Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 17 (1886)
- Issue
- N° 17-18. (22.4.1886)
- Date
- 1886-04-22
- Page
- Seite 144 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Dieses ist mein geehrter Freund, ehrwürdig ist sein Name durch seine Gelehrsamkeit: unser Lehrer, der Rabbi Israel, der Levite, welcher zur Zeit das Joch des Dienstes in der heil. Gemeinde Briefen trägt und im Munde aller genannt wird: vr. Israel Goldschmidt, sein Licht leuchte! Ich bezeuge vor Allen, welche dieses Schriftstück lesen, öffentlich vor allen Männern, was ich über ihn als glaubwürdiges Zeugniß aus dem Munde hochgeschätzter Männer gehört, auch habe ich ihn ersehen und erkannt zur Zeit, da wir uns besprochen, indem wir lustwandeln gingen zwischen den Furchen des Feldes unserer heiligen Lehre, daß die Weisheit des Gotteswortes in seinem Munde allseitig geordnet und fest begründet, daß in seiner Hand ein Schatz reiner Gottesfurcht sich befindet, daß er voll ist von allen „Gütern seines Herrn", die er in den Tagen seiner Jugend, im Rache Gottes im Zelte seiner großen Lehrer zusammengebracht und eingesammelt hat. Auch ist sein klarer und gerader Verstand ein scharfes Messer, zu verstehen und zu sichten, aufzubauen und einzureißen und ein Thema nach der Halacha zu behandeln. Darum ist es dem Herzen meines genannten Freundes gestattet, zu lehren,*) leichtere Sachen nach der Weite seiner Einsicht und schwere Sachen nnt Hilfe seiner College» und Lehrer, wie das ja üblich ist, und man hat das Recht ihn zu wählen, jede Gemeinde Israels, welche unter dem Schatten seiner Weisheit sich bergen will, darf aus seinem Munde Gesetzesbestimmung verlangen und indem jeder, der das Wort Gottes verlangt, ihm gehorcht, wird jeder an seinen Ort in Frieden kommen. — Dies die Worte dessen, der ein Freund ist aller Gottesfürchtigen und für deren Wohl betet: Seew, Sohn meines Herrn Vaters und Lehrers Eisik Feilchenfeld. Posen der 4te Tag der Woche, der 9ten Nissan 5619." Herr Dr. Feilchenfeld sagt in dem obigen Briefe an den Vorstand: „Daß ich dem von Ihnen genannten Candidaten niemals ein Rabbinats-Diplom, (nxmn HTin), oder ein annähernd ähnliches Schriftstück ausgefertigt habe" — ich frage: ist das hier mitgetheilte ein einer nxmn nnnn *) mmnb, das ist das bezeichnende Wort, es bedeutet: „zu lehren, zu entscheiden" und ersetzt die Formel pT pT iTTP n*H\ davon stammt ja die Bezeichnung des Rabbinerdiploms mit nxmn nnnn, d. h. Erlaubniß zum Lehren, zum Entscheiden. (Darum haben wir auch die betr. hebr- Stelle durch den Druck hervorgehobcn.) Red. „annähernd ähnliches Schriftstück" öder nicht? — Die Antwort überlasse ich getrost dem geehrte,» Leser. — Ja, ob aber dieses Schriftstück von der Hand des vr. Feilchenfeld herrührt und nicht gefälscht ist? — Nun, das Original liegt dem Herrn Redacteur vor.*) Ich weiß nicht, ob diesein vr. Feilchenfeld's Handschrift bekannt ist.**) Ich habe dem Herrn Redacteur daruin auch einiges aus unserer früher ziemlich regen Correspondenz beigelegt, unter anderem auch Postkarten, die durch Poststempel verificirt sind. Ferner auch den Begleitbrief, mit welchem Hr. Dr. Feilchenfeld s. Z. mir dieses Schriftstück zusaildtc. Dieser lautet: „7'ann awunb rt dp Hochgeschätzter Herr College! >'"3 Obgleich mir Ihre Bitte gar uicht augenehm war*), habe ich dennoch meinen Widerwillen gegen Erfüllung derselben überwunden und sende Ihnen beifolgendes Zeugniß, mit dem Wunsche, daß Ihnen dasselbe irgendtvie nützlich werde. Der Ton in der Zuschrift des Herrn Reisner gefällt mir nicht sonderlich, und ivenn das am grünen Tische geschieht (dennoch halte den Herrn für einen braven, aufrichtig frommen Mann) so sollte man glauben, daß in den niaßgebenden Kreisen eine starke Hinneigung zu dem Breslauer Candidaten vorhanden sei. Indessen ^pa rpprw DS pnn •?