädagogischen Bestrebungen für die Religionsschule, die sich doch nicht in anti-orthodoxen Gleisen bewegen, durch klein liche Nörgeleien zu stören. Wenn irgendwo so gilt von unserer Neli gionsschule ÜPK nVPD mNwPI D'L?38 pKlT DipCD- Diese Be strebungen sind, ich weiß cs, der Orthodoxie objectiv auch sympathisch: warum alles durch die Partei-Brille betrachten'? — D. O." II. Aus Hessen erhalten wir die folgende Erklärung des Herril Rabbiners Or. Feilchenfeld, unter der ausdrücklichen Bedingung, uns rcdactivncller Anmerkungen, Berichtigungen rc., — wozu sie ja gar viele Veranlassung giebt, — zu seinem Schriftsätze zu enthalten. Obwohl wir uns sonst in dein, was wir als unsere Redactivuspflichten erachten, von Unberufenen keine Vorschriften machen lassen, kommen wir der Bedingung dennoch nach und zwar aus folgenden Gründen; 1. Weil es andernfalls wirklich recht schade wäre, wenn dieses zur Eharakleristik des moralischen Zustandes der heutigen Orthodoxie überaus wichtige Schriftstück eines ihrer Hauptsührer unveröffentlicht bliebe;