«. Wenn Sic auf die Stelle reflectiren, dürfen Sie auch in der Form die Herren nicht verletzen. Ich habe, als ich Sie dahin empfahl, dieWendung gebraucht: „,,unb schließlich wistd es wohl einem Rabbiner nicht als Fehler angerechnet werden, daß er ein tüchtiger fna? ist." Mit den besten Wünschen für Erreichung Ihres Zieles und rc. begrüßt Sie mit freundsch. Hochachtung Ihr vr. W. Feilchenfeld." Ich frage nun: I st das Zeugniß, das ich von vr. Feilchenfeld erhalten zu haben behaupte und das er mir verliehen, um es in Schrimm als nnnn zu präsentiren, wenigstens doch ein einer nnnn annähernd ähnliches Schriftstück ist? — man bedenke: annäßernd äynkich! Herr vr. Feilchenfeld behauptet aber in der Zuschrift an den Erfurter Vorstand, er habe mir niemals ein einer nxmn nnnn auch nur „annähernd ähnliches Schriftstück" ausgefertigt — nicht: er er untere sich nicht u. dgl., sondern kategorisch, „er habe es niemals ausgefertigt", und auch kein „annähernd) ähnliches Schriftstück". Er hat inich vor dem Vorstaltde und der gattzcu Gemeinde Erfurt als Lügner und Fälscher hingestellt. Einen Lügner und Fälscher konnte der Erfurter Vorstand nicht gut als Rabbiner bestätigen, zumal, »vie derselbe mir schreibt, Herr vr. Feilchenfeld „bei seiner Weigerung, die gewünschte Auskunft zu ertheilen, geblieben ist" — aber wir fordern Herrn vr. Feilchenfeld, z. Z. Rabbiner in Posen, öffentlich auf, zu erklären: ob die oben abgedruckten, mit seiner Unterschrift versehenen „Schriftstücke" von ihm herrühren, ob sie echt oder gefälscht sind? Sind sie nun aber, wie Herr vr. Feilchenfeld zugestehen muß, wenn er der Wahrheit die Ehre geben will, echt und wahr — was ist dann die Aeyanptnng des vr. Ieitchenfekdr — Und »vie denkt die Posen er Gemeinde, wie der Rabbiner-Verba nd in Deutschland über ein solches Verfahren? vr. I. Goldschinidt, Bezirksrabbitter in Weilburg. *) Wir bestätigen dieses der Wahrheit gemäß nnd sind bereit, Jedem, der es wünscht. Einsicht darin zn gewähren. (Red.) **) O ja, aus früherer directer Correspondenz. (Red.) **) Zur Erläuterung dieses Briefes bemerke ich. daß es sich damals um eine Bewerbung nach Schrimm handelte, vr. Feilchenfeld hatte, wie aus dem Briefe zu ersehen, die Güte gehabt, mich nach Schrimm zu empfehlen. In Schrimm verlangt aber das Gemeinde-Statut, daß der Rabbiner wenigstens 2 va-t-dorurrs besitze. Darum ging ich Herrn vr. Feilchenfeld um eine solche an, die ich, wie aus dem Briefe zu ersehen, z udem genannte nZw ecke erhielt.—Die Gemeinde S ch r i ui in besteht noch. Die Redaction wird die Güte haben, ein Exemplar dieses Berichtes an den Borsta id in Schrimm einzusenden. Der Vorstand von Schrimm ist hiermit im Namen der Wahrheit ersticht, darüber Mittheilmrg zu machen, ob die von mir gemachten Angaben auf Wahrheit beruhen. Im Jahre 5639 waren Vorsteher die Herren Reisner, Kunz und Goldmann. Ferner befinden sich in meiner damaligen Correspondenz — ich vernichte keine Briefe — die Namen Schachno, Mittwoch Friedberg. , G. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.